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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv März 2011

15. März 2011

Abschalten

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 25

Ich kann einen Motor abschalten - das geht rasch. Ich kann meinen Computer abschalten - das dauert länger. Eine Betreibergesellschaft kann auch ein Kernkraftwerk abschalten - obwohl das noch länger dauert und ist vetrackt. Aber niemand kann die Technik abschalten. Wir haben sie über Jahrhunderte zu dem Medium gemacht, in dem wir leben. Technik ist nicht eine Ansammlung von Geräten, die man abschalten kann. Technik ist die zweite Natur, die wir für unsere Bequemlichkeit und aus anderen Gründen geschaffen haben. Wir rufen auch sofort nach ihr, wenn wir sie brauchen - Hubschrauber für Überschwemmungsgebiete, Meßgeräte für Radioaktivität, schwere Maschinen zur Bergung von Unglückszügen, und vieles mehr. Abschalten ist keine Lösung. Abschalten ist keine Option. Energiesparen wäre eine, nachhaltig wirtschaften eine andere, unsere Geschichte als Geschichte von Wissenschaft und Technik (und nicht von philosophischen Exerzitien und soziologischen Ergüssen) zu lehren und zu begreifen, wäre eine weitere. Aber davon ist nichts zu hören. Wir schalten erst einmal ab - und alle Computer an.


Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.11 · 08:37 Uhr· 25 Kommentare

Ein Gespräch über nicht vorhandene Programme

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Ich kenne die Zeile von Brecht, wo er sich über die Zeiten beklagt, in denen ein Gespräch über Bäume nicht möglich ist, weil es das Schweigen über so viel anderes einschließt. Ich schweige trotzdem zu den japanischen Ereignissen und möchte ein Gespräch über Programme vorschlagen. Gestern hat ein Jurist (Ernst-Wolfgang Bockenförde) Einspruch gegen die PID erhoben und seine Argumentation auf die Grundlage gestellt, daß nach der Verschmelzung von Samen- und Eizelle ein eigenständiges menschliches Lebewesen existiere. "Das genetische Programm der Entwicklung ist fertig vorhanden, bedarf keiner Vervollständigung mehr oder eines qualitativen Sprungs, entfaltet sich vielmehr von innen her nach Maßgabe eigener Organisation." Das klingt zwar nett, bleibt aber Unsinn, auch wenn es ununterbrochen wiederholt wird. Ich will gar nicht erst erläutern, warum es zwar Programm für Computer, nicht aber für das Leben gibt (wie man seit Jahrzehnten weiß), ich will nur darauf hinweisen, daß das programmierte Leben als Maschine betrachtet wird. Und die darf man abschalten. Auf dieser selbst gewählten Grundlage können Menschen machen, was sie wollen. Macht der Autor ja auch und erzeugt nichts als Langweile.


Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.11 · 08:22 Uhr· 6 Kommentare

03. März 2011

Goethe und Schirrmacher

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 10

Goethe - so sagt es nach einem Bericht in der FAZ (vom 2.3.2011) der Berliner Literaturwissenschaftler Michael Jaeger in seiner Studie "Fausts Kolonie" - Goethe fühlte sich "durch das Aufkommen eines relativ neuen, zunächst bedrohlich wirkenden Mediums" "heillos überfordert". Das heißt, Goethe reagierte wie Frank Schirrmacher, der ja mit seinem Kopf nicht mehr mitkommt, wie er in einem Buch selbst geschrieben und vor etwa einem Jahr in zahlreichen Artikeln von anderen hat schreiben lassen (ohne den Mut zu zeigen, eingeladene Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen). Goethe und Schirrmacher also, zwei Frankfurter voller Angst vor dem jeweils neuen Medium, was bei Goethe übrigens die Zeitung meinte. Der Dichter des Faust musste die Lektüre der Blätter aufgeben, um weiter poetisch zu funktionieren. Was hat Schirrmacher wohl aufgegeben? Das Internet und sein iPhone sicher nicht. Vielleicht besteht doch ein Unterschied zwischen den beiden Herren. Einer meinte ernst, was er geschrieben hat. Der Andere meinte etwas anderes.


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.03.11 · 08:15 Uhr· 10 Kommentare

02. März 2011

Das Rätsel der Wissenschaft

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 13

"Das Sprungwunder der Flöhe ist enträtselt." So steht es heute auf der Wissenschaftsseite der FAZ (2.3.2011), und unter dieser Überschrift lesen wir: "Flöhe schaffen ihre grandiosen Sprünge, indem sie die Kraft, die aus der elastischen Verformung eines Proteinkissens in der Brust herrührt, auf die Fußglieder übertragen. " Aha, das also ist der Flöhe Kern, und die Wissenschaftler haben sogar mehr herausgefunden: "Die einzelnen Abschnitte des fünfteiligen Insektenbeins werden als Hebel für die Kraftübertragung verwendet." Aha, so geht das also, denkt man und kratzt sich am Kopf. Denn mir es ein Rätsel, welches Rätsel jetzt gelöst worden ist. Stellt sich uns nicht mindestens ein neues, nämlich zum Beispiel das Rätsel, wieso uns jemand diese Beschreibung als Enträtselung verkaufen kann. Das Springwunder ist geblieben. Wissen das die Wissenschafter wirklich nicht?


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.03.11 · 08:22 Uhr· 13 Kommentare

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