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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv Februar 2012
29. Februar 2012
Aller Anfang ist schwer
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Man kann darüber streiten, ob aller Anfang schwer ist, wie bei Goethe nachzulesen ist, oder ob aller Anfang leicht ist, wie jeder weiß, der sich etwa das Rauchen abgewöhnen will und zuerst keine Mühe damit hat, bis die Bedürfnisse ihn einholen.
Hier soll die Weisheit "Aller Anfang ist schwer" sehr tiefsinnig gemeint sein und den Ursprung des Lebens erfassen. Über dieses Thema denken Menschen seit der Antike nach, und die moderne Wissenschaft macht seit mehr als 100 Jahren Vorschläge, die meist von Biochemikern oder anderen Erforschern des Lebens kommen. Es geht dabei um die Rolle von Sauerstoff und Salzen und die Frage, ob alles mit RNA oder DNA angefangen hat, wobei um 1953 gezeigt werden konnte, daß es eher die Proteine sind, die spontan zustande kommen können. Aber wo? In einem warmen kleinen Teich, wie es im 19. Jahrhundert noch hieß, bevor die heißen Ströme aus dem Erdinnern entdeckt wurden und der Ursprung des Lebens in die Tiefen der Ozeane gelegt wurde. Das war besser als eine Samen bepackte Rakete aus den Tiefen des Kosmos und gab die Chance, der Frage nach den ersten Molekülen genauer nachzugehen. Jetzt melden die Fachblätter (vgl. New Scientist, Ausgabe vom 18.02.2012, S. 6&7), daß es doch ein Teich an der hellen Obrfläche und nicht Ströme in der Tiefe der ozeanischen Nacht gewesen sein muss, in dem das Leben entsprang - mit welchen Stoffen auch immer. Meine Prognose lautet, daß dieses Hin-und-Her noch länger dauert, wie Thomas Mann bereits in seinem "Zauberberg" beschrieben hat, als der meinte, die Lücke zwischen Leben und Nichtleben sei groß genug, um jeder Theorie zu schlucken. Wir füllen sie weiter auf, und es ist schön, daß die Biologen nicht verzagen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 29.02.12 · 13:21 Uhr· 4 Kommentare
27. Februar 2012
Das Rätsel RNA
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Als ich ein kleiner Junge - genauer: ein Student - war, sah im Leben alles noch einfach aus - im Leben einer Zelle jedenfalls. DNA macht RNA macht Protein, lautete das Dogma der Molekularbiologie, und die Forscher analysierten die Software der Gene und die Hardware der Proteine mit Macht und Erfolg. Die RNA schien ein eher lästiges Zwischenglied zu sein, für das auch kein funktioneller Name gesucht wurde. Für die DNA gab es das Wort Gen und den Genotyp, Proteine wirkten zum Beispiel als Enzyme und etablierten den Phänotyp, aber die RNA blieb blass. Sie sah weder gut aus, noch schien sie viel zu können.
Dieses Denken hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, wie die Ausgabe von NATURE mit dem Datum vom 16.02.2012 zeigt, die eine ganze Sektion der RNA und ihrer Vielfalt widmet. Es ist erstaunlich, wie viele Sorten von RNA eine Zelle produziert und mit wie vielen Aufgaben sich die dazugehörigen Moleküle abzuplagen haben. Die Autoren der Aufsätze reihen Beobachtung an Beobachtung, sie führen eine Namen nach dem anderen auf, sie stellen eine schier unerschöpfliche Menge an Messungen vor - und niemand versucht auch nur einen Vorschlag, um die RNA Welt mit einem funktionellen Namen verständlich zu machen. Ein Laie kümmert sich weniger um DNA und mehr um Gene, er will kaum Details zu Proteinen, aber möglichst viel über den Stoffwechsel einer Zelle wissen, und so fragt man sich, was eigentlich die RNA ist. Die Experten sagen, es handele sich "um eine robuste Molekülsorte, die zelluläre Prozesse reguliert", und zwar dank inhärenter Eigenschaften. Das müsste man doch besser ausdrücken können.
Autor: Ernst Peter Fischer· 27.02.12 · 10:08 Uhr· 5 Kommentare
08. Februar 2012
Platte Psychologie
Kategorie: Kultur · Kommentare: 19
In der Ausgabe von NEW SCIENTIST vom 28. Januar 2012 wird der "Präsident der internationalen Gesellschaft für die Psychologie der Wissenschaft", Professor Greg Feist, über seine Tätigkeit und die Ergebnisse seiner Forschungen befragt (Seite 29). Zu den wahrlich bemerkenswerten Äußerungen, die er dabei macht, zählt in meinen Augen die Feststellung, daß wissenschaftliche Gedanken nicht unbedingt mit einer Geistesstörung (mental disorder) einhergehen. Anschließend erklärt Professor Feist seinen Lesern, daß die Wissenschaft dadurch charakterisiert ist, daß sie mit ihren Methoden versucht, sich auf wiederholbare Versuche und systematische Beobachtungen zu beschränken, um möglichst wenig mit subjektiven Elementen zu tun zu haben. Spätestens an dieser Stelle fragt man sich, ob Greg Feist weiß, womit er zu tun hat. Die Wissenschaft hat vor mehr als 100 Jahren entdeckt, wie sehr subjektiv ihr Vorgehen ist. Wissenschaftliche Einsichten sind spätestens seit Albert Einstein freie Erfindungen des menschlichen Geistes, und die Geschichte kennt viele "Oddballs", die dazu beitragen konnten, weil man sie gelassen und ihre Verrücktheiten akzeptiert hat. Die Erfinder der Quantenmechanik haben davon gesprochen, daß das, was sie machen, zwar Wahnsinn sei, aber immerhin Methode habe. Hier gäbe es etwas für die Psychologie zu tun, die sich auch um Fragen der Art kümmern sollte, warum es zum einen heute immer noch haßerfüllte Gegner der Theorien von Einstein gibt und warum es zum zweiten selbst den Anhägern Einsteins immer noch so unglaublich schwer fällt, zu verstehen, was der Meister gefunden hat. Ich vermute, daß Psychologen damit überfordert sind. Was Feist erkundet, bleibt belanglos.
Autor: Ernst Peter Fischer· 08.02.12 · 10:11 Uhr· 19 Kommentare
02. Februar 2012
Provokation
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
In der Ausgabe von NATURE vom 26.1.2012 stellen zwei führende amerikanische Krebsforscher, Harold Varmus und Ed Harlow, "Provokative Fragen zur Krebsforschung" vor, und sie scheinen es tatsächlich in sich zu haben. Ich bin kein Kenner der Krebsforschung und höchstens ab und zu überrascht, wenn es wieder heißt, daß man in den letzten Jahren mehr gelernt hat als in den Jahrzehnten zuvor. An solchen Behauptungen herrscht kein Mangel, während etwa die Zahl der Patientinnen mit Brustkrebs steigt und steigt.
Nun also vier provokante Fragen, die ich hier in aller Kürze zusammenstelle. 1. Wie wirken erfolgreiche Medikamente gegen Krebsbildung? (Offenbar untersucht dies niemand, und man ist zufrieden mit der Wirkung selbst). 2. Offenbar werden einige Krebszellen resistent gegen Chemotherapien, was die Frage aufwirft, ob bei der Behandlung nicht eine Selektion im Sinne von Darwin durchgeführt wird, die selbstverständlich resistente Tumozellen entstehen lässt. (Offenbar haben Krebsforscher die Bedingungen der Evolution übersehen.) 3. Wie trägt Fettsucht zur Entwicklung von Tumoren bei? (Offenbar geht niemand diesem Zusammenhang nach, den Epidemiologen erkannt und etabliert haben.) 4. Was hat Krebs mit dem Alter zu tun? Warum bekommen Tiere mit kurzen Lebensspannen mehr Krebs als Tiere, die uralt werden?
Die Liste der provokativen Fragen soll verlängert werden, und die Krebsforschung hat noch viel zu tun, wie versichert wird. Das Gefühl der Hilflosigkeit nimmt bei mir totzdem massiv zu.
Autor: Ernst Peter Fischer· 02.02.12 · 11:53 Uhr· 12 Kommentare
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