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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).

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24.11.08 · 13:15 Uhr

Wie die Schweiz den Dritten Weltkrieg überstand

Kategorie: Politik·Technik  ·  Kommentare: 3

Trockenklosetts.jpgIm Zweiten Weltkrieg plante die Schweiz den Rückzug in ein alpines Befestigungssystem im Falle eines Einmarsches. Diese Symbolik der Berge für die Wehrhaftigkeits und Schutz blieb auch während des kalten Krieges bestehen. Die Resultate dieses Irrsinns existieren nach wie vor.

Eine Pflicht existiert, eine Schutzanlage zu bauen respektive für einen Platz zu bezahlen wenn man dies nicht tut (diese Regelung soll übrigens beibehalten werden). Man machte daraus schon fast eine Kunstform. Dies sieht man zum Beispiel auf Fotos von als Chalet getarnte militärische Bauten. Die Schweiz ging noch weiter. Eines der Denkmäler für dieses Denken ist der Sonnenberg-Tunnel, der vermutlich weltgrösste Nuklearbunker.1

Es handelt sich um einen Strassentunnel, der im Ernstfall als Bunker hätte verwendet werden. 20'000 hätten darin Platz finden sollen, riesige Luftfilter hätten für Frischluft gesorgt, ein Operationssaal und Arrestzellen (siehe Bild) standen zur Verfügung. Eine beeindruckende Ingenieursleistung aber überlebenstechnisch wohl eher ein Arrestzellen.jpgBeruhigungsmittel als effektiver Schutz. Als man einmal die vier 1.5 Meter dicken und je 350 Tonnen schwere Türen testete, brauchte es zwei Tage um sie zu schliessen. Man musste wohl hoffen, dass die Sowjets im Falle eines Nuklearschlages den Anstand gehabt hätten, diesen anzumelden. Geschlossen hätte sie einer Explosion von einer Megatonne in einer Kilometer Entfernung standhalten können (fast 70 mal die Sprengkraft von Little Boy auf Hiroshima). Ich zweifle am Nutzen einen globalen Nuklearkrieg in einem Bunker zu überleben (Dr. Strangelove lässt grüssen). Irgendwie erinnert mich das alles an die vielen idiotischen Sicherheitsmassnahmen die im Zuge der grassierenden Terrorismuspanik überall ergriffen werden. Zwar nicht effektiv aber der Plazeboeffekt für die verängstigten Massen heilligt die Mittel.

Der Sonnenberg Tunnel hat inzwischen eine Website und man kann ihn im Rahmen von Führungen besuchen.

1 Genau genommen sind die Kantone verpflichtet, genügend Plätze für die Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Da der Kanton Luzern in den 70er Jahren nicht genug solche hatte, wurde der Sonnenberg Tunnel als Bunker ausgebaut.

Bildquelle: Medienkit http://www.unterirdisch-ueberleben.ch

 

Autor: ali· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink Andylee· 24.11.08 · 19:53 Uhr

Tja.... Schweizer ;)

Kommentar-Direktlink Martin Breuer· 27.11.08 · 00:58 Uhr

Jaja... was wäre wenn... dazu gibt es gerade ein super pc spiel. Fallout3, besonders die Ironie in dem Spiel ist klasse ;)

Kommentar-Direktlink catta· 27.11.08 · 03:45 Uhr

So ganz fair ist der Kommentar "tja... Schweizer" nicht -- es gibt wohl kaum ein Land, das solche Bunker nicht gebaut hat; (West-)Deutschland hatte einen gigantischen, in den Weinbergen versteckten Regierungsbunker in der Nähe von Bonn (aber wirklich einen Regierungsbunker, der nur sicherstellen sollte, daß über das nukleare Ödland auch jemand regieren konnte); in der DDR gab's ähnliches. England hatte auch riesige (Regierungs-)bunkeranlagen und die BBC hatte für den Notfall schon einige Wochen Radioprogramm mit Durchhaltesendungen (viele klassische Unterhaltungsserien, zum Beispiel) vorgefertigt - ich bin eigentlich fast sicher, daß zumindest England inzwischen ein anderes aber ähnliches System geplant hat. Wieviele der geplanten Bewohner es im Ernstfall überhaupt in einen dieser Bunker geschafft hätten, ist wohl fraglich. Dagegen ist der Versuch, die gesamte Bevölkerung irgendwie zu schützen schon fast löblich, wenn auch wahrscheinlich genauso zwecklos.

Dem Lob für die gesamte Fallout-Spieleserie, auch Fallout 3, schliesse ich mich an (und fände ein Fallout-Spiel mit Handlung in Europa sehr interessant...). Die zwei Elemente, die ich allerdings am Besten finde, haben mit der Realität relativ wenig zu tun: Erstens ist der Atomkrieg, der zu den Ödlanden der Fallout-Serie geführt hat, nach einer Zukunft passiert, die sich genau so entwickelt hat, wie man sie sich in den 50er Jahren vorgestellt hat: Haushaltsroboter, Plasmaenergie, Atom-Alles (-limonade, -auto, -energiezelle...). Zweitens sind sämtliche Bunker in Fallout in Wahrheit keine Rettungsmaßnahmen, sondern finstere soziologische Experimente der Regierung.

Das tragische an den echten Bunkern ist aber eher die ernsthafte, herzzerreißende Naivität dahinter.

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