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11.12.08 · 16:22 Uhr
Datenlage und Terrorpanik
Kategorie: Internationale Politik·Politik · Kommentare: 2
Heute ist bei mir ein Prospekt mit Fachbüchern in internationalen Beziehungen ins Haus geflattert. Beim Durchblättern viel mir auf, wie viele Bücher zum Thema Terrorismus geschrieben werden. Rund 17% der angebotenen 83 Titel waren zum Thema Terrorismus.
Ich war vor ein paar Jahren noch überzeugt, dass dieses Forschungsbiet ziemlich schnell wieder an Attraktivität verlieren wird. Es gab schon immer interessante Forschung dazu, aber das Ausmass war doch wesentlich kleiner.
Aus Neugierde versuchte ich nun auf die Schnelle heraus zu finden, ob Terrorismus wirklich zugenommen hat in den letzten Jahren. Das würde ja diesen Anstieg an Literatur dazu ein Stück weit rechtfertigen. Mein Gefühl sagte Nein, aber man sollte sich bei solchen Dingen nicht all zu sehr auf die Intuition verlassen.
Ich stiess ziemlich bald auf die Global Terrorism Database (die Grafik in diesem Post stammt von der GTD). Die Kriterien für die Aufnahme von Ereignissen in die Datenbank schienen mir (als nicht-Spezialist zumindest) auf den ersten Blick vernünftig. Tatsächlich gab es (abgesehen von der Spitze der Attacken auf das World Trade Center 2001) seit 2004 einen Anstieg in Toten zu beobachten. Nun wurde aber der vermeintlich 'Krieg gegen den Terror' doch schon 2001 ausgerufen? Ist es nicht schon seit sieben Jahren so, dass uns eingehämmert wird, dass die grösste Bedrohung der Terrorismus sei? Warum dann erst 2004?
Ich habe den starken Verdacht, dass der Anstieg stattgefunden hat, weil die Administration Bush versuchte die Welt sicherer zu machen. Im Oktober 2003 marschierten die USA nämlich im Irak ein und 2004 gewann die Opposition (oder Widerstand oder Terrorbewegung) gegen die Besetzung an Dynamik. Ein kurze Überprüfung mit der Datenbank bestätigt diesen Eindruck: 212 Ereignisse (von 768 total) sind für die Periode 1. Oktober 2003 bis 31. Dezember 2005 für den Irak verzeichnet, die meisten mit einer beträchtlichen Zahl an Toten (im Gegensatz zu vielen anderen verzeichneten Attacken).
Um nun wieder auf den Publikationsprospekt zurückzukommen. Offensichtlich wird sehr viel publiziert weil das Thema politische hoch auf der Agenda steht. Klar, das sind sexy Themen und es ist einfacher Geld zu finden. So wird das Thema aber erst Recht zum Thema, nach dem Motto wir basteln uns unsere Bedrohung. Immerhin fand ich auch vier Publikationen im Prospekt zum Thema Klimawandel.
Autor: ali· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Wenn jemand jetzt die Grafik "Tote im Straßenverkehr" darüberlegt, dauert es nicht mehr lang bis alle Autofahrer eingesperrt werden...
Das Problem der Politik ist natürlich: wenn dann doch mal was im eigenen Land (auch in Dtl.) passiert heißt es sofort "Ihr habt ja nichts getan". Wenn jemand nachts, bei Regen mit 120 gegen einen Baum fährt, dauert es ja auch nicht lange bis ein 70er Schild auf gestellt wird und während des Berufsverkehrs geblitzt wird.
Vielleicht wird ja bald aus dem Kampf gegen Terror ein Kampf gegen Rezession. (Hängt wahrscheinlich nur von der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ab)
Dass der Einmarsch der Amis im Irak einen Anstieg der Terroropfer zur Folge hatte, ist eine Seite der Medaille. Andererseits würde aber vermutlich eine Statistik wie "Durch Saddam vergaste Kurden" seit 2003 einen signifikanten Abstieg verzeichnen. Das Problem bei solchen Statistiken ist ja, dass man im Gegensatz zu den meisten naturwissenschaftlichen Studien die Ereignisse nicht unter kontrollierten Bedingungen wiederholen und prüfen kann, wie sie sich bei Veränderung einiger Parameter entwickelt hätten. Soll heißen, wieviele Menschen wären wohl gestorben, wenn Saddam noch an der Macht wäre? Gäbe es ohne den "Krieg gegen den Terror" noch mehr Anschläge, oder haben die Invasionen in Irak und Afghanistan die Lage erst angeheizt? Wir wissen es nicht und können nur spekulieren.
@Anhaltiner
Wer nachts bei Regen mit 120 gegen einen Baum fährt ist selbst schuld, nur suchen Menschen ja leider immer gern bei anderen die Schuld. Ich für meinen Teil wäre mit einem Politiker, der "nichts" tut, sehr zufrieden.