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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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16.08.11 · 15:27 Uhr

Metaphern

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Es gehört zu den irrigen Grundannahmen von Wissenschaftlern, selbst beim Sprechen noch objektiv zu sein und die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind, nämlich durch die Worte und Begriffe, die uns gefallen und zusagen.
Wenn das Immunsystem arbeitet, dann findet doch nur deshalb ein Krieg im Körper statt, weil die Biologen und Mediziner, die als erste von dem Körperschutz Kenntnis bekommen haben, die Sprechweise der damals im 19. Jahrhundert geführten Nationalkriege übernommen haben. Wenn heute das Immunsystem ohne Vorkenntnis erkundet würde, machten wahrscheinlich ökologische Metaphern die Runde, die davon erzählten, daß sich die Zellen und Moleküle um ein Gleichgewicht oder ein Miteinander bemühten.
In diesen Tagen erscheint das Buch von Brendon Larson, das über "Metaphors for Environmental Sustainability" berichtet (Yale University Press, 2011) . Wir brauchen tatsächlich bessere Metaphern, um die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit erklären zu können. Hoffentlich hilft mir das Buch, sie zu finden.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (11)

Kommentar-Direktlink arlacta· 16.08.11 · 17:52 Uhr

interessant

Kommentar-Direktlink arlacta· 16.08.11 · 17:52 Uhr

interessant

Kommentar-Direktlink arlacta· 16.08.11 · 17:54 Uhr

sorry, doppelt gepostet ;-)

Kommentar-Direktlink Roland· 16.08.11 · 17:59 Uhr

Bin mir da nicht so sicher, ob nicht auch heute der Begriff "Krieg" benutzt würde - schließlich spielen die USA eine wesentliche Rolle in der Wissenschaft, und die sind doch immer ganz scharf auf Krieg - Krieg gegen Krankheiten, Krieg gegen Drogen und so weiter.
Was natürlich nichts an der These, der Abhängigkeit solcher Begriffe vom Umfeld der Wissenschaftler, ändert.

Kommentar-Direktlink Andreas· 17.08.11 · 09:57 Uhr

Nachhaltigkeit in die Sprache zu bekommen beginnt damit, nachhaltig zu denken. Dabei geht es nicht um "Gleichgewichte", sondern um Kreisläufe und Weiterentwicklung. "Krieg gegen ..." bedeutet zu versuchen, etwas abzuschaffen, ohne es durch etwas besseres zu ersetzen. Im Grund genommen führen die USA aber immer Krieg für die Durchsetzung ihres Verständnisses von Freiheit und Ordnung.

Kommentar-Direktlink Geoman· 17.08.11 · 11:47 Uhr

Wenn da nicht das Problem wäre, dass "Nachhaltigkeit" selbst so eine dümmliche, vor allem von Weltverbesserern und Hausfrauenverbänden aufgegriffene Metapher ist.

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 17.08.11 · 17:03 Uhr

'Nachhaltig' ist eine Maßnahme typischerweise, wenn sie im Erfolgsfall ein Weiterbestehen der Maßnahme gewährleistet, also bspw. eine Unternehmensexpansion nicht am Personal oder an anderen Ressourcen scheitert - weil eben für diesen Fall schon vorgebaut worden ist.

'Nachhaltigkeit' im ökologistischen Sinne wurde dann in D von den Ökologisten Anfang der Neunziger im Rahmen der Übersetzung der sog. 'Sustainability' gekapert um ökologistisches Gedankengut nicht als 'ökologistisch' kennzeichnen zu müssen, sondern eben anders. Der Schreiber dieser Zeilen kann sich noch gut an den diesbezüglichen (erfolgreichen) Vorstoß Joschka Fischers erinnern. (Auch der (außersozialistische) Sozialist hat immer andere Kennzeichnungen vorgezogen, bspw. diejenige der 'sozialen Gerechtigkeit' (ein Neoplasmus) oder den 'dritten Weg' (weil "zweite Wege" regelmäßig scheiterten).)

MFG
Dr. Webbaer

Author Profile Page Chris· 17.08.11 · 22:58 Uhr

Um mal beim Beispiel Immunsystem zu bleiben: Ein "Miteinander" oder ein "Gleichgewicht" möchte ich mit verschiedenen Viren und Bakterien nicht haben.
Die soll mein Immunsystem beKÄMPFen und vernichten. Basta. Metapher hin oder her.
Was für ein Schmarn, es gibt sicherlich sehr viele Beispiele, wie unglückliche Metaphern ein vollkommen falsches Bild im Kopf des Lesers erzeugen. Aber das Immunsystem eignet sich in dieser Weise wohl am wenigsten.

Kommentar-Direktlink Jochen Geissel· 18.08.11 · 13:22 Uhr

Schon der Begriff des Immunsystems ist eine Vereinfachung. Für mich gibt es Auslöser, die in Körper und Psyche eine Reaktion verursachen. Auch der Begriff der Krankheit ist für mich eine starke Vereinfachung. Häufig ist das, was wir Krankheit nennen einfach ein Regenerations- sprich Erholungsprozess. Hier ein persönliches Beispiel: Die Atomkatastrophe in Japan hat bei mir bewirkt, dass mein Körper in unbewusst in einen Stresszustand (Existenzangst) geraten ist. Dieser Stresszustand war mir bis Montag Mittag nicht bewusst. Mir ging es in dieser Zeit übrigens blendend. Erst während eines Coachings am Montag ist mir dieser Stresszustand bewusst geworden und ich konnte diesen Stress los lassen. Ab diesen Zeitpunkt habe ich mich für 2 Tage schlapp (krank) gefühlt. Dies war jedoch keine Krankheit, sondern eine Erholungsphase für meinen Körper, der durch die Information "Atomkatastrophe" unbewußt das Stressprogramm "Existenzangst" gestartet hatte.
Ich könnte natürlich auch sagen, dass ich ab Montag eine Krankheit hatte und mein Immunsystem dieses zwei Tage bekämpft hat. Dies entspricht jedoch nicht meiner Beobachtung.
So einen Effekt hatte ich bereits schon einmal vor ein paar Jahren, bei der alleine die Diagnose eine Schilddrüsenunterfunktion ein Stressprogramm in mir aktivierte und ich wie umgeschaltet plötzlich die vom Arzt genannten Symptome hatte. Heute weiss ich dass die Sympotome nicht von der Schilddrüsenunterfunktion kamen, sondern von der Reaktion meiner Psyche und meines Körpers auf die Aussage des Arzts.

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 18.08.11 · 14:55 Uhr

Tja, so isses halt, der eine wird autozentrisch, der andere entwickelt Mitgefühl und Dritte bleiben vielleicht unberührt.

Kommentar-Direktlink stromgeist· 15.10.11 · 18:32 Uhr

Auch wenn mein Kommentar etwas spät kommt (ich bin jetzt erst auf den Artikel gestoßen), möchte ich in dem Zusammenhang noch auf eine deutschsprachige Publikation zum Thema hinweisen: Christina Brandt, Metapher und Experiment: von der Virusforschung zum genetischen Code, Wallstein Verlag 2004 (http://books.google.de/books?id=tZzQXtH9oDkC).

Schließlich würde mich noch interessieren, ob der Kommentar von @Chris hier tatsächlich ernstgemeint ist: "Ein "Miteinander" oder ein "Gleichgewicht" möchte ich mit verschiedenen Viren und Bakterien nicht haben. Die soll mein Immunsystem beKÄMPFen und vernichten. Basta. Metapher hin oder her."
Ich bin selbst kein Biologe, aber ist eine solcher "Basta"-Standpunkt nach dem Stand der Forschung überhaupt noch wissenschaftlich haltbar? Ich beziehe mich dabei auf die Erkenntnisse der (Wieder)Entdeckerin der Endosymbiontentheorie Lynn Margulis: "Viruses today spread genes among bacteria and humans and other cells, as they always have... We are our viruses."

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