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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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18.02.10 · 08:11 Uhr

Und dafür wird man noch bezahlt

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur  ·  Kommentare: 3

"Und dafür wird man noch bezahlt!" - so hat ein Mitglied der Wiener Philharmoniker seine Memoiren überschrieben. Er wollte sagen, daß er für sein tolles Leben in dem tollen Ensemble eigentlich hätte zahlen müssen. Der Ästhetik Emeritus Bazon Brock vertritt eine ähnliche Ansicht. Viele wissenschaftlich tätige Menschen hätten so viel Freude am Vortragen und Schreiben, daß man dafür nicht sie, sondern die Zuhörer und Leser bezahlen sollte, die ihre Zeit opfern, um zu lauschen bzw. zu schmökern. Ein Problem mit dieser Umdrehung steckt darin, daß Rezipienten sich kaum vorbereiten, und meiner Ansicht nach wird man dafür - und nicht für die Performance - bezahlt. Aber damit sind wir beim nächsten Thema, das Brock kürzlich in einem Vortrag am Weimarer Nietzsche-Kolleg angesprochen hat. Er ist nämlich der Ansicht, daß die Wissenschaften (und die Künste) keine Probleme lösen, sondern sie generieren, und er hat offenbar zwei Stunden gebraucht, um das vorzutragen. Das Problem dieser These steckt in der Frage, was ein Problem ist. Brock meint sicher nicht Probleme der Art, wie sie jetzt Haiti hat. Er meint Fragen, die sich Forscher stellen, und sagt, daß Wissenschaft nie welche beantwortet, sondern nur neue stellt. Wenn ich das lesen oder hören muss, verschwende ich meine Zeit. Und dafür möchte ich tatsächlich bezahlt werden.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink Georg· 18.02.10 · 14:37 Uhr

Ich finde, so ganz Unrecht hat er nicht. Schließlich werden durch eine gefundene Antwort oft genug auch neue Fragen aufgeworfen.
Das finden neuer Fragen ist für mich auch fast noch spannender als die Antwort auf bestehende Fragen.

Kommentar-Direktlink Microfilosof· 18.02.10 · 22:32 Uhr

"Er meint Fragen, die sich Forscher stellen, und sagt, dass Wissenschaft nie welche beantwortet, sondern nur neue stellt."
Aus seiner Sicht, die des Ästhetikers und Kulturwissenschaftler, stimmt es 100%ig. Wissenschaftler vertiefen ihr Spezifischen Wissen und bringen somit neue Facetten, Erkenntnissen etc. hervor, welche sine qua non neue Fragen hervorbringen. Das soll der Stoff sein mit dem Philosophen arbeiten. Leider ist dem nicht so.
Sicher beantworten Wissenschaftler praktische Fragen, aber die hat Bazon Brock nicht gemeint.

Author Profile Page Jörg Friedrich· 19.02.10 · 12:02 Uhr

Die Zusammenfassung dieses Blogeintrags auf der Scienceblogs-Titelseite lautet:

Fragen und Probleme sind nicht dasselbe; Wissenschaft beantwortet keine Fragen, löst aber manch ein Problem ...

Ich frage mich, ob Sie nicht in Ihrem Eintrag geau die beiden Begriffe, die Sie in der Zusammenfassung trennen, wieder vermischen?

Ich steheübrigens auf dem Standpunkt, dass Wissenschaft sehr wohl Fragen beantwortet (wobei dann interessant ist, wer diese Fragen stellt und warum) aber nur selten Probleme löst. Und natürlich sind viele Probleme, die wir heute haben, auf wissenschaftlich-technische Antworten zurückzuführen - meist Antworten auf Fragen, die sich die Wissenschaft selbst gestellt hat.

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