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15.04.10 · 01:00 Uhr
Ein böser Traum: Katyn (1940) und Smolensk (2010) - mit Videos
Kategorie: Politik · Kommentare: 1
In den vergangenen Tagen ist ausführlich über den Absturz des Flugzeuges des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński in Smolensk (Russland) berichtet worden, bei dem neben dem Präsidenten auch seine Frau Maria Kaczynska und 94 weitere Personen (Politiker, Militärs, Mitarbeiter, Piloten, Flugpersonal) ums Leben kamen.
Zu dem für die polnische Nation fürchterlichen Unglück ist in der NZZ Online vom 13. April 2010 ein sehr lesenswerter Hintergrundbericht erschienen, der die Ereignisse einordnet und besser verständlich macht. In diesem wird deutlich, dass der Flugzeugabsturz wegen der räumlichen Nähe zu Katyn für die Polen wie ein böser Traum erscheint, der nur sehr schwer zu verdauen sein wird.
1940 wurden in der Nähe des westrussischen Ortes Katyn rund 22000 polnische Offiziere und Vertreter des polnischen Bildungsbürgertums vom sowjetischen Geheimdienst NKWD mit Genickschüssen ermordet. An anderen Orten wurden weitere tausende Polen erschossen. Die Massengräber in den Wäldern rund um Katyn wurden 1943 von Soldaten der deutschen Wehrmacht gefunden. Das polnische Volk war besonders durch den Zweiten Weltkrieg zum Opfer der Sowjetunion und vor allem von Nazi-Deutschland geworden. Sechs Millionen Polen, darunter drei Millionen Menschen jüdischen Glaubens, fanden durch die Deutschen den Tod.
Russen und Deutsche beschuldigten sich in der Folge gegenseitig, die Katyn-Massaker durchgeführt zu haben. Auch in der DDR wurde diese Propagandaformel bis zu ihrem Zusammenbruch gepflegt, obwohl in Polen immer klar war, dass im Gegensatz zu anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Völkermord der Nationalsozialisten im Falle von Katyn Moskau verantwortlich war, was bis 1990 auch von den sowjetischen Herrschern permanent geleugnet wurde.
Weiterlesen:
Hintergrund Katyn (Zeit online/dpa vom 11. April 2010)
Autor: Christian Jung· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich in der Schule den Propagandafilm "Die Glocken von Katyn" sehen "durfte", in dem genau die Mär vom deutschen Unmenschen, der das wehrlose Dorf abbrennt und nur die gemauerten Kamine stehen lassen, verbreitet wurde. Vor allem das Detail vom einzigen Überlebenden, der dem Massaker nur entkam, weil er grade im Wald Holz holen war, hab ich mir damals gemerkt.
Der sehr emotional erzählte Film hat mich damals sehr geprägt und die Erkenntnis, dass mir eine genaue Umkehrung der wirklichen Vorfälle aufgetischt wurde, hat in mir nach der "Wende" ein sehr verunsicherndes Gefühl von "nichts, was ich gelernt hab, stimmt mehr" hinterlassen. Es hat lange gedauert, bis ich das hinter mir gelassen hab. Heute bin ich fast froh darüber, denn es hat mir gezeigt, dass selbst noch so plausibel erscheinende Erklärungen hinterfragt werden müssen.
PS: Ich bin seit Jahren auf der Suche nach diesem Film, kennt jemand eine Quelle?