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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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29. Oktober 2009
Die Evolution geht weiter
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Ein Grund, weshalb Darwin mehr seiner Naturforschung als der Naturtheologie traute, bestand - scheinbar paradox - darin, daß die Naturtheologie alles genau zu wissen vorgab. So sollte Gott die Welt im Jahre 4004 BC, und zwar am 23.10. des Jahres um 9.15h geschaffen haben. Genauigkeit kann tödlich sein, wenn sie Unsinn wird. Das gilt auch für die Naturwissenschaften. In der Ausgabe vom 24.10.09 berichtet New Scientist (S. 14), daß ein Evolutionsforscher herausgefunden hat, daß die Evolution weiter geht, und zwar vor allem bei Frauen. Sie werden im Jahre 2409 zwei cm kleiner und 1 kg schwerer sein. Sie werden ihr erstes Kind 5 Monate früher bekommen und ihre Menopause 10 Monater später. Jetzt fehlt nur noch, daß wir den Tag erfahren, an dem die Werte erreicht werden.
Autor: Ernst Peter Fischer· 29.10.09 · 09:01 Uhr· 5 Kommentare
28. Oktober 2009
Das Genom - kostenlos oder umsonst?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Im Oktober 2009 fand in dem auf Long Island gelegenen Cold Spring Harbor Laboratorium eine Tagung statt, die sich mit "Personal Genomes" beschäftigte, also mit der Möglichkeit, daß wir eines baldigen Tages als Baisinformation die genetische Information unser Zellen bekommen. Als im letzten Jahrhundert zum ersten Mal über die Offenlegung der drei Milliarden Bausteine eines menschlichen Genoms nachgedacht wurde, kostete das Unterfangen einer vollständigen Sequenzierung noch 3 Milliarden Dollar - ein Dollar pro Baustein. Im letzten Jahr gab es Genome für eine Millionen Dollar, in Seattle kosten sie nur noch 20.000 Dollar, Biotech-Unternehmen sind davon überzeugt, daß sie die genetischen Daten für 1000 Dollar liefern können, und eine Prognose sieht vor, daß Genome bald nichts mehr kosten. Die Technik wird so fortschreiten, daß es nicht lohnt, dafür Rechnungen zu stellen, und das ganze Genom kann in einer Stunde erledigt sein. Das heißt, dann kann die Arbeit beginnen, nämlich die Deutung der Daten. Und sie wird ihren Preis haben. Vielleicht liegt er so hoch, daß niemand seine kostenlosen Genomdaten will. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Vielleicht steht diese Einsicht am Ende aller persönlichen Genome. "Ein großer Aufwand schmählich ! ist vertan" - meint schon Faust.
Autor: Ernst Peter Fischer· 28.10.09 · 12:47 Uhr· 6 Kommentare
18. Oktober 2009
In der Medizin nichts Neues
Kategorie: Medizin · Kommentare: 31
Die menschliche Gesundheit und der dazugehörige Körper sind sicher kompliziert (jedenfalls komplizierter als Intergralrechung). Aber die Mediziner denken sich alles sehr einfach. Früher - in der Antike - machte man Flüssigkeiten für Krankheiten verantwortlich - solche die man sehen konnte wie Blut, Schleim und Galle, und solche die man nicht sehen konnte - die nannte man Virus - giftiger Saft. Unter Virus verstehen wir heute etwas anderes, nämlich ein konkretes (wenn auch kleines) Ding. Das passt aber genau, denn erneut machen wir in unseren Tagen Viren für Krankheiten verantwortlich, und das geht, weil wir uns seit dem 18. Jahrhundert daran gewöhnt haben, solide Gegenstände als pathologische Quelle deuten. Das ist einfacher, die kann man besser angreifen. Sie werden dabei zunehmend kleiner - erst Organe, dann Zellen, dann Bakterien, zuletzt Viren und Gene. Kleiner geht es nicht. Bleibt zu fragen, ob es wirklich alle Krankheiten sind, die durch solche Dinger ausgelöst werden. Bislang gab es Kandidaten, die sich dem entzogen - Magengeschwüre und Diabetes zum Beispiel. Sie schienen stark vom "life style" anzuhängen (Stress, Diät). Dachte man. Seit einigen Jahren zeichnet die Medizin Männer aus, die auch da pathologische Partikel finden, wo sie bislang fehlte. Ärzte halten gerne an ihrem Paradigma fest. Lernen sollen die Patienten.
Autor: Ernst Peter Fischer· 18.10.09 · 21:08 Uhr· 31 Kommentare
12. Oktober 2009
Kombinieren
Kategorie: Technik · Kommentare: 4
Technikgeschichte scheint an Interesse zu gewinnen. Wir haben auf das Blumenberg Buch zur "Geistesgeschichte der Technik" hingewiesen und können heute auf die Bemühungen des Ökonomen W. Brain Arthur verweisen, "The Nature of Technology" zu verstehen. Es geht dem Autor um die Frage, "What it is and how it works", wobei das "it" die Technik ist, die vom Klo bis zum PC und in alle Richtungen darüber oder darunter hinaus reicht. Arthur erkennt, daß neue Techniken durch Kombination aus alten Verfahren entstehen, und er nennt das "combinatorial evolution", was zutrifft. Mit dem Wort fühlt er sich zu sagen verpflichtet, was die technische von der biologischen Evolution unterscheidet, und da meint Arthur, daß das Leben ohne Kombinieren auskommt. Wer würde auch schon ein Organ, das bei Lemuren funktioniert, mit einem kombinieren, das Iguanas hilft, so wird der Leser gefragt, der zu Nicken geneigt ist, aber nur bis ihm auffällt, was der eigentliche Prozeß der Gene ist, den man ihm schon in der Schule erklärt hat. Gemeint ist die Rekombination, die wir inzwischen als Gentechnik - als Technik also - praktizieren. Evolution erfolgt durch Kombination. Wie denn sonst? Die Natur liegt vor. Sie ist uns ohne Technik gegeben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 12.10.09 · 15:57 Uhr· 4 Kommentare
10. Oktober 2009
Im Ernst
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 5
Aus dem Nachlaß des Philosophen Hans Blumenberg hat der Suhrkamp Verlag ein Buch mit dem Titel "Geistesgeschichte der Technik" zusammengestellt. In ihr kommt zwar kein Techniker vor, aber Ignoranz dieser Art kennt man ja aus der Philosophenecke. Immerhin taucht der Name eines Physikers auf, und zwar der von Werner Heisenberg, den Blumenberg mit der Bemerkung zitiert: Die Sätze der modernen Physik seien "sehr viel ernster als die der griechischen Philosophen". Nach einigem Murren über den für seine Zunft ärgerlichen Satz räumt Blumenberg ein, daß Heisenberg recht habe. In der Physik herrsche eine neue Ernsthaftigkeit - was viele philosophische Bemühungen lächerlich erscheinen lässt. Wer Heisenberg sorgfältig liest (ihn ernst nimmt), kann manche Überraschung erleben - etwa seinen Hinweis, daß man in dem Moment, in dem man die Existenz von Atomen ernst nimmt, erkennt, daß eine vollständige Kausalerklärung der Welt ausgeschlossen ist. Wann nehmen die Hirnforscher mit ihren unsinnigen Debatte um die Freiheit des Menschen diesen Satz ernst? Das Spielerische gehört zur Forschung. Der Ernst aber auch.
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.10.09 · 14:13 Uhr· 5 Kommentare
Namen, die keiner mehr kennt
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Die große Woche der Ankündigungen ist vorbei. Die Namen der Nobelpreistäger sind bekannt. Tatsächlich? Wer erinnert sich denn noch an den Namen eines Ausgezeichneten? Ich meine weder Herta Müller noch den amerikanischen Präsidenten, sondern die Preisträger für die Naturwissenschaften. Noch sind sie gar nicht ausgezeichnet, noch waren sie nicht in Stockholm, noch haben sie kein Geld bekommen - und schon haben wir sie vergessen. Oder? Hand aufs Herz und großes Indianerehrenwort: Wer kann sagen, wer den Physik-Chemie-Physiologie-Nobelpreis (wofür?) bekommen hat. Wer hat überhauot versucht, sich die Namen zu merken? Und wie hießen die Laureaten des letzten Jahren?
Wir kennen sie nicht, und wir brauchen sie nicht zu kennen, wir sollten aber fragen, warum das so ist. Meine einfache Anwtort lautet: Wir vergeben die Nobelpreise nach den Ideen den 19. Jahrhundert. Das ist schon länger vorbei. Nur in der Schwedischen Akademien noch nicht.
Autor: Ernst Peter Fischer· 10.10.09 · 14:04 Uhr· 6 Kommentare
02. Oktober 2009
Gene für den Abfall
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Das Wort "Gen" stammt aus dem Jahre 1909, und so feiert der Begriff in diesen Tagen seinen 100. Geburstag. Gefeiert wird wenig, d.h. gar nicht. Meine Angebote an Verlage, ein Buch zum Jubiläum zu verfassen, wurden nicht angenommen, was nur eine Feststellung und keine Klage ist. Die Klage kommt jetzt, und zwar über ein Buch, das doch noch zum Thema des Gens erschienen ist und "Das Gen in Zeitalter der Postgenomik" heißt (erschienen in der edition unselig, wie ich sie nenne). Die beiden Autoren wollen eine "wissenschaftshistorische Bestandaufnahme" bieten, wie sie sagen. Und das tun sie auch und zwar so langweilig, daß man Mühe hat, die kaum 120 Seiten Text durchzuhalten. Wenn für die Öfefntlichkeit (für die das Buch doch da sein soll) überhaupt etwas an dem Gen von Interesse ist, dann die Antwort auf die Frage, warum jeder das Wort so gerne benutzt, auch wenn niemand so recht weiß, was gemeint ist, wenn man etwa von "Genen für Tore in letzter Minute" spricht, die bei Fußballmannschaften zu finden sind ("Bayerngene"). Das Gen gehört zum festen Wortbestand unserer Kultur, und eine amtliche Bestandsaufnahme müsste ein paar Sätzchen dazu riskieren. Sonst kann man darauf verzichten. Das Gen ist spannender, als die Autoren denken. Es wird noch da sein, wenn vieles auf dem Abfall gelandet ist.
Autor: Ernst Peter Fischer· 02.10.09 · 15:35 Uhr· 1 Kommentar
01. Oktober 2009
Deutsch und Englisch
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Dies ist eine persönliche Klage. Wen das nicht interessiert, sollte nicht weiterlesen. Es geht darum, daß ich über deutschsprachige Wissenschaftler auf Deutsch schreibe, ohne daß meine Bücher von deutschsprachigen Journalisten zur Kenntnis genommen werden. Dieses Gejammere alleine wäre natürlich lächerlich, gäbe es nicht den Tatbestand, daß die englischsprachigen Texte über dieselben deutschsprachigen Größen der Wissenschaft bei deutschsprachigen Journalisten sehr wohl Aufmerksamkeit finden, während meine deutschsprachigen Darstellungen immerhin in englischsprachigen Blättern Erwähnung finden. Nun könnte es ja sein, daß die englischsprachigen Bücher über die deutschsprachigen Forscher besser sind. Aber die deutschsprachigen Rezensenten meckern darüber, wie schlecht bzw. harmlos der Stoff in englischer Sprache dargestellt wird. Warum lesen sie nicht das, was in ihrer Muttersprache vorliegt? Vielleicht ist ja nicht so schlecht wie ihr Englisch.
Autor: Ernst Peter Fischer· 01.10.09 · 11:06 Uhr· 5 Kommentare
Weder Zurück noch Zufall in der Evolution
Kategorie: Naturwissenschaften
Evolution geht vorwärts und erreicht Fortschritte - das ist klar,leuchtet ein, macht aber trotzdem Problem. Die dazugehörigen molekularen Schritte sollen doch zufällig sein, und dann ist nicht einzusehen, warum sie nicht ebenso gut zurück laufen können. Biologen aus Oregon und Atlanta (Nature 461, S. 515) haben nun gezeigt, warum das nicht so einfach geht. Die Evolution ist wie eine Art Klinkenrad mit Sperrhaken, und solch ein Gebilde geht nur in einer Richtung. Der Rückweg ist mechanisch versperrt. Ein wunderbares Ergebnis, das durch einen wundersamen Wortgebrauch noch besser wird. Die Biologen verzichten endlich auf das wenig aussagekräftige "Zufall" und ersetzen diesen faulen Begriff durch "contingency", also durch Kontingenz. In diesem Wort steckt durch die Vorsilbe "Kon" ein Zusammenspiel, und genau das braucht die Evolution. Sie kommt nicht durch Zufälle weiter (und noch weniger zurück), sondern durch Kontingenz, also dadurch, daß sich Dinge berühren (contingere). Berühren hat viele Vorteile. Greifen wir zu.
Autor: Ernst Peter Fischer· 01.10.09 · 10:50 Uhr· 0 Kommentare
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