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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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- 100 - und kein bischen gebildet8 Kommentare· 21.12.08
- Keine Bildung, nirgends3 Kommentare· 16.12.08
- Gene und Verlierer4 Kommentare· 16.12.08
- Geschichte ohne Zukunft1 Kommentar· 11.12.08
- Akademie, aufgestellt0 Kommentare· 10.12.08
Kommentare
- Ingo Bad-ing · 12.06.09 · 06:58 Uhr Gene und Verlierer
- Harro Haufe · 22.04.09 · 14:41 Uhr Zahlen sprechen - aber richtig
- Andy · 26.03.09 · 13:16 Uhr 100 - und kein bischen gebildet
- Walter Schmidt- Licht · 04.01.09 · 15:35 Uhr Der Katz und die Katze
- presonic · 23.12.08 · 09:27 Uhr Keine Bildung, nirgends
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21. Dezember 2008
100 - und kein bischen gebildet
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Das ist mein 100. Blog-Beitrag unter dem Titel "Die andere Bildung", und es wird der letzte sein. Zum einen möchte ich im kommenden Jahr mehr auf das Haupthema der Evolution eingehen - geplant ist etwas unter dem Titel ANTISELEKTION, wenn es gefällt
-, und zum anderen werde ich bis zum 18. Januar in Westafrika sein.
Nun noch einmal zur Bildung bzw. ein paar mal zu diesem Thema:
Neulich im Seminar - es geht um "Madame Bovary" und ihren Ehebruch (was für ein schreckliches Wort), bei dem ja zudem die Gefahr einer Schwangerschaft besteht - "Warum nimmt Emma nicht die Pille?" fragt eine Seminaristin. Wer jetzt lacht, sollte sich überlegen,ob er oder sie sagen kann, wann, wo und wie die nötige Hormonchemie begonnen hat.
Neulich im Radio - es geht - im Winter - um Sonnenschutzcremes mit Nanopartikeln. Eine sich selbst kritisch nennende Wissenschaftlerin warnt vor Gefahren, wenn diese Partikel durch kleine Hautritze in Zellen gelangen "und dort den Gencode ändern". Au - tut das weh. Ein weiteres Beispiel für fachliche Unbildung im erweiterten Text.
Autor: Ernst Peter Fischer· 21.12.08 · 12:36 Uhr· 8 Kommentare
16. Dezember 2008
Keine Bildung, nirgends
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Genforscher kümmern sich um Gene, die es sicher irgendwo gibt. Zellforscher kümmern sich um Zellen, die es ebenfalls irgendwo gibt. Und was machen Bildungsforscher? Sie beweisen uns unentwegt, daß es den Gegenstand, um den sie sich zu kümmern haben, gar nicht gibt. Ich habe einen Vorschlag - statt nach Bildung zu suchen, sollten sie sie vermitteln bzw. sich selbst etwas von dieser Qualität aneignen. Dann kämen sie auch nicht auf die Idee, dem Publikum durch Verwirrspiele mit Sekundarstufen und Konzepten wie Beschulbarkeit (ein grauenhaftes Wort) und Kompetenzdimensionen ein X für ein U vorzumachen und dauernd neue Bildungskandale zu vermessen (vgl. FAZ vom 16.12.08, S. 37). Ich kann die Bildungsstatistiken nicht mehr ertragen, in denen mir mitgeteilt wird, daß ein Bildungsforscher festgestellt hat, daß 26,4% von Schülern mit einem 45%tigen Migrationshintergund bei einem Teil der Kernkompetenzen in Flächenstaaten 2,56 mal besser abschneiden, wenn sie regelmäßig Regelschulen besucht haben - oder so ähnlich. Es wäre besser, die Kinder zu unterrichten, als sie dauernd zu zählen. Das ist viel leichter und dummerweise auch populärer (was ich als kleinen Bildungsskandal betrachte). Wenn ich Lehrer wäre - ich glaubte keiner Statistik über Bildung. Sie kann man ebenso wenig messen wie die Zuneigung, die Schülerinnen und Schüler zu ihren Lehrern fassen. Auf sie kommt es aber an.
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.12.08 · 09:07 Uhr· 3 Kommentare
Gene und Verlierer
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Was früher einmal Siegermentalität hieß, nennen die Verantwortlichen heute das Sieger-Gen, und es ist völlig klar, daß der FC Bayern München das hat. So kann man es im Fernsehen hören, wenn die Bayern wieder einmal Dusel hatten und in der Nachspielzeit durch ein Abseitstor den Sieg errungen haben. Und so kann man es heute in der Zeitung (FAZ vom 16.12.08, S. 30) lesen, wobei betont wird, daß das Gen zum Verein gehört und in ihm spürbar wird. Wie man jetzt etwa Herrn Beckenbauer erklären soll, was Gene wirklich sind und können, hat man keine Chance mehr. Die besteht auch nicht beim ZDF, das nach dem Tod eines Schauspielers, der einen Kommissar gespielt hat (Tappert als Derrick), erneut betonte, daß Derricks Assistent nicht sein Nachfolger werden konnte, da er ja das Assistenten-Gen in sich trug bzw. trägt. Demnächst erfahren wir sicher, daß es ein Intendanten-Gen oder so etwas gibt, und vielleicht stellt der Herr das selbst in der Wissenschaftssendung seiner Anstalt vor. Dann werden wir endgültig, was wir längst schon sind, Verlierer im Verständnis von Wissenschaft.
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.12.08 · 08:57 Uhr· 4 Kommentare
11. Dezember 2008
Geschichte ohne Zukunft
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
In Berlin gibt es ein Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, das bei seiner Gründung im letzten Jahrtausend durch die Idee auffiel, die Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft selbst nicht schreiben zu wollen. Das sollten andere Institutionen machen. Der Hinweis, daß die Deutschen auch nicht auf Engländer warteten, die ihre Geschichte schrieben, nutzte ebensowenig wie die Bemerkung, daß die Menschen nicht auf Außerirdische warten, um die Geschichte unserer Art erzählt zu bekommen.
Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte ist unter anderem gegründet worden, um die riesigen Lücken in unserer Geschichtsschreibung zu schließen, die durch das Fehlen von Wissenschaft dort unübersehbar sind. Doch daran scheint man in Berlin nicht interessiert zu sein. Stattdessen veranstaltet man Ausstellungen - über Ausstellungen - und prüft deren Haltbarkeit im virtuellen Raum, d.h. man fummelt am Rechner herum und nennt das Wissenschaftsgeschichte. Das ist solange Blödsinn, solange uns niemand die Wissenschaftsgeschichte erzählt. Das Max-Planck-Institut lässt uns im Stich.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11.12.08 · 08:43 Uhr· 1 Kommentar
10. Dezember 2008
Akademie, aufgestellt
Kategorie: Kultur
Der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften teilt im Veranstaltungsverzeichnis für das Jahr 2009 der von ihm geleiteten Institution mit, die Akademie sei "eine breit aufgestellte, stark vernetzte Einrichtung am Wissenschaftsstandort München", und solch ein Satz - solch ein Statement - wird vielen Politikern gefallen. Die gewählten Worte zeigen aber nur, daß der Herr Präsident entweder kaum noch Deutsch kann oder seine Akademie mit einer Militärorganisation verwechselt. Kompanien haben Standorte, und an denen können sie sich aufstellen. Daß das Wort in der Parteienlandschaft vor Wahlkämpfen benutzt wird, kann man ja noch durchgehen lassen. Aber bei Akademien rücken keine Truppen in Feindesland vor. Immerhin gelingt es dem Präsidenten, das Wort Netzwerk zu vermeiden. Oder gibt es einen hochgelehrten Professor in Bayern, der verstanden hat, daß das englische network nichts anderes als ein Netz meint?
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.12.08 · 11:14 Uhr· 0 Kommentare
08. Dezember 2008
Ein gefährliches Spiel mit Planck
Kategorie: Kultur
In Deutschland gibt es einen Orden für Verdienste - den Orden Pour Le Mérite -, der öffentliche Sitzungen abhält, an denen wahrscheinlich keinerlei Öffentlichkeit vertreten ist. Wie dem auch sei - zum Jahresende verschickt der Kanzler des Ordens, der so eine Art Adelsgesellschaft darstellt, einen Band mit den Reden, die auf der öffentlichen Sitzung gehalten worden sind, und ein Exemplar davon ist mir in diesen Tagen zugegangen (warum ich zu den Empfängern gehöre, ist mir unbekannt). Eine der Reden stammt von einem Betriebswirt aus Bonn, der meint, sich in dem Jahr, in dem die 150. Wiederkehr des Geburtstages von Max Planck gefeiert werden konnte, sich über diesen großen Mann äußer zu können, der auch einmal Ordenskanzler war. Der Betriebswirt hält es für angemessen, die Frage zu stellen, "War das Verhalten des ... Ordenskanzlers Max Planck in den Jahren von 1933 bis 1945 rational?" Mehr zu diesem unsinnigen Ansatz und seiner hochnotpeinlichen Durchführung im erweiterten Text.
Autor: Ernst Peter Fischer· 08.12.08 · 19:29 Uhr· 0 Kommentare
05. Dezember 2008
Feierstunde
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Die FAZ hat gefeiert - seit 50 Jahren gibt es die Beilage "Natur und Wissenschaft", und wir gratulieren herzlich. Merkwürdig ist, daß die Jubiläumsausgabe mit einem Aufsatz des Wissenschaftsmamagers Joachim Treusch beginnt, der im ersten Satz zeigt, daß entweder der Autor oder die Redaktion nicht so recht mit der deutschen Sprache umgehen kann: Dort steht nämlich, daß die Wissenschaft ein halbes Jahrhundert gebraucht habe, "bis sie gelernt hat, was ihr lange fehlte: den Willen zum Dialog". Der Satz ist nicht nur grammatisch falsch. Er ist auch inhaltlich unstimmig und dient Treusch nur, die vielfältigen Aktivitäten zu rechtfertigen, die allgemein als PUS - public understanding of science" bezeichnet und von ihm mitbestimmt werden. Wenn das Angebot der FAZ zum Dialog Jahrzehnte älter ist als die PUS Initiative, dann ist entweder PUS überflüssig, oder die FAZ und die, die es ihr nachgetan haben, haben versagt. PUS heisst doch nur, daß die Leute - wie Treusch -, die Jahrzehnte keinen Dialog führen konnten, nun mehr Geld bekommen, um den Karren erneut in den Dreck zu fahren, nur mit mehr Schwung und besser verwaltet. Ein Dialog kann dann doch nicht zustande kommen, wenn der Wille dazu organisiert werden muss. Den Willen muss man selbst haben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 05.12.08 · 08:42 Uhr· 2 Kommentare
Der Widerling
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Wer bei Burda bloggt, bekommt (ab und zu) das Magazin SEED, das im Untertitel die schöne Behauptung aufstellt, SCIENCE IS CULTURE. In der Dezemberausgabe 2008 findet man den Genforscher und Unternehmer Craig Venter auf dem Titelbild. Im Heft selbst findet sich sein Beitrag mit dem Totel BIGGER, FASTER, BETTER, der wohl an den Geist der Olympischen Spiele erinnern soll - Schneller, höher, weiter. Venters Beitrag ist widerlich und selbstherrlich. Der Mann selbst ist es auch. Er hat die (wissenschaftliche) Welt mehrfach betrogen, in dem er zum Beispiel sein eigenes genetisches Material in die Regaszgläser geschmuggelt hat, mit denen zum Jahtausendwechsel das humane Genom freigelegt werden sollte. Er hat auch genau gewusst, daß nicht einmal 20% der Genoms bekannt war, als er - zum Wohle seiner Aktienkurse - davon sprach, das Projekt stünde vor dem Abschluss. Venter ist ein Widerling, der in einer Gesellschaft, die vor allem kommerziell interessiert ist, Aufmerksamkeit erregt. Er hat sie nicht verdient. Sein Aufsatz in SEED ist voller Unsinn. Von einer Kultur kann keine Rede sein.
Autor: Ernst Peter Fischer· 05.12.08 · 08:33 Uhr· 2 Kommentare
23. November 2008
Vordenker und Vormacher
Kategorie: Kultur
Das merkwürdige Magazin CICERO hat herausgefunden, wer "Deutschlands wichtigste Vordenker" sind (Ausgabe 10/2008). Wenn man mir den Auftrag gegeben hätte, die dazugehörigen Listen von Philosophen, Naturwissenschaftlern, Historikern, Gesellschaftswissenschaftlern und Wirtschaftsexperten zusammenzustellen, hätte ich bei den Fernsehredaktionen angerufen und gefragt, wen man da (weswegen auch immer) kennt und einlädt. Wahrscheinlich wären dieselben Namen dabei zustande gekommen. Die von CICERO genannten Vordenker sind vor allem Vormacher, die schon lange nicht mehr durch Nachdenken auffallen. Als oberster Wirtschaftsexperte wird ein Herr Sinn gefeiert, der gerade erst viel antisemitischen Unsinn über Bankenkrisen abgesondert hat; als wichtigster Gesellschaftswissenschaftler tritt uns Ralf Dahrendorf entgegen, der in den 1960er Jahre das Ende der Literatur verkündet hat, weil das die Soziologie so viel besser kann. Zu den wichtigsten Historikern zählt das Magazin den ZDF-Filmemacher Guido Knopp und den Professor H.U Wehler, der gerade erneut bewiesen hat, daß für ihn Geschichte stattfindet, ohne daß es der Wissenschaft bedarf. Und so weiter. Was besondern albern ist: Während Philosophen und andere Vordenker als "wichtig" klassifiziert werden, erhalten Naturwissenschaftler das Attribut "prominent". Wichtig sind sie also nicht. Über diese Ansicht sollten die Vordenker einmal nachdenken.
Autor: Ernst Peter Fischer· 23.11.08 · 12:30 Uhr· 0 Kommentare
17. November 2008
Sex nicht im, sondern bei Fliegen
Kategorie: Naturwissenschaften
Vor ungefähr einhundert Jahren hat der Amerikaner Alfred Sturtevandt zum ersten Mal beschrieben, wie Fliegen - konkreter: Fliegen der Sorte Drosophila - zum Sex kommen - das Männchen entscheidet, einem Weibchen den Hof zu machen (durch einen Balzgesang), und das Weibchen entscheidet, ob ihr das Wahrgenommene zusagt und sie ihren Vaginalapparat öffnet oder wegfliegt. In den Jahrzehnten danach haben Genetiker um Seymor Benzer zahlreiche Mutanten gefunden, die das skizzierte Verhalten irgendwie nicht ganz auf die Reihe kriegen (von denen eine nach erfolgreicher Kopulation stecken bleibt). In den letzten Jahren haben immer mehr Biotechnologen einen Blick auf die neuronalen Schaltkreise geworfen, die das Paarungsverhalten und die dazugehörigen Entscheidungen steuern. Und in diesen Tagen konzentriert sich eine Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science (die vom 7.11.08) auf die Biologie des Vögels der Fliegen. Und wie fängt der Aufsatz an: "It is still early days...". Na, da können wir ja gespannt sein, wie lange es dauert, bis die Wissenschaft weiß, was wir zu machen haben, um zum Ziel zu kommen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.11.08 · 19:12 Uhr· 0 Kommentare
11. November 2008
Die Lichtigkeit des Seins
Kategorie: Naturwissenschaften
Nein - das ist kein Fehler in der Überschrift, da fehlt kein e, um eine Leichtigkeit des Seins entstehen zu lassen. Es geht um den Titel eines Buches von Frank Wilczek, das im amerikanischen Original "The Lightness of Being" heißt und die Doppeldeutigkeit aus der ersten Silbe des zweiten Wortes bezieht. Es geht dem Nobelpreistäger Wilczek darum, aus masselosem Licht Masse werden zu lassen und damit die reale Lichtigkeit der materiellen Seins zu verstehen. Sein Buch lohnt eine langsame Lektüre, die trotz vieler Witzchen nicht einfach ist. Das Schöne an seinem Buch besteht darin, daß sein Autor es versteht, deutlich zu machen, daß Quarks zwar als Teilchen vorgestellt werden, es aber nicht sind und eine andere Form von Wirklichkeit darstellen. Sie werden zusammengehalten von anderen Partikeln (Gluonen), die NUR noch Lösungen von Gleichungen sind: "Gluonen sind die Objekte, die den Gleichungen für Gluonen genügen." An dieser Stelle löst die der Unterschied zwischen der Welt (it) und unserem Wissen über sie (bit) auf. Das Sein (Its) des Seins ist die Information. Gut zu wissen. Jetzt sollte uns ein Licht aufgehen - die Lichtigkeit des Seins.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11.11.08 · 11:29 Uhr· 0 Kommentare
10. November 2008
Widerliche Wissenschaft oder widerspenstige Wissenschaftlichkeit
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Nein - die Wissenschaft selbst ist nicht widerlich. Widerlich ist hingegen, was oft aus kommerziellen oder anderen Gründen mit der Wissenschaft gemacht wird. Zum Glück gibt es jetzt ein glänzendes Buch mit dem Titel BAD SCIENCE, in dem der Brite Ben Goldacre (London 2008) darüber berichtet. Er packt den Stier direkt bei den Hörern und prüft schlicht und einfach nach, was die vielen TV-Experten über richtige Nahrung und alternative Medizinchen im Namen der Wissenschaft verkünden. Sie lügen das Blaue vom Himmel herunter, und sie können das tun, weil sie sicher sind, daß niemand in eine Bibliothek geht - vor allem nicht die und dauernd auf Recherche sein vorgaukelnden TV-Redakteure -, um ein Zitat zu finden oder zu prüfen. Wir amüsieren uns nicht nur zu Tode, wir lassen uns auch von hirnlosen (leider nicht harmlosen) Rhetorikwissenschaftlern belügen, bis wir selbst den Glauben an den Glauben verloren haben. Apropos Glauben - ich kann mich vor Einladungen, über den lieben Gott zu sprechen, nicht retten. Hängt da etwas zusammen?
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.11.08 · 09:13 Uhr· 3 Kommentare
04. November 2008
Präsidiale Wissenschaft
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Falls jemand meine Notizen vermisst hat - ich war entweder unterwegs, um mein neues Buch - Das große Buch der Evolution - vorzustellen, oder mit dem Herumtragen meiner Enkel beschäftigt und laboriere jetzt an meinen Rückenschmerzen herum. Unabhängig davon wählen die Amerikaner heute ihren neuen Präsidenten, und schon seit Wochen stellen viele Wissenschaftsjournale ihren Lesern vor, welche Einstellung welcher Kandidat zu welchem Thema hat, bei dem Wissenschaft mitmischt (Energie, Kernkraft, Umwelt, ...).
Reden wir in Deutschland jemals über Wissenschaft, wenn gewählt wird?
Inzwischen fangen einige Professoren in den USA an, sich buchlang Gedanken über die Frage zu machen, was ein Präsident zum Beispiel über Physik wissen muss: "Physics for Future Presidents" heißt das Buch, das Richard A. Muller von der UC Berkeley geschrieben hat.
Ein schönes Quiz für alle: Welche wissenschaftliche Sachverhalte bzw. Zusammenhänge muss ein regierender politischer Manager haben: Welches Wissen braucht die Macht? Auf Antworten warte ich gerne. Vielleicht wird dabei der Rücken besser.
Autor: Ernst Peter Fischer· 04.11.08 · 12:13 Uhr· 6 Kommentare
21. Oktober 2008
Fast alles
· Kommentare: 1
Die Welt bleibt offen, solange wir sie erkunden. Wissenschaft ist das, was man nie zu Ende bringen kann - so dachten nicht die gelobten Aufklärer (um Kant), sondern die beargwöhnten Romantiker, zum Beispiel Wilhelm von Humboldt. Und dieser romantische Zug der scheinbar nüchternen Wissenschaft trat im 20. Jahrhundert immer deutlicher hervor. Erst zeigte Gödel, daß sich in endlichen Systemen Sätze formulieren lassen, die unbeweisbar bleiben (und dabei wahr sein können). Dann zeigte Turing, daß eine Rechenmaschine nie wissen kann, ob sie mit ihrer Aufgabe in endlich vielen Schritten zurande kommt. Und in diesen Tagen konnte David Wolpert zeigen, daß wir niemals eine "Theory of Everything" haben können, sondern bestenfalls auf eine Theorie hoffen können, die fast alles erfasst. Wolpert zeigte, daß das physikalische Universum nicht vollständig durch ein mit Schlußfolgerungen operierendes System verstanden werden kann, das sich in ihm befindet. Mit anderen Worten - so groß die Maschine am CERN auch ist, selbst wenn sie perfekt funktioniert, werden wir mit ihrer Hilfe nicht alles erfahren - und eine noch größere haben wollen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 21.10.08 · 08:52 Uhr· 1 Kommentar
Kein Recht auf Bildung
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Der Bildungsgipfel steht vor der Tür, und nun überschlagen sich die Kommentare, die auf die Bedeutung von Bildung hinweisen. Dabei geht es darum gar nicht. Es geht um das, was Schulen treiben, und das ist keine Bildung, sondern einfach Unterricht. Und wenn die Gewerkschaften nun Plakate anbringen, auf denen ein Recht auf Bildung konstatiert wird, dann zeigen sie nur, dass sie seit dem 18. Jahrhundert geschlafen haben. Der preussische Staat hat damals kein Schulrecht, sondern eine Schulpflicht eingeführt, und zwar aus gutem Grund. Diejenigen, die heute ihr Recht auf Bildung einklagen, würden nämlich nicht zur Schule gehen, wenn sie nur das Recht dazu hätten. Man muss die Leute zu ihrem Glück zwingen, also zum Unterricht. Und wenn dabei jemand eine Ahnung von dem bekommt, was wir als Bildungsgut kennen, wird er sich - von ganz alleine - verpflichtet fühlen, mehr davon zu ergattern. Bildung wird ihm oder ihr zur innerer Pflicht, weil sie Lust bereiten kann.
Autor: Ernst Peter Fischer· 21.10.08 · 08:43 Uhr· 4 Kommentare
20. Oktober 2008
Nobelpreise der besonderen Art
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Anfang Oktober wird verkündigt, wer die Nobelpreise bekommt, und Ende Oktober haben wir schon vergessen, wer im Dezember nach Stockholm darf. Wir behalten als Deutsche natürlich den Deutschen, und wir erinnern uns vielleicht an den Amerikaner, der zu Hause bleiben muss. Gemeint ist Robert Gallo, der einstmals sicher war, über das HI-Virus zum Nobelpreis zu kommen, dem dafür jedes Mittel recht war und den man jetzt bedauert. Ist das wirklich a) nötig und b) in der Öffentlichkeit ausreichend erörtert? Hier verschenken die Medien ebenso spannenden Stoff wie den, den es am 2. Oktober an der Harvard Unversität zu besichtigen gab, als die Ig-Nobel-Preise verliehen wurden - für die Untersuchungen von Cola-Spülungen als Mittel der Geburtenkontrolle, von Placebo-Effekten durch Preisschwindel, durch den Nachweis, daß Männer doch wissen, ob Frauen ihre fruchtbaren Tage haben (gemessen durch das Trinkgeld, das Stripperinnen bekamen), und noch einiges mehr. Alles wunderbar zu erzählen, alles Wissenschaft zur Unterhaltung - aber wenn wir in die Röhre schauen, sehen wir nur Gottschalks Bemühungen, sein Grinsen so auszudehnen, daß er ein Brot quer essen kann. Alles vertane Zeit.
Autor: Ernst Peter Fischer· 20.10.08 · 11:21 Uhr· 1 Kommentar
14. Oktober 2008
Sprachspiele
· Kommentare: 1
"Achtung!", so stand auf einem Schild zu lesen: "Wer sich auf meinem Grundstück ungeschützt bewegt, muss mit Strahlenschäden rechnen." Was beim ersten Hören oder Lesen gefährlich klingt und eigentlich nach einem Strahlenschutzbeauftragten verlangt, drückt anders formuliert etwas Harmloses aus. Der Satz besagt nämlich nur, daß Menschen, die nackend auf dem Rasen in der Sonne spielen, einen Sonnenbrand bekommen können.
Der australische Journalist Karl Krusnelnicki hat 2005 eine "Mysteriöse Killerchemikalie" ausfindig gemacht. Es handelt sich um Dihydrogenmonooxid, abgekürzt DHMO. Sie findet sich in allen Krebsgeweben und Atomkraftwerken, sie kann in fester Form Gewebe verletzen und als Gas tödlich wirken, und so kann man immer weiter die Gefahren darstellen, die mit DHMO verbunden sind, das wir gewöhnlich Wasser nennen - zwei H und ein O.
Autor: Ernst Peter Fischer· 14.10.08 · 11:06 Uhr· 1 Kommentar
13. Oktober 2008
Vom Überleben
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Der Politiker Jörg Haider hat sich selbst in den Tod gefahren. Sein Unfall macht vielleicht deshalb wenig Schlagzeilen außerhalb von Österreich, weil man durch die Finanzkrise abgelenkt ist und Wichtigeres zu tun hat. So kommentiert niemand den Hinweis der Polizei, daß Haider mit 142 km/h gefahren ist (und das noch mitten in der Nacht), wo nicht einmal die Hälfte (70 km/h) erlaubt war und bald auf 50 km/h reduziert werden musste. In England gab es einmal für Wahsinnsverhalten dieser Art - also für Menschen, die sich selbst aus dem evolutionären Prozess entfernt haben, indem sie nicht überlebten, was sie machten -, einen Darwin Award. Er wurde erstmals vergeben für einen Autofahrer, der mit einem Surfbrett auf dem Dach unbedingt 180 km/h fahren wollte und dabei abgehoben hat. Vielleicht sollte man den Darwin Award besser bekannt machen. Er erinnert daran, um was es eigentlich geht - um das Überleben. Haider muss das vergessen haben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 13.10.08 · 17:54 Uhr· 5 Kommentare
Bildung im Fernsehen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 7
Herrlich. Marcel Reich-Ranicki hat ausgesprochen, was offenkundig ist, daß nämlich das Fernsehen verdummt und vor allem das ZDF mit Thomas Gottschalk nur der Verblödung dient. Dazu möchte ich einen alten Witz abwandeln. Er stammt aus der späten Phase der rot-grünen Bundesregierung (und kann zum Beispiel in dem Buch "Lassen Sie es mich so sagen" von Georg Schramm nachgelesen werden, S. 87):
"Wann wird es mit Deutschland wieder aufwärts gehen? Wenn Bundeskanzler Stoiber bei Schröders Beerdigung Fischers Witwe fragt, wer den Trittin erschossen hat".
Wann wird es mit dem deutschen Fernsehen besser gehen? Wenn die Chefintendantin Elke Heidenreich bei der Beerdigung des ARD-Vorsitzenden die Witwe des ZDF-Intendanten fragt, wer eigentlich den Bus mit den Moderatoten und Talk-Showmastern in die Luft gesprengt hat.
Autor: Ernst Peter Fischer· 13.10.08 · 08:54 Uhr· 7 Kommentare
11. Oktober 2008
Die Kinder an der Börse
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Die amerikanische Lehmann Bank ist pleite, wie man gelesen hat, und wir wissen inzwischen auch, wie die Manager das geschafft haben. Sie wussten nach eigenen Angaben längst, daß sie auf Pleitekurs waren, rechneten aber damit, daß dies anderen auch so gehe, was den Staat zur Rettung zwingen würde. Mit anderen Worten - die Börsenspekulanten benehmen sich wie Kinder, die die Regeln von Spielen kennen (und wissen, was sie nicht dürfen), die zugleich aber auch wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Wenn es schief geht, greifen die Eltern ein, und das ist bei den Kindern in den Banken der Staat. Es ist nicht unbedingt die vielfach zitierte Gier - inzwischen auch die Gier der kleinen Leute -, die Spekulanten agieren läßt. Es ist auch die Sicherheit von Väterchen Staat, der seine Kinder zuletzt aus der Scheiße hebt. Man braucht sich nur im Bekanntenkreis umzusehen. Von ihren Börsengeschäften reden vor allem die Kindsköpfe. Eigentlich sollte man sie schmoren lassen oder in die Ecke stellen. Dann kehrt Ruhe ein.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11.10.08 · 15:53 Uhr· 4 Kommentare
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