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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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09.07.09 · 08:53 Uhr
Wissen durch Denken?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 4
"Können Tiere denken?" So fragt der Philosoph Reinhard Brandt in seinem neuen Buch (edition unselig), und er meint, diese Frage durch Denken beantworten zu können. Wann lernen Philosophen, daß das nicht geht? Wer wissen will, ob Tiere denken, lernen oder Bewusstsein haben, der muss sich dazu eine Beobachtungssituation bzw. ein Experiment einfallen lassen. Sonst erörtern wir diese Frage bis zum St. Nimmerleinstag. Tatsächlich sind alle Positionen, die Brandt vertritt, schon einmal bzw. mehrfach vertreten und immer wieder verworfen worden. Denken ist leicht, wenn es sich nur mit sich selbst beschäftigt, wobei es sein könnte, daß die Tiere diese Art des Grübelns vermeiden. Sie denken sich ihren Teil und haben ihren Spaß. Können Philosophen denken? Ganz sicher, wie Brandts Buch zeigt, aber sie kommen dabei nicht vom Fleck.
Autor: Ernst Peter Fischer· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Wenn man „Denken“ als Vorgang definiert, in dem durch Modellierung und Beobachtung der Umwelt im Gehirn Strategien für die Bewältigung einer zukünftigen Lebenssituation resultieren, dann sollte man dies erfolgreich im Verhaltensexperiment beweisen können. Ich bin fast sicher, dass auch Tiere denken können.
Das, was Sie schreiben ist, meine ich, falsch. Um ein Experiment zur Eingangsfrage zu konzipieren sowie zu einer sinnvollen Auswertung der Ergebnisse imstande zu sein, muss man sich zunächst über die zugrunde liegenden Begriffe klar werden: Was zeichnet den Vorgang des "Denkens" überhaupt aus? Wie unterscheidet man die diesem Prozess zugrunde liegenden Eigenschaften? Genau diese Fragen sucht Brandt in seinem Buch zu beantworten. Dies aber sind begriffsreflektierende Überlegungen, die ausdrücklich nicht Gegenstand der Naturwissenschaften sind: die Naturwissenschaften selbst sind kein Gegenstand der Naturwissenschaften. Folglich haben derartige philosphische (begriffsreflektierende) Untersuchungen durchaus ihre Daseinsberechtigung. Man denke beispielsweise daran, wie einige Hirnforscher auf Basis eines Experimentes die Willensfreiheit für eine Illusion erklärt haben. Mittlerweile haben eine Vielzahl von Philosophen (Ansgar Beckermann z. B.) gezeigt, dass hierbei unzulängliche begriffliche Voraussetzungen angenommen wurden, wie beispielsweise ein falsches Verständnis des Freiheits-Begriffs.
Natürlich können Tiere denken, zumindest eine Tierart kann es jedenfalls. Die Frage sollte also eher lauten: Welche Tiere können denken?
Ich fürchte so ist es mit allen Fragen bestellt, die sich zwar um Entitäten der Realität drehen, allerdings nicht an der Realität überprüft werden. Genausgut kann man sich fragen, ob auf der Rückseite des Mondes Katzen leben. Wer nicht nachschaut, wird ewig darüber diskutieren können.