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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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13.05.09 · 09:16 Uhr
Der Snow vom vergangenen Jahr
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
"Die zwei Kulturen", die ich im letzten Eintrag angesprochen habe, wirken sich bis heute auf eine für jeden spürbare Weise aus. Bei C.P. Snows Vorlesung im Jahre 1959 ging es um Shakespeares Sonette und den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, wobei für unsere Zwecke hier wichtig ist, daß das poetische Werk mit einer Person verbunden ist und das wissenschaftliche Theorem nicht. Genau so unterscheiden sich Kunst und Wissenschaft - Kunstwerke stammen von Künstlern, deren Namen man kennt, wissenschaftliche Theorien kommen anonym als Masse zustande. Die Verachtung der einen Kultur ist vorgegeben, wenn sie überhaupt als Kultur eingestuft wird. Wir kümmern uns viel zu wenig um die Menschen, die Wissenschaft machen, und ich vermute, daß sich diese Verachtung rächen wird. "Wissenschaft ohne Kunst ist unmenschlich", heißt es bei Raymond Chandler schon 1938, und "Kunst ohne Wissenschaft ist lächerlich." Die zweite Feststellung können wir überleben. Die erste nicht.
Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Hallo, ich würde gerne auf die hier erwähnten Begriffe eingehen: Kultur ist der ultimative Überbegriff für alles was der Mensch gestaltet. Er beinhaltet unter anderen auch die Begriffe Kunst und Wissenschaft. Es können somit keine zwei Kulturen geben aber es gibt mehrere Künste, Wissenschaften etc.
Zum Inhalt meine ich, dass die Wissenschaftler den selben Fehler begangen haben, den die Philosophen vorher (vor der Trennung von den Wissenschaften) nämlich sich zu sehr von der Praxis/Wirklichkeit entfernt zu haben und somit für das alltägliche Leben nicht mehr interessant waren/sind. Ein Beispiel: wen interessieren die 16-dimensionalen Welten Hawkings oder die Gespänster Goedels?
Trotzdem meine ich, dass die Wissenschaftler heutzutage, im öffentlichen Leben, einen besseren Status haben als Kunstschaffende.
Abschließen möchte ich einen jungen Doktorand der Mikrosystemtechnik erwähnen, der mir gesagt hat „lasst die Wissenschaftler in Ruhe (im Sinne von Fragen nach Kunst, Philosophie etc.) denn sie bewegen sich auf einen so schmalen Pfad, dass sie immer darauf achten müssen nicht runterzufallen, für sowas haben sie keine Zeit“
@Halek
Dieser Doktorand tut mir leid - als promovierter Physiker sage ich: Wer sich als Wissenschaftler keine Zeit für Kunst und Philosophie nimmt, der ist selbst daran schuld, dass der Pfad so schmal ist, auf dem er sich bewegt.
Davon abgesehen, kenne ich einige äußerst weltfremde, in ihrer Forscherwelt gut isolierte, Naturwissenschaftler, die dennoch äußerst interessiert an und bewand in diesen artfremden Disziplinen sind.
Privat selbstverständliche, aber nicht dienstlich und das war hier gemeint.