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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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26.08.09 · 18:37 Uhr
Wie der Teddybär zu seinem Namen kam
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Geschichte·Politik·Umwelt · Kommentare: 1
Was verbindet den 26. Präsident der USA, die deutschen Steiff-Bären, eine wissenschaftliche Debatte über das Wesen der Tiere und eine Karikatur in der Washington Post?
Ich bin via den Podcast Thinking Allowed auf einen Artikel in The Journal of American Culture aufmerksam geworden (Varga, D. (2009). Teddy's Bear and the Sociocultural Transfiguration of Savage Beasts Into Innocent Children, 1890-1920 The Journal of American Culture, 32 (2), 98-113). Der Artikel befasst sich mit Theodore Roosevelts Jagdabenteuer und der Wahrnehmung von wilden Tieren im öffentlichen Diskurs. Ich kann absolut kein Expertentum in amerikanischer oder Teddybär Geschichte beanspruchen fand den Artikel aber sehr unterhaltsam. Er zeigt schön, wie sich Wahrnehmungen ändern können und wie Ideen eine Eigendynamik entwickeln können.
Im November ging Theodore Roosevelt in Mississippi auf eine einwöchige Bärenjagd. Er war ein begeisterter Jäger und er gehörte zu den aktiven Werbern für diese Freizeitbeschäftigung draussen in der Natur. Der Jagdtrupp hatte auch Hunde dabei, die darauf abgerichtet waren, Bären aufzuspüren und zu hetzen. Die Jagd fand unter der Beobachtung der Presse statt und die Washington Post berichtete darüber. Als Präsident der USA und Mann mit Gespür für die Öffentlichkeit wurde im schwierigen Terrain alles unternommen, dass er den Bären vor die Flinte kriegte und er wurde entsprechend gut platziert (da er auch nicht so gut zu Fuss war).
Nachdem er die Hunde nicht mehr hörte, ging er davon aus, dass der Bär verschwunden war und ging zurück zum Lager. Dort tauchte aber später der Bär auf, fiel in ein Wasserloch und wurde von den Hunden attackiert. Der Afro-Amerikanische Gruppenführer schlug den Bären bewusstlos und band ihn an einen Baum, damit Roosevelt ihn erschiessen konnte. Dieser weigerte sich aber und untersagte auch allen anderen es zu tun. Er verlangte, dass man den Bären "aus seinem Elend" befreite, was mit einem Messer auch getan wurde. Später verspeiste die Jagdgruppe den so gemachten Fang.
Dies führte zu einer Karikatur in der Washington Post, "Drawing the Line in Mississippi" und um diese dreht sich der Artikel, den ich hier bespreche. Die genaue Absicht der Karikatur (ich habe hier die zweite Version hochgeladen) ist umstritten. Die Autorin meint, dass sich die Karikatur auf eine Debatte um wie und was Tiere empfinden bezieht. Dies ist interessant, weil Roosevelt sich auf der Seite der Debatte positionierte, die die Notwendigkeit der Dominanz des Menschen über die Tiere betonte. Nun wurde er durch eine Karikatur, die vielleicht genau dies auf die Schippe nahm, für immer mit dem knuddligen Stoff-Bären in Verbindung gebracht.
Der Konsens damals war, dass die Jagd erbaulich ist, den Stadtmenschen stärkt und ein Naturerlebnis verschafft. Wilde Tiere wurden nur als Gefahr gesehen und das Töten der Tiere galt als Zeichen der notwendigen Dominanz der Menschen über die Tiere und die Zähmung der Wildnis. Um die Jahrhundertwende begann eine Gruppe diesen Blickwinkel in Frage zu stellen und zu kritisieren. Sie behaupteten, dass Tiere wie Menschen fühlen können und sie dies durch wissenschaftliche Beobachtung festgestellt hätten. Die Glaubwürdigkeit dieser These wurde in Frage gestellt und die Diskussion ging als nature fakers-Debatte (Natur-Fälscher) in die Geschichte ein. Roosevelt hat ein ganzes Interview zum Thema gegeben und sich gegen die 'Nature-Fakers' positioniert.
Gemäss Varga traf aber die Romantisierung der Kindheit auf die Darstellung von wilden Tieren zum Beispiel in Kinderbüchern und die Tiere wurden immer menschenähnlicher. Dies sieht man auch vergleicht man die erste Version der Karikatur mit der zweiten (hier abgebildeten). Der Bär hier im Bild ist schon nahe am bekannten Teddybärbild. Roosevelt wurde in Karikaturen wiederholt mit einem immer knuddliger werdenden Bär abgebildet. Ein auf die öffentliche Wahrnehmung bedachter Politiker konnte sich nicht wirklich gegen diese Vereinnahmung wehren, trotz des überzeugten Jägertums, das er pflegte. So kam es, dass Theodor "Teddy" Roosevelt mit der Massenproduktion des ersten Teddybärs 1903 untrennbar mit dem Stofftier in Verbindung gebracht wurde (und es gar im Wahlkampf verwendete). Gefallen hat es ihm wahrscheinlich nicht, aber was tut man nicht alles um populär zu bleiben.
Varga, D. (2009). Teddy's Bear and the Sociocultural Transfiguration of Savage Beasts Into Innocent Children, 1890-1920 The Journal of American Culture, 32 (2), 98-113 DOI: 10.1111/j.1542-734X.2009.00701.x
Autor: ali· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Sehr spannend. Ich habe viel Spaß beim Lesen dieses Artikels gehabt. Vielen Dank!
Grüße, Richard