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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

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25.02.10 · 08:58 Uhr

Fordern ohne Fördern

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Wer seine Aufmerksamkeit auch nur für einen kurzen Augenblick der Geschichte der Wissenschaft zuwendet, wird erkennen, daß große Fortschritte nicht gelingen, wenn eine Disziplin Erfolg hat, sondern wenn sich viele Disziplinen einer Frage zuwenden. Die Doppelhelix aus DNA ist nicht von einem Chemiker ersonnen worden, sondern von einem Duo, das auch über Kristallographie und Bakteriologie Bescheid wusste und mit Röntgenstrahlen umgehen konnte. So fordert man seit langem Interdisziplinarität, um mit Problemen fertig zu werden. Aber man vergisst, sie zu fördern. In der Ausgabe von NATURE mit dem Datum 18.02.2010 beklagen sich die Mitglieder eines interdisziplinär angelegten Instituts namens Para Limes, das in Holland gegründet worden ist, über mangelndes Interesse der Bürokratie und fehlende Mittel. Sie weisen darauf hin, daß etwa Klimaforschung und Gesundheitsfürsorge nicht einem Fachbereich überlassen werden können, und wer sinnvoll über Energie- und Wasserversorgung nachdenken, muss mehr als Physik und Chemie können. Vielleicht brauchen wir in der Wissenschaft einen Westerwelle, der als Außenminister über den inneren Zustanb seines Landes tobt. Auf jeden Fall sollte jemand einmal laut sagen, dass uns die Spezialisten nichts mehr zu sagen haben. Wir vergessen sie selbst dann sofort, wenn sie den Nobelpreis bekommen.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (7)

Kommentar-Direktlink YeRainbow· 25.02.10 · 09:35 Uhr

irgendwo las ich mal nebenbei, daß Watson und Co die Doppelhelix gar nicht selbst ersonnen haben, sondern die Idee einer kleinen Assistentin verwendet haben...

Kann sein, - war es so, dann zeigt es wiedermal, daß der Parasit ein echtes lebensrecht auf dieser Welt hat.

Was osterwelle betrifft, so darf man getrost abwarten, wie er sich selbst demontiert....
Nur die Ruhe...

Kommentar-Direktlink MartinB· 25.02.10 · 10:45 Uhr

Zur Geschichte der DNA:
Die Röntgenanalysen hat Rosalind Franklin gemacht. Es ist richtig, dass sie auch eine Helix-Struktur vermutet hat, aber sie hatte kein fertiges Modell der Anordnung. Den Nobelpreis haben sie zusammen mit Wilkins bekommen, in dessen Labor die Röntgenanalysen gemacht wurden, Franklin war zu dieser Zeit (laut Wikipedia) bereits verstorben.

"Auf jeden Fall sollte jemand einmal laut sagen, dass uns die Spezialisten nichts mehr zu sagen haben. "
Das halte ich für eine unzulässige Pauschalisierung, die Sie vielleicht durch irgendwas (außer einer Anekdote von 1953) belegen sollten.

Kommentar-Direktlink Susan Calvin· 25.02.10 · 11:46 Uhr

> Vielleicht brauchen wir in der Wissenschaft einen Westerwelle

Plonk.

Kommentar-Direktlink RSS-Leser· 25.02.10 · 17:10 Uhr

Ich lese den RSS-Feed Naturwissenschaften. Ich vergesse immer wieder, nicht die Wissenschaftsfeuilleton-Artikel zu lesen. Aber ich weiß es immer wieder schnell, warum ich sie nicht lesen will: Im besten Fall sie nichtssagend, aber das kommt leider zu selten vor.

Kommentar-Direktlink danker· 25.02.10 · 17:19 Uhr

Nun in anderen Bereichen kennt man den Begriff des "Fachidioten", also jemanden der sein Handwerk zwar beherscht aber eben nur dieses. Seit Leibniz soll es aber keine Universalgenies mehr geben, wobei Personen mit mehr als einer Kompetenz sicherlich auch schon hilfreich wären.
;)

Kommentar-Direktlink Webbaer· 25.02.10 · 20:24 Uhr

Sie weisen darauf hin, daß etwa Klimaforschung und Gesundheitsfürsorge nicht einem Fachbereich überlassen werden können, und wer sinnvoll über Energie- und Wasserversorgung nachdenken, muss mehr als Physik und Chemie können.
Wie wahr.

Allerdings ist die Interdisziplinarität ein schwieriger Bereich. Es könnte hier schnell zu politischen Aussagen kommen und da fühlt sich dann möglicherweise die Politik in ihren Kompetenzen beschnitten.

Wir wissen ja: Generalisten gibt es nur in der Politik, das Zeitalter der Universalgelehrten ist vorbei. ;)

Beste Grüße!
WB

PS: Der mit Westerwelle war gu-ut.

Kommentar-Direktlink Microfilosof· 26.02.10 · 13:06 Uhr

So sieht interdisziplinäre Arbeit, auf höchster Ebene, in Deutschland aus:
http://www.helmholtz.de/ueber_uns/organisation/governancestruktur/.
Auf untersten Ebenen geht es meistens nur um bilaterale Zusammenarbeit.

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