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12.02.10 · 18:44 Uhr
Der Klimawandel findet wegen zu braven Schweizern statt
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Geschichte·Umwelt · Kommentare: 7
Die Geschichte ist zwar nicht mehr ganz frisch, aber es wäre schade, würde sie keine Erwähnung finden, schon nur weil sie trotz dem Themenbereich 'Kunterbunt' auch noch erlaubt auf eine Publikation einer Universität hinzuweisen.
Fiesch ist eine Ortschaft in der Schweiz, nahe beim Aletschgletscher. 1678 leisteten die Bewohner einen Eid vor Gott um den Gletscher vom weiterwachsen abzuhalten. Sie wollten tugendhaft leben um im Gegengeschäft ein Wachstumsstopp für den Gletscher zu erhalten (was sie den vorher so alles getrieben haben in Fiesch um das Wachstum in Gang zu setzen ist leider nicht in Erfahrung zu bringen). Dafür hielten sie jährlich eine Prozession ab und beteten. Das Gelübde wurde vom Papst Innozent abgesegnet. 1862 setzten die Fiescher noch nach und hielten die Prozession zweimal im Jahr ab.
Inzwischen ist der Gletscher wie so viele andere auch in den Alpen am schrumpfen. Konservativ und loyal wie man ist, möchte man natürlich nicht einfach aufhören mit dem Beten. Darum hat man beschlossen den Papst darum zu bitten, den Zweck des Gelübdes in sein Gegenteil zu verkehren. Ohne die Zustimmung von Papst Benedikt XVI scheint das aber nicht zu gehen.
Die Fiescher sind also Schuld an der Klimaerwärmung und warum? Weil sie zu anständig sind. Ich zweifle aber, dass etwas mehr Sünde in Fiesch wirklich viel ändern würde. Bestimmt wurde ausserdem die Klimaerwärmung auch schon als göttliche Strafaktion interpretiert. Dass sie trotz Weiterschmelzen des Gletschers offensichtlich nicht aufhören für einen Rückgang weiterzubeten ist meinem nicht-religiösen Hirn kaum verständlich. Meinen sie wirklich der Gletscher schmilzt wegen ihrer Prozessionen? Aber vermutlich ist es sowieso vor allem ein PR Gag.
Ach ja, fast hätte ich vergessen: Die versprochene Publikation der Universität Insbruck: Ist es der Sindtfluss? Kulturelle Strategien & Reflexionen zur Prävention und Bewältigung von Naturgefahren, R. Lackner, R. Psenner, M. Walcher (Hg.).
Bildquelle: Wikimedia Commons, CC-by-sa 2.5 Dirk Beyer
Autor: ali· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Da kann ich dir auch ein Beispiel aus Österreich zeigen:
Illustration einer Gletscherprozession aus dem Jahre 1898:
http://www.arzl-pitztal.info/pitztal/1898_pitztal%20gletscherprozession.gross.jpg
Ich will das eigentlich nicht verurteilen. Das war einfach eine andere Zeit und die Menschen waren sehr gläubig und der voranschreitende Gletschervorstoß hat die Menschen in den Alpentälern in ihrer Existenz bedroht. Ich finde das jedenfalls sehr interessant :-)
Und heute haben wir ja das gegenteilige Problem. Also warum hören die Leute vom IPCC nicht auf zu quatschen und machen stattdessen Gletscherprozessionen? Wie man sieht, es funktioniert :-)
Bitte nenne bei Fotos, die unter einer freien Lizenz stehen auch die Lizenz und erfülle die sonstigen Anforderungen. Hier wäre ein Hinweis auf CC-by-sa 2.5 zwingend erforderlich gewesen, ohne Lizenzangabe ist das eine Urheberrechtsverletzung. Der Name des Fotografen alleine ohne die Lizenz genügt nicht.
@Marc B.
Ich dachte wenn der Fotograf verlinkt ist, reicht das by CC by. Ist korrigiert. Soll nicht wieder vorkommen.
Selbst auf der Nordseite im Herzen der Schweiz ist der Klimawandel unaufhaltsam und die Veränderung seit drei Jahrzehnten auffällig: Durch die Hintere Gasse von Meiringen nach Kandersteg (neutouristisch "Der Bärentrek"). Die Eigernordwand, einst eine gefürchtete Eiswand gleicht eher einem Schutthaufen.
Danke für die schnelle Reaktion.
Boah ey, jetzt kommen die paragraphenreiter schon bei der cc lizenz und mäkeln rum ...
Wurde "Du sollst nicht CO2 emmitieren" schon als achte Totsünde nachgetragen?
(bin in Kirchlichen Dingen nich so auf dem Laufenden)