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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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19.02.10 · 17:27 Uhr
Sprechweisen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Der Philosoph Peter Janich versucht in einem 2006 erschienenen Buch die Frage zu beantworten, "Was ist Information?". Dabei beklagt er überzeugend, daß vielfach nicht unterschieden wird, ob wir über einen Gegenstand sprechen oder ob von unserem Kenntníssen eines Gegenstandes die Rede ist. (Wie Niels Bohr schon sagte - Physik handelt nicht von der Natur, sondern von dem, was wir über die Natur sagen können.) So müsste es statt "biologischer Evolution" "biotische Evolution" heißen, und obwohl jemand, der ein "psychisches Problem" hat, mit einem Psychologen spricht, sollte man nicht sagen, daß er ein "psychologisches Problem" hat. Ägyptische Pyramiden sind zudem archaische und nicht archäologische Bauwerke. Warum ich das hier anführe - es gibt eine WIssenschaft, die diese Unterscheidung nicht mitmacht, und das ist die Chemie. Chemie ist beides, wie Janich schreibt, die Welt der Stoffe und die Welt der Erforschung dieser Stoffe. Könnte dies daran liegen, daß es keine Philosophie der Chemie gibt? Die Frage stellt Janich in einem anderen Buch (Grenzen der Naturwissenschaften, 1992). Was immer man darauf antwortet, kann nicht zum Lob des Philosophierens dienen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (9)
Ich bin immer wieder erstaunt, von wie wenig Sachkenntnis Ihre Philosophenschelte getrübt wird. Es gibt keine Philosophie der Chemie? Vielleicht beginnen Sie, falls Sie sich für das Thema interessieren, mit der Bestandsaufnahme "Philosophie der Chemie" von Psarros/Ruthenberg/Schummer.
Leider konnte ich diesem Beitrag ebensowenig abgewinnen wie mein Vorredner, die Kritik ist völlig unbegründet und nicht nachvollziehbar.
@Martin: Finde ich garnicht, hab jetzt mal genauer drüber nachgedacht und an meine OC- und AC-Fächer im Biostudium zurückgedacht. Da war echt nichts philosophisches bei. Da würd nicht diskutiert "ah ja dieses Teilchen könnte da sund dieses Molekül das und wie wärs wenn wir so einen Komplex erscheffen...". In interdisziplinären Fächern wie Biochemie oder Physikalische Chemie ist es allerdings schon ganz anders. Da muss man herumphilosophieren, um auf Experimente oder Ideen zu kommen. Bei der reinen organischen oder anorganischen Chemie wird hingehen (meiner Erfahrung nach) nur synthetisiert oder angezündet ohne sich größere Gedanken zu machen, im Vergleich zur Biochemie. Soll jetzt nichts böses gegen Chemiker sein, aber andere Fächer bieten mehr als die Analyse von Teilchen/Molekülen und Reaktionen.
Ich habe die Frage so verstanden:
sind Menschen sich dessen im Klaren, daß sie immer nur Interpretationen ihres Gesprächsgegenstandes besprechen?
Nein, sind die wenigsten.
Das hängt mit der Ausbildung zusammen. Eine solche logische Denkweise muß erlernt und eingeübt werden.
Zudem ist heute in unseren Breiten nicht mal mehr üblich, sich über den Begriff zu verständigen, der dem Gespräch zugrunde liegt.
So kommt es, daß jeder seine "meinung" über etwas kundtut, von dem er noch nicht mal genau weiß, ob es dem Thema seines Gesprächspartners entspricht.
Will heißen, der eine redet von der Milch, der andere von den Hörnern...
letzlich interessiert es komischerweise auch keinen wirklich, es genügt, daß er seinen Senf dazugeben konnte.
Statt erst einmal eine Definition des Begriffs zu klären... ("Kuh").
Dazu kommt, daß Menschen sehr gern linear denken, statt in Prozessen.
Und so ist kuh eben Milch oder Horn, aber schon auf Nachbars Weizenfeld.
Tja...
Das hat mal Strindberg, bezogen auf Menschen, so beschrieben:" Man kennt ja niemals einen Menschen. Man kennt nur die eigenen oder fremden Vorstellungen von ihm."
Strindbeeeeeeeeerrrg
http://www.strindbergandhelium.com/iron.html
Oder auch:
Aus Sicht des Systematikers ist eine Aussage zu einer Sache immer die Aussage einer oder mehrerer Personen zu einer Sache.
Der Webbaer kann die Kernthese des kleinen Aufsatzes nicht exakt bewerten, massive Zweifel bestehen aber. - Leider ergänzt Herr Fischer bekanntlich nie seine kleinen Artikel. Chemie als Wisenschaft ohne philosophischen Überbau, wirklich orginell. Dennoch sehr interessant, es muss ja nicht alles stimmen, was man schreibt oder sagt; gerade auch bei dieser Aussage zu einer Sache.
MFG
WB
Webbaer·
21.02.10 · 17:14 Uhr
Es ist ja noch viel schlimmer. Das Verstandene wird vom Menschen in ein mathematisches Modell übersetzt, mit all seinen Entitäten, deren Eigenschaften/Methoden und Beziehungen, und dann in Sprache gegossen (kodiert, verfälscht oder wie man das nennen will) und von anderen Menschen abstrahiert, auf gut Glück abstrahiert.@ Ernst Peter Fischer: "- es gibt eine WIssenschaft, die diese Unterscheidung nicht mitmacht, und das ist die Chemie."
Ich habe gerade zwei interessante Bücher, die über Tiere und Pflanzen berichten, gelesen. Interessant dabei ist, dass diese Bücher nur in den Fußnoten und Kommentaren von Menschen, Tiere und Pflanzen sprechen/schreiben, sonst schreiben sie über deren Bestandteile. Da stellt sich tatsächlich die Frage: wovon sprechen wir, wenn wir z. B. über Menschen und Pflanzen sprechen?
Microfilosof.
Noch einen Hinweis: die Bücher sind voll gestopft mit Chemie.