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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv Januar 2012
31. Januar 2012
Im Halbschlaf
Kategorie: Kultur · Kommentare: 11
Ich muss schon wieder um Verständnis bitten, zum einen, weil ich erneut eine Pause gemacht habe, und zum zweiten, weil ich jetzt wieder von mir selbst rede. Der Grund liegt in meinem Aufenthalt in einem Heidelberger Schlaflabor, in dem ich eine erste Nacht mit vielen Kabeln und dann eine zweite Nacht mit gleich vielen Kabeln und einer Schlafmaske verbracht habe. Die Aufzeichnungen der ersten Nacht haben vor allem gezeigt, daß ich durch zahlreiche Apnoen und Arousals (Atemstillstände und kurzfristigem Erwachen, das man nicht bemerkt) mehr nicht schlafe als schlafe, und die Maske der zweiten Nacht hat das korrigiert und die Zahl der genannten Schlafstörungauf NULL gesenkt. Seitdem schlafe ich erstens mit einer Maske und zweitens offenbar gut. Ich habe morgens ein Gefühl, das man wohl "ausgeschlafen" nennt, das aber mit den entsprechenden Gefühlen, die mir davor heimgesucht haben, wenig zu tun hat. Mit anderen Worten, ich habe seit Jahrzehnten nicht so geschlafen, wie das ein Körper braucht, und jetzt bin ich verwirrt. Habe ich da etwa verpasst oder nur verpatzt? Wie hat mein Hirn das alles überleben können? Hat es überhaupt intakt überlebt? Wie kann ich das wissen? "Ich bin mein Erinnern", heißt es bei einem Kirchenvater. Aber was ist in den Nächten aus diesem Ich geworden? Ich erlebe jetzt die Tage auch anders. Mein zweites Leben kommt in Gang. Mal sehen, was so mit ihm kommt. Ich muss bei aller Aufregung ans Schlafen denken.
Autor: Ernst Peter Fischer· 31.01.12 · 17:56 Uhr· 11 Kommentare
23. Januar 2012
Herz und Hirn
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 44
In ihrer online Ausgabe vom 23.01.12 berichtet die SÜDDEUTSCHE über das Problem, die Evolutionstheorie zu vermitteln und zu verstehen ("Mit Bauchgefühl gegen die Evolutionstheorie"). Wie nicht anders zu erwarten, trifft die Idee weit daneben, daß Menschen Darwins Gedanken akzeptieren, wenn sie nur verstehen, was damit gemeint ist und wie er wirksam wird. Akzeptanz hat mehr mit Intuition und damit zu tun, daß sich in einer Person das Gefühl einstellt, das Gehörte sei wohl so und auf diese Weise auch zufriedenstellend.
Das Problem ist nicht neu und zum Beispiel von den großen Physiker Werner Heisenberg in seiner Autobiographie "Der Teil und das Ganze" von 1969 angesprochen worden, als er sich fragte, ob er Einsteins Relativitätstheorie wirklich versteht. Natürlich hat Heisenberg keine Probleme, mit seinem Hirn das mathematische Gerüst aufzustellen und damit alle Experimente zu erklären, aber das ändert - so sagt er - nichts an der Tatsache, daß sich sein Herz irgendwie betrogen fühlt, wenn es von der Relativität von Raum und Zeit und all den anderen wahren Unbegreiflichkeiten aus Einsteins Theorien hört oder liest. Tatsächlich - große Ideen der Naturwissenschaft überzeugen die Menschen nicht durch korrekte Prognosen über Experimente, sondern durch ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Ich denke, daß die Vermittlung der Wissenschaft noch einmal ganz von vorne beginnen muss. Grinsende Moderatoren, die nachplappern, was Redakteure irgendwo abgeschrieben haben und ihnen hinlegen, versperren zusätzlich den Weg zu einem Public Understanding of Science. Bei ihnen sagt einem das Gefühl nämlich sofort, daß sie keine Ahnung haben - wie man selbst. Zurück auf Los, ohne dafür etwas einzustecken.
Autor: Ernst Peter Fischer· 23.01.12 · 18:35 Uhr· 44 Kommentare
19. Januar 2012
Mein zweites Leben - langsam
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Ich habe gestern knapp geschildert, wieso ich von einem zweiten Leben sprechen kann, das mir geschenkt worden ist und das ich führen darf, und dieses zweite Leben kann im Vergleich zu meinem ersten nur entschleunigt vonstatten gehen. "Du musst dein Leben ändern", wie Rainer Maria Rilke im Anblick eines großen Kunstwerks erfahren hat, wie aber auch anders entschieden werden kann. Ich muss mein Leben ganz konkret ändern, und ich habe mir fest vorgenommen, vieles langsamer zu machen und mehr Rücksichten zu nehmen. Das heißt in diesem Rahmen auch, daß ich mir vorgenommen habe, die Kommentare zu meinen Einlassungen zu lesen, und ich möchte an dieser Stelle betonen, wie sehr mich die freundlichen Aufmunterungen zu meiner gestrigen Ankündigung gefreut haben. Wirklich gefreut. Es ist schön, von Lesern zu lesen. Danke euch allen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 19.01.12 · 14:43 Uhr· 8 Kommentare
18. Januar 2012
Mein zweites Leben
Kategorie: Kultur · Kommentare: 19
Wie mir der Computer mitteilt, habe ich meinen letzten Blog am 14.09.2011 geschrieben. Eine Woche später, am 21.09.2011, ist meine Aorta in fast voller Länge gerissen, was eine Notoperation nötig machte, die ich gegen jede medizinische Prognose überlebt habe - wenn auch etwas ramponiert. Nach mühevollen Wochen auf Intensivstationen und in Reha-Kliniken lerne ich jetzt langsam wieder, mein zweites mir geschenktes Leben ganz normal zu führen, was heisst, daß ich noch viele lästige Behinderungen spüre, über die ich aber nicht klagen will und bei denen man auf Besserung hoffen kann. Ich kann heute meinen ersten Geburtstag in meinem zweiten Leben feiern. Es ist der 65ste, und ich nehme diesen Übertritt ins Rentenalter zum Anlass, wieder mit der Arbeit zu beginnen. Mal sehen, was kommt. Ich grüße alle Leser und wünsche ihnen die Gesundheit, die sie brauchen. Ich weiß dabei, wovon ich spreche.
Autor: Ernst Peter Fischer· 18.01.12 · 13:55 Uhr· 19 Kommentare
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