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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv Februar 2011

18. Februar 2011

Mann und Frau - genetisch

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Als Heinrich von Kleist noch lebte, haben die Romantiker versucht, aus Naturbeobachtungen etwas über den Menschen zu lernen. Vielleicht geht das heute auch noch, und zwar mit der Beobachtung, daß die genetische Rekombination bei Frauen anders abläuft als bei Männern (Nature 467, S. 1099 und New Scientist, Ausgabe vom 12.2.2011, S. 35). Wenn sich die Erbanlagen der Frauen neu ordnen, liegt die Bruchstelle zwischen zwei Genen, mit der Folge, daß neue Genkombinationen entstehen. Wenn sich die Erbanlagen der Männer neu ordnen, liegt die Bruchstelle innerhalb eines Gens, mit der Folge, daß neue Gene entstehen. Die Frage, welche Kreativität angemessener ist, bleibt offen. Offenbar ist nur, daß beide Möglichkeiten gebraucht werden - neue Kombinationen von neuen Genen. Das wussten wir schon vorher. So überleben die Menschen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 18.02.11 · 08:38 Uhr· 10 Kommentare

17. Februar 2011

Watson

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 7

Watson hat gewonnen, so kann man in den Nachrichten hören (17.2.2011). Watson ist ein Computer, der in einer Quizshow namens "Jeopardy!" aufgetreten ist, in der man nicht nur mit Kenntnissen von Fakten, sondern mit der Fähigkeit, etwa Doppeldeutigkeiten zu erfassen, gewinnen kann. Man bekommt zudem Antworten, zu denen man dann eine Frage finden muss.
Wie dem im Detail auch sei - der Computer hat erneut den Menschen besiegt, diesmal nicht im Schach, sondern im Rätselraten. Wir gratulieren dem Unternehmen IBM, und zwar vor allem wegen der Bescheidenheit, mit der die Softwareingenieure auftreten. Als ihre Vorgänger in den 1970er Jahren ankündigten, bald den Schachweltmeister zu besiegen, fügten sie hinzu, daß solch ein Supercomputer auch Gefühle entwickeln und sich über seinen Sieg freuen würde. Hat er nicht, hat Watson auch nicht, und haben die IBM Vertreter auch gar nicht mehr erwartet. Nicht nur die Maschinen lernen hinzu.


Autor: Ernst Peter Fischer· 17.02.11 · 09:11 Uhr· 7 Kommentare

Die Doktorarbeit des Ministers

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 38

Unser derzeitiger Verteidigungsminister, der Freund der Bild-Zeitung und der Medien, hat in seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Über 1000 Fußnoten als Schutzschild haben nichts genutzt. Er hätte wahrscheinlich mehr als 2000 Fußnoten gebraucht. Nun kann man sich aufregen und ärgern und alles Mögliche fordern. Nur eins wir nicht für erwähnenswert erachtet: Der promovierende Politiker hat - wenn es seinen Text selbst geschrieben hat - aus TAGESZEITUNGEN abgeschrieben. Nicht aus Kant oder Marx oder Goethe, nein aus der SZ, das FAZ, der NZZ. Das ist das Niveau von Doktorarbeiten in den Politikwissenschaften, und das ist der Skandal.


Autor: Ernst Peter Fischer· 17.02.11 · 09:03 Uhr· 38 Kommentare

13. Februar 2011

Die feste Anstellung und die Wahrheit

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 41

In der Ausgabe vom 28. Januar 2011 weist die amerikanische Zeitschrift SCIENCE auf eine Webseite hin - http://scim.ag/aFDgml -, auf der es um die Frage geht, "Can pretenured scientists blog about science without damaging their careers?" Also - kann ein Wissenschaftler, der noch keine feste Anstellung hat, seiner Karriere durch "Science Blogging" schaden?
Was für eine Frage! Wird doch suggeriert, daß ein Blog mehr oder eher die Wahrheit ausspricht, als der akademische Klüngel verträgt. Oder meint die Frage, daß man die Seite wechselt, wenn man beamtet ist? Wie kann ein Interesse an der Wissenschaft der Karriere in der Wissenschaft schaden? Wie kann Ehrlichkeit in der Wissenschaft schaden?
Wenn "Science Blogging" das Gemauschel in der etablierte Wissenschaft stört, dann kann es gar nicht genug davon geben. Also - ran an die Tasten. Bloggen, was das Zeug hält.


Autor: Ernst Peter Fischer· 13.02.11 · 12:03 Uhr· 41 Kommentare

11. Februar 2011

Global

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 21

Einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zufolge (10.2.2011) hat das russische Meinungsforschungsinstitut Wziom herausgefunden, daß 32 Prozent der Russen glauben, daß sich die Sonne um die Erde dreht. 29 Prozent vermuten, daß Menschen und Dinosaurier gemeinsam auf der Erde gelebt haben. Und 55 Prozent denken, die Radioaktivität sei eine menschliche Erfindung.
Da kann man vieles kommentieren - zum Beispiel daß Amerikaner eher noch schlechter über die Erdbahn informiert sind und selbst die Westler, die annehmen, die Erde drehe sich um die Sonne, denken in der Mehzahl, dieser Umlauf dauere einen Tag. Was die Radioaktivität angeht, so kann man sich philosophisch streiten. Natürlich stellt die Natur das radioaktive Material zur Verfügung. Aber die Unterscheidung von verschiedenen Arten der Strahlung ist eine Erfindung von Menschen. Oder?
Mich interessiert vor allem, wieso Meinungsforscher sich nach dem Wissen von Menschen erkunden. Spannend wäre zu erfahren, was Menschen meinen, die nichts wissen. Vielleicht gibt es ja auch Menschen, die nichts meinen, obwohl sie etwas wissen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 11.02.11 · 11:22 Uhr· 21 Kommentare

09. Februar 2011

"Wohlstand für alle"

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 34

"Wohlstand für alle". So heißt das 1957 (!) erschienene Buch, in dem der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwid Erhard unter anderem folgendes schreibt:
"Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: `Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko meines Lebens selbst tragen. Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein. Sorge Du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin.`"
Wahrlich Sätze aus einem vergangenen Jahrhundert und einer untergegangenen Lebensform. Wo sind wir heute gelandet?


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.02.11 · 08:25 Uhr· 34 Kommentare

Habermas auf den Malediven

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 9

Um Gottes Willen! "Nur ein Habermas kann uns retten" - mit diesem geerdeten Heidegger Verschnitt will einer der Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, uns erläutern, wie man die Malediven rettet (FAZ vom 9.2.2011). Dabei ist Habermas viel zu teuer. Denn können sich die Malediven gar nicht leisten. Was sie wirklich brauchen, weiß ihr von Schirrmacher befragter Vizepräsident, den die Zeitung mit dem Satz zitiert, daß der Islam von den Fortschritten der Wissenschaft profitieren muss. Damit können nur die Naturwissenschaften gemeint sein, und dann stimmt es, obwohl Habermas das nicht gerne hören wird. Die Malediven sollten übrigens nicht nur von der Wissenschaft profitieren, sondern zu ihr beitragen. Das kann sie retten, aber das geht nur gegen Habermas.


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.02.11 · 08:14 Uhr· 9 Kommentare

07. Februar 2011

Aus dem 19. Jahrhundert

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

Jetzt habe ich vor zweu Tagen um Antworten - Wikileaks und Tunesien - gebeten und sie auch gelesen, kann dabei aber nicht zu einem Schluss kommen, das heißt, ich komme doch zum Schluss, und zwar mit der aktuellen Politik. Es gibt ausreichend schlechte Nachrichten aus dem 19. Jahrhundert, zum Beispiel die, daß man 1823 in Preußen davor warnte, aus den Naturwissenschaften eine "Liebhaberei" zu machen. Dabei haben dann die Bayern mitgemacht, die ab 1830 die Naturwissenschaften vom Lehrplan in Schulen kurzerhand ausschlossen. Bis 1884 war Bayern ein Land ohne jeden Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern. Dabei hatte Lorenz Oken sich schon 1827 gewundert: "Was ist denn ein Philologe, der nicht einmal weiß, warum es donnert und blitzt, noch weniger, wie es einschlägt." Ob das heute ein Philologe weiß? Ob er erklären kann, was beim Verbrennen passiert? Ob er wenigsten das Gefühl hat, sich darum bemühen zu sollen?


Autor: Ernst Peter Fischer· 07.02.11 · 13:34 Uhr· 5 Kommentare

04. Februar 2011

Wikileaks und die Unruhen

Kategorie: Politik·Technik  ·  Kommentare: 5

Vielleicht habe ich es überlesen, und vielleicht hat es längst jemand analysiert und beschrieben: Aber könnte es nicht sein, daß die Unruhen in Tunesien dadurch ausgebrochen sind, daß Wikileaks über die verschwenderischen Parties des Präsidenten und seiner Gattin berichtet hat? Das heißt, bei Wikileaks steht, was der amerikanische Botschafter über die Feste berichtet hat, die wohl länger dauerten, wenn die Dame des Hauses alleine - natürlich nicht ganz - im Palast war. Kann mir jemand sagen, ob dies eine Wikileaks Revolte ist?


Autor: Ernst Peter Fischer· 04.02.11 · 14:18 Uhr· 5 Kommentare

Windelweich und unfair

Kategorie: Kultur·Politik  ·  Kommentare: 10

Manchmal sitzt man spät abends allein im Hotel und ist müde, ohne schlafen zu können. Fernsehen - das könnte die Lösung sein, und sie sah gut aus, denn es gab noch "Hart aber fair", und zwar zum Thema Ägypten. Ich kannte die Talkrunde noch nicht und war gespannt - und wurde bitter enttäuscht. Da gab es einen grinsenden Moderator, der so tat, als ob er immer schon gewusst hat, daß der Präsident (Mubarak) ein Verbrecher ist und entsprechend unfaire Fragen an Politiker stellte (wobei allgemein die Journalisten so tun, als ob nur die Politik Doppelmoral zeigt). Da gab es einen Experten für ukrainische Prostituierte - Michel Friedman -, der uns über seine Kotzlust informierte, da gab einen klapprigen Altjournalisten, der schon mal von Korruption (Geldscheine in Pässen!) gehört hatte, da gab es einen Lehrer, der Alexandria verlassen hatte und uns jetzt sagte, daß das Leben dort unruhig sei - und so weiter. Warum schreit eigentlich das Fernsehvolk nicht auf, wenn ihm dieser Stuss vorgesetzt wird? Schaut sich das blöde Zeug wirklich jemand mit Gewinn und regelmäßig an? Da ist doch jedes Bemühen um Bildung verlorene Liebesmühe.


Autor: Ernst Peter Fischer· 04.02.11 · 13:59 Uhr· 10 Kommentare

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