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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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03.12.07 · 20:20 Uhr
Das Ende der Programme
Kategorie: Medizin
In diesen Tagen ist erneut eine Menge von Stammzellen die Rede. Das ist schön, aber nicht ohne begriffliche Probleme. Denn wer das Gedröne der Ethiker und anderer Bedenkenträger überstanden hat und sich der Wissenschaft zuwenden kann, wird eher unbemerkt von den Fachleuten und den Medien mit einem Wort bedient, das plötzlich so einfach da steht und wichtig wirkt. Dabei bleibt es unbegründet, und es ist nachweislich unsinnig. Gemeint ist Wort von der "Reprogrammierung", das etwa eine Hautzelle über sich ergehen lassen muß, um Stammzelle zu werden. Um es deutlich zu sagen - im Leben laufen keine Programme ab, also auch keine genetischen. Wer mehr wissen will, wird auf den erweiterten Beitrag verwiesen.
Die Idee, daß das Leben genetisch programmiert sein könnte, ist in den 1960er Jahren aufgekommen, als auch die ersten Computer mehr konnten als Wurzelziehen. Keine Frage, Maschinen lassen sich programmieren, aber das Leben läuft nicht wie eine Maschine ab. Es macht keinen Sinn, die Kausalität des genetischen Wirkens durch den Ausruck eines Programms zu beschreiben, und mein Verdacht ist, daß derjenige, der vom genetischen Programm des Lebens spricht, seinen Zuhörern jedes Verständnis verbaut. Wer den Ausdruck "Programm" hört, denkt, er versteht, was gemeint ist, denn bekanntlich gibt es Theater-, Kino-, Fernseh-, Waschmaschinen- und andere Programme, und manchmal sogar eine Programmzeítschrift. Aber das Leben funktioniert anders als der Bereich, in dem der Ausdruck Berechtigung hat, und das einfachste Beispiel, um das zu zeigen, ist das Theater bzw. eine Theateraufführung. Was die Schaupieler dabei machen, ist tatsächlich programmatisch, denn sie haben eine Text - das Stück -, nach dem sie eins zu eins verfahren. Während sie das tun, spielt sich im Publikum zwar auch etwas ab, das regelmäßig jeden Abend stattfindet, aber was die Zuschauer tun, ist nicht programmiert - von wem auch? -, sondern eben nur das - regelmäßig. Was sich im Leben abspielt, wenn es heranwächst, ist ganz sicher regelmäßig. Warum geben wir nicht zu, daß wir die Regeln nicht kennen, und schwätzen statt dessen von Programmen, die ablaufen? Stammzellen sollen und können nicht reprogammiert werden. Wenn sie uns nützen sollen, müssen wir uns etwas Besseres einfallen lassen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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