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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv März 2010
31. März 2010
Der Preis eines Teilchens
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 51
Man muss sich das einmal klarmachen - über 10.000 Physiker, Techniker und Ingenieure (die Bauarbeiter und vielen anderen zählen wir nicht mit) verbuddeln viele Miiliarden Franken und bekommen die mit riesigem Aufwand gebaute Maschine ganz normal ans Laufen - und wir jubeln, daß sich unser Bild vom Universum ändert. Was für ein Unsinn. Welches Bild haben "wir" denn? Und was ändert sich, wenn wir das legendäre Schluckauf-Teilchen - in der Fachsprache Higgs Partikel genannt - finden? Mein Bild vom menschlichen Universum würde sich schon ändern, wenn mir einer der von der Hirnwäsche des CERN Pressebüros beeinflussten Journalisten sagen könnte, was denn solch ein Teilchen wirklich ist und was es kostet? Als ob es um Teilchen wie beim Bäcker geht. Und selbst wenn wir all das finden, was die CERN gedopten Zetungsmeldungen ankündigen - dann wissen wir nur, was wir heute schon sagen können. CERN verifiziert bestenfalls, und da sei selbst die ansonsten unzulängliche Logik der Forschung vor, die Karl Popper peinlich ahnungslos präsentiert hat.
Übrigens - der wichtigste Beitrag von CERN Forschern für das Weltbild stammt von einem Mann (John Bell), der sich nicht um das Gerede der Maschinenprediger kümmerte. Der Preis seiner Leistung kommt in der CERN Bilanz gar nicht vor. Much ado about Nothing.
Autor: Ernst Peter Fischer· 31.03.10 · 07:53 Uhr· 51 Kommentare
30. März 2010
Simulanten
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 36
"Heute wird der Urknall simuliert", meldet meine Zeitung am Morgen (30.03.2010), dabei ist doch noch gar nicht der 1. April. Es ist schon komisch - erst bekommt man am LHC am CERN den Stromfluß nicht in den Griff und produziert einen technischen Kurzschluß. Dann bekommt man gleich den Anfang der Welt in den Griff und produziert einen geistigen Kurzschluß. Was mich besonder ärgert, steckt in der Tatsache, daß dieses Versprechen schon länger in den Hochglanzbroschüren steht, die in Genf verteilt werden. Offenbar lassen sich die Leute mit dem Urknall beeindrucken, selbst wenn ihnen Schwarze Löcher Angst machen. Mit dem Urknall macht man sich so wichtig wie die Hirnforscher mit der albernen Debatte über Willensfreiheit. Überall Simulanten am Werk, Leute, die so tun, als ob sie Wissenschaft treiben. Wer simuliert, kann auch den Urknall simulieren. Wie gesagt - wer den Anfang der Welt mit einem Knall erklärt, hat einen. Die Leute am CERN haben ihn sogar freiwillig - es sei denn, sie fragen die Hirnforscher. Die können uns retten.
Autor: Ernst Peter Fischer· 30.03.10 · 19:42 Uhr· 36 Kommentare
21. März 2010
Keine "Grenzen des Wachstums"
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
"Die Grenzen des Wachstums" - dieser Titel des 1972 erschienenen und berühmt gewordenen Buchs von Dennis Meadows und anderen hat zwar ein Stichwort für das 20. Jahrhundert geliefert, aber dieses Stichwort ist als eine falsche Überrsetzung zustande gekommen. Das Originalwerk heißt "Limits to Growth", also die Grenzen beim Wachstum. Um sie geht es bis heute, und und veilleicht finden wir sie, wenn wir besser mit der Sprache und ihren Grenzen umgehen. Meadows wird heute als Vater der Nachhaltigkeit gefeiert - als Father of Sustainability. Wir müssen dieses Wort verstehen und umsetzen. Dann finden wir die Limits to Growth, und mit ihnen können wir angemessen weiterleben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 21.03.10 · 07:48 Uhr· 1 Kommentar
15. März 2010
Vom Urknall zum Durchknall
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 30
"Vom Urknall zum Durchknall" - unter diesem Titel beschreibt der in München tätige Gymnasiallehrer Alexander Unzicker "die absurde Jagd nach der Weltformel" (Springer Verlag 2010). Ein zugleich amüsantes und informatives Buch, das die aberwitzigen Bemühungen und Ansprüche vor allem von den sogenannten Stringtheoretikern auf die Schippe nimmt, die meinen, die relative Schwäche der Gravitation durch Blödsinn wie "die geringe Krümmung einer fünften Extradimension" erklärt zu haben. Vieles, was die Physik heute anbietet, kann nicht mehr als Wissenschaft verstanden werden. Unzicker zitiert den holländischen Physiker ´t Hooft, der seinen Kollegen vorwirft, uns einen Stuhl zu geben, dem die Füße noch fehlen und dessen Sitz, Lehnen und Armstützen bald geliefert werden. Merkwürdigerweise nehmen wir auf diesem Stuhl Platz und klatschen Beifall. Das ist so, als ob wir uns die Frage, warum Gegenstände nach unten fallen, mit dem Hinweis beantworten lassen, daß diejenigen, die nach oben fallen, schon weg sind. Darüber kann man immerhin lachen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.10 · 21:19 Uhr· 30 Kommentare
Lügner und Parasiten
Kategorie: Kultur · Kommentare: 10
Im SPIEGEL dieser Woche (11/2010) steht endlich, was Wissenschaftshistoriker schon länger wissen, daß Carl Friedrich von Weizsäcker unter den Nazis ein Bombenbauer werden wollte und entsprechende Patente angemeldet hat. Nach 1945 hat er in der Bundesrepublik Friedensforschung getrieben, ohne sich an sein früher Leben zu erinnern. Er ist zu den 1940er Jahren so oft befragt worden, daß das Verschweigen seiner Bombenpatente von 1941 als Lüge bezeichnet werden muss. So geht mir ein weiterer Held meiner Studententage verloren. Ein (ganz) anderer ist Martin Walser, der es in diesen Tagen für nötig hält, seine Tagebücher zu publizieren (und uns für dumm verkauft, indem er versichert, daß nie gewollt zu haben). In den Tagebüchern nennt Walser den Kritiker Marcel Reich-Ranicki "parasitär" - der Schriftsteller benutzt also ein Nazischimpfwort, und das einem Juden gegenüber, der das Warschauer Ghetto überlebt hat. Wie soll man einen Mann des Wortes nennen, der dies tut und nicht bedauert? Es gibt dafür einen Ausdruck.
Autor: Ernst Peter Fischer· 15.03.10 · 18:27 Uhr· 10 Kommentare
14. März 2010
Biblische Versprechen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Ich habe den 2009 erschienenen Band über NANOTECHNOLOGIE von Joachim Schummer (edition unseld 23) bislang zwar übersehen, bin jetzt aber umso begeisterter von ihm. Der Heisenberg-Fellow der Deutschen Forschungsgemeinschaft macht in dem Buch deutlich, daß Nano eher der Vorname einer Religion als einer Technologie ist. Zum einen sind viele Themen der Nanotechnologie schon in den 1950er Jahren von den Chemikern behandelt worden. Zum zweiten stammt der Begriff aus der Ecke der Populärkultur, die von dem träumt, von dem früher die Alchemisten geträumt haben, nämlich davon, die Menschen zu verbessern ("Transhumanismus"). Und zum dritten streben die Nanoingenieure danach, bislang unverfügbare Bestände zu erfassen. Sie agieren als transzendentale Nanotechniker und drücken das biblisch aus, indem sie - wie Schummer zitiert - versprechen, "den Blinden das Sehen ermöglichen, den Lahmen das Gehen, den Tauben das Hören." Als die Nanotechnologen noch in den Windeln lagen, wurde der Philsosoph Karl Popper gefragt, was unserer Zeit Not täte - "Etwas mehr Bescheidenheit", hat er gesagt. Das muss hier wiederholt werden.
Autor: Ernst Peter Fischer· 14.03.10 · 17:06 Uhr· 8 Kommentare
05. März 2010
Ein Geheimnis, das bleibt
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Seit mehr als 100 Jahren fragen sich die Physiker, welche Formel für den Impuls eines Photons gilt, das ein transparentes Material (Glas) durchquert. Vor gut einem Jahrhundert, als die Quantennatur des Lichts bemerkt wurde, konnten zwei verschiedene Formeln abgeleitet werden. Seitdem fragt sich der Laie, welche zutrifft, und heute antwortet der Fachmann: BEIDE (Science 327, Ausgabe vom 26.2.2010, S. 1067). Was denn auch sonst?
Die alten Ableitungen hatten einmal überlegt, was passiert, wenn das Photon das Ganze (das Glas) trifft, und sie hatten dann überlegt, was passiert, wenn das Phtoton einen Teil des Ganzen (ein Atom) trifft. Beides passiert, beides ist möglich, und beides gehört somit zur Wirklichkeit. Wir wissen das schon länger und finden es nun bestätigt. Vielen Dank. Es ist eben so - wir können genau herausfinden, was ein Photon in einer bestimmten Situation kann. Wir können aber daraus nicht ableiten, was es in anderen Situation macht. Wir wissen eben nicht, was es wirklich ist. Licht bleibt voller Geheimisse, wie wir mit ihm sehen können.
Autor: Ernst Peter Fischer· 05.03.10 · 18:17 Uhr· 7 Kommentare
02. März 2010
Großforschung und große Forschung
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Die Arbeit, die 2001 ankündigte, demnächst etwas über das humane Genom zu wissen (was eigentlich?), hatte 523 Autoren. (Kannten die sich alle?) Die Arbeit, die in diesem Jahr erste (statistisch nicht abgesicherte) Daten über einen bestimmten Detektor am LHC in Cern mitteilt, hat 1968 Autoren. (Die kennen sich sicher nicht alle.) Ich wette, daß die Texte weniger Leser als Autoren haben, falls es überhaupt jemanden gibt, der sie nicht nur überflogen, sondern tatsächlich gelesen hat. Wie Karl Popper in den 1970er Jahren so schön gesagt hat - GROSSFORSCHUNG IST KEINE GROSSE FORSCHUNG. Sie ist nur teuer - und im Fall der Cern bald kaum noch möglich. Wie zu hören ist, war der Unfall, der die große Maschine 2008 lahm legte, kein Pech, er wurde vielmehr vom Design selbst bewirkt. Großforschung ist nicht nur keine große Forschung, sie ist großer Unsinn. Wie viele Autoren braucht es, um das zu beweisen?
Autor: Ernst Peter Fischer· 02.03.10 · 19:33 Uhr· 10 Kommentare
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