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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv August 2009

28. August 2009

Am Wasser haben wirs gelernt

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Neulich hat ein Herausgeber der FAZ bekannt, beim Ackermann-Abendessen im Bundeskanzleramt dabei gewesen zu sein. Sonst hätte er den Bild-Zeitungs Chef nicht beim Spargelessen beobachten können. Jetzt wissen wir, wo die Kultur gemacht wird.
Ich möchte auch etwas bekennen, nämlich daß ich aus Konstanz bin, der kleinen Stadt mit der großen (Elite-)Universität, und wir haben uns um die Ehre beworben, Stadt der Wissenschaft zu werden. Zwar wissen die meisten Menschen nicht, was das ist, aber wir wissen dafür nicht, was Wasser ist. Jedenfalls findet man auf den Plakaten, die Konstanz als Stadt am Wasser (geschieben als H2O) zeigen, in dem als Umriss gezeigten See eine Formel, die mehr an Formaldehyd erinnert als an Wasser. Konstanz, die Stadt am Gift also? Jetzt lachen die Hühner, aber dafür ist Marketing da, wenn ich das recht verstehe. Vermarkter schreiben keine Lehrbücher, und immerhin wissen jetzt mehr Menschen, wie Formaldehyd aussieht. Und Wasser ist doch mehr als H20. Man kann es trinken und im See baden. Was ich jetzt mache. Wir können alles, außer uns ärgern.


Autor: Ernst Peter Fischer· 28.08.09 · 08:35 Uhr· 1 Kommentar

15. August 2009

Craig Venter und Karl Marx

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 3

In der FAZ vom 15.08.09 kann man im Feuilleton lesen, daß Craig Venter Lebenwesen mit neuen Codes machen will, weil die alten nichts taugen. Ein paar Seiten weiter erinnert ein Aufsatz über Spieltheorien die Leser an die alte Einsicht von John von Neumann, daß es leichter ist, neue Codes zu machen als alte zu verstehen. Daran ist bekanntlich Marx gescheitert, der das Verstehen der Welt für nebensächlich hielt und auf ihre Veränderung drängte. Das heißt, Marx drückte sich vor dem, was schwer ist, und so brachte seine Idee nichts ein. Venter wird ebenfalls daran scheitern und nicht wirklich weiterkommen. Wir brauchen die Welt nicht zu ändern. Das macht sie selbst und besser, und zwar dauernd. Dies gilt es zu verstehen. Alles andere ändert sich dann von selbst, ohne sich von selbst zu verstehen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 15.08.09 · 13:45 Uhr· 3 Kommentare

13. August 2009

Original und Fälschung

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Als ich ein kleiner Junge war, gab es in den illustrierten Zeitungen Rätsel, in denen ein Originalgemälde - etwa von Rembrandt - gezeigt wurde und daneben eine Variation. Die Aufgabe bestand darin, die vorgenommenen Fälschungen zu finden.
Merkwürdigerweise gefiel mir manchmal die Fälschung besser, und dies kam mir wieder in den Sinn, als mir klar wurde, daß der Mönch Mendel nicht durch seine Originalarbeit von 1865, sondern durch deren Übersetzung von 1905 ins Englische berühmt geworden ist. Alles, was bei Mendel noch unklar ist, hat der Übersetzer (William Bateson) richtig gestellt. Und da die Genetik auf Englisch groß geworden ist, gilt Mendel als großer Mann.
Als kleiner Mann gilt nach wie vor der Franzose Lamarck, obwohl er vor 200 Jahren - am 14. August 1809 - seine Zoologische Philosophie publizierte, in der er seine Entdeckung der Evolution beschrieb. Gelesen wurde der Text erneut vor allem in der englischen Übersetzung, nur daß sie diesmal schlecht war. Wenn Lamarck beschreibt, wie die Giraffen ihre langen Hals bekommen haben, verwendet er das Wort "besoin". Er meinte, die Giraffen hätten es nötig gehabt, sich so hoch zu strecken. In der Übersetzung heißt es, die Giraffen hätten den langen Hals haben wollen. Darüber wurde gelacht. Wir sollten damit aufhören und Lamarck ehren. Die moderne Biologie und ihr Epigenetik wird seine Ideen brauchen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 13.08.09 · 14:50 Uhr· 7 Kommentare

12. August 2009

Der mündige Patient

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 5

Wir hätten ihn ja gerne, den mündigen Patienten, und bekommen ihn nicht, wie jetzt erneut bewiesen worden zu sein scheint, und zwar durch eine Studie des seit ein paar Monaten existierenden "Harding Center for Risk Literacy" (FAZ vom 12.8.09, S. N1). Wenn ich das modische "risk literacy" lese, werde ich schon skeptisch, und bei der Fragestelltung erst recht. Das wurde viel Geld und Zeit investiert, um herauszufinden, ob wir Patienten kompetent sind, den Nutzen von Krebsvorsorgeuntersuchungen einschätzenzu können. Herausgekommen ist, daß wir das nicht sind. Wir überschätzen den Nutzen offenbar - ohne daß die Autoren der Studie erklären, warum dann so wenig zur Vorsorge gehen. Am Ende aller Zahlen empfehlen die Herren der "risk literacy", wir sollten endlich ein entspannteres Verhältnis im Umgang mit Unsicherheiten entwicken." Ja, schon, gerne, aber dadurch werde ich kein mündiger Patient. Dazu muss ich erst einmal krank sein. Und dann nützt alle Vorsorgestatistik nichts. Wer über den mündigen Patienten redet, sollte erst einmal eine bündige Studie zustande bringen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 12.08.09 · 07:54 Uhr· 5 Kommentare

09. August 2009

Eine Sensation

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Ich möchte an dieser Stelle auf ein Buch hinweisen, daß ich für atemberaubend gut halte und grandios finde. Merkwürdig ist dabei, daß es sich um ein Lehrbuch handelt, genauer um ein Lehrbuch der "Psychologie", das sein Autor, Norbert Bischof, als "Grundkurs für Anspruchsvolle" bezeichnet (Kohlhammer Verlag, 2. Aufl. 2009). Das Sensationelle an dem Text: Hier wird dem Lesenden bzw. Studierenden in jedem Satz die Möglichkeit gegeben, sich im Nachdenken - wörtlich gemeint - des Geschriebenen zu üben, und Bischof platziert seinen Stoff genau dorthin, wo er hingehört, nämlich zwischen Physik und Philosophie. Das heißt, der Autor kennt sowohl die Physik als auch die Philosophie, und daher kann er seinen Lesern eine Kennerschaft in Psychologie vermitteln, die ich sagenhaft finde. Im erweiterten Text stelle ich ein Beispiel für die souveräne Handhabung des mächtigen Stoffes vor, den die Wirklichkeit uns bietet. Auf jeden Fall möchte ich meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß mit einem solchen Lehrbuch der Psychologie große Zeiten bevorstehen. Die Leser von Bischofs Grundkurs werden diesen Anspruch erfüllen.

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Autor: Ernst Peter Fischer· 09.08.09 · 19:13 Uhr· 3 Kommentare

05. August 2009

Unamerikanisch

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Scientific American - so heißt das seit 1845 (!!!) erscheinende Magazin, das Maßstäbe für die Vermittlung von Wissenschaft gesetzt hat. In deutscher Form ist daraus das "Spektrum der Naturwissenschaften" geworden, und wer nur auf diese Blätter schaut, hat den Eindruck, daß Wissenschaft gut vermittelt wird. Nur kommt davon im Volk so gut wie nichts - GAR NICHTS - an. Fast die Hälfte der Amerikaner denkt, daß die Erde keine 10.000 Jahre alt ist, für die meisten dreht sich die Sonne um die Erde, und diejenigen, die die Erde stattdessen rotieren lassen, denken, sie schafft den Sonnenumlauf an einem Tag, und so weiter. Dazu ist jetzt ein Buch erschienen (Autor: Chris Mooney), das UNSCIENTIFIC AMERICAN heißt und näher an den Tatsachen ist. Amerikaner wissen nichts von der Wissenschaft. Die entsprechenden Beilagen in den Zeitungen schrumpfen, von fünf Fernsehstunden gehört eine Minute der Wissenschaft, und hierzulande werden die Wissenschaftssendungen bestenfalls bunter und damit blöder. Die Vermittler der Wissenschaft hampeln herum, aber sie erreichen nichts - GAR NICHTS. Wer schafft es, ihnen diese Einsicht zu vermitteln?


Autor: Ernst Peter Fischer· 05.08.09 · 08:18 Uhr· 10 Kommentare

03. August 2009

Rettung vor dem Internet

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

Der Philosoph Hans Blumenberg hat unsere Zeit einmal durch den Hinweis charakterisiert, daß dauernd Menschen anbieten, ihn zu retten bzw. vor irgendetwas zu bewahren, obwohl er sich gar nicht in Gefahr sieht.
Was hätte er zu der Nachricht gesagt, die gerade (3.8., 14.00h) auf SWR zu hören war? Dort warnt eine Organisation uns vor Betrügern im Internet. Man werde über Hinweise auf Seiten gelockt, auf denen man dann seine Adresse angeben soll - und schon hat man etwas gekauft oder abonniert, wie es - wo sonst - im "Kleingedruckten" steht, wie es tatsächlich über Internetseiten im Radio hieß. Die uns retten wollende Organisation empfiehlt, nichts zu zahlen und statt dessen ein von ihr vorbereitetes Schreiben mit der Bekanntgabe der Verweigerung zu schicken.
Das klingt alles schön und gut, bis man sich fragt, wo man das vorbereitete Schreiben findet. Natürlich im Internet. Und woher weiß ich, daß sich dort nichts Merkwürdiges im Kleingedruckten verbirgt? Wer schützt mich vor meinen Schützern?


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.08.09 · 14:06 Uhr· 2 Kommentare

02. August 2009

Keine Formeln

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 8

Die Europäische Kommission hat fast 4 Mio. Euro bewilligt, um Emotionen QUANTITATIV zu erforschen. Es ist vorgeschlagen worden, Internet Chats zu verfolgen und festzustellen, wann Menschen aufgeregt, gespannt, verärgert oder gar wütend werden. Und das Ziel der Betreiber besteht darin, dafür eine Formel - eine Gleichung - zu finden. Ich werde wütend, wenn ich so etwas lese - egal ob im Internet oder in der Zeitung. EIne Formel für die Emotion!? Was für ein Unsinn. Da zeigt sich immer noch der alte Traum von Galileo Galilei, daß alles messbar ist und man nur unterscheiden muss zwischen Dingen, die schon vermessen sind, und Dingen, die noch vermessen werden. Galilei selbst hat die Größe des Tores angegeben, das zur Hölle führt, und welche Temperatur einen erwartet, wenn man hindurch geht. So etwa wird auch bei den Emotionen herauskommen. Vielleicht sollte man den Forscher - unter anderem aus Warschau - den Weg zeigen, den Galilei zur Hölle gefunden hat, und dann können sie ihm einfach dorthin folgen. Wir sind diesen Blödsinn dann wenigstens los.


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.08.09 · 19:47 Uhr· 8 Kommentare

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