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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Archiv November 2009
26. November 2009
Fernsehklage
Kategorie: Kultur · Kommentare: 19
Das Fernsehen wird immer schlechter und überflüssig. Wann schaut endlich niemand mehr hin?
Zwei Bespiele: Gestern (25.11.09) hat sich die als politisch brisant eingestufte Sendund "Hart aber fair" mit Fernsehköchen beschäftigt. Gibt es keine andere Themen, etwa aus der Wissenschaft den Neustart des Genfer Beschleunigers? Die Themen gibt es, aber dafür sind die Leute beim Fernsehen zu dumm, viel zu dumm.
Heute (26.11.09) zeigen sie uns die Bambi-Zeremonie - da treten wieder nur Leute auf, die nur dadurch bekannt sind, daß sie im Fernsehen auftreten. Sonst können sie nichts. Was zeigt man uns nicht - die Nobelpreis-Zeremonie. Warum nicht? Dafür sind die Leute im Fernsehen zu dumm, viel zu dumm.
Warum lassen wir uns das eigentlich gefallen? Es gibt doch Politiker, die dauernd etwas abschalten wollen. Beim Fernsehen können sie beginnen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 26.11.09 · 09:15 Uhr· 19 Kommentare
25. November 2009
Sprachblasen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Naturwissenschaftlern wird oft und gerne vorgeworfen, unverständlich zu sprechen. Ich habe noch nie gehört, daß man Wirtschaftsfachleuten oder -journalisten ähnliches vorwirft. Sie scheinen alles verständlich zu sagen und zu schreiben. So heute zum Beispiel in der FAZ (25.11.09, S. 17). Das teilt ein Ökonomieprofessor mit, ohne hohe Verschuldung würden Hedge-Fonds nicht rentabel arbeiten; sie könnten durch eigenes Handeln nur eine monatliche Eigenrendite von 0.1 Prozent erzielen, und zwar durch Trendfolgemodelle.
Das ist nur der einfache Anfang des Textes. Ich wundere mich, daß dabei niemand aufschreit. Aber hier geht es ja nicht um die Naturwissenschaften, auf die jeder Idiot eindreschen darf, wenn er sich nur dumm genug stellt und lautb genug warnt. Hier geht es um Geld. Und da hoffen wir doch alle, daß unser Trendfolgemodell ohne Klumpenrisiken und mit geeigneten Short-Anteilen an der spekulativen Kreditschöpfung ohne Blasenbildung am Vermögensmarkt überlebt. Oder so ähnlich.
Autor: Ernst Peter Fischer· 25.11.09 · 08:44 Uhr· 2 Kommentare
24. November 2009
Nichts
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Der Literaturwissenschaftler Peter von Matt hat sich in einem Vortrag "über die Wissenschaft in der literarischen Phantasie" geäußert und sich dabei Gedanken über die Fragen gemacht, warum Wissenschaftler zum einen nur als Verbrecher (wie Faust), Narren (wie Dr. Strangelove) oder Heilsbringer (wie Robert Koch) gesehen werden, und was eigentlich zum zweiten das unausrottbar scheinende Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft hervorbringt, das vor allem hervortritt, wenn sie sich mit der Natur beschäftigt. Es scheint etwas mit dem "unvergessenen Verrat am Mythos" zu tun zu haben, der noch in der Lage war, die Welt als Ganzes zu deuten. Es scheint aber vor allem damit zu tun zu haben, daß die Öffentlichkeit nichts von dem weiß, was ein Wissenschaft im Alltag tut, und - nach Peter von Matt - sie will es auch gar nicht wissen. Sie will erst bedient und dann in Ruhe gelassen werden. Die professionellen Vermittler der Wissenschaft sollten das wissen oder sich anderen Aufgaben zuwenden. Oder könnte die Wissenschaft einen neuen Mythos der Ganzheit schaffen? Goethe war der Meinung, daß das geht. Man muss sie dazu als Kunst denken. Fangen wir damit an und hören wir mit dem anderen Blödsinn auf, der sich als Vermittlung anbietet.
Autor: Ernst Peter Fischer· 24.11.09 · 13:13 Uhr· 8 Kommentare
23. November 2009
Ein gutes Gesetz
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 24
Die katholische Kirche bringt immer wieder bösartigen Blödsinn hervor. Das scheint ein Gesetz zu sein. Kürzlich meinte ein Kardinal, der Biologe Dawkins sei wie der Führer Hitler, da beide im Menschen nur Vehikel für Gene sähen. Zum Glück aber gibt es noch ein Gesetz, und zwar ein gutes. Es heißt Godwins Gesetz (nomen est omen) und besagt, daß derjenige, der einen Vergleich mit den Nazis anführt, dabei verliert. Der Kardinal verliert auf jeden Fall, weil er Dawkins mit seinem unsäglichen Vergleich in die Knie zwingen wollte, als der britische Biologe sich gegen die Behauptung zur Wehr gesetzt hatte, Darwins Buch sei ein sakraler Text wie die Bibel. Wie viel Unfug glauben die Katholiken tatsächlich? Wie stumpfsinnig sind sie und ihre Herren wirklich? Man könnte meinen, sie wollten es ihren Feinden leicht machen. Vielleicht ist das auch ein Gesetz.
Autor: Ernst Peter Fischer· 23.11.09 · 14:33 Uhr· 24 Kommentare
16. November 2009
Generosity
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Ich habe das Buch noch nicht ausgelesen - aber ich will es jetzt schon empfehlen. Der Autor heißt Richard Powers, und sein Roman trägt im amerikanischen Original den Titel "Generosity", was wichtig ist, weil in diesem Wort - erst unauffällig und dann deutlicher - das Wort "Gen" - "Gene" steckt. In der deutschen Übersetzung - Das größere Glück - geht der Witz völig verloren. Natürlich geht es um Glück - und seine mögliche genetische bzw. molekulare Grundlage -, aber es geht auch darum, daß die Glückliche ihr Glück an andere verschwendet - es geht um ihre Generosity. Wunderbar an dem Buch ist nicht nur der Umgang des Autors mit der Wissenschaft. Wunderbar ist vor allem die von ihm vorgeführte Hilflosigkeit der Gesellschaft, die anscheinend nach Glück strebt und sich dann völlig unfähig derjenigen gegenüber erweist, die es - auf ihre hier nicht verratene Weise - gefunden hat. Wir haben das größere Glück nicht verdient, auch wenn uns eine Studentin es leicht macht will. Wir können es aber lesen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 16.11.09 · 13:57 Uhr· 2 Kommentare
10. November 2009
Schuld und Gene
Kategorie: Kultur · Kommentare: 11
Im Jahre 2007 hat ein Mann gestanden, einen anderen erstochen zu haben. Er wurde zu neun Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt, wobei mich solche Strafen als Laien immer verwundert haben. Warum nicht neun Jahre, zwei Monate, zwölf Tage und vier Stunden oder so? Was ist, wenn der letzte Monat ein Februar ist? Doch solche Fragen verblassen angesichts der Tatsache, daß ein Berufungsgericht die Strafe um ein Jahr verkürzt hat, weil der Mörder Träger eines Gens ist, das die Wissenschaft mit einem agressiven Verhalten in Verbindung bringt (New Scientist vom 7.11.2009, S. 6). Sehr viel Unfug auf einmal: Zum einen versteht niemand genau die Gen-Aggression-Verbindung, zum zweiten hat die Fähigkeit zur Aggression eine biologische Bedeutung und wenig mit der sinnlosen Gewalt eines Mordes zu tun, drittens kann der nächste Richter bei unklarer Beweislage durch das Vorhandensein einer Genvariante mit aggressivem Touch zu einem Schuldspruch verleitet werden, und so weiter. Es ist offenkundig: Wir sind eine Gesellschaft des wissenschaftlichen Analphabetentums - bis hinauf zum Richterstuhl. Da könnte man glatt aggressiv werden und zuschlagen.
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.11.09 · 08:51 Uhr· 11 Kommentare
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