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Alexander Knoll ist Biologe. Für seine Promotion am Karlsruher Institut für Technologie versucht er, die DNA-Reparatur und -Rekombination in Pflanzen besser zu verstehen.
Emanuel Heitlinger promoviert an den Universitäten Karlsruhe und Edinburgh. Er untersucht mit Hilfe von Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung die Evolution eines Wirt-Parasit-Systems.
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24.06.09 · 14:44 Uhr
"Ein genetischer Defekt, der 100% aller männlichen Menschen betrifft"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Die Online Mendelian Inheritance in Man (OMIM) ist eine Datenbank, in der Krankheiten mit genetischem Hintergrund gelistet werden. Das Ganze ist eigentlich für Experten gedacht, also hauptsächlich für die Grundlagenfoschung in den Lebenswissenschaften. Entsprechend trocken sind auch die Inhalte: Der Eintrag für das Gen BRCA1 (OMIM 113705), das eine wichtige Rolle bei erblich bedingtem Brustkrebs spielt, packt auf über 30 DIN A4-Seiten Informationen zur Entdeckung des Gens, dessen Position auf Chromosom 17, die Funktionen, vorhandenen Mutationen und vor allem jede Menge Literaturangaben.
Entsprechend erstaunt war ich dann, als ich eher zufällig über einen recht kurzen Eintrag gestolpert bin, der zumindest nicht vollkommen ernst gemeint ist.
Es handelt sich bei OMIM 606174 um die Beschreibung eines genetischen "Defekts", nämlich dem erblich bedingten Fehlen eines bestimmten Knochens, dem Baculum.
In nahezu allen Säugetierarten besitzen die Männchen einen Knochen im Penis, der medizinisch Os penis, oder eben Baculum genannt wird. Sogar unter den Affen ist dieser Knochen nur den Klammeraffen und dem Menschen verloren gegangen. Männern fehlt deshalb die Stützfunktion des Baculums, und sie sind darum allein auf die Strömungsmechanik angewiesen, wie die Autoren des Eintrages bemerken. Nach einem kurzen Hinweis auf eine mögliche genetische Ursache dieses Zustands (eine veränderte Expression eines Hox Gens - die Hox Gene spielen entscheidende Rollen in der Entwicklung) folgt dann aber der eigentliche Brüller des Eintrags:
Laut einer Kurzmitteilung von Scott Gilbert und Ziony Zevit [1] könnte das Fehlen des Baculums eine Erklärung für die merkwürdige Erschaffung von Eva aus einer Rippe Adams im biblischen Genesis-Text sein. Auch vor mehreren tausend Jahren sollte den Männern bekannt gewesen sein, dass ihnen ein Knochen fehlt, der beispielsweise bei ihren Schlachttieren vorhanden war. Wurde Eva also aus dem Baculum geschaffen? Ein weiteres Indiz dafür soll auch das Raphe (die Hodennaht) sein, sozusagen die Operationsnarbe, nachdem Gott das Baculum entfernte.
Womit sich für mich mal wieder zeigt: Wissenschaftler haben soviel Humor, dass sie auch in eine bierernste Datenbank noch solche Eastereggs einbauen. Und damit zurück zur Arbeit, von der ich momentan nicht wenig habe - wie man an den seltenen und kurzen Posts hier sieht...
[1] Mit dem tollen Titel "Congenital human baculum deficiency: The generative bone of Genesis 2:21-23"
Autor: Alexander· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (10)
LOL das würde manches erklären :-D
Danke!
Bin gespannt, wann Ray Comfort das liest und in seine Kreationistenargumentation einbaut...
Ich ess nie wieder Rippchen!
Das merk ich mir - um es demnächst zu passender Gelegenheit aufzutischen :D
Schön gefunden...
Der Beitrag ist sehr lesenswert, ich habe mir erlaubt den RSS bei Patriot Networks aufzunehmen.
Andreas Beranek
Mdvsoft Networks
http://mdvsoft.net
Dann kann man jetzt doch mal anfangen ein Patch für BRCA1 (OMIM 113705) zu entwickeln, oder?
Ich fande diesne Artikel sehr amüsant
@Bundesratte:
So einfach ist das nicht - der Grund liegt aber nicht an mangelndem Wissen über BRCA1 (und 2). Das Problem ist erstmal ganz einfach: Wie kriege ich beispielsweise ein WT-Gen von BRCA1 in die Zellen rein? Das wird aktuell in der Richtung Gentherapie untersucht, etwa mit "entschärften" Viren, die das Gen dann in bestimmte Körperzellen transportieren sollen. Bei einer Krankheit wie der Mukoviszidose ist das noch relativ einfach, da könnte man die Viren per Spray in die Atemwege befördern, und woanders im Körper muss man ja nichts machen. Außerdem ist bei der Mukoviszidose wirklich nur ein Gen gestört.
Bei einer Krankheit wie Brustkrebs sind immer mehrere Gene beteiligt, BRCA1 löst nicht für sich allein den Krebs aus. Und man hat das Problem, die Viren an ihren Einsatzort zu bringen.
Davon aber abgesehen habe ich aber heute erst über eine interessante Studie gelesen, die bei Krebsarten mit Defekt in BRCA1 und 2 erfolgreich war.
@Michael Hauss:
Ein nettes Blog hast du da, habs gleich mal in meinen Feedreader gepackt!
Das eifrige Lesen der OMIM-Datenbank könnte den
fördern, wie "Agnostic" auf "Gene Expression" meint - und dort immer wieder einmal mit schönen Beispielen demonstriert:An der
ist man ja immer wieder auch einmal selbst verleitet, sich zu versuchen.Könnte in diesem Sinne nicht auch einmal ein bischen ernsthafter gefragt werden: Wenn die Story der Bibel NICHT so wirklich voll überzeugend wäre, welche Story wäre es dann? Warum konnte es sich die Evolution "leisten", sich hier gänzlich auf die Strömungsmechanik zu verlassen? Handicapt-Evolution? "Angeber haben mehr vom Leben"? ;-) (Steht dazu etwas im OMIM-Eintrag?)
Könnte man durchaus auch jenseits aller Heiterkeit für plausibel halten, oder? Bei den Papua in Neuguinea sind ja kulturell Hilfsstützen eingebaut worden, nicht war?
Aber warum überhaupt etwas für die Evolution so Wichtiges wie die Hoden bei Säugetieren so verletzlich außerhalb des Körpers anordnen? Auch das - soweit ich das überblicke - bisher nicht befriedigend geklärt worden. (Eine eher ernüchternde These ist die von der "Kühlungsfunktion" ...)
Ey, die haben meine These geklaut! *grml* Die hab ich schon vor ca. 8 Jahren auf einer sehr weinseligen Party entwickelt... war die einzig logische Erklärung die für diese seltsame Geschichte zu finden war ;)