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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv September 2009

21. September 2009

Anbindequerschnitte mit Selbstabschreckung

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 7

Ich habe in diesen Tagen das Vergnügen, technische Literatur zu lesen. Es geht mir darum, die neuen Verfahren zu verstehen, mit denen gelötet, gefügt, geschweisst und vieles andere gemacht wird. Die Sprache ist dabei herrlich - so viele neue Wörter: Zerspantechnik, Gefügeänderung, Pulsenergieschwankung, Fügepartner, Anbindequerstelle, programmierbare Nahtgeometrie, Prozeßlicht, Laserabschlußfenster, Spaltbreitenüberbrückung, Minimalmengenschmierung, Leichtbaumischverbund, Innenhochdruckumformen, verzugsfreie Prozeßführung, Selbstabschreckung, Maskenbelichtung, Bereichsproduktaudit, keyholenahe Schmelze, Systemintegration für das Volumengeschäft, Pulsperformance, Niedrigtemperaturdünnschichttransistor, Pump-Wellenleiter, ... Wenn ich nur wüsste, wo man die alle anwenden kann. Denn das Gemeinte wird wohl funktionieren - in der Praxis auf jeden Fall.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.09.09 · 16:39 Uhr· 7 Kommentare

Ungebildet

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 5

Wahlkampf - eigentlich kein Thema für die Seiten der Wissenschaft, die ja auch von niemandem erwähnt wird. Immerhin ist von Bildung die Rede, die in sämtlichen Lagern als Recht der Menschen angepriesen wird. Was für ein Unsinn! Vom Recht auf Bildung kann nur reden, wer sie selbst noch nicht hat und also ungebildet ist. Der kleinste Funken Bildung reicht, um sie als Verpflichtung von Menschen zu erkennen.
Was wäre wohl, wenn die Parteien den Menschen das "Recht auf Schulbildung" verkündeten? Wie viele von denen, die heute das Recht auf Bildung proklamieren, würden dieses Recht denn nutzen? Niemand! Oder: Fast niemand. Der preußische Staat hat schon gewusst, warum er eine Schulpflicht einführt. Und entsprechend sinnvoll ist es, von einer Bildungspflicht zu sprechen. Das gilt auch für die Vermittlung von Wissenschaft. Es gibt mehr eine Holschuld des Publikums als eine Bringschuld der Forschung. Wer - wie die Politiker seit den Tagen von Helmut Schmidt - nur von dieser Bringschuld redet, ist ungebildet.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.09.09 · 10:45 Uhr· 5 Kommentare

Unverschlüsselt

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Craig Venter (*1946) hat die Genetik kommerzialisiert wie niemand vor ihm, und er hat sich viele Feinde gemacht, als er sein eigenes genetisches Material hat sequenzieren lassen, ohne das offen zu legen. Er ist ein Alpha-Tier, und in seiner 2007 in den USA erschienenen Autobiographie macht er alle platt, die nicht seiner Ansicht sind. Er hält sich für den Größten und ist sicher der Reichste. Nun liegt das Buch auf Deutsch vor. Es heißt "Entschlüsselt", lohnt auf jeden Fall die Lektüre und ist ein paar Anmerkungen wert. Venter bezeichnet sich auf der letzten Seite als chemischen Apparat, der seine Sequenz betrachten kann. Ein Apparat also, was nicht unbedingt nach Mensch klingt. Und dieser Apparat will andere Apparate bauen, die er künstliches Leben nennt. Er glaubt, erst dann das Leben verstanden zu haben, wenn er es herstellen ("erzeugen") kann. Venter übersieht, was die Mathematiker schon seit Jahrzehnten wissen, nämlich daß es leichter ist, einen neuen Code zu schreiben, als einen alten zu verstehen. Venter versteht nicht viel vom Leben - außer der Technik, es zu zerlegen. Das steht in seiner Autobiographie - und zwar unverschlüsselt. Die Gene sind nicht alles, wie er den Lesern nach über 500 Seiten erzählt, nachdem er die ganze Zeit etwas anderes behauptet hat. Ein Schuft, der Böses dabei denkt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 21.09.09 · 10:27 Uhr· 4 Kommentare

08. September 2009

Neue Gene, neues Glück

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Der Mensch und seine Gene - ein endloses Thema, da wir immer noch nicht wissen, wieviele Gene Menschen haben. Vielleicht kann man die Frage stellen, wie viele Gene Menschen nicht haben. Gemeint ist, wie viele Gene anderer Organismen es gibt, auf die wir verzichten müssen? Das Thema drängt sich als Folge der Nachricht auf, daß man drei Gene gefunden haben will, die nur beim Menschen vorkommen (New Scientist, 5.9.09, S. 15). Ihre DNA Sequenzen sollen ganz plötzlich aufgetreten sein (und vorher keine Funktion gehabt haben). Vielleicht verschwinden sie ebenso plötzlich - nicht im Leben, sondern aus den Medien. So nett Meldungen von besonderen Genen sind, so merkwürdig ist stets die Begleitmusik, die dabei gespielt wird. Ständig findet sich ein Forscher, der seine Entdeckung durch den Hinweisn aufwerten will, daß dieser Art der Genevolution bisher als ausgeschlossen betrachtet worden ist. Dabei wird doch weniger ein Erkenntnisgewinn und eher die Hilfosigkeit der Bemühungen um Verstehen erkennbar. Wir wissen jetzt, daß er nicht wusste, daß er nicht viel wusste. Immerhin haben wir neue Namen für neue Gene, deren Funktion niemand kennt. Gut zu wissen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 08.09.09 · 11:14 Uhr· 2 Kommentare

04. September 2009

Der einsame Pol und sein einsamer Erfinder

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Die Nachricht lautet einfach und wirkt nicht besonders aufregend: "Magnetische Monopole nachgewiesen." Sie kam zum ersten Mal im letzten Jahr, traf aber auf Skepsis, weil es früher auch solche Behauptungen gegeben hat, und zwar von Leuten, die für den Nachweis mit dem Nobelpreis belohnt werden wollten. Jetzt (2009) gibt es aber eine Bestätigung, und damit können wir auf die frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts blicken, als der Engländer Paul Dirac raffiinierte Gleichungen der Physik formulierte, mit denen die Existenz von Antimaterie und Monopolen vorhergesagt wurde. Dirac enthüllte die Realität aus der mathematischen Form, die er so wählte, daß sie Kriterien für Schönheit - etwa Symmetrie - erfüllte. Dirac fand die Schönheit einer Theorie wichtiger als ihre Korrektheit vom Vorhersagen von experimentellen Ergebnissen, und das Finden des Monopols macht klar, daß dies ein Weg ist, den er ernst zu nehmen gilt. Nur wird er nirgendwo gelehrt. Dirac wusste, daß es magnetische Monopole gibt, weil er so verstehen konnte, warum die elektrische Ladung in Quantenform vorliegt. Jetzt wissen wir auch, daß es Monopole gibt. Aber wir verstehen dadurch nicht mehr als Dirac. Wir verstehen eher weniger von Dirac. Dabei ist seine Physik wirklich elegant.


Autor: Ernst Peter Fischer· 04.09.09 · 09:06 Uhr· 3 Kommentare

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