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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv August 2010

31. August 2010

Thilos tolle Thesen - 2

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 39

Thilos tolle These lautet, daß Intelligenz genetisch ist. Der Banker gibt sogar konkrete Zahlen an - 50-80% - und ist wahrscheinlich stolz, sich gegen den Trend zu stellen, der uns gerade darüber belehrt, daß Gene nicht unser Schicksal sind. Das Dumme bei all dem bleibt, daß es nicht so klar ist, was Gene vermögen. Gene sorgen für Proteine, und dann? Das soll hier nicht verfolgt werden. Was immer man da versucht: Es wird die Ansicht bleiben, die viele teilen, daß Intelligenz irgendwie genetisch ist. Das stimmt, aber nur, wenn man das Wort genetisch in seiner ursprünglichen Bedeutung versteht, und die stammt von Goethe, nicht von den Genen. Genetisch nennt Goethe etwas, das nicht da IST, sondern daß WERDEN (entstehen) muss, das eine Genese hat. Sprache ist deshalb genetisch, Intelligenz auch. Der Sachverhalt ist banal. Eine Gesellschaft, die sich darüber aufregt und dafür Geld ausgibt, ist dumm. Und diese Dummheit ist auch genetisch. Ihr Werden wird von vielen Sendungen des Fernsehens befördert - von Talkshows etwa. Da bleiben die Dummen unter sich. Sarrazin muss das Spaß machen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 31.08.10 · 09:19 Uhr· 39 Kommentare

30. August 2010

Der große Irrtum

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 13

"Der große Entwurf" - so der Titel der neuen Erklärung des Universums, die Stephen Hawking zusammen mit Leonard Mlodinow verfasst hat. Merkwürdig an der neuen Erklärung ist, daß es gar keine alte gab - außer ein paar kryptischen Hinweise über den möglicherweise gar nich vorhandenen Anfang der kurzen Geschichte der Zeit. Und die neue Erklärung fängt katastrophal an. Seit Newton, so der lebende Brite, lassen sich physikalische Theorien nicht mehr auf das reduzieren, was man sieht.
Wie bitte? Was hat denn Newton mit dem Sichtbaren zu tun? Wer hat denn den Massenpunkt gesehen, mit dem Newton operiert? Und wer hat denn das Gleichheitszeichen gesehen, das Newton braucht? Und wer hat denn die Trägheit gesehen, um die sich alles dreht? Und wer hat das Schwerfeld der Erde und anderer Massen gesehen, die das wirken?
Der große Entwurf muss ein großer Irrtum sein. Mal sehen, wer das merkt. Aber wie hieß es früher in einem netten Witzchen: Esst Scheiße - Millionen Fliegen können nicht irren.


Autor: Ernst Peter Fischer· 30.08.10 · 21:01 Uhr· 13 Kommentare

Thilos tolle Thesen

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 40

Thilo Sarrazin steht im Mittelpunkt des Interesses, was er nicht verdient hat. Er sorgt sich um die Zukunft Deutschlands, hat Angst vor Muslimen, die offenbar unveränderlich dumm sein sollen. Ich glaube das nicht. Ich sehe aber, daß viele Kommentare voller Unsinn sind, vor allem, wenn sie Sarrazin unterstützen. Man erkennt den Unsinn leicht, etwa wenn die Soziologin Necla Kelek (in der FAZ vom 30.8.10, S. 23) dem gesunden Menschenverstand bemüht, der uns nahelegt, daß die Völker Anatoliens andere Talente vererbt bekommen als die Söhne von Johann Sebastian Bach. Die in Berlin lebende Muslimin will mit diesem bestenfalls banalen und lächerlichen und eher unvergleichlich dummen Satz zeigen, daß Sarrzins These von einer Wechselbeziehung zwischen Intelligenz und Demographie nicht einfach als biologistisch diffamiert werden darf. So viel Unsinn über schon genug Unsinn. Wer soll das aushalten? Ich nehme an, der Verleger Sarrazins.


Autor: Ernst Peter Fischer· 30.08.10 · 20:45 Uhr· 40 Kommentare

24. August 2010

Die Kunst, es nicht gewesen zu sein

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 27

Der Philosop Odo Marquard hat den Umgang, den die Öffentlichkeit mit neuen Technologien bevorzugt praktiziert, einmal als "Kunst, es nicht gewesen zu sein" bezeichnet. Wir hätten gerne Medikamente, aber die dazugehörigen Tierversuche wollen wir nicht. Wir hätten gerne Stammzelltherapien, aber die dazugehörigen Versuche mit Embryonen wollen wir nicht. Wir hätten gerne Antibabypillen, aber die dazugehörigen Menschenversuche (Klinische Prüfungen) wollen wir nicht. Die Kunst, es nicht gewesen zu sein, praktizieren offenbar vor allem die wohlhabenden und gebildeten Schichten in den bekannten Ländern, und sie handeln jetzt wieder so, nachdem berichtet worden ist, das an den Rohstoffen unserer Mobiltelefone und Laptops Blut kleben kann, wenn sie aus dem Kongo kommen. Neben den Blutdiamanten gibt es - wie jetzt jeder wissen kann - "Bluthandys", und wie reagiert die Öffentlichkeit? Sie schreibt eine E-Mail an Apple und verlangt, das Unternehmen sollte gefälligst weiter die schönen iPhones liefern, aber nicht mit dem Tantal aus dem Kongo. Merkwürdigerweise findet die Presse die E-Mail toll. Tatsächlich. Wir beherrschen die Kunst, es nicht gewesen zu sein. Es ist lächerlich.


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.08.10 · 09:09 Uhr· 27 Kommentare

18. August 2010

Gene sind anders

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

In den später 1970er (!) Jahren habe ich einen Essay mit dem Titel geschrieben, "Gene sind anders." In den späten 1980er Jahren habe ich ein Buch mit dem Titel publiziert, "Gene sind anders." Meiner Ansicht nach kann die Forschung auch heute nicht mehr sagen. Falls es Gene als relevante Einheiten des Lebens gibt - und nicht etwa Genstücke oder ganze Genome -, dann sind sie anders, nämlich anders als gerade jemand in einem Labor oder in einer Zeitungsredaktion denkt.
"Gene sind kein Schicksal", verkündet in diesen Tagen bunt und schrill der Spiegelredakteur Jörg Blech, nachdem sich sein Blatt lange besorgt darüber geäußert hat, wir seien als Marionetten von Genen manipulierbar. Jetzt bemerkt man auch im hohen Norden die bereits vielfach und gut beschriebenen Möglichkeiten einer Epigenetik - etwa in eeinem Buch von Peter Spork - und stellt sie uns als der Weisheit letzter Schluß vor. Der sieht aber anders aus, nämlich wie bei Sokrates. Wir wissen von den Genen nur, daß wir nicht sagen können, wie sie ihre Wirkung entfalten. Und fehlen der Begriffe. Gene können "gelesen" werden. Sie sind aber kein Gesetz, sie können nicht steuern. sie kontrollieren noch weniger, sie sind nicht programmiert und programmieren selbst gar nichts, auch wenn uns das eingeredet werden soll. Wir labern da bloß rum und reden viel Blech, wie man sagen könnte, wenn sich das in diesem Kontext nicht verbieten würde. Wir wissen wenig von den Genen, außer daß sie anders sind, als wir denken.


Autor: Ernst Peter Fischer· 18.08.10 · 09:00 Uhr· 14 Kommentare

09. August 2010

Ja, wo bleiben sie denn?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Es ist nicht zu fassen - der grosse Revolutionär der 1968er Jahre, der jetzt in Rente ist, hat dem SPIEGEL (Ausgabe 32/2010, S. 98 ff) bei Kaffee und Kuchen ein Interview gewährt und die Einsicht seines Lebens verkündet: "Ohne kleine Schritte", so der als bedeutend bezeichnete Soziologe Oskar Negt, "gibt es keine nachhaltige Entwicklung." Sagenhaft. Donnerwetter. Da wäre man nicht drauf gekommen.
Und überhaupt die scharfe Analyse mit bohrenden Fragen. "Die menschenleere Fabrik", so der politische Denker, "in den achtziger Jahren [sic] für uns noch eine negative Utopie, ist Reaität geworden", was die Frage aufwirft, "wo bleiben dann die lebendigen Menschen, die dort gearbeitet haben?". Ja, wo bleiben sie denn? Negt weiß es nicht. Er wird sich wohl um die toten Menschen gekümmert haben, die dort tätig waren.
Es ist nicht zu fassen, was aus den Vordenkern der Revolution geworden ist. Plappernde Pensionäre. In den griechischen Sagen hat Zeus einen nervigen Opa in eine Grille verwandelt und in eine Schachtel gesperrt. Wie Heidegger sagte: Nur ein Gott kann uns retten. So zum Beispiel.


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.08.10 · 16:47 Uhr· 11 Kommentare

06. August 2010

Schlechte Wegweiser

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 85

Wer - wie der Autor dieser Zeilen - versucht, Naturwissenschaften an den Mann oder die Frau zu bringen, hört immer mal wieder den Satz, daß (gute) Philosophie leichter sei als (gute) Wissenschaft. Wirklich? Gute Philosophie klingt zum Beispiel so: "Wie in Kants dualistischer Konstitutionslehre ein verborgener Schematismus in den Tiefen des transzendentalen Subjekts die Beziehung von Materie und apriorischer Form zu stiften hatte, so wird in Fichtes monistischem Idealismus der Schritt, der vom Apriori zum Aposteriori führt, zu einem Geheimnis."
Das kann schon sein, aber es ist sicher nicht leichter als irgendein Text aus der Wissenschaft. Ich habe versucht, ernste philosophische Texte - nicht die Aufarbeitungen für Kinder - zu lesen und bin durchweg gescheitert, weshalb mich freut, nun erfahren zu haben, daß es großen Leuten nicht anders ergangen ist. Wenn mich meine Ohren nicht täuschen, geben gestandene Philosophen auf einer CD, mit der man Heidegger erklärt bekommt, zu, den Meister erst in seinen Vorträgen, und nicht schon in seinen Buchtexten verstanden zu haben. Haben sie das auch ihren Studenten gesagt?
Offenbar macht das Unverständliche mancher Texte die Popularität ihrer philosophischen Autoren aus.
Ein Klassiker des Jargons ist Adorno, der aber verständliche Briefe an seine Mutter geschriben hat. Aus Kalifornien berichtet er zum Beispiel von "der Schönheit der Sierras" mit ihrem "tiefblauen und grünen Gebirgsee", was ihn "unendlich vergnügt", während er auf eine Wildente wartet. In seinen Texten verachtet er sich dann selbst für diese Empfindung, indem er erklärt: "Was ... im bürgerlichen Verblendungszusammenhang Natur heißt, ist bloß das Wundmal gesellschaftlicher Verstümmelung", wie heute in der FAZ zu lesen ist (6.8.10, S. 29). Ich habe in der Schule gelernt, daß Philosophen Wegweiser sind, die bekanntlich den Weg nicht gehen, den sie uns weisen. Man hat mir vergessen zu sagen,daß sie schlechte Wegweiser sind. Ich höre so langsam mit ihrer Lektüre auf und orientiere mich einfacher - an der Wissenschaft.


Autor: Ernst Peter Fischer· 06.08.10 · 08:35 Uhr· 85 Kommentare

04. August 2010

Bescheidenheit, bitte

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Wissenschaftsmagazine teilen ihren Zusehern gerne triumphierend mit, was Forscher gerade wieder Tolles herausgefunden haben. Sie vergessen, was der Philosoph Karl Popper als dringend nötig für unser Zeitalter empfohlen hat, nämlich Bescheidenheit. Wie sehr wir mit Trompetenstößen zurückhaltend sein sollten, zeigt in diesen Tagen der Beitrag "The four hundred years of planetary science since Galileo and Kepler" (Nature 466, S. 575 ff.). Der Autor, Joseph Burns, erinnert daran, wie wenig wir über das Planetensystem wussten, bevor das Zeitalter der Raumfahrt begann. Noch 1966 wurde ernsthaft die Frage erörtert, ob der Mars eine Vegetationsdecke habe. In den 1950er Jahren dachte man noch, die Venus sei von einem Ozean bedeckt, die Mondkrater hielt man für Vulkane, und so weiter. Und die Molekularbiologie hat dieselbe Erfahrung wie die Astronomie gemacht, nur das ihre Raumfahrt als Gentechnik unsere Unkenntnis mehr im Inneren dokumentierte. Je mehr wir herausfinden, desto weniger wollen wir uns daran erinnern lassen, was wir vor kurzem noch nicht einmal geahnt haben. In Zukunft werden wir den heutigen Stand des Wissens vielleicht lächerlich finden. Daher lohnt die Bitte um Bescheidenheit.


Autor: Ernst Peter Fischer· 04.08.10 · 11:27 Uhr· 3 Kommentare

02. August 2010

Schuld und Gene - etwas anders

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Heute ist der neue Band von Ferdinand von Schirach mit dem Titel "Schuld" erschienen. Die spannenden Geschichten kommen nicht ganz an die Texte in seinem ersten Buch- "Verbrechen" - heran, sind aber immer noch sehr empfehlenswert. Eine Erzählung handelt von "DNA" - so der Titel - und beschreibt die Auswirkung der DNA Analysen auf die Klärung einer rechtlichen Schuld. Ich will jetzt nicht die Geschichte analysieren, sondern auf die Tatsache hinweisen, daß es kaum einen Krimi mehr gibt, in dem nicht angeordnet wird, eine DNA Analyse vorzunehmen. Zur Erinnerung: Die Methode ist vor 25 Jahren erfunden worden und sofort mit aller Macht und aller Mitteln von den Gegnern der Gentechnik bekämpft und verunglimpft worden. Was die Feinde der Wissenschaft damals als soziale Katastrophe bewertet haben, ist längst zu einem Segen für die Justiz und ihr Bemühen um Aufklärung und Gerechtigkeit geworden. Nur: Ich kann mich nicht erinnern, daß einer der damals so verbissenen Gegner dies anerkennt. Ich bin deshalb sicher: Die Wissenschaftsfeinde sind noch unter uns. Sie suchen nur nach einem neuen Thema.


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.08.10 · 19:48 Uhr· 4 Kommentare

Kachelmann glotzt mich an

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 13

Es geht im Folgenden nicht um Wissenschaft, nur um ein ärgerliches Unbehagen.
Wenn einer als Fernsehmensch bekannt ist, viel Sex hat (egal welcher Art) und mit der Justiz Probleme bekommt, ist ihm das große Geld hierzulande sicher. Seit dem Wochenende glotzt mich Kachelmann von vielen Blättern an, und selbst die Talkrunde der ARD, die jeden Nobelpreis an sich vorbeirauschen lässt - da gibt es kaum Sex und wenig Verbrechen -, hat nichts anderes zu tun, als eine ganze Stunde jemandem zu widmen, der gerade einmal das Wetter vorhersagen kann und viele Frauen kennt. Wir werden sicher bald das Buch zum Knast bekommen und es auf die Bestsellerlisten bringen. Jeder Promi wird es gelesen haben und sich im TV dazu mit sorgenvoller Mine äußern.
Ich halte das für ein Armutszeugnis - nicht für die Medien, sondern für das Publikum. Es will mit diesem Geschwätz bedient werden und fühlt sich dabei gut. Bleibt die Frage: Wie sollen wir ihm Wissenschaft vermitteln? Gegenfrage:Will sie überhaupt etwas wissen - außer, welche Frauen Kachelmann ....


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.08.10 · 19:12 Uhr· 13 Kommentare

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