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Profil

Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Kommentare

Archiv Juni 2009

29. Juni 2009

Die Welterklärer

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

Irgendwie ist die Welt komplex, und Journalisten haben die Aufgabe übernommen, die sie selbst Reduktion von Komplexität nennen. Das klingt verdienstvoll, wird aber mehr und mehr missverstanden. So bringt ein Nachrichtenmagazin den Deutschen erst bei, dass sie Angst haben müssen (vor der Komplexität), dann macht es sich lustig darüber, dass wir Angst haben. Weiter vertritt eine Zeitung gerne linke Positionen (die sind niemals komplex), um sich jetzt darüber zu amüsieren, daß es Leute gibt, die links denken (also so, daß es stets einfache Lösungen gibt). Und das Fachblatt für Intelligenz, die FAZ, hat uns erst beigebracht, wie dramatisch es um das (komplexe) Verhältnis von Kausalität und Willensfreiheit bestellt ist, um jetzt zuzugeben, daß war nur Lärm um zu wenig, um sich auch noch öffentlich dafür entschuldigen zu müssen. Die beste Reduktion von Komplexität besteht offenbar darin, die Dinge selbst wahrzunehmen. Dann wird die Wirklichkeit zugänglich. In den Journalen lohnen bald nur noch die Leserbriefe - von denen, die über die Zeitung hinausgeschaut haben.


Autor: Ernst Peter Fischer· 29.06.09 · 11:28 Uhr· 2 Kommentare

Visionen

Kategorie: Kultur

As welchem Jahr - und vom welchem Autor - stammt der folgende Text? (Antwort im erweiterten Text).

"Wir haben auch optische Werkstätten, wo wir Versuche mit sämtlichen Strahlen und Lichtarten sowie mit allen Farben anstellen. Aus durchsichtigen und farblosen Körpern erzeugen wir die einzelnen Farben, nicht nur in Form eines Regenbogens schillernd, wie es in Brillanten und Prismen geschieht, sondern durch sich selbst, einfach und selbständig. Außerdem bringen wir jede Vielfalt von Strahlen hervor, so daß wir Licht auf große Entfernungen aussenden und ihm solche Kraft und Stärke verleihen, daß man bei dieser Art Licht die zartesten Linien und Punkte erkennen kann ..."

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Autor: Ernst Peter Fischer· 29.06.09 · 11:18 Uhr· 0 Kommentare

24. Juni 2009

Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 4

Eigenlich habe ich von dem Gesülze um Jürgen Habermas die Schnauze voll. Was die universitäre Philosophie längst ad acta gelegt hat, wabert noch blödsinnig durch das Feuilleton, weil dort die Studenten des unverständliches Deutsch schreibenden Gelehrten sitzen, der in diesen Tagen 80 Jahre alt wird. Wie gesagt, eigentlich verdient diese sich kritisch nennende Philosophie keinen Kommentar mehr, daß sie alles andere als kritisch daherkommt und eine Art religiöse Verehrung betreibt. Der liebe Gott Habermas soll uns als Übermensch "die Wirklichkeit" erklären, wie die Journalisten zu schreiben nicht müde werden. "Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit / trägt wirklich ein Forellenkleid / und schaut sich stumm, und schaut sich stumm / nach andren Wirklichkeiten um", wie André Heller einmal gedichtet hat. Dieser Wunsch, uns die Wirklichkeit zu erklären, ist vor mehr als 200 Jahren als unerfüllbar entlarvt worden. Wenn Habermas nun lächelnd zu erkennen gibt, daß er ihn trotzdem erfüllen kann, dann verstehe ich, was seine Philosophie erreicht hat: Rückschritt der schlimmsten Sorte bis in die Zeit, als Menschen noch leiden mussten, weil die Wissenschaft noch nicht helfen konnte. Sie produziert Wirklichkeit. Kann das bitte endlich einmal jemand Herrn Habermas und seinen Jüngern sagen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.06.09 · 08:34 Uhr· 4 Kommentare

Mondlandung und Umweltschutz

Kategorie: Kultur

Wir feiern sich in den nächsten Wochen den 40sten Jahrestag der Mondlandung, sollten dabei aber nicht vergessen, daß sich dieses Ereignis zeitgleich mit der Einführung des Wortes "Umweltschutz" vollzogen hat. 1969 bekam das Bundesministerium des Inneren eine Abteilung mit dem Namen "Umweltschutz", und man darf ruhig überlegen - wie es vor mehr als zehn Jahren der Philosoph Hans Blumenberg bereits getan hat, als er sich Gedanken über "Die Vollzähligkeit der Sterne" machte -, daß wir anfingen, die Erde bewahren zu wollen, nachdem wir gesehen hatten, wie wüst es auf dem Mond zugeht.
Der Jahrestag der Mondlandung bringt den Satz in Erinnerung, den der erste Mensch, der dort auftrat, zu sagen hatte: "A small step for a man, a giant leap for mankind". Wie jetzt klar ist, hat der erste Mann im Mond beim Reden den unbestimmten Artikel vor "man" vergessen, was den Satz unsinnig werden lässt. In der britischen "New Scientist" gibt es in diesen Tagen einen Wettbewerb, sich einen anderen Satz zu überlegen, mit dem man sich auf dem Mond vorstellt. Any idea?


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.06.09 · 08:23 Uhr· 0 Kommentare

Genauigkeit ist gefährlich

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 13

Wir loben gerne Präziszion und Genauigkeit bei Messungen oder Angaben, und wir erwarten sie mehr oder weniger - eher mehr als weniger -, wenn wir uns in einem wissenschaftlichen Rahmen bewegen. Jetzt ist einigen Forschern aufgefallen, daß es da stets Grenzen gibt, aus dem Anspruch auf Präzision nur die Möglichkeit machen, etwas als falsch zu bezeichnen. Bisher glaubte man zum Beispiel, daß Gold bei einer Temperatur von 1337,33 Grad Kelvin friert (fest wird). Jetzt stellt sich heraus, daß stimmt nicht. Gold friert bei 1337,38 Grad Kelvin, und diese Verschiebung liegt am Meßverfahren, das benutzt wurde. Jetzt versuchen die Experten, die Skala neu zu definieren, um solche Fehler auszuschließen.
Glauben sie wirklich, das wird ihnen gelingen? Glauben sie wirklich, daß es so etwas wie den richtigen Wert gibt, bei dem Gold schmilzt oder friert?
Genauigkeit ist in Maßen sinnvoll, alles andere ist falsch. Wer sie übertreibt, gefährdet sein Fach - wie die Naturtheologen, die vor Darwin erkläre wollten, wann Gott die Welt geschaffen hatte. Solange sie vage blieben, bleiben sie glaubhaft. Erst als sie genau wurden - am 23. Oktober 4004 vor Christus um 9.00h morgens - wurde die Sache albern.


Autor: Ernst Peter Fischer· 24.06.09 · 08:07 Uhr· 13 Kommentare

09. Juni 2009

Mediale Selektion

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Die Evolutionstheorie kennt die natürliche und die sexuelle Selektion, und das Leben ist damit gut gelaufen. Ich bin davon überzeugt, daß auch der demokratische Prozeß Selektionselemente enthält, zum Beispiel bei Politikern, die ja nicht wegen ihrer Fachkenntnisse nach oben kommen, sondern weil sie gelernt haben, auf Ausschußsitzungen oder auf Unterbezirksparteiversammlungen die richtigen (sprich: populären, leicht eingänglichen) Anworten auf die Fragen der Anwesenden zu geben. Als Politiker ins Fernsehen kamen, drohte ihnen anfänglich eine Sendung der Art, "Journalisten fragen, Politiker antworten", was für die Attackierten kein Problem war, da sie so selektioniert waren. Nun haben die Medien ihre Strategie geändert. Die Journalisten sind es leid, als Deppen darzustehen, die ihr Gegenüber durch keine Frage in Verlegenheit bringen können. Nun müssen Politiker auf vorgefertigte Spielfilmchen mit albernen Witzchen reagieren. Das erhöht mit den Einschaltquoten aber nur die Politikverdrossenheit, denn nun stehen die Politiker wie Deppen dar. Das war keine Selektionbedingung. Sie kommen einem so vor wie ein Vogel im Aquarium bzw. ein Fisch im Käfig. Die Medien haben mit ihren Talkrunden eine neue Politikselektion eingeführt. Wir werden erleben, was wir dabei bekommen. Gute Unterhaltung auf keinen Fall.


Autor: Ernst Peter Fischer· 09.06.09 · 09:15 Uhr· 1 Kommentar

03. Juni 2009

Alles anders

Kategorie: Naturwissenschaften

Es gibt Ausgaben der Zeitschrift NATURE, da kommt man aus dem Staunen und Lesen nicht heraus. Das Heft vom 28. Mai 2009 gehört dazu. In ihm geht es um Zebrafinken, die nach wenigen Generationen genetisch lernen, was sonst kulturell vermittelt wird (was ungeheure Implikationen für die Evolution hat); es geht um die Thetawellen, die unseren Gehirnzustand charakterisieren und ganz anders (dynamischer) sind, als die Lehrbücher melden; es geht um Krebszellen und den Vorschlag, sie nicht auszurotten, sondern den Versuch zu unternehmen, mit ihnen zurecht zu kommen (dahinter steckt das ökologísche Denken, das die militärische Metaphern vom Krieg im Körper ablösen sollte, so schwer es den Biologen auch fällt), es geht um genetische Vorgaben für Autismus, um ein transgenes Äffchen, das als "biomedizinisches Supermodell" vorgestellt wird, es geht um weitere spannende Einsichten, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden der Öffentlichkeit, die vor dem TV hockt, verborgen bleiben. Wissenschaft wird niemals populär.


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.06.09 · 19:54 Uhr· 0 Kommentare

Geschwätz

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Neulich fand in Berlin ein philosophischer Disput über die Frage statt, wie Menschen Alltagssituationen ohne Hilfe etwa von Heidegger bewältigen können. Über das dort Gesagte konnte man sich in der FAZ (03.06.09, S. N4) informieren. Dabei wird klar: Mann kommt durchs Leben NUR OHNE die Philosophen. Denn die nachdenklichen Herren standen - wie nachzulesen war - auf dem folgenden Standpunkt: "Wozu Forschung, wenn es doch Klassiker gibt, wozu Empirie, wenn man sich die Sachen selbst zusammendenken kann?" Im Verlauf der Diskussion zeigte sich dann die Philosophie "einmal mehr als die Wissenschaft, die falsifizierbare Hypothesen meidet, wenn sie nur die interne Komplexität der Unterhaltung steigern kann." Vielleicht ist sie deshalb so beliebt. Sie sagt nichts und schwätzt nur - und alle plappern mit.


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.06.09 · 19:43 Uhr· 6 Kommentare

Lichtschmutz

Kategorie: Kultur

Seit den 1990er Jahren zirkuliert die Zahl, daß nur noch ein Prozent der Menschen einen freien Blick auf die Milchstrasse genießen können. Ich gebe zu, das Thema klingt weniger dramatisch als der Hinweis auf die geringe Prozentzahl an Menschen, die Zugang zu sauberem Wasser haben, aber schlimme Folgen hat der Lichtschmutz doch, der uns hindert, die Sterne zu sehen. Ich will nicht von dem krankmachenden Lichtsmog der Städte reden, der Schlafstörungen nach sich zieht. Es geht mir um das, was man elementare Neugierde nennt und zum Wesen des Menschen gehört. Sie benötigt SInneseindrücke, um in Gang zu kommen und um das Wissen anzustreben, das wir benötigen. Wer keine ästhetische Neugierde entwickeln kann, bleibt dumpf und ohne Interesse an der Natur. Wer keine Freude an der wahrnehmbaren Schönheit der Welt entwickeln kann, will nichts über sie wissen. Der Lichtschmutz macht uns dumm. Und wir merken es gar nicht, weil wir die Fragen nicht mehr stellen, die aus dem Schauen kommen. Das Fernsehen ist kein Ersatz für das Sehen der Ferne, auch wenn uns dabei ein Astronom etwas vortanzt (nachdem er im Auftrag des Senders auch noch ein Auge geschlossen hat, um idiotischerweise mehr zu sehen). Wir sehen immer weniger, und wenn, dann den Schmutz, den wir selbst hervorbringen. Jetzt braucht sich niemand mehr zu wundern, wenn wir wegschauen.


Autor: Ernst Peter Fischer· 03.06.09 · 09:12 Uhr· 0 Kommentare

02. Juni 2009

Verbrechen am Lesepublikum

Kategorie: Kultur

"Verbrechen am Lesepublikum". So nannte (mein Lehrer) Max Delbrück die Texte, die (sein Lehrer) Niels Bohr anfertigte und in denen er gnadenlos umständlich formulierte, um nur ja nichts zu schreiben, das man widerlegen könnte. Manche Texte, die sich werbewirksam "allgemeinverständlich" nennen, sind ebenfalls "Verbechen am Lesepublikum", nur auf tieferem Niveau. Ich zitiere aus einem Buch, wobei ich die Namen und einige Angaben verändert bzw. ausgelassen habe, um die Verfasser nicht preizugeben: "Im Mai 19.. hatte der Forscher in der renommierten Fachzeitschrift ... eine Arbeit über das untersuchte Spektrum publiziert, die die wesentlichen Ergebnisse seiner Arbeiten über der untersuchte Spektrum enthielt." Ach, würde Loriot nicht nur bei diesem Satz sagen, sondern auch bei dem folgenden Beispiel, wenn auch aus anderem Grund: "Ein experimenteller Nachweis der stimulierten Emission gelang zwei Forschern, als sie die Wellenlängenabhängigkeit des Brechungsindex in Gaslentladungen von Neon in der Nähe der Emissionslinien untersuchten." Ach? Da kommt Freude auf, und ein Public understanding of Science ist garantiert. Weiter so, Freunde aus dem Lektorat.


Autor: Ernst Peter Fischer· 02.06.09 · 18:03 Uhr· 0 Kommentare

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