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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Neues in der Kategorie Politik
19. Juni 2011
Stuss aus Starnberg
Kategorie: Politik · Kommentare: 19
Es geht doch. Die FAZ, die sonst jeden Huster von Jürgen Haberman als bedeutenden Beitrag zum Verständnis des Abendlandes bewertet, hat sich erlaubt, das Gestammel des Philosophen aus Starnberg - wo die Schönen und Reichen wohnen - einmal zu kritisieren (FAZ vom 18.6.2011, S. 35). Vor vollem Auditorium Maximum hat JH in Berlin eine "europäische staatsbürgerliche Solidarität", eine "Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse" gefordert, und er hat kritisiert, daß Dinge hinter verschlossenen Türen entschieden werden. Also: Alle sollen am Starnberger See wohnen - im Garten des Philosophen am besten - und über Agrarfragen, Gentechnikeingaben, den Hindukusch, die Finanzkrise und mehr entscheiden. JH selbst hat zugegeben, von dem zuletzt genannten Thema nichts zu verstehen, was sofort die Unsinnigkeit des ganzen sich demokratisch gebenden Plans verdeutlicht. Blödsinn dieser Art stand und steht schon bei Friedrich Dürrenmatt, der jemanden in seinen "Physikern" sagen läßt, "Was alle angeht, müssen alle entscheiden." Nichts Neues also bei JH, außer daß er nicht bemerkt, was an dem Satz von FD fehlt. Er müsste heißen, "Was alle angeht, müssen alle verstehen, um darüber entscheiden zu können." JH hätte also einen Beitrag zur Lage liefern können, wenn er erklärend über Kernkraft, Energie und dergleichen Wissenschaftliches geredet hätte. Dann wären aber die Zuhörer weg geblieben und das Audimax leer. Das ist unser Problem - neben dem hilf- und nutzlosen Stuss aus Starnberg. Wir wollen entscheiden, ohne die Mühe des Verstehens auf uns zu nehmen. Wir wollen verändern, ohne zu verstehen. Dieses Übel hat bereits Marx propagiert. Wir müssen es nicht erneut als der Weisheit letzten Schluss vorgesetzt bekommen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 19.06.11 · 18:18 Uhr· 19 Kommentare
17. Februar 2011
Die Doktorarbeit des Ministers
Kategorie: Politik · Kommentare: 38
Unser derzeitiger Verteidigungsminister, der Freund der Bild-Zeitung und der Medien, hat in seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Über 1000 Fußnoten als Schutzschild haben nichts genutzt. Er hätte wahrscheinlich mehr als 2000 Fußnoten gebraucht. Nun kann man sich aufregen und ärgern und alles Mögliche fordern. Nur eins wir nicht für erwähnenswert erachtet: Der promovierende Politiker hat - wenn es seinen Text selbst geschrieben hat - aus TAGESZEITUNGEN abgeschrieben. Nicht aus Kant oder Marx oder Goethe, nein aus der SZ, das FAZ, der NZZ. Das ist das Niveau von Doktorarbeiten in den Politikwissenschaften, und das ist der Skandal.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.02.11 · 09:03 Uhr· 38 Kommentare
09. Februar 2011
"Wohlstand für alle"
Kategorie: Politik · Kommentare: 34
"Wohlstand für alle". So heißt das 1957 (!) erschienene Buch, in dem der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwid Erhard unter anderem folgendes schreibt:
"Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: `Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko meines Lebens selbst tragen. Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein. Sorge Du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin.`"
Wahrlich Sätze aus einem vergangenen Jahrhundert und einer untergegangenen Lebensform. Wo sind wir heute gelandet?
Autor: Ernst Peter Fischer· 09.02.11 · 08:25 Uhr· 34 Kommentare
04. Februar 2011
Wikileaks und die Unruhen
Kategorie: Politik·Technik · Kommentare: 5
Vielleicht habe ich es überlesen, und vielleicht hat es längst jemand analysiert und beschrieben: Aber könnte es nicht sein, daß die Unruhen in Tunesien dadurch ausgebrochen sind, daß Wikileaks über die verschwenderischen Parties des Präsidenten und seiner Gattin berichtet hat? Das heißt, bei Wikileaks steht, was der amerikanische Botschafter über die Feste berichtet hat, die wohl länger dauerten, wenn die Dame des Hauses alleine - natürlich nicht ganz - im Palast war. Kann mir jemand sagen, ob dies eine Wikileaks Revolte ist?
Autor: Ernst Peter Fischer· 04.02.11 · 14:18 Uhr· 5 Kommentare
Windelweich und unfair
Kategorie: Kultur·Politik · Kommentare: 10
Manchmal sitzt man spät abends allein im Hotel und ist müde, ohne schlafen zu können. Fernsehen - das könnte die Lösung sein, und sie sah gut aus, denn es gab noch "Hart aber fair", und zwar zum Thema Ägypten. Ich kannte die Talkrunde noch nicht und war gespannt - und wurde bitter enttäuscht. Da gab es einen grinsenden Moderator, der so tat, als ob er immer schon gewusst hat, daß der Präsident (Mubarak) ein Verbrecher ist und entsprechend unfaire Fragen an Politiker stellte (wobei allgemein die Journalisten so tun, als ob nur die Politik Doppelmoral zeigt). Da gab es einen Experten für ukrainische Prostituierte - Michel Friedman -, der uns über seine Kotzlust informierte, da gab einen klapprigen Altjournalisten, der schon mal von Korruption (Geldscheine in Pässen!) gehört hatte, da gab es einen Lehrer, der Alexandria verlassen hatte und uns jetzt sagte, daß das Leben dort unruhig sei - und so weiter. Warum schreit eigentlich das Fernsehvolk nicht auf, wenn ihm dieser Stuss vorgesetzt wird? Schaut sich das blöde Zeug wirklich jemand mit Gewinn und regelmäßig an? Da ist doch jedes Bemühen um Bildung verlorene Liebesmühe.
Autor: Ernst Peter Fischer· 04.02.11 · 13:59 Uhr· 10 Kommentare
29. November 2010
Leopoldina
Kategorie: Medizin·Politik · Kommentare: 3
Deutschland hat eine Nationale Akademie der Wissenschaften, die Leopoldina heisst und 350 Jahre alt ist. Im November hat die Leopoldina ihre erste Stellungnahme veröffentlicht, und sie hat es in sich. Sie handelt vom deutschen Gendiagnostikgesetz und besagt, daß wesentliche Teile davon NICHT dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen, in der Praxis KAUM umsetzbar sind und sogar NEGATIVE Auswirkungen auf den Erfolg anerkannter Vorsorgeuntersuchungen haben. Ich frage zum einen, ob es ein schlimmeres Verdikt geben kann. Und ich wundere mich zum zweiten über die Reaktion der Medien und TV-Moderatoren. Die wissen wahrscheinlich nicht einmal, wo die Leopoldina ihren Sitz hat. So schafft Deutschland sich ab.
Autor: Ernst Peter Fischer· 29.11.10 · 17:29 Uhr· 3 Kommentare
17. November 2010
Keine Experimente
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Ein Nachtrag zum Parteitag der sich mit einem C schmückenden Partei. Abgesehen davon, daß ich nicht verstehe, wie jemand, der wirklich christlich denkt und also demütig ist, sich um Macht kümmern und sie gnadenlos ausüben kann, hat mich am Karlsruher Parteitag der CDU gewundert, daß man plötzlich das hohe C wieder betont? Plötzlich? Tatsächlich folgt man Vorschlägen, die Thilo Sarrazin in seinem gebrandmarkten Buch gemacht hat, nur daß sich dies niemand zu sagen traut. Und wie will man das hohe C verdeutlichen? Indem man - so ein hoher Funktionär, den man in der Tagesschau sehen und hören konnte - "keine Experimente mit dem Leben" macht. Keine Experimente? Das klingt so wie Adenauer in den 1950er Jahren, und das war schon damals reine Demagogie. Das Wirtschaftswachstum ist das das Experiment schlechthin, und zwar mit dem ganzen Leben. Oder meinte der Funktionär nur die Genetik? Die experimentiert mit dem Leben, seit es sie gibt. Was ist denn Biologie sonst? Wissenschaft ist christlicher als die Partei, die sich so nennt. Sie denkt nur an Macht, ohne dazu das WIssen zu haben, und vergisst die Menschen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.11.10 · 07:39 Uhr· 5 Kommentare
17. Oktober 2010
Das Sarrazin Wunder
Kategorie: Kultur·Politik · Kommentare: 8
Merkwürdig, merkwürdig - während im Feuilleton noch geschimpft wird und die klugen Köpfe in den Redaktionen noch einmal erläutern dürfen, wie viel besser als der Buchautor Sarrazin sie über das Biologische im Sozialen und das Biologistische im Geistigen Bescheid wissen, kommentiert dort niemand die Tatsache, daß die große Politik genau nachmacht, was Sarrazin vorschlägt. Was etwa aus dem Kanzleramt oder dem SPD-Parteizentrale zu hören ist, steht genauso bei Sarrazin, wobei anzunehmen ist, daß sich dort niemand Sorgen darüber macht, ob dies jemand merkt. Dazu müsste man das Buch über unsere Abschaffung schon lesen. Das schaffen viele aber nicht. Vielleicht sollte man das Lesen abschaffen, um die Chancengleichheit zu sichern. Im Fernsehen ist alles auch viel schöner und die Moderatoren grinsen so vergnügt. Ahnungslosigkeit macht lustig. Aber Vorsicht - das steht bei Sarrazin nicht. Der ist agiler.
Autor: Ernst Peter Fischer· 17.10.10 · 13:27 Uhr· 8 Kommentare
14. Februar 2010
Weg mit Westerwelle
Kategorie: Politik · Kommentare: 79
Westerwelle macht mich wahnsinng. Kann man den ungebildeten Trottel nicht zur Ruhe bringen? Lassen wir sein Gebrabbel über die Armen im Lande und schauen nur auf seinen Satz, daß es vor allem auf Bildungspolitik ankomme, was sicher auch meint, auf Bildung der Politiker. Nun hat sich die FDP durch Sprüche wie "Leistung muss sich wieder lohnen" bekannt gemacht, und es ist anzunehmen, daß Westerwelle meint, schon in der Schule mit dem Leistungsprinzip anfangen zu müssen. Schuster, bleib bei deinen Leisten, kann man dem eitlen Mann nur zurufen, wobei die Hoffnung besteht, daß er merkt, was die Leisten meinen, nämlich ein einheitliches Maß, um das es gerade in der Bildung nicht gehen kann. Bildung kann nur gedeihen, wo keine Leistung verlangt wird. Leistung hat auf keinen Fall etwas in der Schule zu suchen. Es ist für Schüler nicht wichtig, etwas zu leisten. Es ist nur wichtig, daß die verstehen, wofür es sich lohnt, etwas zu leisten. Westerwelle versteht wenig und leistet nur, nämlich sich einen Blödsinn nach dem anderen. Weg mit solchen Bildungspolitikern. Sie machen mich wahnsinnig.
Autor: Ernst Peter Fischer· 14.02.10 · 18:40 Uhr· 79 Kommentare
21. Dezember 2009
Kein Geist in Kopenhagen
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 7
Es gab einmal einen Geist von Kopenhagen, und zwar in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, als dort die moderne Physik der Atome geschaffen wurde. Er muss längst verweht sein, wobei das wahrlich Deprimierende an der Klimakonferenz im Scheitern aller - aller - Teilnehmer besteht. Nicht nur die Politiker. Immer die anderen. Auch die Demonstranten, die nur gerufen haben, daß die Regierungen etwas tun sollen. Und erst recht die Forscher: Es ist erstaunlich, wie viel Blödsinn Klimaforscher absondern, wenn Kameras an sind. Was soll die Beschwörung der 2 Grad? Was ist daran sinnvoll? Wissen Klimaforscher nicht, daß genauer Zahlen besser widerlegbar sind als vage Vermutungen - vor allem, wenn sie willkürlich sind und nur der Wichtigtuerei dienen. Das ist so, seit es Wissenschaft gibt. Wer etwas für den Klimawandel tun will, fährt nicht mehr zu solchen Konferenrenzen. Wie viel Energie ist überflüssigerweise verschwendet worden, um den Klimagipfel durchzuführen. Der Verzicht auf die Konferenz hätte der Erde - dem Erdsystem - mehr geholfen. Nur Müll in Kopenhagen - gedanklich und materiell.
Autor: Ernst Peter Fischer· 21.12.09 · 14:20 Uhr· 7 Kommentare
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