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06.08.10 · 22:15 Uhr
Gegen Bioäpfel aus Übersee: „Mundraub" soll wieder salonfähig werden
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 2
Neue Internetseite erleichtert die Suche nach herrenlosem Obst
Die Idee kam einem jungen Berliner Paar bei einer Paddeltour in Sachsen-Anhalt. Überall sahen sie an Fluss- und Straßenrändern herrenlose Bäume, die frisches Obst trugen, das noch genießbar war oder schon langsam faulte. Da seit 1975 der sogenannte „Mundraub" keine Straftat mehr ist, gründeten die beiden vor kurzem die deutschlandweit aktive Website www.mundraub.org, die sich zur Aufgabe gemacht hat, „dass kein herrenloses Obst mehr am Baum verrottet".
Einheimische Gaumenfreuden sind an so mancher Landstraße zu finden
Mit Hilfe von google-maps entwickelten sie eine interaktive Karte, auf der auch zahlreiche legale Obst-Standorte in Deutschland gefunden werden können. Denn die Internet-User verpflichten sich vor der Meldung eines herrenlosen oder vergessenen Obstbaumes an einer Landstraße, in einem verlassenen Gärten oder auf Grundstücken von Menschen mit wenig Zeit, vorher die Eigentumsverhältnisse abzuklären, bevor geerntet wird oder der Standort ins Netz gestellt wird. Oft handelt es sich bei den gefundenen Bäumen um sehr kostbare alte Sorten, die es auf keinem Markt oder Supermarkt zu kaufen gibt und welche ein wahre Gaumenfreude sind. Und das in nächster Umgebung.
Maulbeeren in Heidelberg - Kirschen in Rauenberg
Die Website will in diesem Zusammenhang bewusst nicht zum Diebstahl animieren, sondern „Schätze vor der Haustür" wieder entdecken, um zu verhindern, dass die Bevölkerung für Bioäpfel und Ökokirschen aus Übersee Unsummen ausgibt. So lohnt durchaus ein Blick in die schon „getaggten" Standorte - wie rund um Heidelberg und Mannheim (meiner Heimat). So teilt ein User mit, dass es im noch badischen Laudenbach neben dem Bahnsteig in Richtung Heidelberg „einsame" Äpfel, Brombeeren, Mirabellen und Kirschen gibt. Im Innenhof des Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg hat ein anderer Obstfreund weiße Maulbeeren gefunden, während in Rauenberg in einer zugänglichen Baulücke ein alleinstehender Kirschbaum steht, um den sich bisher niemand kümmert. Zwischen Mosbach und Lohrbach wurde außerdem an der Landstraße L589 ein Mirabellenbaum gesichtet. Damit niemand Probleme bekommt, sollten trotzdem vor jeder „Ernte" die Eigentumsverhältnisse abgeklärt werden. Bei vielen herrenlosen „Straßenbäumen" an Landstraßen reicht in der Regel ein kurzer Anruf beim zuständigen Straßenverkehrsamt, wie die Initiatoren des Internetprojektes mitteilen.
Internet: www.mundraub.org
Autor: Christian Jung· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Ist der in der Titelzeile - zwar in "Gänsebeine" gesetzte - Begriff Mundraub ernst gemeint ? Eigentlich kann es doch kein Diebstahl oder gar Raub sein, denn "herrenlose" und nicht umzäunte o.a. also für jedermann frei zugängliche und z.B. obstbaumbestandene Grundstücke können frei betreten werden. ( Es sei denn, daß aufgestellte Hinweise Gegenteiliges aussagen )
Also dürfte es doch auch gestattet sein, dort reifes Obst jetzt z.Zt. Kirschen, Pflaumen, Äpfel zu pflücken bzw. aufzusammeln.
Im letzten Jahr 2009 gab es in einigen Regionen eine wahre Apfelschwemme und - wir wandern viel - es war geradezu ein Jammer zu sehen, wie der größte Teil auf diesen freien Wiesen am Boden lag und im Laufe der Zeit verkam ..... Wir konnten gar nicht so viel einsammeln, und die Mengen, die wir mitnahmen, waren nicht einmal zu merken auf den Wiesen, an den Chausseen etc.....
Wenn doch die Menschen ( spez. die jungen mit Kindern ) dieses Angebot wahrnehmen wollten und selbstgesammeltes Obst äßen oder zum Kochen Backen mitnähmen. Sie kämen der Natur wieder ein kleines Stückchen näher, dieses Obst ist frischer und zumindestens auch nicht ungesünder als im Supermarkt.... und sich danach zu bücken ist der Figur und damit der Gesundheit förderlicher...... und last but not least: VIIIIEEEEL PREISWERTER !
(Wer sprach da ´mal ´was von Schulobst ??? Oder gar Armut oder oder .....)
Eigentlich eine tolle Idee.
Ich hoffe, das kanalisiert einen Teil des Stroms der Städter, die mit ihrem Kombi kommen und Obst- oder Walnussbäume plündern. Und dann noch patzig werden, wenn man sie aufklärt, dass die sehr wohl jemand gehören. Wo kein Schild oder Brandzeichen drauf steht, das ist ja automatisch herrenlos.