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23.07.08 · 11:01 Uhr
Das Problem mit der Reisemedizin
Kategorie: Medizin · Kommentare: 2
Heute kam wieder eine Meldung über dpa:
"Vor einer Vietnam-Reise sollten Touristen über eine Impfung gegen Cholera nachdenken. In dem Land in Südostasien sind seit März etwa 600 Fälle der Krankheit aufgetreten, teilt das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf mit."
Muss man sich wirklich gegen Cholera impfen lassen? Und wie ist es mit Dengue-Fieber?
Es geht mir jetzt weniger um medizinische Details und schon gar nicht um die grundsätzliche Impfdiskussion, sondern viel mehr um Einschätzungen. Was bedeutet eigentlich die Zahl von 600 Choleraerkrakungen in Vietnam?
Das Land hat 86 Millionen Einwohner, die meisten davon leben auf dem Land. Auf dem Land leben heißt nicht zwangsläufig permanent sauberes Wasser und Strom zu haben. Es heißt auch, grundlegende Regeln der Hygiene nicht zu kennen. Und letztlich bedeutet es außerdem eine schlechte Gesundheitsversorgung. Das wiederum bedeutet, dass es mitnichten so ist, dass jede Krankheit gemeldet wird.
Die 600 Fälle seit März sind also offiziell gemeldete Fälle.
Setzt man das in Relation zu den Einwohnern, dann sind 600 Fälle ein Witz. Die Chance, als gewöhnlicher Tourist an Cholera in Vietnam zu erkranken, ist äußerst gering. "Exotische Tropenkrankheiten sind bei Reisenden eher selten und betreffen in der Regel die einheimische Bevölkerung", schreibt der Reisedienst Fit-For-Travel.
Das Institut für Tropenmedizin in Hamburg gibt generell keine pauschalen Impfempfehlungen ab: "Welche Impfungen erforderlich sind kann in der persönlichen Gesundheitsempfehlung geklärt werden. Ergänzend ist in jedem Fall eine Beratung durch den impfenden Arzt erforderlich." Zu Cholera wird gesagt: " Risiko der Erkrankung: Für Touristen aus westlichen Industrienationen bei Beachtung der Hygieneregeln extrem gering."
Und so ist es auch. Meldungen wie die des CRM dienen der Verunsicherung. Und sind auch etwas zweifelhaft, wenn dahinter ein privatwirtschaftlich geführtes Institut steckt, das wiederum einem (durchaus anerkannten) Verlag gehört, der medizinische Bücher verkauft.
Gerne gewarnt wird auch vor Denguefieber. Da ist die Gefahr zu erkranken schon mal wesentlich höher, weil es durch Mücken übertragen wird.
"In Vietnam, more than 20 000 cases of Dengue Fever, including 20 deaths, were reported in 28 locations so far this year. Cases continued to rise in the southern provinces which included 2 256 cases and 6 deaths in Ca Mau, more than 3 800 cases in Hochiminh city, more than 1 400 cases and 1 death in Tien Giang, more than 1 900 cases in Soc Trang and each with about 300 to 700 cases in Dong Thap, Bac Lieu, Kien Giang and Ben Tre. In addition, Quang Nam Province is currently also suffering from a Dengue Fever outbreak, where more than 250 patients were treated by a local hospital." (Quelle:ProMED-mail 15 and 21 July 2008)
Wer jetzt aber denken mag, Ho Chi Minh City sei eine Dengue-Fieber-Hochburg und man solle diese Stadt lieber meiden, dem sei gesagt, dass die Zahl jene Fälle sind, die in der Stadt gemeldet wurden. Da aber viele Erkrankte aus dem Land in die Stadt kommen, sagt die Zahl nichts über die Verbreitung aus.
Und zuletzt sei noch gesagt, dass Dengue Fieber keineswegs tödlich ist. Gerade Touristen haben in Vietnam wie auch in Kambodscha eine gute Versorgung mit Krankenhäusern und können in der Regel auch ausgeflogen werden. Tödlich verläuft die Krankheit in der Regel bei alten Menschen und bei Kindern, und das weil beide in diesen Ländern oftmals ein sehr schwaches Immunsystem haben. In der Regel helfen Antimückenmittel wie Autan am besten, und nachts ein Moskitonetz.
Wer also reisen mag, der sollte sehr wohl sich informieren, aber nicht gleich zur Spritze greifen.
Hier noch ein Video zum Thema, dass ich im vergangenen Jahr für meinen Wissenschaftspodcast aufgenommen habe:
Autor: Thomas Wanhoff· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Vielen Dank für die Informationen. Hab jetzt schon drei Impfungen hinter mir (Typhus, hepatitis a+b und tetanus) und erst gestern gelesen was in den Impfstoffen alles leckeres drin war. (Phormaldehyd, Phenoxyethanol was ebenfalls gesundheitschädlich ist, Neomycinsulfat....) Jetzt ärgert es mich dass mein Arzt mir nicht vorher Bescheid gegeben hat. Dass auch bei Impfungen Profitinteressen vor Gesundheit der Konsumenten geht ist wirklich ein Ärgerniss.
Mfg,
Chris
Oh, Tetanus und Hepatitis sind durchaus sinnvoll. Nicht jede Impfung ist schlecht. Und was Inhaltsstoffe angeht: auch hier macht die Dosis das Gift..