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31.01.10 · 02:15 Uhr
Finanzmärkte: Griechenland könnte den nächsten Crash verursachen
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Wann kommt der nächste Finanzcrash? - Sorgenvoll schaut die europäische Politik zurzeit nach Griechenland. Denn das unvorstellbare Finanzchaos des „Landes der Götter" könnte in den kommenden Tagen die Stabilität des Euro nachhaltig schädigen und an den Börsen neue Kursstürze verursachen.
100 Milliarden Euro neue Schulden auch in Deutschland
Zum Vergleich: Die deutsche Staatsverschuldung liegt zurzeit bei „erschreckenden" 1762 Milliarden Euro (13.12.2009). Im Jahr 2009 soll das deutsche BIP trotz der Finanzkrise und Wachstumseinbrüchen um die 2390 Milliarden Euro betragen. Schon die geplante 100 Milliarden Euro Nettokreditaufnahme des Bundes ist dramatisch, auch wenn sie prozentual unter den "griechisch-irisch-britischen" Verhältnissen bleibt. Die Konvergenzkriterien der Europäischen Union für einen stabile Finanz- und Wirtschaftspolitik (maximal drei Prozent Verschuldung zum BIP) werden jedoch auch von Deutschland massiv überschritten.
Ratlosigkeit macht sich breit. Der bekannte Harvard-Historiker Niall Ferguson prophezeite sogar, dass es wegen des notwendigen Spar- und Konsolidierungskurses der Athener Regierung dort zu massiven sozialen Unruhen kommen könnte. Außerdem ist er davon überzeugt, dass Deutschland dem Ägäis-Staat als größtem Schuldensünder der Euro-Zone massiv mit einem bilateralen Kredit unter die Arme greifen und stabilisieren werde, um nicht die europäische Integration zu gefährden und einen sogenannten „Domino-Crash" zu verhindern. Spekulationen um griechische Staatsanleihen haben nicht nur dem Land selbst, sondern ebenso dem Euro stark geschadet, der nur deshalb nicht drastischer in seinem Wert absackte, weil auch der Dollar stark kriselt. Finanzielle Stützungsmaßnahmen der EU wie bei Ungarn, Rumänien oder Lettland sind bei Euro-Währungsunions-Mitgliedern nicht möglich.
Weitere Finanzsünder gefährden Euro-Zone
Trotz aller notwendigen und unsinnigen Konjunkturprogramme der vergangenen Monate wird in diesem Zusammenhang deutlich, dass eine gemeinsame Finanzpolitik in der EU fehlt, auch wenn es Defizitgrenzen, Verträge und regelmäßige Sitzungen der Staats- und Regierungschefs sowie der Finanzminister gibt. Auch Portugal, Spanien oder Irland sind am Rande des Finanzkollaps. Die Pleiteländer aus der Währungsunion zu werfen, würde die Krise jedoch durchaus noch verschlimmern. Doch müssten sie für fünf bis zehn Jahre ihre Budgethoheit an die EU abtreten und radikale Veränderungen einleiten, was jedoch kaum eine demokratische Regierung überleben würde.
Soziale Unruhen könnte es auch in Spanien geben
Unterdessen hat die spanische Regierung am Wochenende einen Sparplan über 50 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 vorgelegt. Soziale Maßnahmen sollen allerdings nicht gekürzt werden, da auch auf der iberischen Halbinsel soziale Unruhen zu erwarten wären. Denn nach neuesten Statistikzahlen hat Spanien Ende Dezember 2009 4,3 Millionen Arbeitslose gehabt. Das sind 18,8 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Die Dunkelziffer soll noch höher liegen.
Weiterlesen:
Griechenland - Tempelprostitution und leere Rentenkassen (Zeittaucher vom 15. Dezember 2009)
Historiker warnt vor blutigen Griechenland-Revolten (Welt vom 30. Januar 2010)
Autor: Christian Jung· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Ich verstehe es nicht, wie manche Länder immer weiter Schulden machen können und Wirtschaftswissenschaftler sogar voraussagen, das es irgendwann starke Konsequenzen geben wird und trotzdem keiner etwas tut?
@Dr. Glukose:
Das ist nicht einfach, lies dir mal diesen Artikel durch, dann siehst du wie verfahren die Situation ist.
http://www.sueddeutsche.de/politik/348/489733/text/
Die Japaner haben doch eine ähnliche Verschuldung ohne das ein Hahn danach kräht? Wo mag denn wohl die wahre obere Grenze für eine funktionierende Staatsverschuldung liegen. Bei 0% Zinsen könnte sie aus Staatssicht unendlich sein, da Rückzahlung doch eh kein Thema ist. Und solange sich die Titel der Staatsschulden in den Händen der Superreichen befinden, wird auch kaum die Inflation forciert, weil auch Billionäre nicht mehr als 100 Jachten, Jets oder Autos benötigen. Vielleicht werden dadurch nur Briefmarken, Aktien, Kunstwerke und Grundstücke, eben das was Billionäre so brauchen, teurer?
Griechenlands BIP ist wohl irgendwo in er Grössenordung von 3% des EU BIP. Wenn sie den Staatsbankrott anmelden würden, glaube ich kaum, dass es den Euro kaum in die Tiefe reissen könnte (um so härter würde es natürlich für die Griechen werden). Kauft die Eurozone hingegen Griechenland frei, dann kann ich mir vorstellen, dass die Märkte nervös reagieren. Die EU wird wohl wieder an Griechenland ein Exempel statuieren, wie schon damals, als die Griechen noch ein wenig länger auf den Euro warten mussten, weil sie die Maastricht-Kriterien (wie alle anderen auch) nicht eingehalten haben.
"Soziale Unruhen könnte es auch in Spanien geben"
Naja, wenn da jetzt sogar schon Polizei und Feuerwehr auf einander einprügeln, wundert mich dort garnichts mehr.
http://www.focus.de/panorama/videos/spanien-schlaegerei-zwischen-polizisten-und-feuerwehrleuten_vid_15242.html