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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv August 2011

22. August 2011

"Glaube oder Gene?"

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 21

"Glaube ode Gene?" a) Wo findet sich eine solche Überschrift? In einem Text aus dem Vatikan zu Frage der Menschwerdung? b) In einem Beitrag der FAZ zur Frage nach dem, was den klugen Kopf ihrer Leser ausmacht? c) In einem Buch über den Überlebenswillen von Menschen in extremen Katastrophensituationen? d) Oder in einer Lokalzeitung, die von einem Fußballspiel berichtet, das die Ortsmannschaft auswärts gewonnen hat?

Die richtige Antwort lautet d) - es handelt sich um die Rhein-Neckar-Zeitung, die das Spiel von Hoffenheim 1899 beim FC Augsburg am 22.8.11 unter der Überschrift "Glaube oder Gene?" beschreibt und dabei unentwegt den lieben Gott bemüht, der offenbar den einen oder anderen Ball an den Pfosten oder ins Tor gelenkt hat. Die Gene können dies auf keinen Fall bewerkstelligt haben, da sie keine Füße haben und zu klein sind. Dann also nicht eines Menschen niedere Gene, sondern Gottes höhere Gerechtigkeit, die den Sieg des Geldes garantiert, was einen zwar wundern kann, was aber noch übertroffen wird durch den Ernst des Berichtes. Der Zeitung und ihrem Berichterstatter scheint die Alternative tatsächlich relevant, um ein Fußballspiel erfassen zu können, was die Frage mit sich bringt, ob man sich darüber freuen soll oder ärgern muss.

Das heißt, diese Frage stellt sich einem Zuschauer. Den Verantwortlichen in den Vereinen stellt sich die Frage, wen sie leichter finanzieren können, die Gene oder den Glauben. Ich würde auf den Glauben tippen. Vielleicht kennt man in Rom den Preis.


Autor: Ernst Peter Fischer· 22.08.11 · 14:19 Uhr· 21 Kommentare

16. August 2011

Die größte Gefahr

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Ich bin gebeten worden, über Gefahren in der Wissenschaft für Forscher zu schreiben. Beispiele aus Vergangenheit sind bekannt - frühe "Elektriker", die ihr Leben durch Blitze verloren, Newton, der sich mit Quecksilber vergiftete, Chemiker, die Augen verloren haben, Marie Curie, die an einer strahlenbedingten Anämie gestorben ist, und leider einige Beispiele mehr. Und wie sieht es heute in den Laboratorien aus?
Die Antwort der verantwortlichen Experten fällt eindeutig aus - die größte Gefahr droht einem Wissenschaftler, bevor er sein Labor betritt oder nachdem er es verlassen hat. Mit anderen Worten, es ist der Weg von und zur Arbeit, der gefährlich ist. Nicht die Arbeit selbst.
Ist die Wissenschaft damit - abgesehen von Murphys Law - ungefährlich? Als Antwort zitiere ich einen Spruch, den ich neulich in einem Physikgebäude gelesen habe: "Vorsicht, Physik könnte ihren gesunden Menschenverstand beleidigen." Der Gefahr müssen wir uns wohl weiter aussetzen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 16.08.11 · 15:42 Uhr· 6 Kommentare

Metaphern

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Es gehört zu den irrigen Grundannahmen von Wissenschaftlern, selbst beim Sprechen noch objektiv zu sein und die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind, nämlich durch die Worte und Begriffe, die uns gefallen und zusagen.
Wenn das Immunsystem arbeitet, dann findet doch nur deshalb ein Krieg im Körper statt, weil die Biologen und Mediziner, die als erste von dem Körperschutz Kenntnis bekommen haben, die Sprechweise der damals im 19. Jahrhundert geführten Nationalkriege übernommen haben. Wenn heute das Immunsystem ohne Vorkenntnis erkundet würde, machten wahrscheinlich ökologische Metaphern die Runde, die davon erzählten, daß sich die Zellen und Moleküle um ein Gleichgewicht oder ein Miteinander bemühten.
In diesen Tagen erscheint das Buch von Brendon Larson, das über "Metaphors for Environmental Sustainability" berichtet (Yale University Press, 2011) . Wir brauchen tatsächlich bessere Metaphern, um die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit erklären zu können. Hoffentlich hilft mir das Buch, sie zu finden.


Autor: Ernst Peter Fischer· 16.08.11 · 15:27 Uhr· 11 Kommentare

10. August 2011

Irrational

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Ich weiß, es gibt Schlimmeres - die Unruhen in London öffentlich gesehen und der Beinbruch meiner Frau im privaten Bereich -, aber trotzdem ärgert mich die unverdrossen zur Schau gestellte Dummheit von Wissenschaftstheoretikern, die meinen, Rationalität sei das Maß aller Wissenschaft. In diesen Tagen (10.8.11, S. N4) berichtet die FAZ von einer rationalen Kritik an einer rationalen Theorie und meint damit, etwas über den Verlauf von Wissenschaft gesagt zu haben. Warum nehmen die rationalen Wissenschaftstheoretiker nicht endlich einmal zur Kenntnis, daß die Praxis höchst irrational ist. Man findet dies in zahlreichen Texten von Einstein, Pauli, Planck, Maxwell, Heisenberg und vielen anderen. Da wird mit einer spezifischen Kristallstruktur als Mandala meditiert, da werden Träume gedeutet und archetypische Gegebenheiten beachtet, da werden freie Erfindungen aus ästhetischen Quellen gemacht, da werden innere Stimmen zitert, die Formel flüstern, und die Wissenschaftstheoretiker nehmen das alles nicht zur Kenntnis und trompeten ihre rationale Bedürftigkeit weiter in die Welt hinaus. Das sollte niemanden mehr interessieren, wie zum Beispiel Wolfgang Pauli bereits in den 1950er Jahren geschrieben hat, der auf die irrationalen Quellen von Weltbildern eindringlich verwiesen hat (wie man in meinem Büchlein über ihn - Brücken zum Kosmos - nachlesen kann). Es ist eben so, Erkenntnistheoretiker haben so viele Erkenntnisse wie der Papst Sex. Der redet wenigstens nicht so viel darüber, oder wenn, dann nur behutsam.


Autor: Ernst Peter Fischer· 10.08.11 · 10:37 Uhr· 6 Kommentare

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