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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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12.07.09 · 10:20 Uhr

Unbeweglich

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Seit einigen Jahren verkünden die Genetiker, daß es auf die Gene gar nicht so sehr ankommt. Viele Genetiker werden jetzt Epigenetiker (in den USA geht das einfach durch Umbenennen) und versprechen aus dieser Perspektive erneut das Blaue vom Himmel. Krebs ist jetzt keine genetische Krankheit mehr, sondern eine epigenetische. Man braucht nicht mehr die Kenntnis des Genoms, wie uns noch 2000 beigebracht wurde, sondern die Kenntnisse der Epigenome, und so weiter. Das ergibt erneut eine Menge Wortgeklingel, hinter dem aber eine wichtige Entwicklung des Verstehens lebendiger Prozesse aufscheint. Wer sich für das neue Denken der Genetiker interessiert, findet Auskunft in dem schönen Buch "Der zweite Code" von Peter Spork, dem wir bereits ein herrliches "Schlafbuch" verdanken. In ihm erkennt man, daß die Wissenschaft zwar eine Art Drehung vollzogen hat, aber nur um nach der epigentischen Wende wieder so unbeweglich wie vorher zu werden und erneut zu verkünden, nun wüssten sie bald die Wahrheit und verstünden die Natur der Dinge. Die aufgeklärten Forscher merken nicht, daß es sie - DIE universelle Natur der Dinge - gar nicht gibt und das einzig Wirkliche das Potential des inividuellen Lebens ist. Sie sind unbeweglicher, als die Evolution erlaubt. Das wird sich rächen.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink rolak· 12.07.09 · 15:26 Uhr

Sie sind unbeweglicher, als die Evolution erlaubt.

Nicht nur schön & zitierfähig, sondern auch mit der hoffnungsfrohen Andeutung einer automagischen Änderung :-)

Kommentar-Direktlink radicchio· 12.07.09 · 18:46 Uhr

»In ihm erkennt man, daß die Wissenschaft zwar eine Art Drehung vollzogen hat, aber nur um nach der epigentischen Wende wieder so unbeweglich wie vorher zu werden und erneut zu verkünden, nun wüssten sie bald die Wahrheit und verstünden die Natur der Dinge.«

könnten sie das mal bitte konkretisieren:
WELCHE unbeweglichkeit der wissenschaft genau meinen sie?
wie macht sie konkret am beispiel bemerkbar?
und welcher wissenschaftler verkündet namentlich, die wahrheit bald zu verstehen usw.?

das sollte sich ja alles dingfest machen lassen.

Kommentar-Direktlink G.H.· 14.07.09 · 17:34 Uhr

"Das Wahre, mit dem Göttlichen identisch, läßt sich niemals von uns direkt erkennen, wir schauen es nur im Abglanz, im Beispiel, Symbol, in einzelnen und verwandten Erscheinungen; wir werden es gewahr als unbegreifliches Leben und können dem Wunsch nicht entsagen, es dennoch zu begreifen." (Goethes Werke, Bd. 13, S.305)

Insofern ist das "das einzig Wirkliche das Potential des inividuellen Lebens ".

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