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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv Januar 2011

28. Januar 2011

Bläulinge

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Vladimir Nabokov (1899-1977) hat viele berühmte Bücher geschrieben - Lolita, Professor Pnin, Die Gabe, Fahles Feuer, Ada - und eine große Fangemeinde, die ihn auch bewundert, weil er ein Jäger und Sammler von Schmetterlingen war. Über die hat er sogar publiziert. Besonders angetan haben es ihm Bläulinge (Polyommatus), und 1945 hat er in den USA die Vermutung geäußert, diese Schmetterlinge hätten die Neue Welt von Asien herkommend erreicht. Was die einen Experten erst belächelt haben, konnten die anderen jetzt bestätigen. DNA Analysen zeigen, dass Nabokovs die Sache richtig gesehen und verstanden hat, wie Bläulinge vor 10 Millonen Jahren in Wellen nach Amerika gekommen sind. Wenn man mich fragt, wie er das ohne die genetischen Daten wissen konnte, würde ich auf Nabokovs Verständnis für die Art, wie Gene für Farben sorgen, hinweisen. Er hat die Gene einmal mit Aquarellisten verglichen,die ein Lebensbild malen. Nabokos hat es sich bei den Bläulingen genau angeschaut und mit seiner Hilfe etwas gewusst. Das sollten wir nachzumachen versuchen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 28.01.11 · 08:30 Uhr· 4 Kommentare

25. Januar 2011

Rechts-links Kombination

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 12

Im Boxen gilt eine Rechts-links Kombination als gute Angriffsstrategie. In der FAZ versucht man etwas Ähnliches, indem man als rechtes Blatt einen Abgeordneten der Linken zur PID (Präimplantationsdiagnostik) zu Wort kommen lässt (25.01.2011, S. 10). Es ist Wolfgang Neskovic, der dagegen ist und sich dabei zugleich Sorgen um das wissenschaftliche Wissen der Menschheit macht: "Was wüssten wir heute über das Weltall", so fragt der Justitiar der Fraktion Die Linke, "wenn man Hawkings Erbanlagen aus einer Petrischale in den Müll geworfen hätte?" Ich vermute, der Autor meint, "Was wüsste ich heute ..." und so weiter, denn offenbar ist ihm entgangen, daß es vorher jemanden wie Albert Einstein gegeben hat, der zudem auf den Schultern von Riesen wie Newton stehen konnte und so weiter. Außerdem scheint dem Justitiar entgangen zu sein, daß Hawkings Eltern überhaupt keine Veranlassung zu einer PID gehabt haben, und so weiter. Der Linke macht sich Sorgen, daß der Mensch mit der Pipette die Evolution gestaltet. Mir macht es Sorgen, wenn eine Partei die Rolle der Pipette übernehmen soll, wie es vor gar nicht so langer Zeit geschehen ist. Auf diese Recht-links Kombination muss ein Kinnhaken folgen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 25.01.11 · 08:58 Uhr· 12 Kommentare

12. Januar 2011

Die GMB

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 22

Vor zwei Tagen (10.1.) durfte ich ein Interview über den 100. Geburtstag der Kaiser-Wilhelm/Max-Planck-Gesellschaft geben, der am 11.1.11 zu feiern war. Eine der Fragen lautete, warum die Öffentlichkeit so wenig über die KWG bzw. MPG weiß. Ich habe geantwortet, weil sie nicht viel davon erfährt. Das war noch optimistisch. Ich hätte sagen müssen "weil sie nichts davon erfährt." Tatsächlich: Eine der mächtigsten und produktivsten Wissenschaftsorganisation der Welt wird 100, und im Fernsehen hat man keine Sekunde Zeit dafür. Nichts in der Tagesschau, nichts im ZDF. Dafür noch einmal minutenlang die Landwirte, die Olympia 2018 nicht wollen, und in den Talkrunden des Tages Diätprobleme. Ich nenne so etwas die Grösste Mögliche Blamage (GMB), und ich nenne so etwas eine Kulturschande. Deutschland schafft sich als Land der Wissenschaftskultur ab. Um es mit Max Liebermann zu sagen: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.


Autor: Ernst Peter Fischer· 12.01.11 · 09:34 Uhr· 22 Kommentare

09. Januar 2011

Was ist Aufklärung?

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 14

Was ist Aufklärung? Das ist die berühmte Frage, die Immanuel Kant im Dezember 1784 mit dem "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" beantwortet hat. Kant weiß: "Es ist bequem, unmündig zu sein". Denn "Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, brauche ich mich nicht selbst zu bemühen."
Wohlgemerkt: Das sind Worte von 1784. Sie hätten aber auch gestern geschrieben werden können. Nur daß man statt des Buches das Fernsehen und seine ewig grinsenden Moderatoren erwähnt hätte, die mir das Denken über die Welt und vieles mehr abnehmen (wobei sie selber diese Tätigkeit ihren Redaktionen überlassen).
Was ist also Aufklärung? Die Entwicklung der Zivlisation, auf die wir noch warten. Solange wir Bildung mit Statistiken nachweisen und meinen, die dazugehörige Misere mit finanziellen Mitteln beheben zu können, bleibt richtig, was auch schon bei Kant steht: Wir leben zwar in einem Zeitalter der aufklärenden Medien, aber nicht in einem aufgeklärten Zeitalter.


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.01.11 · 09:59 Uhr· 14 Kommentare

08. Januar 2011

Licht vermeiden

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Die Kreatur sucht das Offene - wie es bei Rainer Maria Rilke in seiner 8. Duineser Elegie heisst, und tatsächlich dient die Wahrnehmung von Licht in unserem Verständnis dem Finden der Lichtung, wobei Martin Heidegger dieser Wort zum Anlaß für einen Essay nehmen würde. Licht führt Organismen dorthin, wo das Licht herkommt (und es warm ist), so lautete das Paradigma, das aber nicht mehr stimmt und mit Hilfe von Drosophilalarven widerlegt werden konnte (Nature 468 (2010); S. 900f und 921ff.) Sie verfügen nämlich über neuronale Photorezeptoren (Lichtfänger), die über den ganzen Körper verteilt sind und dem sich entfaltenden Leben dienen, Licht zu vermeiden. Das heißt, die Larven können sich dadurch tiefer in ihr Futter einbuddeln, was zwei Vorteile liefert, nämlich mehr Nahrung und weniger Chancen, von Feinden gesehen und gefressen zu werden. Der Vorteil der Dunkelheit - auch ihn kennt die Natur schon. Gut zu wissen (wobei das "wissen" klein geschrieben wird, auch wenn es auf vielen Plakaten in diesen Tagen anders zu lesen ist. Natürlich sollte man Wissen groß schreiben, aber nicht dort, wo es sich um das Verb handelt).


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.01.11 · 09:47 Uhr· 4 Kommentare

Falsche Feiern

Kategorie: Kultur

Ein gutes neues Jahr wünsche ich meinen Lesern und anderen Menschen. Seit meinem letzten Beitrag war Enkelzeit, das heißt, die Kinder waren mit ihren Kindern zu Besuch, und das heißt, von etwa 6 Uhr an Memory spielen oder Bücher vorlesen. Ich mache das gerne, da ich meine Kinder groß gezogen habe und mehr als ein Dutzend Jahre als Hausmann brav daheim war. Darüber hat man in den 1980er Jahren kein Wort verloren. Dafür steht heute (8.1.11) in der FAZ ein ganze Seite über einen Mann, der sich sage und schreibe drei Monate (!) um seine Tochter kümmert.
Doch zu anderen Themen - nächste Woche - am 11.1.11 um 11.11 Uhr - ist es 100 Jahre her, daß die Max-Planck-Gesellschaft als Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet wurde. Zwar hat die MPG ihr Versprechen nicht eingelöst, nach der Wiedervereinigung aus München zurück nach Berlin zu ziehen - zu viele Mitarbeiter hatten inzwischen ein Häuschen in Bayern -, aber man feiert trotzdem in der Hauptstadt, was ich für mutlos halte und als Diener vor der Politik verstehe. Und als Festredner hat man auch einen Mann der Politik - Helmut Schmidt - eingeladen, der in seiner Kanzlerzeit nachweislich von Wissenschaft wenig hielt und nichts verstand. Warum feiern stets die Falschen am falsche Ort und klatschen dabei fröhlich?
Übrigens - wer sich über die Anfänge der KWG informieren will, wird im Januar-Heft von Bild der Wissenschaft fündig.


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.01.11 · 09:33 Uhr· 0 Kommentare

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