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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv Juli 2009

16. Juli 2009

Immer mehr Wirklichkeiten

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 4

Früher gab es eine bzw. die Realität, und wer mit ihr zurecht kam, war Realist. Wer es nicht schaffte, wurde als Romantiker abqualifiziert. Das war schon immer Unsinn, hat aber den Common Sense nicht daran gehindert, die Welt so zu sehen. Das ändert sich in diesen Tagen, in denen es Mode geworden ist, Realität im Plural zu verwenden. Jürgen Trittin etwa stellt in diesen Tagen in der FAZ "Die Realitäten der Atomenergie" vor. Natürlich verwechselt er dabei nur die Wirklichkeit mit einer Tatsache, die dazu gehört, aber Wirklichkeiten in der Mehrzahl erlauben es nicht mehr, zwischen Realisten und Spinnern zu unterscheiden. Und so spinnen die Realisten vor sich hin, etwa in dem Trittin als Einsicht verkündet, "Die Welt hat sich seit 2001 verändert." Sie hat sich bislang immer wieder verändert und tut das auch gerade jetzt, wie jeder Romantiker weiß, der an seiner Selbstverwirklichung arbeitet. Trittin teilt uns als weitere seiner Realitäten mit, daß kein Kernkraftwerk vor einem Super-Gau geschützt ist. Hat ihm niemand gesagt, daß es so etwa gar nicht gibt? Wenn Gau den GRÖSSTEN Unfall meint, dann gehört ein Super-Gau nicht zur Wirklichkeit. Es kann ihn nicht geben. Das ist die Wirklichkeit - in der Einzahl. Doch mit ihr geben sich Realisten nicht ab. Eine Wirklichkeit ist ihnen zu wenig. Es könnte ja sein, daß es Mühe macht, sie zu kennen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 16.07.09 · 08:54 Uhr· 4 Kommentare

13. Juli 2009

Kein Erdaufgang

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Vierzig Jahre Mondfahrt - viel zu feiern in diesen Tagen, vor allem das Eintreffen der Amerikaner auf dem Mond, der doch eigentlich ein deutscher Trabant ist, weil er beim Abnehmen wie ein (deutsches) a und beim Zunehmen wie (deutsches) z aussieht - meint jedenfalls Christian Morgenstern. Nun feiern wir also den westlichen Triumph, und eine Zeitung hat den entsprechenden Beitrag mit dem Titel "Die Erd´ ist aufgegangen" überschrieben, und tatsächlich sieht man Bilder, die den Eindruck vermitteln, die Erde geht vom Mond gesehen so auf, wie es der Mond von der Erde aus gesehen tut. Doch der gezeigte Aufgang kommt nur durch die Bewegung des Fotographen zustande, der in einer Kapsel sitzt, die auf Umlaufbahn ist. Wer auf dem Mond steht, sieht keinen Erdaufgang, denn der Mond - ein erklärbares Wunder - zeigt uns immer dieselbe Seite. Das scheinen viele bis heute nicht verstanden zu haben, denn der zitierte Aufsatz meint seine Überschrift ernst. Es scheint, daß wir mit dem Voranschreiten der Forschung nicht mehr wissen, sondern mehr vergessen, sogar das, was wir als Kinder noch wussten.


Autor: Ernst Peter Fischer· 13.07.09 · 08:26 Uhr· 2 Kommentare

12. Juli 2009

Unbeweglich

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Seit einigen Jahren verkünden die Genetiker, daß es auf die Gene gar nicht so sehr ankommt. Viele Genetiker werden jetzt Epigenetiker (in den USA geht das einfach durch Umbenennen) und versprechen aus dieser Perspektive erneut das Blaue vom Himmel. Krebs ist jetzt keine genetische Krankheit mehr, sondern eine epigenetische. Man braucht nicht mehr die Kenntnis des Genoms, wie uns noch 2000 beigebracht wurde, sondern die Kenntnisse der Epigenome, und so weiter. Das ergibt erneut eine Menge Wortgeklingel, hinter dem aber eine wichtige Entwicklung des Verstehens lebendiger Prozesse aufscheint. Wer sich für das neue Denken der Genetiker interessiert, findet Auskunft in dem schönen Buch "Der zweite Code" von Peter Spork, dem wir bereits ein herrliches "Schlafbuch" verdanken. In ihm erkennt man, daß die Wissenschaft zwar eine Art Drehung vollzogen hat, aber nur um nach der epigentischen Wende wieder so unbeweglich wie vorher zu werden und erneut zu verkünden, nun wüssten sie bald die Wahrheit und verstünden die Natur der Dinge. Die aufgeklärten Forscher merken nicht, daß es sie - DIE universelle Natur der Dinge - gar nicht gibt und das einzig Wirkliche das Potential des inividuellen Lebens ist. Sie sind unbeweglicher, als die Evolution erlaubt. Das wird sich rächen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 12.07.09 · 10:20 Uhr· 3 Kommentare

09. Juli 2009

Wissen durch Denken?

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 4

"Können Tiere denken?" So fragt der Philosoph Reinhard Brandt in seinem neuen Buch (edition unselig), und er meint, diese Frage durch Denken beantworten zu können. Wann lernen Philosophen, daß das nicht geht? Wer wissen will, ob Tiere denken, lernen oder Bewusstsein haben, der muss sich dazu eine Beobachtungssituation bzw. ein Experiment einfallen lassen. Sonst erörtern wir diese Frage bis zum St. Nimmerleinstag. Tatsächlich sind alle Positionen, die Brandt vertritt, schon einmal bzw. mehrfach vertreten und immer wieder verworfen worden. Denken ist leicht, wenn es sich nur mit sich selbst beschäftigt, wobei es sein könnte, daß die Tiere diese Art des Grübelns vermeiden. Sie denken sich ihren Teil und haben ihren Spaß. Können Philosophen denken? Ganz sicher, wie Brandts Buch zeigt, aber sie kommen dabei nicht vom Fleck.


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.07.09 · 08:53 Uhr· 4 Kommentare

07. Juli 2009

Mehr Schmutz als Schutz

Kategorie: Kultur

In der FAZ ist am 7.7.09 eine Sonderveröffentlichung zu finden, in der es um "Klimaschutz und CCS" geht (ohne daß man informiert wird, daß CCS irgendetwas mit dem Ausstoß von Kohlendioxid zu tun hat). Als ersten Beitrag kann man die Worte eines Angestellten von Siemens lesen. Er heißt Ulrich Eberl und leitet das, was er selbst als Innovationskommunikation bezeichnet. Der Herr muss also etwas wirklich Neues zu sagen haben. Und tatsächlich zählt er uns vier von ihm als innovativ begriffene Gedanken auf: Wir müssen erstens wissen, daß es um die Zukunft geht. Wir müssen zweitens wissen, daß Deutschland Exportchancen hat. Wir sollten drittens endlich einsehen, daß Klimaschutz nur funktioniert, wenn alle mitmachen. Und viertens erfährt man, daß es noch Potenziale beim Umgang mit Energie gibt.
Das ist keine schlechte Politsatire, sondern die schlimme Siemenswahrheit. Merkt denn niemand, wie viel Wortschmutz das ist? Für wie dumm darf ein Innovationskommunikator uns verkaufen? Und könnte es nicht sein, daß gerade solche Wortverschmutzer verhindern, daß Klimaschutz in Gang kommt. So viel banalen Blödsinn zu einem wichtigen Thema habe ich noch nie gelesen. Hoffentlich hat Siemens eine weniger innovative Pressestelle, die sich für den Stuss entschuldigt uns uns vor weiterem Wortschmutz schützt.


Autor: Ernst Peter Fischer· 07.07.09 · 19:30 Uhr· 0 Kommentare

02. Juli 2009

Langweilige Lügen

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

Ich bin sicher voller Vorurteile, und manche machen Spaß, weil damit ein gutes Gespräch beginnen kann. Eines meiner Vorurteile lautet, daß die "edition unseld" - ich nenne sie für mich gerne "edition unselig" - nichts, aber auch gar nichts taugt. Jetzt ist ein Band erscheinen, der sich "Sprache, Lügen und Moral" nennt und vom "Geschichtenerzählen in Wissenschaft und Literatur" handelt. Wie sollen fünf Autoren sechs Themen auf knapp 150 Seiten überhaupt sinnvoll anpacken? Gar nicht. Der Band erthält nur uraltes Zeug oder Stuss, und zwar selbst von einem Nobelpreisträger für Chemie. Er heißt Roald Hoffmann und beginnt seinen Text mit dem Versprechen, "Die Wissenschaft hat einige gute Geschichten auf Lager". Nur dann kommt keine. Es kommt nur Quatsch, der versucht, moralisch zu klingen. Es ist furchtbar. Und da die anderen Autoren entweder nichts von den Naturwissenschaften verstehen oder dies hinter einem Wortschwall verbergen, kann der Band auch nicht sagen, wie Geschichtenerzählen hier funktioniert. Die Autoren wissen nicht einmal, warum die Wissenschaft Geschichten braucht. Der Band ist nichts als eine langweilige Lüge.


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.07.09 · 09:16 Uhr· 2 Kommentare

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