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14.12.09 · 15:13 Uhr
Zum Tod von Paul Samuelson
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Wirtschaftswissenschaften · Kommentare: 3
Gestern Sonntag verstarb der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Saumelson 94 jährig. Seine Beiträge zum Fach sind von immenser Bedeutung. Eine kurze fachfremde Würdigung.
Samuelson wird häufig als der Mann bezeichnet, der die Wirtschaftswissenschaften zur Wissenschaft gemacht habe. Man kann sich vielleicht darüber streiten, ob dies nur zu positiven Entwicklungen geführt hat, ging dies doch vor allem mit der Betonung der Mathematik als Instrument einher. Ich möchte mich als Nicht-Wirtschaftswissenschaftler auch gar nicht zu sehr dazu äussern. Wie auch immer man zur Mathematisierung der Wirtschaftswissenschaften steht, muss man P. Samuelson zugestehen, dass er das Fach beeinflusst hat wie nur wenig andere. Er hat gleich mehrere Publikation, die als Meilensteine im Fach gelten. Er hat ein Lehrbuch geschrieben (Economics: An Introductory Analysis), das seit seiner Veröffentlichung 1948 auf über 30 Sprachen (Reuters meint sogar über 40) übersetzt wurde und seither in 4 Millionen Exemplaren gedruckt wurde. 1970 erhielt er als erster Amerikaner den erst zum zweiten Mal vergebenen Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften.
Ich kenne Samuelsons Werk aus der Handelstheorie. Es gibt niemanden, der auch nur die Grundlagen der Handesltheorie vermittelt bekommt ohne sich mit dem Stolper-Samuelson Theorem (nach Paul Samuelson und Wolfgang Stolper benannt) auseinandersetzen zu müssen. Dies soll hier anstelle eines Nachrufs, den man überall sonst auch nachlesen kann, kurz erklärt werden (z.B. Reuters, Financial Times, Bloomberg, New York Times, Neue Zürcher Zeitung, Frankfurter Allgemeine).
Das Theorem macht Aussagen zur Entwicklung vom Faktoreneinkommen bei einer relativen Preisänderung. Was heisst das? Faktoren sind Dinge die zru Produktion benötigt werden wie zum Beispiel Arbeit, Boden, Kapital, usw. (meines Wissen bezogen sich Stolper und Samuelson nur auf die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital).1 Ändert sich der relative Preis eines Produktes beeinflusst dies die Erträge für die einzelnen Produktions-"Zutaten". Mit relativem Preis ist hier das Verhältnis des Preises von einem Gut A (zum Beispiel Käse) mit einem anderen Gut B gemeint (zum Beispiel Wein).
Steigt also der relative Preis eines Gutes (z.B. Käse wird teurer im Verhältnis zum Wein), wird das Einkommen für den Faktor der intensiver genutzt wird, ebenfalls ansteigen. Gleichzeitig wird jenes des weniger intensiv genutzten Faktors sinken. Ist in meinem Beispiel jetzt Käse Arbeitsintensiv und Wein Kapitalintensiv und steigt wie erwähnt der relative Preis von Käse und alles andere bleibt unverändert heisst das, dass man höhere Löhne bezahlen wird (Arbeit als Intensiv-Faktor in der Käseproduktion) und man für das eingesetzte Kapital hingegen weniger Zinsen, Dividenden, etc. erhält als vorher.
Hier kommen wir auch zur Relevanz in aktuellen Debatten zum Beispiel Thema Globalisierung. Eine solche Preisänderung und dies ist auch warum es für die Handelstheorie wichtig ist, könnte zum Beispiel durch das Öffnen der Grenzen stattfinden (also das Senken oder Abschaffen eines Import- oder Exportzolles). Es erklärt in diesem Fall zum Beispiel wie das Entfernen von Handelsschranken (ein wichtiges Element der so oft diskutierten Globalisierung) Löhne beeinflusst. Klassisch wäre eine Aufteilung in zwei typische Sektoren: In einem werden spezialisierte Arbeitskräfte (z.B. Microchips), im anderen werden vor allem schlecht ausgebildete Arbeiter (z.B. Textilien) intensiv eingesetzt. Senkt ein Land nun den Schutzzoll auf das zweite Produkt (z.B. für chinesische Textilimporte), heisst das, dass der Weltmarktpreis für Textilien aus der Sicht der Produzenten dieses Landes sinken wird und mit ihm der relative Preis im Vergleich zu den Mikrochips. Gemäss Stolper-Saumelson Theorem werden also die Löhne für schlecht ausgebildete Arbeitskräfte ebenfalls sinken. Es gilt aber noch zwei Dinge festzuhalten bevor jemand daraus direkt politische Schlussfolgerungen ableitet: Erstens findet im anderen Land genau das umgekehrte statt und die gleiche Gruppe Arbeiter wird besser bezahlt. Zweitens profitiert das Land als ganzes trotzdem. Das sinkende Faktoreneinkommen wird überproportional kompensiert. Das Problem ist also nicht das Senken der Zölle an und für sich (oder die Globalisierung) sondern eine Verteilungsfrage. Diese ist aber ein politisches Problem (unsereins will ja auch was zu tun haben).
Ein genauere Erklärung findet sich hier (Englisch). Nun, liebe Ökonominnen und Ökonomen, dürft ihr mich zerlegen (in Sachen Terminologie seid bitte gnädig, ich kenne das alles nur Englisch).
Bildquelle: Innovation & Business Architectures, Inc. via Wikimedia Commons
1Dies trifft unter bestimmten vereinfachenden Annahmen (vollkommener Wettbewerb, konstante Erträge) zu und soll hier der vollständigkeitshalber erwähnt werden.
Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Samuelson war auch für seine Kommentare und sein "gut entwickeltes" Selbstbewusstsein bekannt, vor allem als Student.
Seine Dissertation trägt den bescheidenen Titel "The Foundations of Economic Analysis". Durchaus keine Übertreibung, wie die Geschichte gezeigt hat...
Vielleicht sollte ich den Titel meiner Diss überdenken.
Krugman hat einen Nachruf mit einer Übersicht von Samuelsons Leistungen verfasst:
http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/12/15/the-incomparable-economist/
Die Mathematisierung der Volkswirtschaftslehre ist unbestreitbar ein positiver Verdienst. Dass mathematische Eleganz zuweilen über praktische Anwendbarkeit gestellt wurde (allerdings nicht durch Samuelson selbst) ist eine andere Geschichte. Praktische jede darauf folgende ökonomische Strömung darauf fußt auf seinen Theorien (inkl. Keynesianismus).