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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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21.11.07 · 09:46 Uhr
Romantisches
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur
Wer über die andere Bildung schreibt - damit ist das gemeint, das sich von den Naturwissenschaften für einen Dialog eignet -, hat von der einen Bildung gehört, die ihr als das Andere gegenübersteht, und er findet überhaupt, daß es zu jedem Stück ein Gegenstück gibt - zum Tag gehört die Nacht, zur Frau gehört der Mann, zum Bestimmten gehört das Unbestimmte, zum Bewussten das Unbewusste, und so könnte man noch lange fortfahren, um einen Gedanken auszuführen, der zum ersten Mal in der Epoche unserer Kultur systematisch aufgenommen wurde, den wir als Romantik bezeichnen. Nun hat Romantik in diesen Tagen Konjunktur, weshalb es einem Vertreter der anderen Bildung unbegreiflich bleibt, daß das eigentliche romantsche Tun kaum erwähnt wird. Gemeint sind die Naturwissenschaften, wie im erweiterten Eintrag vorgeführt und nachgewiesen wird.
Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Aussehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, romantisiere ich es.So kann man es bei Novalis nachlesen, und diese Worte gelten als die beste Definition des Romantischen. Dann ist aber die Naturwissenschaft ungeheuer romantisch - und damit ungeheuer aufregend. Schauen wir dazu die einzelnen Wendungen - allerdings nicht in des Dichters Reihenfolge - an:
Dem Gewöhnlichen einen ein geheimnisvolles Aussehengeben - das passiert, wenn Licht als Welle und Teilchen verstanden wird. Licht ist gewöhnlich, und etwas, das Welle und Teilchen zugleich ist, wird geheimnisvoll.
Dem Bekannten die Würde des Unbekanntengeben - das macht Naturwissenschaft immer, etwa wenn sie das bekannte Fallen eines Apfels durch das unbekannte Gravitationsfeld der Erde erklärt.
Dem Endlichen den Schein des Unendlichengeben - das tut zum Beispiel die Quantenelektrodynamik, wenn die die simple Reflexion von Licht an einer Spiegelfläche deutet (Details etwa in Richard Feynmans Buch blockquote>QED)
Damit bleibt noch,
dem Gemeinen einen hohen Sinngeben. Aus dem Grunde betreiben wir das gemeine Handwerk der Wissenschaft, um den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Das ist der hohe Sinne der kleinen Dinge.
Autor: Ernst Peter Fischer· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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