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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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06.03.09 · 10:04 Uhr
Georgisches Reisetagebuch
Kategorie: Politik·Themenwoche
Eine gute Freundin von mir, die meine ursprüngliche Verbindung zu Georgien ist, die sich selber auch akademisch mit den Georgisch-Russischen Beziehungen beschäftigt hat und inzwischen in Tbilisi lebt, hat mir bei ihrem letzten Besuch einen Essay geschenkt. Sie meinte es sei das beste was sie bisher zum Krieg im letzten Jahr gelesen hätte.
Es handelt sich um die einen leicht erweiterten Reisebericht der in der französischen Zeitung Le Monde am 3. Oktober 2008 erschienen ist (Carnet der route en Géorgie, kostenpflichtig). Ich möchte hier tatsächlich jedem der sich für die Situation in Georgien interessiert dieses kleine Heft empfehlen.
Es wurde mir erst beim Lesen der Verweise auf andere Bücher am Ende des Essays bewusst dass es sich um einen Reisebericht handelt, der von einem Bestseller Autor verfasst wurde. Ich hatte während der Lektüre den Eindruck, den Text eines gewissenhaft recherchierenden Journalisten zu lesen. Jonathan Littell, der Autor des hier besprochenen Artikels ist der Verfasser des Romans Les Bienveillantes (Die Wohlgesinnten) der 2006 Furore machte.
Littell reiste mit dem Sekretär des georgischen Sicherheitsrat Kacha Lomaja kurz nach dem Krieg in das Konfliktgebiet. Er schafft es, die nötige Distanz zu waren und dank seiner Sympathien für die betroffene Zivilbevölkerung ein Bild von den Auswirkungen des Kriegs zu vermitteln, unabhängig von der eigenen moralischen Bewertung der politischen Situation.
Er schreibt von der 'eigenen Wahrheit' die jeder hätte. Osseten, Russen, Georgier, sie alle haben ihre eigene Sicht der Ereignisse und nur weniges ist wirklich bestätigt, aber alle sind tief überzeugt vom historischen Unrecht, das ihnen angetan werde. Gleichzeitig zeigt Littell auch gut auf wie auf allen Seiten Propaganda betrieben wird und wie schwer es im vom Krieg aufgwirbelten Staub es ist, diese von den Fakten zu unterscheiden.
Eigentlich ist es Schade, nach der Lektüre von Littells Essay weiss man wenig mehr. Man lernt vor allem, was man nicht weiss und wer was behauptet. Gleichzeitig erfährt man auf der Reise mit ihm, wie die Menschen auf allen Seiten den Krieg erlebten, wofür und wogegen sie kämpften, welche menschlichen Tragödien er verursachten und wie schwierig eine Lösung sein wird. Vermutlich noch schwieriger als sie bis jetzt ohnehin schon war.
Jonathan Littell, Georgisches Reisetagebuch, Berlin Verlag, 2008
Autor: ali· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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