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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).

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22.11.11 · 15:08 Uhr

Der JFK Mord und die "Umbrella Man Fallacy"

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 11

Als John F. Kennedy 1963 in Dallas erschossen wurde, sah man im Hintergrund einen Mann stehen. Das bemerkenswerte an diesem Mann war, dass er trotz strahlendem Wetter mit aufgespanntem Schirm dastand. Das ist natürlich verdächtig und die Versuchung einen Zusammenhang mit dem Präsidentenmord, der sich vor den Augen des Regenschirmmannes abspielte, zu konstruieren ist gross.

Eine Minidoku auf der Seite der New York Times beleuchtet die Frage des Regenschirmmannes und offeriert uns damit ein ausgezeichnetes Beispiel für die Denk-Mechanismen hinter einer Verschwörungstheorie.

An einem wunderschönen Sonnentag steht ein Mann mit aufgespanntem Regenschirm an genau der Stelle wo der Präsident erschossen wird. Was für eine Erklärung könnte es dafür geben und wie kann das nicht verdächtig sein? Drängt sich ein Zusammenhang nicht geradezu auf?

Das Problem liegt jedoch anders und in der Minidoku wird sehr schön darauf hingewiesen. Wenn man ein Ereignis wie den Kennedy Mord unter dem Mikroskop zu betrachten beginnt dann wir man zwangsläufig Dinge finden. Dinge die unüblich und skurril wirken. Da wir geübt sind Zusammenhänge zu erstellen, zu rationalisieren und überall Kausalität zu sehen, liegt es bei einem so schwer akzeptierbaren Ereignis eben nahe, auch hier eine Verbindung zu machen.

Doch diese Ausnahme sind vermutlich meist keine Ausnahmen. Solche Skurrilitäten findet man überall und immer. Der Unterschied ist, man nimmt sie in der Regel nicht wahr, weil nichts nebenher passiert. Nicht-Ereignisse werden eben nicht unter diesem Mikroskop betrachtet werden.

Und der Regenschirmmann, was machte er also mit seinem aufgespannten Schirm am Strassenrand? Die Erklärung ist so simpel wie abstrus. Es handelte sich um einen Protest. Einen Protest gegen Joseph P. Kennedy, der Vater des ermordeten US Präsidenten, der in den 30er Jahren Botschafter für die USA in London war. Er stellte sich hinter Chamberlains Appeasement Politik. Dagegen protestierte der Regenschirmmann. Sein Regenschirm war für ihn ein Symbol für Chamberlain und er wollte an die gemäss ihm verfehlte Politik von Kennedys Vater erinnern.

Der Macher der Minidoku betont zu recht, wie dies aufzeigt, dass selbst die Tatsache, dass wir für etwas keine Erklärung haben, nicht automatisch eine Verbindung zum Ereignis bedeutet. Die Anzahl möglicher Erklärungen ist unendlich gross und es wäre ein Anmassung zu meinen, wir könnten uns diese alle ausdenken. Schon gar nicht solche schrägen Gedankengänge wie jenes des Regenschirmmannes.

Den verschwörunstheoretische Klassiker "es kann dafür keine andere Erklärung geben" werde ich in Zukunft wohl mit der Umbrella Man Fallacy kontern. Nicht dass es viel ändern würde. Aber man spart sich zumindest die Mühe sich ständig zu wiederholen.

 

Autor: ali· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (11)

Kommentar-Direktlink Michael· 22.11.11 · 15:42 Uhr

Das Ganze hat schon einen Namen: Anomaly Hunting (Aufspüren von Anomalien). Das ist eine Basistechnik aller Verschwörungstheorien: Finde tausend Sachen, die nicht recht ins Bild passen, auch wenn sie rein gar nichts beweisen. Das ist einfacher, als Positivbelege zu finden.

http://www.ratioblog.de/entry/wir-basteln-eine-verschwoerungstheorie

Kommentar-Direktlink Klaus· 22.11.11 · 16:28 Uhr

"Anomaly Hunting": Knapp 10.000 Ergebnisse bei Gugel. Immerhin.
Aber leider noch kein Eintrag bei Wiki, weder in D noch in Englisch.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 22.11.11 · 19:40 Uhr

Jaja, der Chamberlain-Protest KANN eine Erklärung sein. Ist er deshalb auch eine?!?!?!?!eins11elf11ßßß

Kommentar-Direktlink jitpleecheep· 22.11.11 · 20:48 Uhr

Gute Güte, das ist aber auch mal ein weit hergeholtes Protestmotiv. Aber nett, sinnlos, aber schöner Protest. :-)

Ich wäre ja auf die nächstliegende Erklärung gekommen: Der Mann war lichtempfindlich. Mit einem Regenschirm kann man sich ja nicht nur gegen Regen schützen.

Kommentar-Direktlink Klirrtext· 22.11.11 · 21:49 Uhr

Vielleicht dachte er auch, es werden noch Kamelle geworfen und wollte seine Fangchancen erhöhen...

Author Profile Page Jürgen Schönstein· 22.11.11 · 22:17 Uhr

@BreitSide
Guckst Du hier, findest Du eine Erklärung ...

Author Profile Page ali· 22.11.11 · 22:24 Uhr

@Jürgen Schönstein

War das nötig? Diese Seite zerstört meine Theorie betreffend des Zusammenhangs von Webseiten-Design und Crank-Theorien.

Author Profile Page Jürgen Schönstein· 22.11.11 · 22:28 Uhr

... und hier sogar noch eine konkretere Referenz, warum Jack Kennedy vor allem in Texas den Hinweis auf Regenschirme vielleicht nicht so witzig fand:

Robert [Kennedy] never forgave [Lyndon] Johnson for (...) referring to Joseph Kennedy as a "Chamberlain-umbrella policy man" who thought "Hitler was right," ..."
aus:Robert Kennedy: Brother Protector, von James W. Hilty
Johnson war zwar Kennedys Vize und Nachfolger, aber im Kampf um die demokratische Nominierung 1960 waren sie erbitterte Gegner gewesen, und wenn der Texaner Johnson tatsächlich diese Regenschirm-Metapher in seinem Wahlkampf wiederholt strapaziert hat, dann wäre es durchaus plausibel für einen Texaner wie Louie Steven Witt (= der "Umbrella Man") anzunehmen, dass er JFK damit ein bisschen trietzen könnte.

Author Profile Page Jürgen Schönstein· 22.11.11 · 22:29 Uhr

@Ali
Hey, Du hast meine Website noch nicht gesehen ...

Kommentar-Direktlink knorke· 23.11.11 · 09:51 Uhr

Ich glaub über den Mann mit dem Regenschirm hab ich schonmal in einem Verschwörungsbuch gelesen (oder gabs da noch nen anderen mann mit schwarzem Anzug beim JFK Attentat und ich verwechsle was?).
Der wurde dort als MIB spekuliert, und dann schlug man den Bogen zu den MIBs als "Regierungsmitarbeiter" mit blecherner Stimme, die Ufo-Zeugen einschüchterten. Zwei Seiten später waren die "Regierungsmitarbeiter" mit der Blechstimme dann asiatisch / mongolisch im Aussehen und gut 5 Seiten später war man beim Mottenmann. Von dort gabs dann bestimmt auch nochmal nen Logiksprung zu den Rothschilds, der FED, dem Ein-Dollar-Schein, den Illuminaten, Ägypten und Atlantis, aber das hab ich nicht mehr im Kopf, habe zuviele derartige Bücher gelesen, aber das Muster, das hier angesprochen wird, taucht da (auf seichtem Niveau) immer wieder auf: "Suche nach "ungewöhnlichen" Dingen und stelle auf Basis geringfügigster Ähnlichkeiten ursächliche Zusammenhänge her".
Ich hab beim Lesen teilweise gar nicht gemerkt, wie man da von einem Thema zum nächsten gesprungen ist.

Kommentar-Direktlink BreitSide· 23.11.11 · 21:03 Uhr

Jürgen Schönstein·
22.11.11 · 22:17 Uhr

@BreitSide
Guckst Du hier, findest Du eine Erklärung ...


Ja und? Das ist EINE mögliche Erklärung. An seiner (Witts) Stelle würde ich das auch so sagen, damit SIE ihn nicht gleich liquidieren. Bleibt wachsam!

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