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Ole Sumfleth, gebürtiger Hamburger, studiert Geophysik und Geologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Vulkane, Erdbeben, Klimawandel, Energie und Rohstoffe, Leben auf fernen Planeten - alles Fragen unserer Zeit, für die Geowissenschaftler (neben vielen anderen) nach Antworten suchen. Hier schreibt er über all das - und noch viel mehr.
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07.05.10 · 20:07 Uhr
Rückblick: Der Bruch des Stava-Staudamms
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Vor 25 Jahren passierte eines der größten Staudamm-Unglücke in Europa. Der GAU überhaupt - der Damm eines Absatzbeckens bricht ohne Vorwarnung, die Flutwelle reißt binnen Sekunden 268 Menschen in den Tod und verwüstet ein ganzes Tal.
Die Kleinstadt Tesero im Stava-Tal ist eine beliebte Urlaubsregion in den italienischen Alpen, mit mildem Klima und vielen Ausflugsmöglichkeiten. Was viele im Tal gar nicht wussten: Am oberen Ende stand ein Fluorit-Bergwerk. Beim Fluoritabbau fallen großen Mengen Klärschlamm an, der in übereinander gelagerten Absatzbecken gesammelt wurde. Diese Becken wurden im Laufe der Jahrzehnte immer größer gebaut, ohne Rücksicht auf eine sichere Statik - mit dünnen Wänden, defekten Drainagerohren und einem Böschungswinkel von über 40°.
Am 19. Juli 1985 kommt es zum folgenschweren Unglück: Die Dämme brechen und 200.000 Kubikmeter Schlamm rasen mit fast 100 km pro Stunde mehrere Kilometer ins Tal hinab.
Die Reihe "seconds from disaster" hat eine - typisch amerikanische - Dokumentation über das Ereignis gedreht. Übertrieben dramatisch, aber ganz sehenswert:
Die Katastrophe kam keinesfalls völlig unangekündigt - die Dämme waren schon 1975 als instabil und unsicher eingestuft worden. Aber wie so oft ging der Gewinn über die Sicherheit und die Behörden schliefen. Im Nachhinein wurden 10 Personen der Minengesellschaft des fahrlässigen Totschlags verurteilt, die Prozesse waren teilweise erst 1999 abgeschlossen.
Autor: Ole Sumfleth· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Seconds from Disaster mag zwar reißerisch und in seiner Aufmachung sehr amerikanisch daherkommen, aber die Sendung ist gewöhnlich gut recherchiert und stellt die Fälle recht exakt dar. Ich mag sie sehr!
Stimmt, eigentlich mag ich die Sendung auch ganz gerne :)
Anscheinend sind da ein dutzend Werbepausen vorgesehen, dazu kommen ständige Wiederholungen... das nervt mich. Man hätte das ganze auch auf die Hälfte runterschneiden können.
Das tolle an der Sendung ist auch, dass man etwas über Sachen erfährt, von denen man vorher gar nichts oder nur wenig wusste.
Das meinte ich mit der sehr amerikanischen Aufmachung - jeder dieser Wiederholungen/Zusammenfassungen geht da eine Werbepause voraus. Man erreicht so zwei Ziele: Es wird zu gleichen Kosten mehr Sendezeit befüllt und man fängt Zapper ein.
Nerven tut's trotzdem ungemein :(
Ebenso gern (oder, ehrlich gesagt, noch etwas lieber) mag ich übrigens Aircrash Investigation bzw. Mayday (je nach Land unterschiedlich betitelt, einige der Folgen laufen/liefen sogar als SfD, wenn ich mich nicht irre).Flugzeugabstürze haben etwas sehr symbolisches und sind zudem üblicherweise ausgesprochen gut untersucht. Die Sendung hat zwar die gleichen Nervfaktoren, reizt mich aber trotzdem sehr.
Nicht unbedingt ein "GAU", es funktioniert auch mit vielfacher Vorwarnung, ohne Dammbruch und einer um eine Größenordnung höheren Opferzahl: http://de.wikipedia.org/wiki/Vajont-Staumauer
@Karl
Ich will jetzt nicht einen Wettbewerb starten, aber noch schlimmer war der Abbruch der Nordkante des Huascaran, zweithoechster peruanischer Andenberg.
Das führte zu einer Schlamm/Eis/Gerölllawine mit fast 80.000 Toten.
Hallo Georg,
ich zielte hier auf fahrlässige bzw. mutwillige Planung. Mit Erdbeben von der Stärke desjenigen, das die Lawinenkatastrophe am Huascaran auslöste ist in der Nähe der Andenkette immer zu rechnen. Nicht vorhersehbar war, dass die ausgelöste Lawine so groß sein würde, dass sie nicht vollständig durch die Quebrada Llanganuco abfliessen würde, sondern einen 200 m hohen, vermeintlich schützenden Bergrücken überspringen und fast alle der 20.000 Einwohner von Yungai töten würde (92 Überlebende). 80.000 Tote gab es insgesamt in Peru und Nordchile zusammen. Besonders Huaraz, oberhalb von Yungai im Tal des Rio Santa gelegen und durch eine hohe Bergkette vom Pazifik getrennt war von dem Seebeben in 1970 sehr stark betroffen (10.000 Opfer).
http://www.yungayperu.com.pe/sismo.htm