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25.02.10 · 09:54 Uhr
Wissenschaftsblogging und Internationale Beziehungen - Eine Diskussionrunde
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Hausnotizen·Internationale Politik·Medien
Wie die meisten inzwischen mitgekriegt haben war ich letzte Woche an der Jahreskonferenz der International Studies Association. Eine der Disussionsrunden hatte sogar mit dem Bloggen zu tun. Darüber muss natürlich berichtet werden. Wer bis zum Ende durchhält kriegt einen YouTube Clip und ein paar Zitate als Belohnung.
Manchmal fühlt man sich als Wissenschaftsblogger alleine in den unendlichen Weiten des Internets, insbesondere wenn man ein akademisches Nischenthema wie die Internationalen Beziehungen bearbeitet. Selbst in den USA mit einer wesentlich besser entwickelten Bloggingszene dachte ich bisher, dass man als Blogger eher randständig ist. Die prominente Besetzung (sofern es so etwas wie "Promis" überhaupt gibt in so einem Fach) des Panels widerspricht dem jedoch.
Die Foreign Policy Blogger Stephen Walt und Dan Drezner, der bekennende Nichtblogger (ausser er tut es doch gerade bei der Huffington Post) Joseph Nye, William Winecoff als Doktorandenvertretung, Charlie Carpenter von The Duck of Minerva und Robert Farley (Lawyers, Guns and Money) setzten sich an den Tisch um über Do International Relations Bogs Inform Practice? Theory? Both? Neither? zu parlieren.1
Vieles was diskutiert wurde war nicht neu in der Wissenschaftsblogosphäre. Neu für die Internationalen Beziehungen vielleicht. Blogs als Kommunikationsplattform mit einem breiteren Publikum, als Austausch innerhalb der Spezialistinnen und Spezialisten, Blogs um Ideen anzutesten und so weiter. Ich werde mich hier auf die Highlights konzentrieren (für die Details kann man hier ein 'verzögerters Liveblogging' nachlesen).
Wer liest uns? Sicher nicht Joesph Nye, soviel steht fest (oder nur selten). Von Stephen Walt war zu erfahren, dass er weiss, dass auch Leute die professionell Aussenpolitik betreiben sein Blog lesen. Der Einfluss ist vielleicht schwer zu messen, aber nicht inexistent. Die Hits für die Foreign Policy Blogs scheinen auch gar nicht so schlecht (Walt sagte einmal etwas von zwischen 120'000 und 250'000 pro Monat für sein Blog).
Snarkiness oder vom guten Ton. Auf eine Publikumsfrage hin wurde der oft etwas andere Ton in Blogs diskutiert. Das Adjektiv des Tages war Snarky (irgendetwas zwischen bissig-kritisch und herablassend-gereizt). Man war sich mehr oder weniger einig, dass der Ton in Blogs nunmal anders ist als auf einem Diskussionspanel. Ausserdem möchte man auch von einem breiteren Publikum gelesen werden und es ist kaum vermeidbar, dass man in der Hitze des Gefechts auch ab und zu einmal etwas bissiger antwortet. Wie immer im Leben muss man eine Balance finden zwischen unterhaltendem Biss und karrierebeendenden Bosheiten.
Berufliche Risiken. Diese Diskussion betraf nicht nur die Bloggenden sondern auch die Kommentare. Beim Obama Administrationswechsel hatte Drezner sogar Anfragen erhalten, gewisse alte Kommentare zu löschen weil einige um ihre Bestätigung fürchteten. Für die Bloggerinnen und Blogger besteht das Problem eher wenn sie (noch) nicht Tenure haben. Die anwesenden Professoren setzten sich aber dafür ein, dass Bloggen wichtiger ist und verteidigten uns 'Kleine'.
Blogs und die akademische Hierachie. Dies war eine Feststellung von Charli Carpenter: In der Blogsphäre gilt die strenge akademische Hierachie weniger. Sie brachte das Beispiel eines ausgezeichneten Blogs über Piraten in Somalia, den sie auf die Blogroll nehmen wollte. Plötzlich hatte sie jedoch Zweifel ob sie das kann, weil es ein studentisches Blog war. Am Ende zählte aber nur die Qualität. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang wie sich die verschiedenen Diskutierenden ansprachen: Von Professor über Dr. Soundso bis zu abgekürztem Vornamen gab es alles. Die Hierarchie war klar. Der beste Moment der Diskussion kam aber als ein YouTube-Clip gezeigt wurde. Das kurze Video wurde produziert in Anspielung auf eine Diskussion die von Nye losgetreten wurde (zoon politikon berichtete) und in der IR-Blogosphäre hohe Wellen schlug. Der (respektlose) Clip nimmt die Diskussion als Star Wars Parodie auf. Das Publikum war äusserst amüsiert. Die Komik lag vor allem in der Tatsache, dass die Protagonisten fast alle auf dem Panel sassen ("Young Luke Skywalker" Nye und der "Dark Lord" Drezner zum Beispiel). Hier das Video (Vorsicht: Leicht Geeky):
Ein Artikel von Charli Carpenter und Dan Drezner über das Bloggen in den Internationalen Beziehungen bot die Grundlage zur Diskussion. Der Artikel soll im Sommer veröffentlicht werden. Ich werde ihn dann oder vielleicht die Vorabversion ein anderes mal einzeln besprechen.
Ich darf wohl weiterhin darauf hoffen in Zukunft im deutschsprachigen Raum mehr Blogs zu internationalen Beziehungen zu finden.
1Falls möglich sind die Einträge zum Panel auf den Blogs der genannten verlinkt.
Autor: ali· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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