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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv Juli 2010
28. Juli 2010
Help me
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Ich danke für die schönen Hinweise auf meine Bitte, mir bei den Beatles zu helfen. Jetzt benötige ich eine etwas andere Hilfestellung. Die Zeitschrift "Nature" zitiert in ihren jüngsten Ausgabe (vom 22.7.10, S. 426) einen Physiker, der sagt, daß wir vom mathematischen Standpunkt aus längst wissen, daß das Standardmodell falsch ist. Wenn also Experimente am LHC in Genf Ergebnisse liefern, die mit dem Standardmodell übereinstimmen - wenn etwa das berühmte Higgs-Teilchen auftaucht -, dann wäre das schlecht für die Physik. Denn dann bestätigt ein sehr teures Experiment eineTheorie, die nachweislich falsch ist.
Hier ertönt mein Hilferuf: Versteht jemand diese Logik der Physiker? Was passiert denn, wenn ein Experiment etwas zeigt, daß die Theorie nicht erfasst? Weiß man denn, wie man die Theorie besser macht? Hat man jemals aus Aufzeichnungen in Laborbüchern (früher) oder auf Festplatten (heute) Theorien entwickeln können? Help, help me. Yeah.
Autor: Ernst Peter Fischer· 28.07.10 · 09:58 Uhr· 8 Kommentare
26. Juli 2010
Help
Kategorie: Kultur · Kommentare: 14
Help - ich möchte verstehen, was die Qualität der Beatles ausmacht und wie sie - zum Beispiel - ihre Themen gefunden haben - etwa das Alter: Will you still need me, will you still feed me, when I´m 64. Ich bin 63 und mit den Beatles aufgewachsen. Ich kenne ihre Namen, ihre ersten Stationen, ihre ersten Hits und all das Zeug, was alle Welt seit Jahren kennt. "50 Jahre Beatles" - damit füllen viele Blätter und TV-Moderatoren nun ihre Plätze und Sendezeiten, und nirgendwo ist mir auch nur der geringste Versuch aufgefallen, das Wunder der Beatles verständlich zu deuten. Daß sie Liebeslieder singen, verstehe ich schon. Aber woher kommen die anderen Themen (außer den Strawberry Fields)? Ich erwarte keine Erklärung der musikalischen Kreativität, aber ich hätte gerne gewusst, wie man auf Maxwell´s Silver Hammer, Norwegian Wood, den Barbershop in der Penny Lane und anderes kommt. Kann mir jemand helfen und Hinweise geben? Bitte - nicht die Frisuren und die Drogen und so weiter. Irgendwo müssen sich die Beatles doch informiert haben? Irgendwas müssen sie doch gelesen haben? Und was macht ihre Einzigartigkeit aus? Help! I need somebody.
Autor: Ernst Peter Fischer· 26.07.10 · 22:36 Uhr· 14 Kommentare
25. Juli 2010
Verheddert im Netz
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Es wird langsam ärgerlich, was man im Feuilleton der Zeitungen über das Internet lesen muss, und zwar dann, wenn sich Blogger und andere Netzwerker zur Kulturgeschichte äußern. In der Süddeutschen vom 23.7.10 erklärt uns ein Ethan Zuckerman unter der Überschrift "Inseln im Netz", warum das Internet unseren Blick auf die Welt verengt, statt sie zu öffnen. Man fragt sich zum einen, wie jemand überhaupt auf die Idee kommen kann, daß das starre Blicken auf einen Schirm den Blick auf die Welt erweitern sollte, und man staunt zum zweiten über den Unsinn, der dazu verzapft wird. Aus der Tatsache, daß man auf einen blödsinnigen Streich mit überflüssigem Inhalt ("Cala Boca Galvao") hereinfallen kann, folgert der Autor, "So war das mit dem Internet nicht gedacht". "Ach", würde Loriot sagen, während wir fragen, ob da überhaupt etwas "mit" dem Internet gedacht war? Was denn, bitte schön? Und was denkt der Autor von seinen Lesern, wenn er ihnen genau vorrechnet, daß sie dann, wenn sie 24 Stunden am Tag Videos ansehen, keine Zeit mehr haben, zur Toilette zu gehen. Sie haben dann zum Glück auch keine Zeit mehr, solchen Unsinn zu lesen, in dem wir einfachen Leute als Herdentiere der dämlichen Art dargestellt werden. Vielleicht sind wir das, aber daraus folgt nicht, daß wir jedem Blödsinn nachrennen. Es muss sich schon lohnen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 25.07.10 · 15:36 Uhr· 2 Kommentare
Das Erste Gesetz des Lebens
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Ein Biologe (Daniel W. McShea) und ein Philosoph (Robert N. Brandon) haben zusammen ein Buch mit dem Titel "Biology´s First Law" geschrieben (University of Chicago Press 2010) und dabei im Untertitel erläutert, was für ein Gesetz sie im Auge haben: "The Tendency for Diversity and Complexity to Increase in Evolutionary Systems". Das Erste Gesetz des Lebens klingt so ähnlich wie der Zweite Hauptsatz der Wärmelehre, der besagt, daß in physikalischen Systemen die Entropie die Neigung hat, größer zu werden, also alles ganz spannend. Wir wollen hier aber nicht das Gesetz selbst in Augenschein nehmen, sondern die Tatsache, daß hier ein erstes Gesetz benannt und damit nicht zuletzt eine historische Aussage getroffen wird. Denn wenn die konstatierte Zunahme der Komplexität das erste Gesetz der Biologie ist, dann hatte sie vorher keines. Das heißt, die Biologie kennt keine Theorie. Deshalb kann sie zwar alles Mögliche sein, nur nicht die Leitwissenschaft, zu der sie gerne gemacht wwird. Die Biologie sammelt immer noch Briefmarken, und so zeigt sie uns flotte Bildchen, deren Buntheit zunimmt. Vielleicht steckt darin ein Zweites Gesetz.
Autor: Ernst Peter Fischer· 25.07.10 · 15:21 Uhr· 7 Kommentare
08. Juli 2010
Massiv
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
"The way it is sometimes publicised is a bit insulting to the intelligence of the public." Das "it" meint die Suche nach dem Higgs-Teilchen, und das Satz stammt von Peter Higgs, der ihn Ian Sample gegenüber geäußert hat. Sample erzählt davon in seinem - sehr empfehlenswerten - Buch "Massive", das von den jahzehntelangen Bemühungen der Physiker berichtet, das Higgs-Teilchen zu finden (Virgin Books, 2010). Das heißt, Leser des Buches erfahren zum Beispiel, daß der Name Higgs-Teilchen eher zufällig zustande gekommen und nicht ganz fair ist. Sie erfahren weiter, daß das Finden von einem Higgs-Teilchen gerade nicht zu Freudensprüngen führt, wie es uns immer wieder eingehämmert wird, sondern eher Anlass zu Trübsinn gibt, und Nobellauraten erhoffen sich lieber keins oder viele Higgs-Teilchen, was mich zum Ausgangssatz zurückführt. Was uns aus der Welt der Teilchenphysik mitgeteilt wird, zeigt nicht unbedingt, daß man das Publikum für intelligent hält. "Massive" ist da eine Ausnahme.
Autor: Ernst Peter Fischer· 08.07.10 · 09:59 Uhr· 3 Kommentare
05. Juli 2010
Ohne Zahl und Sinn
Kategorie: Kultur · Kommentare: 7
In einem Beitrag mit der Überschrift "Zahl und Sinn" beklagt Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte, in der FAZ (5.7.2010), das Zahlen das Denken dominieren. Er will das ändern, um Sinn für den Sinn zu schaffen, wie er sinnig schreibt, und wer sollte dagegen sein? Nun beruht die Moderne - wie der Historiker korrekt notiert - auf "regelhaften Wirkungsverhältnissen", in denen nun mal "rationalistisch-quantifizierend" argumentiert wird, was den Zahlen ihre besondere Bedeutung gibt - und an dieser Stelle übersieht der Professor das Versagen seiner Zunft. Wenn die Historiker nämlich erzählen, wie wir geworden sind, was wir sind - versessen auf Zahlen zum Beispiel -, lassen sie diesen Teil gerne außer acht. In welchem Lehrbuch der Geschichte tauchen denn die Mathematiker auf, die uns statistisch unterwiesen und die Zahlen nahegebracht haben? Sie kommen bei den Historikern nicht vor, und so fehlt ihnen der Sinn für die Zahlen, die unsere Gegenwart dominieren. Und noch ein Tipp für Erkunder der neuesten (!) Geschichte. Die "Grenzen des Wachstums" von 1972 mit ihren Statistiken stellen eine falsche (sinnlose) Übersetzung dar. Das Original spricht von den Grenzen BEIM Wachstum. Sonst ergeben die dort präsentierten Zahlen keinen Sinn.
Autor: Ernst Peter Fischer· 05.07.10 · 20:37 Uhr· 7 Kommentare
04. Juli 2010
Nobelratschläge
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Ein schönes Fest in Lindau - zum 60sten Mal trafen sich Nobelpreisträger am Bodensee und viele hundert Studenten konnten ihnen zuhören und mit ihnen diskutieren. Ich habe einen Tag lang teilnehmen dürfen und alle beneidet, die mehr Zeit in Lindau verbringen konnten. Durchweg gute Vorlesungen mit durchaus noblen Ratschlägen der Laureaten, wenn auch einige unter dem Durchschnitt blieben - "Expect the unexpected", um ein Beispiel zu bringen, oder "Gebt der Imanigation eine Chance".
Zu den Besonderheiten von Nobelpreisträgern gehört es, daß einige von ihnen - wenn sie erst einmal in Stockholm waren - nach Höherem streben. Es reicht ihnen dann nicht mehr, Elektronen zu verstehen. Sie wollen Esoterisches beweisen, und manche versuchen das inzwischen schon länger. Normalerweise schweigt der Laureaten Höflichkeit zu diesem Stuss, aber diesmal hat einer dazu etwas gesagt, und zwar sehr nobel. Als Ivar Giaver (Laureat 1973) Ratschläge anbot, wies er auch auf die Notwendigkeit hin, seinem Ziel hartnäckig zu folgen. Allerdings - so fügte er plötzlich schmunzelnd hinzu - könne man dies übertreiben. Wenn sein Kollege (er nannte den Namen) 40 Jahre lange nichts von dem Unsinn beweisen kann, den er behauptet, dann müsse man sagen, dann sei er allzu hartnäckig gewesen. Wunderbar. Die noble Art, Stuss als Stuss zu bezeichnen. Danke Ivar.
Autor: Ernst Peter Fischer· 04.07.10 · 10:35 Uhr· 1 Kommentar
03. Juli 2010
Kant und die Ratten
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 4
In einer Reihe von wunderbaren Beiträgen erkunden englische, norwegische, schottische und amerikanische Wissenschaftler, ob der deutsche Philosoph Kant recht hatte, als er im 18. Jahrhundert den Raum als eine "a priori" Kategorie einführte, die uns Menschen vor jeder Erfahrung gegeben ist (SCIENCE 328, Seiten 1487, 1573 und 1576). Das heißt, es geht um Experimente mit Ratten, und vermessen werden Zellen, die von neugeborenen Ratten genutzt werden, um sich räumlich zu orientieren. Das Problem, Kants Sicht mit den Meßergebnissen zu vergleichen besteht unter anderem darin, daß Kants "a priori" den Anspruch auf Wahrheit erhebt, während die Neurobiologen nur prüfen können, ob den agierenden Zellen ihre Aktivität angeboren ist oder nicht. Auf jeden Fall weisen die Experimente nach, daß die Repräsentation des Raumes eine Komponente aufweist, die vor jeder Erfahrung weiß, was draußen los ist. Das Problem von Kant muss man also ernst nehmen, nämlich herauszufinden, was wir ohne und was wir mit Erfahrung wissen. Immerhin wissen die Neurobiologen, daß es das Problem gibt. Die Philosophen meinen leider, daß Kant es gelöst hat. Vielleicht schauen sie einmal den Ratten zu.
Autor: Ernst Peter Fischer· 03.07.10 · 11:20 Uhr· 4 Kommentare
Die Pille und die Pillen
Kategorie: Kultur·Medizin · Kommentare: 7
Zu den kleinen Meldungen der heißen Tage gehört die Ablehnung eines Medikamentes, das als "female Viagra" bezeichnet wird. Die amerikanische Behörde FDA will keine Pille erlauben, die das sexuelle Verlangen von Frauen fördert. Ich bin sicher, daß Männer dies entschieden haben, was mich zu dem Thema der Antibabypille bringt, die bekanntlich von Männern entwickelt wurde und jetzt ihren 50. Geburtstag feiert, worüber erneut von Männern berichtet wird. Bei diesen Berichten fällt auf, daß immer davon die Rede ist, daß Frauen die Pille (Singular) eínnehmen muss. Genau das reicht aber nicht. Frauen müssen die Pillen (Plural) einnehmen, und das macht bekanntlich mehr Mühe. Wenn Männer diese Pillen nehmen müssten, hätten sie schon längst weiter geforscht, um es bei der Einzahl belassen zu können. Mehr können sie nämlich nicht - außer wenn sie zu Viagra greifen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 03.07.10 · 11:08 Uhr· 7 Kommentare
Anonymität anders
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
"Publish or perish", so sagt man, was nicht bedeutet, daß man gleich erschossen wird, wenn man nichts publiziert. Es bedeutet aber, daß sich dort, wo über das Publizieren entschieden wird, merkwürdige Dinge ereignen können, die Konsequenzen bis zum Nobelpreis haben können. Wer als (unbekannter) Autor etwas in einem renommierten Journal veröffentlichen möchte, bekommt zuerst anonyme Kommentare von (meist berühmten) Reviewern und wundert sich manchmal, daß kurz darauf andere Laboratorien (mit berühmten Leitern) seine Ergebnisse auch gefunden haben. Wann schafft man die Unsittte des anonymen Gutachters ab und führt dafür den anonymen Autor ein, was zur gleichen Bewertung aller eigereichten Beiträge führt und nicht die (meist amerikanischen) Promis bevorzugt, die dann nicht wegen ihrer Ideen, sondern wegen ihres Namens publizieren dürfen? Reviewer mit Namen dürfen dann in der Publikation erwähnt werden, wenn ihre Bewertung gültige Hinweise und nützliche Vorschläge liefern. Das lohnt sich für alle und macht Wissenschaft ehrlicher. Vielleicht gibt es ja Leute, die das nicht wollen und die Anonymität schätzen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 03.07.10 · 10:26 Uhr· 9 Kommentare
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