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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv Juli 2011

19. Juli 2011

Wieder am Anfang

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 64

Der als Wissenschaftler zu Millionen gekommene Atheist Harry Lonsdale aus Oregon hat ein Preisgeld von $ 50.000 gestiftet für den Nachweis, daß der Ursprung des Lebens vollständig durch physikalische und chemische Prozesse und ohne Anrufung eines Schöpfergottes erklärt werden kann. (Übrigens - warum heißt es nicht "durch physische und chemikalische Prozesse"?) Über den Preis informiert eine Meldung, die in dem amerikanischen Fachblatt Science in diesen Tagen zu lesen ist (Band 333, Ausgabe vom 8.7.2011, Seite 141 und http://scim.ag/Lonsdale_prize). Es geht um die ganze Geschichte von den Anfängen des Lebens - "how life first arose" - bis zum heutigen Ende des Lebens mit seinem genetischen Material und dem Stoffwechsel. Wer das wörtlich nimmt, soll also - in Gedanken - Leben entstehen lassen, das zunächst anders ist als das Leben, das wir heute kennen, in dem es aber schon die Chemie gibt, die wir heute nutzen. EIne merkwürdige Aufgabe, die nicht leichter wird durch die Feststellung, daß zwar niemand bezweifelt, daß sich in den Zellen des modernen Lebens sämtliche Abläufe an die Gesetze von Physik und Chemie halten, daß man dadurch aber das Leben nicht erklärt hat. In den 1920er Jahren haben Biologen wie John Haldane schon ihrer Zunft den Vorschlag gemacht, sich von den anderen Wissenschaft abzuheben und das "Leben als fundamentales Axiom der Biologie" anzusehen, als etwas, das einfach da ist und von dessen Existenz wir ausgehen können. Haldane hätte keine Chance, den Lonsdale Preis zu gewinnen. Aber er hat die Chance, mit seinen Texten Ruhm zu ernten und länger zu überleben als die Vorschläge, die demnächst Geld bekommen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 19.07.11 · 13:09 Uhr· 64 Kommentare

14. Juli 2011

Bücher und Rezensionen

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften

Unter Leuten, die Bücher rezensieren, kursiert der Spruch, daß die Lektüre des Buches nicht schadet, das man besprechen soll. Natürlich kann ein Rezensent auch anders einen Autor mißverstehen, und das bringt demjenigen Probleme, der die Lektüre eines Buches vortäuscht, während er nur eine Rezension gelesen hat. Dies hat der Autor dieser Zeilen fertig gebracht, der in seinen Anmerkungen zu einer atomistischen Moral behauptet hat, der Autor der Buches "Moralische Integrität", Hans Bernard Schmid, habe diesen Ausdruck benutzt. Dies war nur ein Rezensent, wie ich jetzt nach der Lektüre des genannten Buches feststellen muss, was peinlich ist und wofür ich alle, die betroffen sind oder sich so fühlen, um Nachsicht und Entschuldigung bitte. Schmid benutzt das Wort von der "atomistischen Moral" gerade nicht, und er verwendet "integer" nur für Personen und nicht für das von ihm kritisierte Milgram-Experiment, wie es mein Beitrag suggeriert. "Es gibt nicht Gutes, außer man tut es", so dichtet Erich Kästner unter der Überschrift "Moral". Mehr kann ich in dieser Sache nicht tun.
Vielleicht doch - Schmid geht es darum, die Moral von Einzelnen in einer Gemeinschaft zu erkunden. Individuelle Moral könnte dann vielleicht sogar tatsächlich atomistisch genannt werden, wenn man den neuen Atombegriff aus der Physik zugrunde legt, in der Atome als verschränkte (kontextuellen) Gebilden angesehen werden, deren Existenz erst durch Wechselwirkung zustande kommt. Aber vielleicht sollte ich es lassen, von Atomen und Menschen zugleich zu sprechen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 14.07.11 · 10:56 Uhr· 0 Kommentare

Physik mit Cola Dosen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

"Blechdosen überwinden Naturgesetz" - wie spektrumdirekt am 13.7.2011 meldet (www.wissenschaft-online.de/artikel/1116336). Es geht genauer um ein Quadrat aus 49 Cola Dosen, mit denen "Schallwellen stärker gebündelt" werden konnten, "als dies wegen der so genannten Beugungsgrenze normalerweise möglich ist".
Ein schönes Experiment, das Geoffrey Lerosey und seinem Team am Institut Langevin in Paris gelungen ist und in denen "evaneszente" Wellen ihre Wirkung zeigen, die von der Lehrmeinung nicht unbedingt vorgesehen sind. Wie gesagt, ein schönes Experiment, aber es gibt halt kein Gesetz, daß es verbietet, ein Naturgesetz zu verletzen, und die Tatsache, daß etwas außerhalb der Naturgesetze stattfindet, bedeutet nicht, daß das irgendeine Magie oder höhere Ordnungen im Spiel sind. Es gilt einfach zu verstehen, daß Naturgesetze Erfindungen von Menschen sind. Wir finden die Gesetze nicht in der Natur, wie Immanuel Kant geschrieben, wie schreiben sie ihr vor. Und dabei kann es passieren, daß wir zu wenig ausholen und einfangen. Darin besteht doch Wissenschaft, die Naturgesetze zu überwinden. Schön, daß es mit Cola Dosen wieder einmal gelungen ist.


Autor: Ernst Peter Fischer· 14.07.11 · 10:34 Uhr· 6 Kommentare

03. Juli 2011

Atomistische Moral

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

In den 1960er Jahren hat es das berühmte Milgram-Experiment gegegen, das unter der Rubrik "Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autoritäten" zu finden ist und zeigt, daß Menschen dazu verführt werden können, böse zu handeln. Seitdem weiß man, wo sich Wärter für Konzentrationslager finden lassen - überall. Man weiß das vor allem, nachdem das Experiment vielfach mit dem gleichen Ergebnis wiederholt werden konnte.
Nun gibt es eine Kritik des Konstrukts, nämlich in dem Buch "Moralische Integrität" von Hans Bernhard Schmid (Suhrkamp 2011), der den Spieß umdreht und erklärt, nicht den Versuchspersonen fehle es an moralischer Integrität, sondern das Experiment sei nicht integer.
In einem kleinen Text kann man so eine starke These kaum angreifen, selbst wenn sie auf schwachen Füßen steht. Mich stört vor allem, was dem Autor eine Herzensangelegenheit zu sein scheint, nämlich von atomistischen Annahmen und einer atomistischen Moral zu sprechen, die für Normalmenschen nichts bedeuten, da sie sich "in holistischen Strukturen" bewegen, was immer dass ein mag. Es gibt keine atomistische Moral, meint der Verfasser, und ich frage mich, wer das Gegenteil behauptet hat. Was soll das überhaupt sein, eine atomistische Moral?
Das ist ein mistiges Wort, das ohne Kenntnis von Atomen geprägt ist. Atome sind gerade nur als Kontext zu verstehen, wie die Physik spätestens seit Einstein weiß, auch wenn es manchen schwerfällt. Wer von Atomen spricht, sollte wissen, daß er sie herstellt. Eine atomistische Moral entsteht durch die Umstände - genau wie Milgram es gezeigt hat.


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.07.11 · 08:46 Uhr· 5 Kommentare

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