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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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25.11.09 · 08:44 Uhr
Sprachblasen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Naturwissenschaftlern wird oft und gerne vorgeworfen, unverständlich zu sprechen. Ich habe noch nie gehört, daß man Wirtschaftsfachleuten oder -journalisten ähnliches vorwirft. Sie scheinen alles verständlich zu sagen und zu schreiben. So heute zum Beispiel in der FAZ (25.11.09, S. 17). Das teilt ein Ökonomieprofessor mit, ohne hohe Verschuldung würden Hedge-Fonds nicht rentabel arbeiten; sie könnten durch eigenes Handeln nur eine monatliche Eigenrendite von 0.1 Prozent erzielen, und zwar durch Trendfolgemodelle.
Das ist nur der einfache Anfang des Textes. Ich wundere mich, daß dabei niemand aufschreit. Aber hier geht es ja nicht um die Naturwissenschaften, auf die jeder Idiot eindreschen darf, wenn er sich nur dumm genug stellt und lautb genug warnt. Hier geht es um Geld. Und da hoffen wir doch alle, daß unser Trendfolgemodell ohne Klumpenrisiken und mit geeigneten Short-Anteilen an der spekulativen Kreditschöpfung ohne Blasenbildung am Vermögensmarkt überlebt. Oder so ähnlich.
Autor: Ernst Peter Fischer· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Kennen Sie den Bullshit-Generator? Ein webbasiertes Werkzeug zur Erzeugung sinnloser und unverständlicher Texte, wie z. B. dieser Satz:
"Euphemistisch ausgedrückt abstrahiert das medianisiert nutzungsintensive Security-Bulletin des Datenschutzes einen kongenial transaktionssicheren Gewinn der Zukunftsprognose und präsentiert insofern eine subtraktiv Detailanalyse auf der Rückkehr zur Fond-Rücklagen des Consumer-Marktes."
http://homepageberatung.at/cont/junk/bullshit_generator/index.php
Der folgende Artikel ist auch interessant.
*Intellektuelles Geschwätz. Intellektualistischer Sprachstil als erfolgreich scheiternde Einrichtung zur Erzeugung von Übersinn*
Schmitz, Ulrich, Universität Duisburg-Essen
Intellektualistische Texte haben einen eigenen Stil. Zum einen werden viele Wörter verwendet, die im Alltag selten oder gar nicht vorkommen, und zwar häufig so, dass der gleiche Gedanke mit gebräuchlicheren Worten ebenso treffend oder sogar besser und richtiger ausgedrückt werden könnte. Zum anderen werden Sätze derart lang und verschachtelt konstruiert, dass der Leser mehr Mühe zur Analyse des Satzes als zum Verständnis der vorgetragenen Gedanken verwenden muss. Solch intellektualistischer Stil speist sich aus einer Mischung von vorgetäuschter Expertise und sozialem Autismus: der sprachliche Aufwand ist höher als der gedankliche, damit der Verfasser sich als Mitglied seiner intellektuellen Kaste ausweist und dadurch höheres Ansehen erschleicht, dass er anderen gegenüber unverständlich erscheint.
Eheleute trennen sich und kämpfen um die Kinder. Der eine Experte rät zu "erhöhter Sozialkompetenz", der andere warnt vor "habitualisierter Fehlkommunikation". Ein Patient mit plötzlichen heftigen Kreislaufstörungen erfährt nach einer Woche ausgedehnter medizinischer Untersuchungen seine "Diagnose": "kryptogene Dystonie". Auf deutsch heißt das: "Störung (des normalen Spannungszustandes), deren Herkunft verborgen ist"; das sagt ihm aber niemand.
Jeder von uns kennt solche Fälle. Intellektuelle Experten antworten auf Probleme im Leben oft in einer Sprache, die das Problem ausgrenzt, scheinbar identifiziert, mit einem Namen belegt und so den Anschein erweckt, als habe man es im Griff. Oft ist aber das Gegenteil der Fall. Das Problem scheint durch Benennung beherrschbar. Doch der intellektuelle Rat verdeckt die tatsächliche Ratlosigkeit.
Nicht selten wird damit viel Geld gemacht. Gutachter und Therapeuten aller Art verwalten alltäglich ungelöste Probleme mit ihrer Sprachgewalt. Wir erkennen intellektuelle Sprachgewalt an, um Verantwortung professionalisieren und uns damit freikaufen zu können
http://www.linse.uni-due.de/linse/publikationen/geschwaetz.html
Danke, Joe, sowas hab ich schon länger gesucht. Ich hatte aber nur den Begriff "Phrasomat" im Kopf.
Das Programm ist natürlich ein unerlaubtes Hilfsmittel beim "Bullshit-Bingo"...