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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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09.08.10 · 16:47 Uhr
Ja, wo bleiben sie denn?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 11
Es ist nicht zu fassen - der grosse Revolutionär der 1968er Jahre, der jetzt in Rente ist, hat dem SPIEGEL (Ausgabe 32/2010, S. 98 ff) bei Kaffee und Kuchen ein Interview gewährt und die Einsicht seines Lebens verkündet: "Ohne kleine Schritte", so der als bedeutend bezeichnete Soziologe Oskar Negt, "gibt es keine nachhaltige Entwicklung." Sagenhaft. Donnerwetter. Da wäre man nicht drauf gekommen.
Und überhaupt die scharfe Analyse mit bohrenden Fragen. "Die menschenleere Fabrik", so der politische Denker, "in den achtziger Jahren [sic] für uns noch eine negative Utopie, ist Reaität geworden", was die Frage aufwirft, "wo bleiben dann die lebendigen Menschen, die dort gearbeitet haben?". Ja, wo bleiben sie denn? Negt weiß es nicht. Er wird sich wohl um die toten Menschen gekümmert haben, die dort tätig waren.
Es ist nicht zu fassen, was aus den Vordenkern der Revolution geworden ist. Plappernde Pensionäre. In den griechischen Sagen hat Zeus einen nervigen Opa in eine Grille verwandelt und in eine Schachtel gesperrt. Wie Heidegger sagte: Nur ein Gott kann uns retten. So zum Beispiel.
Autor: Ernst Peter Fischer· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (11)
Altersmilde statt Altersweise, schlimmes Schicksal.
"Plappernde Pensionäre"
Und jetzt in den Spiegel geschaut!
Nach 1989 sind die schon deutlich ruhiger geworden. Substanziell kommt, was eigentlich immer gekommen ist, aber das revolutionäre Element, das Feuer, fehlt heute irgendwie, höhö.
MFG
Wb
Hat da nicht irgend jemand mal was von diesen drei Phasen gesagt:
Jugend = revolutionär/ Erwachsensein = konservativ/ Alter = reaktionär?
Natürlich, das ist hier ein Science Blog, ich weiss, das das nicht so einfach ist und besonders, dass es Ausnahmen gibt, viele Ausnahmen: Reaktionäre Jugendliche, revolutionäre Erwachsene, konservative Greise u.s.w..
Was mich viel mehr interessiert ist: Warum werden Leute als "Gross" bezeichnet? War oder ist Oskar Negt "gross"?
Ist dieses "68-ger-Bashing" nicht nur eine Form der Rache des kleinen Mannes? Ist das nicht Bestandteil (der letzte Teil) von Personenkult?
Haben besonders junge Gesellschaftswissenschaftler und Gesellschaftswissenschaftlerinnen das wirklich nötig, sich über das Verhalten ihrer ehemals angebeteten "Größen" lustig zu machen?
Wäre es nicht einfacher, gar nicht erst mit Personenkult zu beginnen? Sollten wir Leute mit besonderen Fähigkeiten (die m. E. eigentlich nur eine Gruppe öffentlich anerkannter Geisteskranker sind -> Un- Normale) einfach nur wie jeden Anderen achten und machen lassen oder an seiner (wenn) schädlichen Tätigkeit hindern?
Das ist wie mit diesem angeblichen Satireblatt "Titanic" - Eine Personenkultmaschine ersten Ranges!
Wb·
10.08.10 · 11:47 Uhr
Die seinerzeitigen Aussagen, das Warten auf die Revolution, dann denn Marsch durch Institutionen, dann die ab ca. 1971 die einsetzende Hoffnungslosigkeit (auf revolutionärer Seite), das langsame Sich-Auflösen etlicher Genossen...Es mag sein, dass das dem einen oder anderen Arbeiter über die Jahre zu viel wurde.
MFG
Wb
Arbeiter??? Die hatten doch mit dem 68-ger Zeugs gar nichts zu tun, das waren doch die Kinder der Reichen, als Studenten verkleidet, die da aufgemuckt haben! Und nun sind sie selbst im Geschäft. Was haben Sie denn erwartet? Das ist doch heute nicht anders!
Es ging doch nie um die Arbeiter, immer nur um Pfründen.
Am schönsten dargestellt wurde das durch Robert Merle (Hinter Glas)
Und auch hier, in diesem Forum, mucken nicht die Arbeiter gegen die Herrschaft der 68ger, sondern Intellektuelle welche noch ohne Pfründe (Lehrstühle, Aufsichtsratsposten) sind! Oder gehe ich da falsch in meiner Annahme?
Aber einige Nebeneffekte der 68ger, wie der Feminismus und die Genderbewegung, die Ökologiebewegung u.s.w., die empfinde ich, verglichen mit dem 50ger-Jahre Mief und den Nazis doch als haltbar und angenehm.
Und einem toten Hasen noch mal einen Tritt zu versetzen … ts ts ts
Was mich auch immer wundert ist, dass die selbsternannte (Pseudo-) Linke so mit moralischen Ansprüchen verfolgt wird, während die schlimmsten Kapitalvergehen bei selbsternannten Rechten als völlig normal empfunden werden (z. B. Bestechung, Diebstahl mittels Wirtschaftskrisen, Kriege)
Arbeiter sind von Natur aus keine Revolutionäre, sondern Kleingärtner. Was herauskommt, wenn die Arbeiterklasse diktiert, konnten Sie in der DDR und in der Sowjetunion lernen!
Wb·
10.08.10 · 20:43 Uhr
Den einen oder anderen Hasen drängts halt noch in die Medien, zudem kann man heute besser nachtreten, in den 70ern musste man noch den Personenschutz bestellen.Das mit dem "68er-Bashing als Rache des kleinen Mannes" hat der Webbaer dann wohl falsch verstanden.
MFG
Wb
Mal davon abgesehen, dass Oskar Negt immer linker Stammtisch war, sagt er in diesem Interview durchaus bemerkenswertes:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,710880,00.html
Was diesen Kollegen aus jenem oder diesem pol. Spektrum natürlich fehlt ist die gute Laune und das Vertrauen auf das Zukünftige.
MFG
Wb
> fehlt ist die gute Laune und das Vertrauen auf das Zukünftige.
Kann ja nicht jeder so eine goldige Frohnatur haben wie der geschätzte Webbär!
Schwer Fehlgeleitete und Irre sind recht zuverlässig am Fehlen von Humor und am pessimistischen bis apokalyptischen Warten auf das Zukünftige zu erkennen. Gerade auch bei Despoten oder Bärtigen ist Humor selten, und wenn dann eher von der Bauart "Seht her, der Sklave will seinen Fehler nicht zugeben, man schneide ihm die Zunge heraus, vielleicht redet diese erst dann. MUAHAHAHAHA...".
Umberto Eco hat in "Der Name der Rose" diesen bekannten Sachverhalt recht schön bearbeitet.
HTH
Wb
PS: Der Humor kann als Bezug auf das Wissen um das letztliche Nichtwissen verstanden werden, äh, und wird auch oft so verstanden.
@WB
> Gerade auch bei Despoten oder Bärtigen ist Humor selten
Der Webbaer ist unschlagbar!