Es ist nicht zu übersehen beim Nachrichten lesen, dass rund 250’000 veröffentlichten Dokumente aus der US Diplomatie die Runde machen. Thilo hat bei Mathlog schon viele wichtige Fragen über Sinn und Zweck der Aktion aufgeworfen. Da es sich um diplomatische Depeschen handelt, möchte ich den jüngsten WikiLeak Coup aber auch noch kommentieren.

wikileaks.jpg

Ich gebe es zu, unabhängig davon ob es nun richtig oder falsch war, diese Dokumente in dieser Form zu veröffentlichen, kann ich nicht leugnen, dass mich die Texte sehr interessieren. Es ist eine wahre Fundgrube an Materialien zur US Aussenpolitik, die in vielen Themenbereichen der Internationalen Beziehungen Forschungsgold sind. Spekulationen können so mit Dokumenten belegt werden. Sie geben einen Einblick, der sonst vielleicht erst in etwa 50 Jahren, nach Freigabe der Dokumente, möglich wäre.

Darum hier ein kurzer Versuch das Leck in einen Kontext zu setzen (ich denke Thilo hat in Bezug auf die moralische Beurteilung, vieles schon geschrieben, dem ich beipflichte). Hier also eine spontane Reaktion zu vier Fragen:

Was steht in den Depeschen drin?

Die Anzahl der Dokumente ist enorm und ein Grossteil davon ist noch nicht veröffentlicht. Ein paar wenige Zeitungen haben Einsicht erhalten und deren Journalistinnen und Journalisten, respektive Redaktionen haben sich durch die Papiere gewühlt. Alles was wir im Moment an “Enthüllungen” serviert erhalten, sind also Passagen, die den Zeitungsleuten aufgefallen sind. Dies sind nicht unbedingt die relevantesten Passagen. So scheint mir zum Beispiel eine Tendenz vorzuherrschen, personenbezogene Aussagen zu betonen (da verkauft sich wohl besser).

Die New York Times erwähnt unter anderem Erkenntnisse wie:

  • Die USA versuchten angereichtertes Uranium aus einem pakistanischen Reaktor in Sicherheit zu bringen und die Pakistanis zeigten sich kooperationsunwillig.
  • Ein chinesischer Vertreter äusserte seine Frustrationen mit Nordkorea und diskutierte Wiedervereingungspläne im Falle eines Kollapses des Regimes.
  • Die USA versuchten Guantanamo Häftlinge im Ausland unterzubringen in dem sie potentielle Nehmerländern Deals anboten.
  • Der afghanische Vizepräsident reiste mit sehr viel Bargeld in die Vereinigten Arabischen Emirate.
  • Berlusconi, Putin und reiche Geschäftsleute mauscheln vermutlich zusammen.
  • Die USA übten Druck auf Deutschland aus, CIA Leute, die in die Entführung von einem Unschuldigen verwickelt waren, juristisch nicht zu verfolgen.
  • Al Kaida kriegt Geld von saudischen Quellen.
  • Die USA fliegen Angriffe auf verdächtige Militante im Jemen und die jemenitische Regierung beansprucht diese für sich.

Dieses sind in meinen Augen einige der interessanteren Elemente. Viel weitere sind ungeschminkte (da ebenfalls nicht für die Öffentlichkeit gedachte) Einschätzungen über Führungspersönlichkeiten in diversen Ländern.

Lernt man etwas neues?

Jein. Man muss kein Zyniker sein, um bei den meisten dieser “Enthüllungen” nicht überrascht zu sein. Vieles ist kaum neu für einen aufmerksam Zeitung lesenden: Das Pakistan, das immer “mehr Mittel zur Terrorbekämpfung” braucht ist nur bedingt Kooperationsbereit? Die USA diskutieren Pläne im Falle eines Zusammenbruchs von Nordkorea, welches vor einem Führungswechsel steht? Die USA setzen Zuckerbrot ein um die unliebsamen Guantanamohäftlinge nicht in den USA freilassen zu müssen? Die afghanische Regierung ist vielleicht korrupt? Berlusconi und Putin haben Verbindungen zu zwielichtigen Businessleuten? Die USA versuchen die Strafverfolgung ihrer eigenen Leute in ihrem sogenannten “Krieg gegen den Terror” zu verhindern? Die von einem Saudi gegründete Al-Kaida erhält Geld aus Saudi Arabien? Die USA fliegen Angriffe in Jemen und nicht der schwache jemenitische Staat? Gestern ging die Sonne unter?

Es gibt aber trotzdem Dokumente, die mir wirklich wichtig und veröffentlichungswürdig erscheinen. Nicht weil man etwas neues lernt, aber weil sie Spekulationen mit Belegen ersetzen. Gerade wenn es um moralisch verwerfliche oder gar völkerrechtswidrige Handlungen geht, sind solche Informationen von grosser Bedeutung. Sie können ein Instrument für zusätzlichen öffentlichen Druck auf Regierungen, die sich hinter dem Staatsgeheimnis verstecken, sorgen. Leugnen wird wesentlich schwieriger.

Was die Dokumente nicht sind

Ein grosser Vorbehalt muss bei einer grossen Anzahl dieser Dokumente angebracht werden. Diese Dokumente spiegeln nicht eine offizielle Position wieder. Sie geben auch nicht eine “Wahrheit” wieder. Diplomaten verhalten sich auch taktisch. Wenn ein Chinese einem Amerikaner sagt, dass sie das Verhalten von Nordkorea als frustrierend empfinden, dann tut er das vielleicht nicht, weil Nordkorea China frustriert, sondern vielleicht weil der denkt, dass die USA das gerne hören, zum Beispiel um sie zurück an den Verhandlungstisch zu kriegen. Er tut damit seine Arbeit. Wenn ein Diplomat Sarkozy als “dünnhäutig” bezeichnet, verfolgt er damit vielleicht auch administrationsinterne Ziele (vielleicht möchte er z.B. eine Mässigung des Tons erreichen für eine spezfische Frage). Dazu kommt dass die meisten dieser Depeschen nicht von sehr hohen Beamten verfasst werden. Über die effektiven Entscheidungsmechanismen und welche Informationen dafür wirklich herangezogen werden, erfahren wir kaum etwas.

Was bedeutet die Veröffentlichungen für die US Aussenpolitik?

Vermutlich bedeutet die Veröffentlichung wenig für die US Aussenpolitk. Man wird etwas Goodwill verloren haben, besonders wenn das Ego gross ist (was bei Spitenpolitkerinnen und -politkern nicht selten vorkommt). Doch werden sich die Erdogans, Westerwelles und Sarkozys auch wieder beruhigen und die Wunden ihrer Eitelkeit werden bald heilen. Einige Regierungen werden sich öffentlich rechtfertigen müssen, vielleicht wird es sogar irgendwo eine Koalition ins Wanken bringen. Doch wie die Situation im Moment aussieht, sind die Auswirkungen auf die US Aussenpolitik beschränkt. Ich glaube auch nicht, dass Diplomatinnen und Diplomaten nun für immer nur noch mit grösster Vorsicht ihre Depeschen verfassen werden.

Was der Berg an Dokumenten aber noch an Überraschungen und Interessantem bringen wird, kann im Moment noch nicht gesagt werden. Vielleicht steckt doch noch mehr drin, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Wir werden das erst wissen, wenn sich die Heerscharen von interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich mit spezifischen Teilgebieten ihres Interesses auseinandersegesetzt haben. Das interessanteste wird wohl erst mit der Detailarbeit zu Tage gefördert. Ich für meinen Teil bin zum Beispiel gespannt, ob Dokumente zu den Uruguay-Verhandlungen zum Schlichtungsverfahren der Welthandelsorganisation gefunden werden können. Ich glaube nicht, dass es sehr viele gibt, die mit mir auf diese “Enthüllungen” warten.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Legitimität der Aktion: WikiLeaks ist ein wichtiges Gefäss um staatliches Fehlverhalten anzuprangern. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte, wo solche Lecks dunkle Machenschaften aufdeckten. Ein Mangel an Transparenz birgt immer das Risiko von Missbrauch. Bei inhaltlich mehr oder weniger wahllosem und in anderen Aspekten sehr spezifischen (heisst vor allem USA) Veröffentlichen hingegen riskieren WikiLeaks, dass es die eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.

Kommentare (24)

  1. #1 Thilo
    Dezember 1, 2010

    Berlusconi, Putin und reiche Geschäftsleute mauscheln vermutlich zusammen.

    Beide zusammen oder einzeln?

  2. #2 ali
    Dezember 1, 2010

    @Thilo

    Zusammen vermutlich. Die NYT schreibt folgendes:

    An intriguing alliance: American diplomats in Rome reported in 2009 on what their Italian contacts described as an extraordinarily close relationship between Vladimir V. Putin, the Russian prime minister, and Silvio Berlusconi, the Italian prime minister and business magnate, including “lavish gifts,” lucrative energy contracts and a “shadowy” Russian-speaking Italian go-between. They wrote that Mr. Berlusconi “appears increasingly to be the mouthpiece of Putin” in Europe.

  3. #3 KommentarAbo
    Dezember 2, 2010

  4. #4 rolak
    Dezember 2, 2010

    Is ‘tsunami’ a play on words with a real big ‘leak’? 😉
    /Man muß kein Zyniker sein../ ..und darf nicht zuviele Filme gesehen haben.
    /Legitimität/ Bei all meiner Zuneigung zu solchen Aktionen scheint es mir (im Gegensatz zu z.B. Presse-Quellenverdunklung hierzulande) so besonders legitim nicht zu sein – sonst wäre ja kein Anonymisierungsaufwand für den Lagerort der Daten nötig, würde niemand zu einem DDOS greifen um ein wenig zu frozzeln. Macht aber nicht, WL fällt imo unter ‘Ziviler Ungehorsam’.

  5. #5 retiree
    Dezember 2, 2010

    >>>>Diese Dokumente spiegeln nicht eine offizielle Position wieder. Sie geben auch nicht eine “Wahrheit” wieder.<<<< Das ist richtig, doch aus dieser Suppe + Strategie, wird dann eine "offizielle" Position! Ansonsten wirklich nichts Neues! Auch Diplomaten sind nur Menschen!

  6. #6 anonym
    Dezember 2, 2010

    Statt eines Tsunamis ist es doch eher ein Regen, denn Wikileaks dehnt die Veröffentlichung des leaks auf mehrere Wochen. Außerdem war das bisher wohl nur die Spitze des Eisbergs:

    “We Have Not Seen Anything Yet”: Guardian Editor Says Most Startling WikiLeaks Cables Still To Be Released

  7. #7 ali
    Dezember 2, 2010

    @anonym

    Zumindest die New York Times behauptete mit ihrer Auflistung einen Überblick zu geben, was in ihrer Serie zu erwarten ist. Es ist zu vermuten, dass von dort also nicht viel neues ausser Details zu dem schon erwähnten kommen wird. Ich glaube aber auch (wie ich schrieb), dass von anderen mehr entdeckt wird, wenn diese zu graben anfangen.

  8. #8 anonym
    Dezember 2, 2010

    @ali
    Ja, es ist komisch, wie die Medien diesen Leak darstellen. Der Guardian hatte schließlich als erster Zugriff auf den kompletten Satz. Naja, die Zeit wird zeigen, was da noch drin steckt. Mit Spekulationen kommt man hier wohl nicht weit. 🙁

  9. #9 PeteH
    Dezember 2, 2010

    @ali
    Mal ganz allgemein gefragt, wie stehst du WL gegenüber?
    Positiv, neutral, negativ, oder von Fall zu Fall (Leak zu Leak) unterschiedlich?

  10. #10 schluri
    Dezember 2, 2010

    Ihre Auswahl der “interessanten” Funde, Herr Arbia, lässt tief blicken. Den Mantel des Schweigens breiten Sie über die vielfachen Aufforderungen der arabischen Golfstaaten an die USA, den Iran anzugreifen, um sein Atomwaffenprogramm zu stoppen.

    Passt wohl nicht in Ihre Weltsicht hinein.

  11. #11 schluri
    Dezember 2, 2010

    Ihre Auswahl der “interessanten” Funde, Herr Arbia, lässt tief blicken. Den Mantel des Schweigens breiten Sie über die vielfachen Aufforderungen der arabischen Golfstaaten an die USA, den Iran anzugreifen, um sein Atomwaffenprogramm zu stoppen.

    Passt wohl nicht in Ihre Weltsicht hinein.

  12. #12 ali
    Dezember 2, 2010

    @schluri

    Ich weiss zwar nicht, was für Abgründe sich genau da zeigen durch meine angebliche “Unterlassung”, aber dass viele arabische Staaten Angst vor einer iranischen Atombombe haben ist nun wahrlich nichts neues. Das die Sunniten nicht in tiefer Freundschaft mit den Shiiten verbunden sind ist nicht gerade News (das selbe gilt übrigens auch für die Wahrnehmung der arabischen Welt als einheitlichen Block). Eine iranische Bombe würde in den Händen eines Players sein, mit lokalen Grossmachtsambitionen, ein Staat der weder arabisch noch sunni ist. Haben nicht die USA unter anderem versucht durch die Unterstützung eines arabischen Diktators (Saddam Hussein) den Iran im Schach zu halten?

    Die Rhetorik von der “Schlange” der man den “Kopf abschlagen müsse” ist bei der oft blumigen arabischen Sprache auch eher Norm als Ausreisser. Wen, ausser die Amerikaner sollen sie denn Fragen um Iran zu bombardieren? Israel?

    Ich habe noch viele andere Dinge nicht erwähnt, ich bin mir sicher man könnte sich aus all denen ebenfalls etwas konstruieren, dass “tief blicken” lässt. Was ist der genaue Vorwurf nochmals?

  13. #13 tobid001
    Dezember 2, 2010

    Ich glaube, dass die USA gerade bei den Gesprächspartnern, mit denen man sich nicht so grün ist etwas mehr als nur goodwill verloren haben.
    Ich kann mir beispielsweise nur schwer vorstellen, dass sich chinesische Diplomaten nochmal so frank und frei bzw. scherzhaft über Kim Jong Il äußern werden, wenn sie befürchten müssen, das irgendwann in den Medien lesen zu müssen.
    Auch dürfte der “indirekte Flurschaden” nicht zu verachten sein. Wenn Lee Myung-baks Sicherheitsberater über Chinas Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen sagt, er sei der “inkompetenteste Offizielle” dann dürfte das für Wu Dawei einen ganz schönen Gesichtsverlust bedeuten, während Lees Sicherheitsberater Chun Young-woo in China wahrscheinlich nur noch schwer einen Fuß auf den Boden bringt. Ich glaube, dass deshalb einige Diplomaten einen kleinen Karriereknick befürchten müssen und sowas trägt man dem Verursacher nach.
    Ansonsten profitieren vermutlich Leute wie Kim Jong Il am Meisten davon, schließlich kann der jetzt wesentlich besser einschätzen, was er von wem zu halten hat und wie er zwischen den verschiedenen Parteien manövrieren kann. Da man die Dokumente aber nicht mehr dahin zurückstecken kann, wo sie herkommen, sind sie auf jeden Fall eine hochspannende Lektüre.

  14. #14 beni
    Dezember 2, 2010

    ali:”Zumindest die New York Times behauptete mit ihrer Auflistung einen Überblick zu geben, was in ihrer Serie zu erwarten ist. Es ist zu vermuten, dass von dort also nicht viel neues ausser Details zu dem schon erwähnten kommen wird. Ich glaube aber auch (wie ich schrieb), dass von anderen mehr entdeckt wird, wenn diese zu graben anfangen.”

    Was ist von der NYT in der Sache denn auch zu erwarten?
    https://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/11/29/AR2010112905421.html

  15. #15 ali
    Dezember 2, 2010

    @PeteH

    Ich bin etwas gespalten. Ich finde egal wie man zu Wikileak steht, was sie tun sollte als Meinungsfreiheit geschützt sein (und bestenfalls die Person die Infos leckt zur Rechenschaft gezogen werden). Es hat wie ich schon schrieb bestimmt einen gewissen nutzen.

    Trotz meiner “Freude” aus beruflichem Interesse sozusagen, über die jetzt veröffentlichten Dokumente, denke ich nicht, dass sie in diesem Ausmass rausgelassen werden sollten. Gezielter wäre wohl mehr. Dies würde in meinen Augen die Glaubwürdigkeit von WikiLeak erhöhen.

    Ein Problem mit solchen massiven Veröffentlichungen ist, dass HInz und Kunz meint aus dem Kontext Informationen zu reissen um damit Dinge “belegen” zu können (man denke an die e-mails der Klimaforscher). Das passiert nun bestimmt auch mit den Depeschen (falls es nicht schon passiert ist). Eine gewisse redaktionelle Auswahl fände ich darum gut. Nur dann ist wieder das Problem wer entscheidet. Weder eine völlige Demokratisierung noch das beschränken auf einen kleinen Kreis scheint mir ideal.

    Auf jeden Fall sollte WikiLeak nicht für die Veröffentlichung belangt werden.

    @beni

    Das Assange Profil war in Timing und Ton tatsächlich sehr seltsam. Die New York Times hat sich in letzter Zeit zudem wirklich nicht mit Ruhm bekleckert was Regierungsnähe und Selbstzensur betrifft. Trotzdem halte ich sie nach wie vor für eine relative gute Zeitung und bin mir sicher, dass sie in den meisten Fällen einen Scoop nicht einfach so durchlassen gehen würden. Im Moment müssen wir uns auf das verlassen, was jene sagen, die die Dokumente ganz gesehen haben. Dazu gehört die New York Times. Der Guardian hat ja unter anderem die NYT miteinbezogen, weil er auf die Expertise zur US Diplomatie zurückgreifen wollte.

    @tobid001

    Die Sache ist aber so, dass alle Diplomatinnen aus allen Ländern solche Depeschen schreiben. Das ist ihr Job. Einschätzungen zur Führung der verschiedenen Ländern abzugeben, Informationen (auch gerüchteweise) über diese weiterzuleiten. Das machen auch die Chinesen und alle anderen. Man wird wohl darauf bauen, dass die USA ein solches Leck in Zukunft zu verhindern versuchen werden. Ich glaube der Job eines Diplomaten einer Diplomatin kann ohne solcher Diskussionen beider Seiten gar nicht wirklich geführt werden. Ausserdem findet nicht jedes Gespräch Eingang in eine Depesche. Ich glaube die Sache wird man schon nur um den Betrieb am Funktionieren zu halten, wieder verdrängen.

  16. #16 Gluecypher
    Dezember 3, 2010

    @ali

    Was ist der genaue Vorwurf nochmals?

    Naja, zum Beispiel, dass Du Dich nicht an die schweizer Sitten und Gebräuche angepasst hast und Dich erdreistest, nicht blond und blauäugig zu sein. Und das, obwohl Du in der Schweiz dem braven eingeborenen Steuerzahler auf der Tasche liegst. Und jodeln oder Alphorn tuten kannst Du bestimmt auch nicht, hab’ ich recht? Also das Mindeste sollte sein, dass Du Dich Albert oder Albrecht statt Ali nennst. Und dass Du zwischen Persern und Arabern unterscheidest, das ist ja wohl die absolute Unverschämtheit! Wie soll man denn da noch den Überblick behalten? Da kommen einem ja alle Vorurteile durcheinander! Und dann auch noch so eine Korinthenkackerei von wegen “Sunniten” und “Shiiten”. Wer will denn das wissen, alles Muselmanen, die in der Schweiz Moscheen mit Minaretten und Muezzinen bauen wollen. Also wirklich! Das lässt tief blicken. Seeeehr tief.

    Aber mal on topic. Ich verstehe die ganze Aufregung wegen WL nicht.

    Dass einem Daten abhanden kommen, wenn darauf 2,5 Millionen Nutzer Zugriff haben. Wow, total neue Erkenntnis. Gab es da nicht mal einen Jungunternehmer, der sinngemäß sagte:”Wenn Sie nicht wollen, dass etwas bekannt wird, dann tun Sie’s nicht!” Ich warte immer noch auf den Aufschrei der US-Regierung ob dieser Behauptung.

    Dass GW ein agressiver Dilettant ist, was für eine erderschütternde Neuigkeit. Tagesschau anschalten und die entsprechenden Reden der Föhnwelle verfolgen.

    Dass Mutti nicht zu überhastetem Aktionismus neigt. Die Sonne geht im Westen auf!

    Dass die USofA vor allem eigene Interessen verfolgen, wer hätte das gedacht! Echt jetzt? Korea, Vietnam, Chile, Panama, Grenada, Nicaragua/Iran, Afghanistan, Irak.

    Wirklich peinlich für das US-Diplomatenkorps und das Aussenministerium ist doch nur, dass solche Banalitäten auch noch den Weg in’s Archiv gefunden haben. Von einem Diplomaten, der einen Haufen Schotter einstreicht, erwarte ich als Vorgesetzter mehr als das, was in jeder Tageszeitung, Radiosendung oder Zeitschrift zu finden ist, wiederzukäuen. So was fällt unter die Rubrik: lesen, schreddern, vergessen. Aber wenn das das Anforderungsprofil für US-Diplomaten ist……hey, wo kann ich mich bewerben? Ich mach’ den Job für 80% des durchschnittlichen Gehalts. Zeitung lesen, Radio hören und dieverse Web-Seiten durchforsten, und ab und an mal eine Zusammenfassung schreiben…….cooler Job.

  17. #17 Belzer
    Dezember 6, 2010

    Das Thema ist zu komplex, um kurz abgehandelt zu werden.

    WikiLeaks hat beispielsweise ohne Not die Liste aller Parteimitglieder der rechtsextremen British National Party veröffentlicht, was ein unentschuldbarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dieser Personen ist. Egal wie man politisch zu dieser Partei steht.

    Andererseits findet sich in den veröffentlichen Depeschen auch wichtige Angaben zur Entführung des Deutschen Khaled el-Masri, die bemerkenswerterweise in Deutschland bislang nur wenig kommentiert wurden, obwohl es sich eindeutig um illegale Aktivitäten seitens der US-Regierung handeln. Links:
    https://stefan.bloggt.es/
    https://cablesearch.org/cable/view.php?id=07BERLIN242
    https://cablesearch.org/cable/view.php?id=06MADRID3104
    https://cablesearch.org/cable/view.php?id=07MADRID173

  18. #18 Belzer
    Dezember 6, 2010

    Ein weiterer Aspekt ist die Fehlinformation der Öffentlichlkeit durch WikiLeaks.

    So zeigt das vollständige Video “Collateral Murder” eben keinen beiläufigen Mord, sondern eine gerechtfertigte Tötung suspekter Gestalten, was die Presse nicht kontrolliert hat, weil sich die Jpurnalisten nicht die von WikiLeaks ebenfalls herausgegebene vollständige 39 Minuten lange Version angeschaut haben, sondern nur die verkürzte Version, die wichtige Aspekte auslässt.

    So ist in der langen Version der schwarze Transporter schon anfangs parkend zu sehen, was im Klartext bedeutet, dass er nicht zufällig vorbeifuhr, sondern die ganze Zeit auf eine mögliche Rettungsaktion gewartet hat, was natürlich die Bewertung der ganzen Angelegenheit erheblich ändert.

    Auch sind im Video neben den unbewaffneten Journalisten klar bewaffnete Personen mit Sturmgewehren AK-47 und Panzerfäusten RPG zu sehen, was über einen herkömmlichen Begleitschutz herausgeht. Daher ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass die arabischen REUTERS-Journalisten eine bewaffnete Attacke auf die amerikanischen Soldaten filmen wollten, weshalb die Tötung dieser Journalisten gerechtfertigt war.

    WikiLeaks widerlegendes Video von WikiLeakFraud:

    Vollständiges 39 Minuten langes Video von WikiLeaks:
    https://www.youtube.com/verify_age?next_url=http%3A//www.youtube.com/watch%3Fv%3Dis9sxRfU-ik%26fmt%3D18

  19. #19 Fargurd
    Dezember 8, 2010

    Zum einen sollte mensch auch beachten, dass bisher noch gar nicht alle Datensätze veröffentlich wurden. Jetzt schon von “uninteressant, Stuß, Diplomatenquatsch, Klatsch, …” o.ä. zu reden, finde ich verfrüht. Da Wikileaks nicht sonderlich selektiv ist, ist es eigentlich nur verständlich, wieso sich auch solche kleinen PolitikerInnen-Streite an die Öffentlichkeit verirren. Das diese Streitereien allerdings nicht immer folgenlos bleiben (müssen) und sich also auch auf das Handeln und besonders die Entscheidungen der Regierenden auswirken kann, sollten wir überlegen, ob es nicht tatsächlich eine Bereicherung für die Diplomatie ist. Schließlich werden ja keine Inhalte aus dem Privatbereich veröffentlicht.

  20. #20 Marek
    Dezember 9, 2010

    So zeigt das vollständige Video “Collateral Murder” eben keinen beiläufigen Mord, sondern eine gerechtfertigte Tötung suspekter Gestalten, …

    Man definiert also, wer suspekt ist und darf den dann umlegen, oder wie? Na ja, zumindest Spaß darf man dabei haben, nicht wahr?

  21. #21 hemathor
    Dezember 9, 2010

    @Belzer:

    So zeigt das vollständige Video “Collateral Murder” eben keinen beiläufigen Mord, sondern eine gerechtfertigte Tötung suspekter Gestalten, […]

    Daher ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass die arabischen REUTERS-Journalisten eine bewaffnete Attacke auf die amerikanischen Soldaten filmen wollten, weshalb die Tötung dieser Journalisten gerechtfertigt war.

    junge, ist dir eigentlich klar, was du da schreibst???

    • gerechtfertigte Tötung
      du findest also, es sei gerechtfertigt, einen menschen zu toeten? dann willst du sicherlich auch die wiedereinfuehrung der todesstrafe hier in d? ach, das ist was ganz anderes? ja klar, das abschlachten von mutmasslich unbewaffneten fussgaengern aus sicherer entfernung war ja kriegerische notwehr… verstehe…
    • suspekter Gestalten
      man darf also jeden abschlachten, der einem suspekt vorkommt? ach so, ja, ist ja krieg… da darf man sowas…
    • Tötung dieser Journalisten gerechtfertigt
      bist du russe? oder chinese? oder vielleicht nazi? dann kann ich solche aussagen nachvollziehen. ansonsten hast du maechtig einen an der klatsche!
  22. #22 Christian
    Dezember 9, 2010

    hemathor

    Wo bist du denn entsprungen? Ein Topf, ein Teig, ein Rührer?

  23. #23 Guido
    Dezember 10, 2010

    @ Christian

    Das ist ein Frage , die sich aber auch bei Dir stellt.

  24. #24 walim
    Dezember 11, 2010

    Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass all diese vertraulichen interessanten Datenbestände, zu denen eine siebenstellige Zahl von Leuten Zugriff hat, nicht schon längst an alle Interessenten verkauft worden sind. Diese Kunden wären dann die wirklich Geschädigten der ganzen Affaire, wenn man den enormen Wertverlust der immer öffentlicher werdenden Geheimnisse betrachtet, die ausser einem selber nun auch ganz sicher alle anderen (die “Gegner”) kennen. Ausserdem, wenn man das weiterspinnt, ist es auch ärgerlich, wie lauter plätschernde Quellen jetzt infolge hektischer Sicherheitsbemühungen in ihrem Betrieb gestört werden.
    Denn es können alle, die es angeht dabei was über die Eigenschaften von Datenanhäufungen lernen, ob sie es nun wollen oder nicht. Und das staunende Publikum erfährt. wie sich Diplomaten mit Strippenzieherei im Auftrag der heimischen Industrie beschäftigen (Sensation!) bzw wie kooperativ einheimische Justizvertreter ausländischen Verbündeten behilflich sind bei der Strafvereitelung. Es ist natürlich sehr tendenziell, dass infolge der Quelle primär amerikanische Schweinereien im Fokus sind, doch ernstlich sollte keiner, der diesen interessanten Einblick in die Geschäftsformen erhält, annehmen, es handle sich um nationale Eigentümlichkeiten. Nachdem ich eher Thilos Standpunkt geteilt habe (diese langweiligen Kaffeklatschgeschichten zunächst), tendiere ich mittlerweile dazu allerlei Gutes bei der Sache zu finden. Dazu trägt nicht unwesentlich das Verhalten von Firmen und Stellen in den USA bei, die einen Eindruck von deren Arroganz und Prinzipienlosigkeit vermitteln, der mit den Skandalgeschichten korrespondiert.