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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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03.07.10 · 11:20 Uhr

Kant und die Ratten

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

In einer Reihe von wunderbaren Beiträgen erkunden englische, norwegische, schottische und amerikanische Wissenschaftler, ob der deutsche Philosoph Kant recht hatte, als er im 18. Jahrhundert den Raum als eine "a priori" Kategorie einführte, die uns Menschen vor jeder Erfahrung gegeben ist (SCIENCE 328, Seiten 1487, 1573 und 1576). Das heißt, es geht um Experimente mit Ratten, und vermessen werden Zellen, die von neugeborenen Ratten genutzt werden, um sich räumlich zu orientieren. Das Problem, Kants Sicht mit den Meßergebnissen zu vergleichen besteht unter anderem darin, daß Kants "a priori" den Anspruch auf Wahrheit erhebt, während die Neurobiologen nur prüfen können, ob den agierenden Zellen ihre Aktivität angeboren ist oder nicht. Auf jeden Fall weisen die Experimente nach, daß die Repräsentation des Raumes eine Komponente aufweist, die vor jeder Erfahrung weiß, was draußen los ist. Das Problem von Kant muss man also ernst nehmen, nämlich herauszufinden, was wir ohne und was wir mit Erfahrung wissen. Immerhin wissen die Neurobiologen, daß es das Problem gibt. Die Philosophen meinen leider, daß Kant es gelöst hat. Vielleicht schauen sie einmal den Ratten zu.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (4)

Kommentar-Direktlink libertador· 03.07.10 · 12:54 Uhr

Der Raum war für Kant eine Denknotwendigkeit um Erfahrung machen zu können. Und muss somit vor der Erfahrung stehen.
Und was "die Philosophen" denken ist wohl nicht bei Kant stehen geblieben.

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 03.07.10 · 13:52 Uhr

Ich glaube kaum, dass es einen lebenden Philosophen gibt der meint, dass Kant oder Platon oder Wittgenstein oder Heidegger irgendein Problem gelöst hat. Entscheidend ist doch, die Probleme richtig zu benennen.

Kommentar-Direktlink Jörg Friedrich· 03.07.10 · 14:09 Uhr

Noch einmal kurz zum Kern des Artikels:
Ich habe Kants apriori-Aussagen eigentlich nie als Beitrag zur Biologie oder zur Neurowissenschaft gelesen. Ihm ging es darum, ob es etwas gibt, dass schon vor der Erfahrung sozusagen als Fundament jeder Erfahrung da sein muss. Ob dies schon angeboren sein muss, beantwortet Kant nicht, schon gar nicht, ob es auch bei Tieren existieren muss. Im Zuge der Individuellen Entwicklung eines Menschen kann sich die Vorstellung von Raum und Zeit durch einen Umgang des Menschen, der eben noch nicht Erfahrung genannt werden kann, ausbilden. Wenn Raum und Zeit als Basis verfügbar gemacht sind, kann Erfahrung im eigentlichen Sinn des Wortes beginnen.

Machen Ratten "Erfahrungen"? Nur wenn diese Frage positiv beantwortet wird, ist es in Zusammenhang mit Kants Problem interessant, den Ratten zuzuschauen.

Kommentar-Direktlink HOT 'N' COLD· 04.07.10 · 11:25 Uhr

Was ist denn Raum?

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