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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv Januar 2010
31. Januar 2010
Der erste Urknall
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
Jerome D. Salinger ist gestorben, der Autor des "Fänger im Roggen", der von einem Jungen erzählt, der davon träumt, Kinder zu retten - als Fänger im Roggenfeld -, während er selbst zugrunde geht. Ich habe den Roman vor Jahrzehnten verschlungen - ebenso wie andere Erzählungen von Salinger, etwa "A perfect day for Bananafish" - und jetzt erneut gelesen. Und was findet sich dort auf den Seiten 106 und 114 meiner Penguin Ausgabe von 1994: Zweimal ein Big Bang und zweimal derselbe Satz: "I got a big bang out of that." Das gilt jetzt auch für mich: "I got a big bang out of that", denn die erste Ausgabe des Catchers in the Rye ist 1945 erschienen, als es also weder das Urknall Modell noch die Bezeichnung dafür gab. "Big bang" - das Wort eines Dichters, wenn es aufregend wird. Dann kann es das Geheimnis enthalten, das wir suchen, um zu verstehen, wie wir in die Welt gekommen und mehr oder weniger alleine in ihr geblieben sind - wie Holden Caulfield, der 16jährige Dropout, der sich als Fänger im Roggen nach Menschen sehnt und uns dehalb seine Geschichte erzählt.
Autor: Ernst Peter Fischer· 31.01.10 · 17:27 Uhr· 4 Kommentare
26. Januar 2010
So sinnlos
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Wir wählen seit längerem Unwörters des Jahres, und diese Idee ist nicht schlecht, auch wenn die Wahlergebnisse nicht immer zu Jubelstürmen Anlass geben (wie in diesem bzw. dem letzten Jahr). Was wir auch wählen sollten, wären die Leerwörter des Jahres, also Wörter, die keine Bedeutung mehr haben, weil jeder sie nach seinem Gusto - also beliebig - benutzt. Ein klassisches Beispiel steckt in "genetisch", das aus dem 18. Jahrhundert stammt und folglich nicht von Genen abgeleitet sein kann. Ein modernes Beispiel ist das Netz, das früher zum Einkaufen oder Fischen diente oder im Fußballtor zu finden war, während es heute alles und nichts meint - es gibt Netzwerke bei Ameisen und Netzwirtschaft beim Menschen (und noch viel mehr). Wenn das Netz alles meinen soll, fügen wie gerne noch Werke hinzu - Netzwerke werden dann betrachtet. Das ist es, was wir suchen, nämlich das sinnloseste Wort des Jahres.
Autor: Ernst Peter Fischer· 26.01.10 · 15:15 Uhr· 5 Kommentare
24. Januar 2010
Ein Ding wie der Mensch
Kategorie: Kultur·Medizin · Kommentare: 4
"Die Maschinen übernehmen das Denken", wie uns die FAZ am 15. Januar 2010 mitteilte, um dabei nachzuweisen, daß ihre Redakteure keine Maschinen sind. Das Denken scheint nicht mehr beliebt, denn wie kann es sonst erklärt werden, daß dort jemand Furore mit dem Satz machen kann, daß absolute Böse bestehe darin, Menschen wie Dinge zu behandeln. Der Satz soll aus dem Jahre 1975 stammen und eine tiefe Weisheit der Moderne und ihren Maschinen verkünden. Weiß tatsächlich niemand in der klugen FAZ-Meute, worin der Triumph des 19. Jahrhunderts bestand, nämlich darin, den Menschen zum Gegenstand zu machen, und zwar dann, wenn er als Patient einem Arzt gegenübersitzt. Objektivität war das Ziel, und das heißt, man machte den Kranken und sein Leiden zum Ding. Was spannend wäre - zu untersuchen, warum der Mensch kein Ding werden will und wie er erfolgreich sich dagegen gewehrt hat. Aber um das zu tun, müssten die Readakteure das Denken übernehmen, das sie gerade so schön losgeworden sind.
Autor: Ernst Peter Fischer· 24.01.10 · 11:58 Uhr· 4 Kommentare
Eine neue Art von Müll
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Die Zeitung, hinter der sich angeblich kluge Köpfe verstecken, beglückt ihre Leser eit einiger Zeit mit einem immer geschwätziger wirkenden Feuilleton. "Wie hat das Internet Ihr Denken verändert", hat man dort am 8. Januar fragen lassen, und die Antworten zeigen vor allem, daß niemand etwas mit dem Begriff "Denken" etwas anfangen kann (das sich dauernd verändert, Internet hin oder her). Der superkluge Herausgeber Frank Schirrmacher lässt zahlreiche meist nur vor sich hin plappernde Autoren lauter dummes Zeug verkünden - Beispiel: "Unsere Maschinen sind Verkörperungen unserer Vernunft" -, das sich zu höchstem Unsinn steigert: "Seitdem ich mehr Zeit in der lauschigen Stille meiner Bibliothek verbringe, ... spüre ich, dass dies meinen Genen entspricht." Wir wissen alle, dass das Internet viel Müll enthält und produziert. Das Feuilleton hat es ihm nachgemacht. Wir bekommen jetzt eine neue Art von Müll - Müll mit Bedeutung. Wie hat das Internet das Denken der FAZ verändert? Es scheint es zur Ruhe gebracht zu haben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 24.01.10 · 11:44 Uhr· 2 Kommentare
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