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Ali Arbia hat in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf promoviert. Er ist überzeugter Europäer, ein echtes Zoon Politikon und interessiert sich für fast alles ausser Sport (und selbst das manchmal).
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09.07.08 · 12:08 Uhr
Befreiung von Ingrid Betancourt: Ein Theatercoup?
Kategorie: Politik
Ingrid Betancourt ist frei und alle Schweinwerfer wurden für einmal nach Kolumbien gerichtet. Die Freude wird nun aber getrübt. Westschweizer Medien berichten, dass Lösegeld gezahlt wurde und die Befreiung so nicht stattgefunden hätte (auch die Times berichtet darüber).
Eine neue Verschwörungstheorie oder ist an der Geschichte etwas dran?
Es muss auf jeden Fall in die Gleichung miteinbezogen werden, dass die FARC in den letzen Jahren sowieso stark geschwächt wurde und in den letzten Monaten und Wochen einige herbe Niederlagen hinnehmen musste. Dies eröffnete neue Möglichkeiten für eine Geiselbefreiung die auch die USA sehr interessierte, da zwei US Bürger, die für einen 'Security Contractor' gearbeitet haben (ich kann mir gut vorstellen, dass es sich in Wirklichkeit um CIA Leute gehandelt hat) ebenfalls festgehalten wurden.
Allgemein sind Lösegeldzahlungen viel häufiger als zugegeben wird (man will natürlich keinen Anreiz für Entführungen schaffen). In Kolumbien sind sie institutionalisiert. Man kann schon fast von einem Businessmodell sprechen. Es gibt klare Regeln, Prozeduren und Preise. Lösegeldversicherungen sind, obwohl eigentlich verboten sehr beliebt und werden normalerweise im Ausland abgeschlossen.
War also die spektakuläre Befreiungsaktion nur gespielt und in Wirklichkeit wurden die Geiseln freigekauft? Wissen kann man das im Moment natürlich nicht. Bis jetzt wurden diese speziellen Geiseln anders behandelt als 'normale' Kidnapping-Opfer. Sie waren ein Verhandlungschip und nicht Teil des Entführungsbusiness. Die FARC wollten einen Gefangenenaustausch erwirken was ihnen auch mehr Legitimität und Anerkennung als 'Befreiungskämpfer' gegeben hätte. Daher käme eine Lösegeldzahlung einem bedeutenden Meinungswechsel gleich.
In Anbetracht des Druckes unter welchem die FARC im Moment stehen, ist es schon vorstellbar, das ein solcher stattgefunden hat. Gemäss dem verlinkten Times Artikel ist ja auch eine Amnestie erwähnt worden, die man sich so hätte vergolden können. Ebenfalls ins Bild passen die Vorwürfe die nun an den Schweizer Vermittler gerichtet sind (die helvetische Antwort kam auch prompt). Sie stehen wohl im Zusammenhang mit der Geiselbefreiung und könnten durchaus ein Ablenkungsmanöver sein (1).
Seltsam erscheint mir auch, dass die Helikopter als einer 'Humanitären Organisation' zugehörig getarnt wurden. Sowas tut man einfach nicht und es ist ein Tabu, welches in der internationalen Politk meist respektiert wird.
Gegen die Lösegeldtheorie spricht aber auch, was mich an den meisten solchen Theorien suspekt erscheint. Warum eine komplizierte Geschichte erfinden. Ockham lässt grüssen und das Risiko aufzufliegen ist doch viel zu gross. Die Wahrheit liegt wohl wie sooft irgendwo dazwischen. Ich vermute, dass durchaus Geld geflossen ist (vielleicht wurde ein absprungbereiter Guerillero als Informant geschmiert) und es ist auch plausibel, dass die USA im Hintergrund sehr aktiv waren. Ein regulärer Freikauf erscheint mir aber unwahrscheinlich. Die Geiseln waren etwas vom Wenigen, dass die FARC politisch noch in die Wagschale werfen konnten.
Es gibt immer noch unzählige Geiseln in der Gewalt von verschiedenen Gruppen in Kolumbien. Diese sollten nicht vergessen werden, gerade jetzt wo Ingrid Betancourt frei ist und die Kameras abziehen. Für unzählige Familien in Kolumbien geht das Drama nämlich weiter, ohne dass es hier jemanden kümmert.
(1) Da dieser fragliche Vermittler in Genf lebt und sich mit Kolumbien auseinandersetzt (ich habe eine Weile für ihn gearbeitet, daher mein Interesse), habe ich den Verdacht, dass es nicht von ungefähr kommt, dass gerade die Französischsprachigen Medien mehr zu wissen scheinen.
Autor: ali· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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