Die Ärztin, zu der ich gehe, wenn ich erkältet bin oder der Rücken schmerzt, hat auf ihr Praxis-Schild auch das Wort “Naturheilverfahren” schreiben lassen. Und ein Freund, der mich bei einem Bandscheiben-Vorfall im Urlaub einmal toll betreute, macht “Chirotherapie”. Beide haben Medizin studiert und beide plaudern gern mit mir über ihre Arbeit.

Die Ärztin hat mir letztens ein paar weiße Kügelchen aus einem Fläschchen mitgegeben, weil ein Fieber seit Tagen und trotz einer Behandlung mit einem Antibiotikum nicht verschwand. Als ich sie spöttisch ansah, meinte Sie: “Ich weiß, Sie glauben nicht, dass das hilft. Probieren Sie es trotzdem.” Sie hat mir auch Vitaminpräparate empfohlen, die waren ziemlich teuer.

Die Kügelchen hab ich irgendwann weggeworfen, die Vitamine hab ich genommen und kauf sie mir noch heute. Es steht drauf, dass sie gegen “Burnout” auch helfen, manchmal kaufe ich aber auch die, die speziell für Männer sind. Das Fieber ist inzwischen weg – ob es noch einen Tag oder eine Woche gedauert hat, weiß ich jetzt nicht mehr.

Im Studium haben meine Ärzte gelernt, was – jedenfalls statistisch gesichert – gegen welche Krankheit hilft. Und sie haben auch gelernt, warum das so ist. Oder warum das vielleicht so ist – denn vieles weiß man gar nicht.

In ihrer Praxis gibt es keine Statistik, da gibt es nur einzelte Patienten, und irgendwie sehen die Krankheiten bei jedem anders aus. Manchmal ist es ganz einfach: ein Blick in den Hals, ein zweiter Blick aufs Thermometer, ein Klick mit der Maus und schon kommt das richtige Rezept aus dem Drucker. Manchmal ist das, was der Patient erzählt, was die Instrumente anzeigen, was der Arzt sehen, hören und fühlen kann, ein Rätsel. Dann muss er probieren, er verschreibt ein Mittel und sagt: „Kommen Sie in drei Tagen wieder, aber wenn Sie Magenschmerzen kriegen, dann kommen sie gleich her oder rufen mich an.”

Manchmal geht es dem Patienten dann besser, manchmal schlechter und manchmal ändert sich gar nichts. Das Rätsel bleibt.

Meine Ärztin spricht auch manchmal mit anderen Ärzten, und sie redet viel mit ihren Patienten (manchmal zu viel, ich bin schließlich ein viel beschäftigter Unternehmer und Blogger und habe wenig Zeit). Manchmal erzählt ihr jemand, dass bei ihm in einem bestimmten Fall eine ungewöhnliche Behandlung geholfen hat. Meine Ärztin denkt dann darüber nach, sie liest darüber oder besucht eine Fortbildung. Wenn sie einmal auf einen Patienten trifft, bei dem das Rätsel so ähnlich aussieht, dann versucht sie, es auf eine neue Weise zu lösen.

Inzwischen hat meine Ärztin viele Patienten, denen es nach der Einnahme von kleinen weißen Kügelchen besser geht. Und die Patienten meines Freundes sind ganz begeistert von der Chirotherapie. Auf meine Frage nach dem Wirkmechanismus schauen sie mich mit einer Mischung aus Unsicherheit und Unverständnis an. Sie erzählen mir dann Dinge, die ich weniger gut verstehe als wissenschaftliche Erklärungen. Manchmal fragen sie mich auch, ob sie ihre Patienten vielleicht nur mit Verfahren behandeln sollten deren Wirksamkeit statistisch oder wissenschaftlich belegt ist – dann, so meinen sie, hätten sie vielen Patienten nicht helfen können.

Ich weiß nicht, ob ich das akzeptieren kann. Aber ich kann es verstehen.

Kommentare (47)

  1. #1 Jens Arne Männig
    Juni 16, 2010

    Wie sprach doch gestern mein Hausarzt? »Sie können auch Vitamine nehmen, obs was hilft, weiß man nicht.« Ich liebe pragmatische und offene Ärzte.

  2. #2 Jörg Friedrich
    Juni 16, 2010

    Welch seltener und erfreulicher Besuch in meiner bescheidenen Hütte! Herzlich willkommen, Herr Männig!

  3. #3 Georg Hoffmann
    Juni 16, 2010

    Bevor es gleich losgeht. Was mich am ehesten hmmm stoert? nervt? langweilt? (ich bin mir beim Verb nicht sicher, irgendwas negatives) ist wie vorhersehbar das alles ist. Vom erkenntnistheoretischen Fundamentalzweifel an der Wirklichkeit und der (Un)Möglichkeit ihrer Erfassung bis zur Homoeopathie ist es irgendwie nur ein Schritt und es war mir klar, dass Sie ihn gehen wuerden.

    Gleiches gilt uebrigens fuer Florian (ich schreibs der Einfachheit gleich hier mit rein, aus reiner Zeitoekonomie). Interessiert sich nicht die Bohne fuer Fussball aber die Troeten muessen einfach aus politischer Korrektheit verteidigt werden. (https://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/06/vuvuzelas-eine-blogwm-und-die-dummen-islamisten.php)

    Manchmal wuenschte ich mir doch von Euch beiden, ihr wuerdet mal ein bisschen mehr ueberraschen.

  4. #4 Jörg Friedrich
    Juni 16, 2010

    @Georg Hoffmann: Na, so viele Überraschungen gibts bei Primaklima auch nicht, ne? Nach 120 Blog-Posts (in meinem Falle) ist eben ein gewisses und nicht unbedingt falsches Bild des Bloggers entstanden, das im Normalfall vom nächsten Post bestätigt wird.

    Allerdings muss ich zugeben, dass ich im Falle dieses Artikels selbst vom Weg der Gedanken überrascht war. Kommt vielleicht nicht so raus. Oder der Leser kennt den Blogger schon besser als der sich selbst.

    Vielleicht haben Sie aber auch ein etwas zu einfaches Bild von mir und das ist grob genug damit alles reinpasst. Einen erkenntnistheoretischen Fundamentalzweifel an der Wirklichkeit kann ich bei mir zB beim besten Willen nicht erkennen.

  5. #5 Georg Hoffmann
    Juni 16, 2010

    @Joerg Friedrich
    “Vielleicht haben Sie aber auch ein etwas zu einfaches Bild von mir und das ist grob genug damit alles reinpasst. ”

    Na wenn wir zwei beide zuammenziehen wollten, dann wuerde ich sicher noch mal an einem feineren Bild bosseln. Bis dahin passt aber auch alles in das einfache Friedrich-Kaestlein, was ich mir gebastelt habe, insbesondere ihr Wissenschaftsbild (whatever works) mit Ihrer Homoepathieliebe (whatever works).

  6. #6 Jens Arne Männig
    Juni 16, 2010

    Selten? Ich lese hier brav und regelmäßig jeden Eintrag, war nur bislang zu sehr in Ehrfurcht erstarrt, einen davon zu kommentieren. Ohne Jux jetzt: Dein Blog gehört zum sehr geschätzten Grundbestand in meinem Feedreader!

  7. #7 Mühsam
    Juni 16, 2010

    Ich hätte die Vitamine entsorgt und die Globuli genommen.

  8. #8 S.S.T.
    Juni 16, 2010

    @Mühsam

    Wenn man es nicht so übertreibt wie L. Ron Hubbard mit seinem Vitamin B3, schaden die Vitaminpillen genau so wenig wie die Glaubulies. Sind aber bei einer halbwegs ausgewogenen Ernährung (und ohne spez. Erkrankung) auch genauso hilfreich.

  9. #9 h.t.
    Juni 16, 2010

    @Joerg Friedrich

    Man könnte, bevor man etwas über die Homöopathie zum besten gibt, auch einmal in die Literatur hineinsehen. Die, die sie mehr oder weniger erfolgreich anwenden, haben am zumindest Anfang auch Nichts anderes getan.
    Für einen durchschnittlich intelligenten Menschen ist die Theorie nicht allzuschwer verständlich. Aussicht auf das eine oder andere Aha-Erlebnis besteht.
    Dass das Von Leuten wie Freistetter und Rings abgelehnt wird stört mich nicht sonderlich. Bei ihnen macht es mich schon etwas frustriert.

  10. #10 S.S.T.
    Juni 16, 2010

    A. Wilfert rides again!

  11. #11 Ockham
    Juni 16, 2010

    Tja, die alte “wer heilt hat Recht” Debatte kann man in der Tat endlos führen. Meist ohne das sich die Debattanten auch nur zu geringsten Modifikationen ihrer Ausgangsstandpunkte ermuntert fühlen. Ein wenig wie Golf: Frustrationssport.

  12. #12 h.t.
    Juni 16, 2010

    @ Ockham

    Schon klar. Nur braucht man dann halt überhaupt nicht zu darüber zu reden.

  13. #13 Stefan Taube
    Juni 16, 2010

    “Meine Ärztin … redet viel mit ihren Patienten (manchmal zu viel, ich bin schließlich ein viel beschäftigter Unternehmer und Blogger und habe wenig Zeit).”

    Hmm, ich würde sagen, die größte Leistung dieser Ärztin ist doch, Ihnen mal eine Pause in der Tretmühle zu geben, bevor das die Bandscheibe macht.

  14. #14 HOT 'N' COLD
    Juni 16, 2010

    Ich weiß nicht, ob ich das akzeptieren kann. Aber ich kann es verstehen.

    Wenn man es in diesem Falle verstanden hat, hat man es auch akzeptiert, ohne Frage!

  15. #15 Sebastian
    Juni 16, 2010

    Das ist eben das Problem an Diagnosen: man muss den Patienten und dessen Beschreibungen des eigenen Zustandes einbeziehen. Und wenn der Patient sich einbildet, seine Kopfschmerzen mit Zuckerwasser wegbekommen zu haben, dann muss der Arzt das zumindest zur Kenntnis nehmen und irgendwie darauf eingehen. Das gilt wohlgemerkt nur, wenn der Patient von sich aus auf Homöopathika zu sprechen kommt. Fragwürdiger finde ich, wenn studierte Mediziner von sich aus ihren Patienten “Medikamente” anraten, deren Wirkungsweise lediglich der menschlichen Einbildungskraft zuzuschreiben ist. Das ist ungefähr so, als würden sie sagen “Sie müssen es sich nur ganz feste wünschen, dann geht ihre Magen-Darm-Grippe garantiert weg”.

  16. #16 Sarah
    Juni 16, 2010

    @ Sebastian: Letzteres funktioniert lustigerweise tatsächlich. Gerade das Immunsystem ist auf vielfältigste Weise mit allen anderen Systemen verschaltet, eben auch mit der Psyche. Natürlich geht das in beide Richtungen, d.h. es kann sich nicht jeder in dem Moment dieses ganz feste wünschen, aber wenn es klappt dann hilft es.

    Allerdings braucht man den Leuten dann nicht das Geld für Zuckerwasser aus der Tasche ziehen.

  17. #17 Sebastian
    Juni 17, 2010

    @Sarah: Ja, ganz genau! Ich halte den Placeboeffekt für ein sehr interessantes psychologisches Phänomen, welches der Wissenschaft noch lange Zeit neue Entdeckungen verschaffen wird. Man fängt ja gerade erst an, alle Zusammenhänge zu verstehen. Ben Goldacre bloggte gerade über einen Versuch, nach dem abergläubische Menschen leistungsfähiger sind, wenn sie einen Glücksbringer bei sich tragen. Allein das Wissen um ihr vermeintliches Glück lässt sie Denksportaufgaben besser lösen oder Golfbälle zielgenauer schlagen, als die Kontrollgruppe ohne Glücksbringer. Im menschlichen Hirn steckt so viel unerschlossenes Potential – es ist sehr schade, dass erwachsene, vermeintlich intelligente Menschen dieses Potential nicht erkennen und lieber irgendwelchem Zauberwasser und sonstigem HokusPokus zuschreiben.

  18. #18 Sarah
    Juni 17, 2010

    Nebenbei: Kennt ihr eine Frau, die schonmal felsenfest davon überzeugt war, schwanger zu sein, bzw. trifft das auf euch zu? Es ist unglaublich, wie einem auf einmal morgens übel wird und sowieso der Bauch die ganze Zeit zieht und wenn man drüber nachdenkt isst man auch anders…

    In dem Sinne: Es geht mir gut. Mein Immunsystem funktioniert. Und die Nießattacke grade kam nur von der Schreibtischlampe!

  19. #19 RetroK
    Juni 17, 2010

    @Sarah:
    “Allerdings braucht man den Leuten dann nicht das Geld für Zuckerwasser aus der Tasche ziehen.”

    Die Leute würden aber wahrscheinlich nicht glauben, dass besagtes Zuckerwasser ihnen tatsächlich helfen wird, wenn sie nicht wenigstens ein bisschen Geld dafür ausgegeben haben. Ich bin sogar der Meinung, dass die Wirkung umso größer ausfallen wird, je mehr man für das Placebo bezahlt hat.

    Und zur Scheinschwangerschaft (https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinschwangerschaft): Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel (den ich natürlich nicht wiederfinden kann) übe einer Frau in den USA gelesen, die mit Wehen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, aber letztendlich nur scheinschwanger war. Krasse Sache das!

  20. #20 Andrea N.D.
    Juni 17, 2010

    @Georg Hoffmann:
    Du hast überhaupt nix begriffen. Hier geht es nicht um Inhalte, sondern um Klickzahlen. Bisher hat der Aufsprung auf den H-Zug dafür garantiert. Hier geht es zwar ein bisschen zäh, aber vielleicht kommts ja noch …
    Oder glaubst Du, dass der Autor hier ernsthaft seine Erlebnisse, die von Tante Else und seinen sonstigen Bekannten und Verwandten zur Grundlage eines ernstzunehmenden Artikels gemacht hätte … ach nö …

  21. #21 Sarah
    Juni 17, 2010

    @ RetroK: (ad Zuckerwasser) Das ist in der Tat eine verzwickte Angelegenheit. Dass ich einer Person, die mir glaubt, mit einer “genau auf sie abgestimmten” Kügelchenmixtur helfe sehe ich ein. Andererseits wirken ja günstige Mittel wie Aspirin (auch Aspirin hat in der Sofortwirkung Placeboeffekt) ebenfalls sehr gut.

    Ich denke, was ich einfach nicht akzeptieren kann, ist das so eine große Theorie samt sämtlichem Brimborium darum gestrickt wird. Vor allem wenn dies von Wissenschaftlern oder der Wissenschaft verpflichteten Menschen (Ärzten!) geschieht. Dass es einen Arbeitskreis Homöopathie in meinem Semester (Medizinstudium) gibt halte ich für schlichtweg falsch!

    Dass Leute daran glauben ist ok und kann man sich zu Nutze machen. Aber, dass weiterhin Leute daran glauben gemacht werden ärgert mich zutiefst!

    Und von Scheinschwangerschaften habe ich auch schon gehört und gelesen. In der Tat faszinierend! U.a. in einer Beschreibung einer alten Fundstelle (19. Jhd?) einer Patientenbeschreibung: Patientin, anscheinend im dritten Trimester, kommt zum Gynäkologen zur Untersuchung. Dieser bemerkt den nicht verstrichenen Nabel (=keine echte Schwangerschaft). Er sagt der Patientin er müsse das Kind sofort entbinden und betäubt sie mit Chloroform. Als sie aufwacht sagt er, das Kind sei tot geboren worden. Noch auf dem Tisch schwillt der Leib ab.
    Eine Woche später ist die Patientin strahlend wieder in der Praxis: “Herr Doktor, sie haben vergessen den Zwilling zu entbinden!”

  22. #22 Kuchlbacher Rudolf
    Juni 17, 2010

    “Manchmal fragen sie mich auch, ob sie ihre Patienten vielleicht nur mit Verfahren behandeln sollten deren Wirksamkeit statistisch oder wissenschaftlich belegt ist”

    Also an solche Ärzte werde ich hoffentlich nie geraten – natürlich sollte die Wirkung eines Verfahrens belegt (oder zumindest prinzipiell belegbar) sein!
    Und einfach akzeptieren, dass man anstatt ehrlich zu bleiben einfach ein bißchen Hokuspokus unter die Menschen bringt könnte ich sicher auch nicht!

  23. #23 Daniel
    Juni 17, 2010

    @RetroK

    Ist sogar schon erwiesen, teurere und aufwendigere Behandlungen (Medikamente) wirken besser, auch wenn sie nur Plazebo sind.
    Also teurere Pille besser als billige Pille. Spritze besser als Pulver. Operation besser als Spritze.

  24. #24 Helmut E.
    Juni 17, 2010

    Wenn die Ärztin das Wort “Naturheilverfahren” auf ihr Praxisschild schreiben lässt, würde ich die Ärztin wechseln.

    Ich kann auch verstehen, dass Ärzte so handeln. Auch in diesem Berufsstand herrscht Wettbewerb. Zur Profitmaximierung wird halt auch Quacksalberei angeboten und der Arzt hat vermutlich auch kein schlechtes Gewissen dabei. Um seiner kognitiven Dissonanz zu entkommen, redet er sich ein “wenn ich die Placebos nicht verschreibe, laufen mir die Kunden davon und holen sie sich woanders.”
    Das Verhalten des Arztes ist also ebenso nachvollziehbar wie das eines Hedgefondsmanagers. Die Politik muss hier Regeln zum Schutz der Konsumenten schaffen, anstatt auf Selbstkontrolle zu vertrauen.

  25. #25 beebeeo
    Juni 17, 2010

    Manchmal fragen sie mich auch, ob sie ihre Patienten vielleicht nur mit Verfahren behandeln sollten deren Wirksamkeit statistisch oder wissenschaftlich belegt ist – dann, so meinen sie, hätten sie vielen Patienten nicht helfen können.

    Tja, hier sieht man wie der Plazeboeffekt auch den verschreibenden Arzt wirkt. Woher weiß der Arzt denn, ohne Statistik, dass er seinen Patienten tatsächlich geholfen hat? Der Arzt ist dann auch weniger frustriert darueber dass er seinen Patienten nicht helfen kann und beide fühlen sich besser. Es ist dann auch wahrscheinlicher dass der Patient gerne und öfter wiederkommt.

    Ich weiß nicht, ob ich das akzeptieren kann. Aber ich kann es verstehen.

    Ich kann es auch verstehen, aber ich bin mir sicher: Befürworten kann ich es nicht.

  26. #26 Jörg Friedrich
    Juni 17, 2010

    Ein paar Gedanken zur Diskussion:

    1. Da ich als Privatpatient meine rechnungen selbst bezahlen muss bin ich ziemlich sicher, dass ein Arzt mit Naturheilverfahren u.ä. nicht mehr verdient als mit anderen Behandlungsmethoden. “Profitstreben” ist ein Erklärungsversuch, der mir nicht einleuchtet.

    2. Ein Arzt hat immer Einzelerfahrungen, nie statistische Erfolgsquoten. Er erlebt, dass auch statistisch gesicherte Verfahren im einzelfall wirkungslos bleiben, und dass es patienten gibt, die nach einer alternativen Behandlung genesen. Auf dieser basis trifft er seine Entscheidungen für weitere konkrete Patienten.

    3. Ich vertrage kein Aspirin, kriege davon Magenkrämpfe.

    PS: Wenn es mir um hohe Klickzahlen ginge, dann würde der Name der Behandlungsmethode, die hier am meisten diskutiert wird, und der in meinem ganzen Artikel nicht einmal genannt wurde, bereits im Titel auftauchen. Jeder der weiß, wie Google funktioniert der weiß auch, dass Arte-Fakten nicht auf Klickzahl-Maximierung getrimmt wird.

  27. #27 S.S.T.
    Juni 17, 2010

    @J.F.

    Privatpatienten werden mit dem 2-3 fachen des Kassensatzes abgerechnet, was nat. die Privatkasse dem Priviatpatienten zahlt. JEDER Arzt verdient an einem Priviatpatienten min. das 2-3 fache.

    Naturheilverfahren haben mit alternativer ‘Medizin’ herzlich wenig zu tun: Ob ich jetzt Strychnos nux-vomica (Brechnuss) fresse ode mirr Botulinumtoxin spritzen lasse, die Wirkung bleibt sehr zuverlässig die gleiche.

    Für Asperin gibt es übrigens zahlreiche Alternativen.

    Und ansnsten erwarte ich, selbst von einem Arzt, dass er sich fortbildet.

  28. #28 pogobi
    Juni 17, 2010

    @Jörg Friedrich:

    1. Ich bezweifle, dass der Arzt mit Homöopathie oder Ähnlichem besser verdient, abgsehen davon, dass er doppelt (“Ich gebe Ihnen noch komplementär…”) aufschreiben kann. Die Firmen, die diese “Mittel” produzieren, haben aber Gewinnspannen in Milliarden Prozent und mehr, und die versuchen druchaus, ihre Mittelchen zu bewerben…mit Vergünstigungen oder Ähnlichem.
    2. Ist dann das gesamte Medizinstudium umsonst? Wozu lernt man, wissenschaftlich zu denken und sich nicht an Einzelereignissen festzuhalten, wenn man dann das alles wieder über Bord wirft? Außerdem sollte gerade ein Hausarzt wissen, wie stark sich manche Menschen ihre Krankheiten einbilden.
    3. Ich auch! Ich empfehle Ibuprofen, gelöst als Lysinsalz.

  29. #29 michael
    Juni 18, 2010

    @Pogobi

    > Die Firmen, die diese “Mittel” produzieren, haben aber Gewinnspannen in Milliarden Prozent und mehr

    Nun:

    Wenn die Produktionskosten von einem Fläschchen Zuckerwasser 1 Cent betragen, für wieviel Euro muss man das Fläschchen verkaufen, um eine Gewinnspanne von 1 Milliarde Prozent zu haben ?

  30. #30 Pogobi
    Juni 18, 2010

    Ehm, du nimmst an, dass ein Fläschchen 1 cent kostet… die sind noch wesentlich billiger. Hier kam doch von Florian schon einmal ein Bericht über eine Homöopathie Fabrik, wenn ich mich recht erinnere.
    Ich habe hier aber auch nicht nur an Homöopathie gedacht, sondern an alle esoterischen Mittel. Da kommen diese Gewinnspannen schon hin.

  31. #31 peter
    Juni 18, 2010

    Wenn ich mich so in einem Wartezimmer umschaue dann habe ich immer das Gefühl das über die Hälfte der Leute keinen Arzt brauch sonder einfach 2 Tage Ruhe und gut ist. Mit ner Krippe muss man nicht zum Arzt. Eine Schniefnase geht meist auch von allein weg.
    Aber entweder sind die Leute Hyperchonder oder brauchen einen Kassenurlaubsschein.
    Wenn Arbeitgeber einheitlich erst ab dem 3. Tag auf dem Krankenschein bestehen würden wären die Wartezimmer vielleicht nur noch halb so voll. Müsste man mal untersuchen.
    Was eigentlich sagen will. Der Großteil der Hausarztbesucher müsste gar nicht zum Arzt. Es würde auch von allein gut werden. Geht er aber zum Arzt dann erwartet er auch irgend etwas. Meist ein Rezept. Und was gibt es da denn besseres als wirkungsloses Zeugs zu verschreiben. Patient zufrieden, Arzt zufrieden, fast alle zufrieden.

  32. #32 wolfgang
    Juni 18, 2010

    also bei Privatpatienten seh ich das etwas anders, die verlieren halt Geld, von dem sie ohnehin einiges haben durch eine wirkungslose Behandlung, wobei die Kosten für die Glaubuli noch den geringsten Anteil haben.

    Ich kannte mal einen ziemlich bescheuerten Arzt mit Kassenpraxis, der hat haufenweise Homöopathika verschrieben und natürlich auch das ärztliche Gespräch verrechnet.
    Nur hatte der in seiner Ordination mindestens 50% Pensionisten, die mehrheitlich Mindestrentner waren.Die können sich das einfach nicht leisten.
    Er hat dann auch mit Kassenvertrag (!) Konkurs anmelden müssen- hat sich dann als Heeresarzt beworben, obwohl er Zivildienst gewählt hatte. Mehrfach realitätsblind, aber deswegen war er ja wohl auch Homöopath.

  33. #33 S.S.T.
    Juni 18, 2010

    @peter
    Es gibt ja auch das Ärztehopping, was das System nicht nur verteuert, sondern gelegentlich auch kritisch für den Patienten sein kann (Doppelverschreibungen, unverträgliche Wirkstoffkombinationen etc.).

    Langeweile kann durchaus ein Grund für ein Arztbesuch sein, gibt ja auch genug Witze darüber (Oldie: Der Mann mit den drei Eiern) bzw. aus einer Stilblütensammlung:
    ‘Aushang im Wartezimmer: Aus gegebenem Anlass werden die Patienten gebeten, nicht ihre Symptome auszutauschen.’

    Ansonsten sollte ein fähiger Arzt in der Lage sein i.d.R. ohne Voodoo auszukommen. Er kann durchaus eine Verschreibung ablehnen oder etwas verschreiben, dass vlt. objektiv unnötig ist, aber zumindest symptomatisch etwas hilft.

    Bei Leuten mit ernsthaften mentalen Problemen ist eine Nullverschreibung nat. nicht möglich, die würden dann einfach weiterhoppen. Aber dann lieber ein paar Vitamine o.ä. (noch besser wären Spaziergänge, Gymnastik u.s.w.) verschreiben. Erinnert ein wenig an eine ältere Dame, die in regelmäßigen Abständen auf der David-Wache aufkreuzte und sich beklagte, dass sie mal wieder bestrahlt wurde. Sie wurde dann von freundlichen Pol.Bea. durch eine Entstrahlungstür (=Bürotür) geführt und zog bis zum nächsten Mal glücklich von dannen.

  34. #34 katja
    Juni 18, 2010

    Wenn ich in scienceblogs ueber Homoeopathie lese und dann die Kommentare dazu, dann stelle ich fest, dass viele nicht wissen was es heisst richtig krank zu sein.
    Ich hatte mit 22 Jahren, das ist jetzt 6 Jahre her, 2 Schlaganfaelle, in diesem Fall eine Durchblutungsstoerung, einmal in der rechten einmal in der linken hinteren Gehirnhaelfte. Zurueckgeblieben ist eine Gesichtsfeldeinschraenkung auf beiden Seiten. Auf jedem Auge ist genau ein viertel schwarz, jeweils das aeussere obere viertel.
    Ich bin mit Homoeopathie aufgewachsen, meine Mutter war und ist immernoch ueberzeugt davon, weil es ihr mit homoeopatischen Behandlungen wesentlich besser gieng als mit den Schmerztabletten von der Schulmedizin. Sie hatte Nackenschmerzen und konnte kaum noch gehen. Heute denke ich, dass das eine ausgewachsene Depression war und der Homoeopath einfach mitfuehlender war als der andere Arzt. Ich kann bis heute nicht verstehen warum sie niemand zu einem guten Therapeuten geschickt hat der ihr zuhoert.

    Wir sind dann bei dem Homoeopathen geblieben und waren zufrieden, weil niemand etwas schlimmeres hatte. 13 Jahre nach der Krankheit meiner Mutter wachte ich eines morgens auf und konnte nicht mehr richtig sehen und gehen. Als ich dann zu diesem HP gieng hat er mich nicht lange untersucht sondern wieder nach Hause geschickt und gesagt meine Vorfahren haetten zu viel Fleisch gegessen. Ich solle mich nochmal melden falls es nicht besser wuerde. Am naechsten Tag bin ich zu einem anderen Arzt der mich dann ins Krankenhaus geschickt hat. Da war ich dann eine Woche. Es wurde keine Ursache gefunden und dann wurde ich wieder nach Hause geschickt. Ich fuehlte mich auch in der Schulmedizin nicht sonderlich aufgehoben.

    Ein halbes Jahr spaeter das selbe Spiel auf der anderen Seite meines Gehirns, diesmal fiel es mir schwerer wieder richtig gehen zu koennen und auch das taube Gefuehl blieb eine Weile. Ich hatte mein leben lang Panik und Angst vor Dingen die hoechstwahrscheinlich nicht auftreten werden. Der zweite Schlaganfall hat das verschlimmert. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit 22 Jahren zwei Schlaganfaelle bekommt? Wann kommt der dritte, was kann ich dagegen tun, dass es nicht soweit kommt?

    Wenn ich zur Schulmedizin gehe und von meinen Aengsten erzaehle, dann verschreiben sie mir Psychopharmaka, die ich bisher nicht genommen habe. Vor vier Jahren habe ich Reiki angefangen und der Gedanke, dass mich Energie durchstroemt und die langen Meditationen haben mir sehr geholfen und mich eine Weile besser mit meinen Aengsten umgehen lassen aber der liebe Verstand kam dazwischen und ich musste einsehen, dass das nur ein Gedankenkonstrukt ist und keine Energie fliesst.

    Nur ohne dieses Einreden, dass Reiki existiert ist die Meditation nur halb so hilfreich. Aber damit muss ich leben und mit der Zeit werde ich mit meiner Vergangenheit leben koenne und ohne kalten Schauer an die Zeit des Schlaganfalls zurueck denken. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg. Ich kann viele Menschen verstehen die sich in Glauben fluechten aber es ist keine Loesung. Ich denke viele Leute hier die sehr laut schreien was fuer Idioten, Morons und was weiss ich noch alles diese Leute sind die haben absolut keine Ahnung mit was sich viele Menschen herumschlagen muessen. Ich meine wo sind denn, zwischen all dem Geschrei die Berichte wie man mit schweren Schicksalsschlaegen auf atheistische Weise klar kommt?

    Ihr zeigt immer mit dem Finger auf die Leute und lacht sie aus, anstatt ihnen den Wechsel leichter zu machen. Ich haette auch gut lachen wenn ich atheistisch grossgeworden waere, dann koennte ich sagen: ‘Ach seht her, diese dummen Leute wie kann man nur!’ Ich bin katholisch aufgewachsen in einen weniger gebildeten Haushalt, mit depressiven Eltern die an Homoeopathie glauben. Das schuettelt man nicht von heute auf morgen ab. Das ist ein langer Weg, der meistens auch beinhaltet, dass man sich von seine Familie und Freunden entfernt, falls diese nicht wie du aus diesem Gedankenkomplex ausbrechen wollen.

    Eine Freundin von mir hat Morbus Crohn, was sich auch durch psychische Probleme verschlimmert wird. Seit sie Reiki macht und Hypnose muss sie viel weniger Medikamente nehmen, ich nehme an, dass der Stresslevel sehr sehr weit gesunken ist seither. Auch deshalb, weil sie im Gegensatz zu mir sich mit anderen Leuten trifft die auch Reiki machen und viele Hypnosesitzungen mit Reiki hat.
    Seit einer Weile denkt sie nun sie kann auch Krebs mit dieser Methode behandeln und das finde ich sehr problematisch. Und die Schulmedizin ist in ihrer Aussage nichts wert. Nur wie beweise ich ihr, dass das mit dem Krebs total ueber das Ziel hinausschiesst? Ohne dass ich sie als Freundin verliere und ohne dass ihr Stresslevel wieder soweit ansteigt, dass sie wieder Dauerschmerzen hat und endlos Medikamente nehmen muss und das ihre Lebensqualitaet dramatisch einschraenk?

    Ich hoffe, dass ich hier klar gemacht habe, dass ich nicht fuer alternative Heilverfahren bin aber aufgezeigt habe wie kompliziert der Weg von der einen Seite auf die andere ist. Oder auch die Gruende ein wenig klarer gemacht habe warum viele Menschen es nicht einsehen wollen von alternativen Heilmethoden abzusehen. Es hilft ihnen mit dem ganzen Muell den sie erlebt haben klar zu kommen.
    Ich verurteile alle Gurus und jeden der Geld damit verdient zu behaupten Schulmedizin sei nichts wert und es liegt an der inneren Einstellung Krebs und solche Leiden zu heilen.
    Es ist sehr wichtig, dass diese Gurus verurteilt werden und erklaert wird warum diese Leute falsch sind. Immer und immer wieder!
    Aber zwischen diesen Gurus und zwischen einem astreinen Atheisten, da gibt es doch viele grautoene und ich denke dass man da mit viel zuhoeren und nachfragen und sehr langen Erklaerungen auf naja, sagen wir mal liebevollere Art weiter kommt als ich das hier im Blog sehe. Oft hat doch die eine Seite keinen blassen Schimmer von was die andere redet. Mich wuerde zum Beispiel interessieren ob astreine Atheisten Angst vor dem Tod haben. Ich wuerde mich sehr ueber so einen Artikel freuen.
    Jetzt habe ich mich auch mal zu Wort gemeldet und hoffe es ist einigermassen verstaendlich..

  35. #35 miesepeter3
    Juni 18, 2010

    @Katja

    “Nur wie beweise ich ihr, dass das mit dem Krebs total ueber das Ziel hinausschiesst? Ohne dass ich sie als Freundin verliere …..”

    Du solltest schon versuchen, Deine Freundin zu einem Facharzt zu kriegen. Fachärzte gehen in der Regel sehr pragmatisch mit den Wünschen ihrer Patienten um. Wenn jemand meint, er müsse unbedingt Globulies nehmen und Hände auflegen, so lassen sie das ganz gelassen durchgehen, Hauptsache, man nimmt auch ihre Medizin. Und im Zweifel ist die Chance, durch die Wissenschaftsmedizin Besserung zu erfahren sehr viel größer, als das durch die Alternativmedizin möglich ist, von Einzelfällen mal abgesehen. Wenn sie nicht wirklich will, so kannst Du sie ja bitten, es Dir zuliebe zu tun. Du würdest dann Dir nicht ganz so viele Sorgen um sie machen etc pp.
    Hauptsache sie geht hin.
    Ich wünsche viel Erfolg, sowohl für die Genesung als auch für die Freundschaft.

  36. #36 Kuchlbacher Rudolf
    Juni 18, 2010

    @katja

    “Mich wuerde zum Beispiel interessieren ob astreine Atheisten Angst vor dem Tod haben”

    Ich für meinen Teil kann hiermit sehr gut:

    So ist also der Tod, das schrecklichste der Übel, für uns ein Nichts:
    Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht
    mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die Gestorbenen, denn
    wo jene sind, ist er nicht, und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. (Epikur)

  37. #37 katja
    Juni 18, 2010

    @ miesepeter3

    Meine Freundin hat noch keinen Krebs aber immer wieder Knoten in der Brust die die Aerzte auch immer kontrolliert und befunden haben, dass sie nicht gefaehrlich waren. Trotzdem sollte jeder einzelne dieser Knoten immer wieder neu untersucht werden um sicher zu gehen. Was die Aerzte ihr ja auch geraten haben. Sie geht jetzt aber zu keiner Untersuchung mehr, da, wie sie denkt, sie das jetzt alleine regeln kann. Sie denkt ich habe leicht reden zu erwarten, dass sie sich immer wieder neu diesem Problem stellt und sich immer wieder den noetigen Behandlungen unterzieht.

    Ich werde nicht locker lassen, danke fuer den Tip.

    @Kuchlbacher Rudolf
    Dieser Satz beruhigt wirklich! Ich denke, dass mir Literatur dieser Art wirklich weiterhelfen wuerde um meine alten Denkstrukturen aufzubrechen. Auch ihnen Danke,
    das hat mir weitergeholfen.

  38. #38 wolfgang
    Juni 18, 2010

    Katja schreibt:

    Wenn ich in scienceblogs ueber Homoeopathie lese und dann die Kommentare dazu, dann stelle ich fest, dass viele nicht wissen was es heisst richtig krank zu sein.

    Na ja hier schreiben viele recht junge Personen, die och nicht richtig krank waren- deswegen müssen ihre postings aber nicht falsch sein. Ich war mal richtig krank. Reha aus dem Rollstuhl heraus.

    Ich hatte mit 22 Jahren, das ist jetzt 6 Jahre her, 2 Schlaganfaelle, in diesem Fall eine Durchblutungsstoerung, einmal in der rechten einmal in der linken hinteren Gehirnhaelfte. Zurueckgeblieben ist eine Gesichtsfeldeinschraenkung auf beiden Seiten. Auf jedem Auge ist genau ein viertel schwarz, jeweils das aeussere obere viertel.

    Furchtbar-ist den das jemals ordentlich abgeklärt worden? Blutgerinnngswerte? Infektionsverursacht?

    Ich bin mit Homoeopathie aufgewachsen, meine Mutter war und ist immernoch ueberzeugt davon, weil es ihr mit homoeopatischen Behandlungen wesentlich besser gieng als mit den Schmerztabletten von der Schulmedizin.

    Das ist ein Problem über die Risken einer wirkungslosen Medizin redet keiner.

    Sie hatte Nackenschmerzen und konnte kaum noch gehen. Heute denke ich, dass das eine ausgewachsene Depression war und der Homoeopath einfach mitfuehlender war als der andere Arzt. Ich kann bis heute nicht verstehen warum sie niemand zu einem guten Therapeuten geschickt hat der ihr zuhoert.

    Glaubenssysteme sind schwer zu durchbrechen. Aber es ist richtig dass Normalmediziner oft keine Zeit für ausführliche Gespräche haben-

    Wir sind dann bei dem Homoeopathen geblieben und waren zufrieden, weil niemand etwas schlimmeres hatte. 13 Jahre nach der Krankheit meiner Mutter wachte ich eines morgens auf und konnte nicht mehr richtig sehen und gehen. Als ich dann zu diesem HP gieng hat er mich nicht lange untersucht sondern wieder nach Hause geschickt und gesagt meine Vorfahren haetten zu viel Fleisch gegessen.

    So eine Aussage ist kriminell. Und für keinen Patienten hilfreich. Und wissenschaftlich völlig unbegründet.

    Ich solle mich nochmal melden falls es nicht besser wuerde. Am naechsten Tag bin ich zu einem anderen Arzt der mich dann ins Krankenhaus geschickt hat. Da war ich dann eine Woche. Es wurde keine Ursache gefunden und dann wurde ich wieder nach Hause geschickt. Ich fuehlte mich auch in der Schulmedizin nicht sonderlich aufgehoben.

    Du gehörst zu einem Spezialisten – ein normales KH ist da eher überfordert.

    Ein halbes Jahr spaeter das selbe Spiel auf der anderen Seite meines Gehirns, diesmal fiel es mir schwerer wieder richtig gehen zu koennen und auch das taube Gefuehl blieb eine Weile. Ich hatte mein leben lang Panik und Angst vor Dingen die hoechstwahrscheinlich nicht auftreten werden. Der zweite Schlaganfall hat das verschlimmert. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit 22 Jahren zwei Schlaganfaelle bekommt? Wann kommt der dritte, was kann ich dagegen tun, dass es nicht soweit kommt?

    Bitte dringend die nächste Uni- Klinik aufsuchen- da ist vieles schiefgelaufen.

    Wenn ich zur Schulmedizin gehe und von meinen Aengsten erzaehle, dann verschreiben sie mir Psychopharmaka, die ich bisher nicht genommen habe.

    Na ja Schlaganfälle könen die nicht verhindern, aber die Angst davor lösen.

    Vor vier Jahren habe ich Reiki angefangen und der Gedanke, dass mich Energie durchstroemt und die langen Meditationen haben mir sehr geholfen und mich eine Weile besser mit meinen Aengsten umgehen lassen aber der liebe Verstand kam dazwischen und ich musste einsehen, dass das nur ein Gedankenkonstrukt ist und keine Energie fliesst.

    Tja die Energie die feinstoffliche, Qi verschwindet oft im Clo.

    Nur ohne dieses Einreden, dass Reiki existiert ist die Meditation nur halb so hilfreich. Aber damit muss ich leben und mit der Zeit werde ich mit meiner Vergangenheit leben koenne und ohne kalten Schauer an die Zeit des Schlaganfalls zurueck denken. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg. Ich kann viele Menschen verstehen die sich in Glauben fluechten aber es ist keine Loesung. Ich denke viele Leute hier die sehr laut schreien was fuer Idioten, Morons und was weiss ich noch alles diese Leute sind die haben absolut keine Ahnung mit was sich viele Menschen herumschlagen muessen. Ich meine wo sind denn, zwischen all dem Geschrei die Berichte wie man mit schweren Schicksalsschlaegen auf atheistische Weise klar kommt?

    Ja da hst du recht, ich bin aber der Menung, dass Atheisten als Realisten mit solchen Situationen besser zurechtkommen.

    hr zeigt immer mit dem Finger auf die Leute und lacht sie aus, anstatt ihnen den Wechsel leichter zu machen. Ich haette auch gut lachen wenn ich atheistisch grossgeworden waere, dann koennte ich sagen: ‘Ach seht her, diese dummen Leute wie kann man nur!’ Ich bin katholisch aufgewachsen in einen weniger gebildeten Haushalt, mit depressiven Eltern die an Homoeopathie glauben. Das schuettelt man nicht von heute auf morgen ab. Das ist ein langer Weg, der meistens auch beinhaltet, dass man sich von seine Familie und Freunden entfernt, falls diese nicht wie du aus diesem Gedankenkomplex ausbrechen wollen.

    Ja kann schwierig sein, aber du hast es unter wiedrigen Umständen geschafft.

    Eine Freundin von mir hat Morbus Crohn, was sich auch durch psychische Probleme verschlimmert wird. Seit sie Reiki macht und Hypnose muss sie viel weniger Medikamente nehmen, ich nehme an, dass der Stresslevel sehr sehr weit gesunken ist seither. Auch deshalb, weil sie im Gegensatz zu mir sich mit anderen Leuten trifft die auch Reiki machen und viele Hypnosesitzungen mit Reiki hat.

    an der Therapie von M Crohn wird heftig gearbeitet- leider gibts noch keinen Durchbruch- die Medizin muss halt auch anerkennen, dass es nicht überall Heilung gbt

    Seit einer Weile denkt sie nun sie kann auch Krebs mit dieser Methode behandeln und das finde ich sehr problematisch. Und die Schulmedizin ist in ihrer Aussage nichts wert.

    Irrmeinung- Reiki ist halt nich nebenwirkungfrei

    Nur wie beweise ich ihr, dass das mit dem Krebs total ueber das Ziel hinausschiesst? Ohne dass ich sie als Freundin verliere und ohne dass ihr Stresslevel wieder soweit ansteigt, dass sie wieder Dauerschmerzen hat und endlos Medikamente nehmen muss und das ihre Lebensqualitaet dramatisch einschraenk?

    schwierig. Du bist nicht zu beneiden.

    Ich hoffe, dass ich hier klar gemacht habe, dass ich nicht fuer alternative Heilverfahren bin aber aufgezeigt habe wie kompliziert der Weg von der einen Seite auf die andere ist. Oder auch die Gruende ein wenig klarer gemacht habe warum viele Menschen es nicht einsehen wollen von alternativen Heilmethoden abzusehen. Es hilft ihnen mit dem ganzen Muell den sie erlebt haben klar zu kommen.

    Ja du hast recht- der Stohhalm auch wenn nicht wirksam, den wollen viele nicht missen.

    Ich verurteile alle Gurus und jeden der Geld damit verdient zu behaupten Schulmedizin sei nichts wert und es liegt an der inneren Einstellung Krebs und solche Leiden zu heilen.
    Es ist sehr wichtig, dass diese Gurus verurteilt werden und erklaert wird warum diese Leute falsch sind. Immer und immer wieder!

    Klar.

    Aber zwischen diesen Gurus und zwischen einem astreinen Atheisten, da gibt es doch viele grautoene und ich denke dass man da mit viel zuhoeren und nachfragen und sehr langen Erklaerungen auf naja, sagen wir mal liebevollere Art weiter kommt als ich das hier im Blog sehe. Oft hat doch die eine Seite keinen blassen Schimmer von was die andere redet. Mich wuerde zum Beispiel interessieren ob astreine Atheisten Angst vor dem Tod haben. Ich wuerde mich sehr ueber so einen Artikel freuen.

    Untersuchungen ob Aheisten Angst vorm Tod haben sind mir nicht bekannt. Ob allerdings Gläubige mehr oder weniger Angst haben ist mir auch unklar.

    Jetzt habe ich mich auch mal zu Wort gemeldet und hoffe es ist einigermassen verstaendlich..

    Deine Wortmeldung hat mich sehr beeindruckt.

  39. #39 Stefan Taube
    Juni 19, 2010

    @Kuchlbacher Rudolf: Das Problem an dem Epikur-Spruch ist, dass er einen zwar die Angst vor dem Tod nimmt, nicht aber die Angst vor dem Sterben. Es ist schwierig, mit dem Übergang klar zu kommen.

  40. #40 S.S.T.
    Juni 19, 2010

    @Stefan Taube

    Sehe ich auch so. Ist für mich wie ein Flugzeugabsturz: Die Zeit danach ist mir egal, die Zeit des Absturzes macht mir Angst.

  41. #41 katja
    Juni 19, 2010

    @wolfgang

    ‘Na ja hier schreiben viele recht junge Personen, die och nicht richtig krank waren- deswegen müssen ihre postings aber nicht falsch sein.’

    Ja, ich denke auch, dass diese Personen oft im Recht sind. Nur wenn ich dann einen Kommentar lese von jemandem der sagt, dass er Homoeopathie nicht ganz so schlimm findet und sich diese jungen skeptischen Personen sich wie Geier auf diesen Kommentator stuerzen, dann weiss ich ungefaehr was in beiden Parteien ablaeuft und ich wuensche mir dass die ganze Welt einen Kommunikationskurs belegen muss um solche Dinge zu vermeiden. Ich denke mir, dass man viele Leute damit verjagt. Anstatt ihnen sanft zur Wahrheit zu fuehren. Obwohl die Erkenntnis wird immer hart sein also somit weiss ich nicht ob ich irgendjemandem hier was vorwerfen sollte. Vor allem weil scienceblogs mich mal gut mal weniger gut auf meinem Weg begleitet hat.

    ‘Bitte dringend die nächste Uni- Klinik aufsuchen- da ist vieles schiefgelaufen.’

    Ich war nochmal in einer Uni-klinik nach meinem 2.Schlaganfall. Die Aerzte sagten es wurden alle Tests gemacht die moeglich sind. Ich war auch 6 Wochen auf Reha und es wurde keine Ursache gefunden. Ich weiss, dass ich wiedermal zu einem Neurologen sollte. Aber die ganzen Unterlagen sind ueberall verstreut und jetzt wohne ich in England und bin nicht mehr in Deutschland versichert. Hier kenne ich mich gar nicht aus.
    Das geht hier jetzt vielleicht etwas weit alles zu erzaehlen aber gute Erfahrung mit Aerzten habe ich selten gemacht. Im Krankenhaus helfen sie aber Hausaerzte wollen sich nicht die Finger an mir verbrennen.

    ‘Ja da hst du recht, ich bin aber der Menung, dass Atheisten als Realisten mit solchen Situationen besser zurechtkommen.’

    Dieses Gefuehl bekomme ich auch langsam und ich denke es ist ein gutes Ziel zu lernen mit dem Tod besser umzugehen und von allen Vorstellungen ueber ein Leben nach dem Tod loszulassen. Es ist halt komisch wenn man mit der Vorstellung aufgewachsen ist, dass man seine Oma wieder sieht wenn man stirbt und in diesem Prozess merkt, dass das nicht geschehen wird. Dann muss man das alles nochmal neu verarbeiten. Das hoert sich vielleicht kindlich an aber das ist so. Zumindest bei mir. Obwohl es einem ja schon ungemein beruhigt, dass man im Tod nicht leidet.

    @ Stefan Taube, S.S.T.

    ‘Es ist schwierig, mit dem Übergang klar zu kommen.’

    Die eine Angst bleibt mir auch, die Frage wie man stirbt und wie lange man leidet. Aber der Spruch hilft ungemein mit dem Tod an sich.

  42. #42 Karl Mistelberger
    Juni 19, 2010

    Im Studium haben meine Ärzte gelernt, was – jedenfalls statistisch gesichert – gegen welche Krankheit hilft. Und sie haben auch gelernt, warum das so ist. Oder warum das vielleicht so ist – denn vieles weiß man gar nicht.

    Die Macht der Überzeugung: https://abenteuerforschung.zdf.de/ZDFde/inhalt/6/0,1872,8073734,00.html

    Die Überzeugung wirkt immer, egal ob sie begründet ist oder nicht. So viel weiss man ganz bestimmt. Mein alter Herr diagnostizierte in solchen Fällen: “Der hat einen Vogel” und hat ihm eine Dosis von dem verabreicht, was der sich insgeheim wünschte. Das hat er nicht im Studium, sondern in seiner Praxiszeit gelernt.

  43. #43 Joseph Kuhn
    Juni 20, 2010

    @ katja: “Mich wuerde zum Beispiel interessieren ob astreine Atheisten Angst vor dem Tod haben. Ich wuerde mich sehr ueber so einen Artikel freuen.”
    Es gibt dazu ein lesenswertes Buch von Julian Barnes “Nichts, was man fürchten müsste”, 2010 erschienen.

    @ joerg friedrich: Naturheilkunde, Chiropraktik, Homöopathie und Vitamine: da scheint mir zuviel Unterschiedliches in einen Topf geraten zu sein, was sich aus Sicht der evidenzbasierten Medizin nicht einfach über einen Kamm scheren lässt.

  44. #44 S.S.T.
    Juni 20, 2010

    @ Joseph Kuhn

    Naturheilkunde, Chiropraktik, Homöopathie und Vitamine: da scheint mir zuviel Unterschiedliches in einen Topf geraten zu sein, was sich aus Sicht der evidenzbasierten Medizin nicht einfach über einen Kamm scheren lässt.

    Stimmt schon, hat aber auch eine Menge mit Wahrnehmung zu tun.
    Klar, Homöopathie ist Schwachsinn,
    Chiropraktik ist sehr vorsichtig ausgedrückt, umstritten,
    Naturstoffe sind per se ungefährlich, da biodynamisch, es sei denn man erwischt eine nennenswerte Dosis Botox,
    Vitamine sind ja sooooo gesund, lernt man schon im Kindergarten, außer man gerät einem L.Ron Hubbard in die Fänge.

    Jede Arznei, jede Behandlung beinhaltet Chancen und Risiken, wohl dem, der einen kompetenten Arzt hat.

  45. #45 michael
    Juni 22, 2010

    > Jede Arznei, jede Behandlung beinhaltet Chancen und Risiken,

    Hehe, nur leider weiss man meist erst hinterher, wo die Chancen und wo die Risiken waren.

    > wohl dem, der einen kompetenten Arzt hat.

    Wohl dem, der um diese “Heilkünstler” einen großen Bogen machen kann.

  46. #46 h.t.
    Juni 22, 2010

    Das Leben ist kurz, die Kunst lang, die Gelegenheit flüchtig, die Erfahrung trügerisch, der Versuch schwierig. So ähnlich beginnen die Aphorismen des Hippokrates.
    Ich habe selten eine bessere Beschreibung ärztlichen Tuns gelesen.

    Und das gilt für so ziemlich jede Art von Behandlung. Auch für die ach so profund “wissenschaftlich” abgesicherten. Die Therapie trifft immer auf ein lebendiges Wesen, dessen Beseelung auch noch in 5000 Jahren ein unbegreifliches Geheimnis sein wird.

    Trotz aller vollmundiger Erklärungen von Wissenschaft und Fortschritt.
    Es könnte allerdings sein dass wir so weit fortschreiten bis wir fort sind.

  47. #47 HL
    Juni 28, 2010

    Ich hab die Kommentarschlacht jetzt nicht gelesen – aber sie wissen doch schon, dass Antibiotika nur gegen Bakterien helfen – und dass bei einfachen viralen Infektionen “warten bis es von alleine verschwindet” tatsächlich das beste Mittel ist? Ob mit Kügelchen/Vitaminen oder ohne ist hier egal, aber wenn der Patient für solche Ideen empfänglich ist und damit beruhigt wird… sowas zu erkennen gehört auch zu einer guten ärztlichen Leistung.