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Mit dem Mauerfall endete auch die Trennung zwischen den Wissenschaftlern in Ost und West. Nach 20 Jahren ist es nun an der Zeit, um Bilanz zu ziehen: Wie verlief der Prozess der Wieder- vereinigung in Forschung und Lehre? Welche Unterschiede bestanden eigentlich zwischen den beiden deutschen Wissenschaftssystemen? Wie denken die politischen Akteure und betroffenen Wissenschaftler heute?
Das sind einige der Leitfragen des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung" (24./25.11.2009).
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Neues in der Kategorie Medizin
16. November 2009
Samuel Mitja Rapoport: Biowissenschaften im Zeichen von Forschungsplanung und Fortschrittsdenken in der DDR
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Politik · Kommentare: 4
Wer sich mit der biomedizinischen Forschung der DDR beschäftigt, der stellt fest, dass man ab den 1960er Jahren - in überaus fortschrittlicher Weise - das Augenmerk auf Transdisziplinarität legte, ambitionierte Großprojekte startete und sich ausdrücklich am Diskurs der (westlichen) Scientific Community orientierte. Wesentlich dafür verantwortlich war der Biochemiker Samuel Mitja Rapoport.
Der Historiker Dr. Andreas Malycha skizziert die Bedeutung Rapoports und erklärt, weshalb sein ehrgeizigstes Projekt letztlich nicht erfolgreich war.*
Für die Profilierung und Wettbewerbsfähigkeit biowissenschaftlicher Forschungen in der DDR hat sich in besonderer Weise der Biochemiker Samuel Mitja Rapoport engagiert. Rapoport hat wie kein anderer die molekular- und zellbiologische Grundlagenforschung zu verschiedenen Anlässen immer wieder in das Zentrum biowissenschaftlicher Forschungsgramme gestellt und auf die praktische Bedeutung ihre Ergebnisse verwiesen. Die Erforschung molekularer Grundlagen der Lebensvorgänge beim Menschen, bei Tieren und Pflanzen, so versuchte er auch die SED-Führung unter Ulbricht in den 1960er Jahren zu überzeugen, habe entscheidende Bedeutung für die gesamte Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.
Auch die politische Führung der DDR bemerkte, dass die molekularbiologische und biomedizinische Forschung international hinterhinkte.
Allerdings war - auch aus Gründen der zunehmenden internationalen Isolierung nach dem Mauerbau 1961 - die molekularbiologische und biomedizinische Forschung in der DDR der internationalen wissenschaftlichen Konkurrenz, insbesondere der amerikanischen schon damals nicht mehr gewachsen. Das wurde auch in den politischen Führungsinstanzen, erst recht in der innerwissenschaftlichen Kommunikation so wahrgenommen und mehrfach beklagt.
Daher unternahm Rapoport mit seinem nicht geringen Einfluss auf wissenschaftspolitische Grundsatzentscheidungen immer wieder Versuche, von der DDR-Regierung umfassende Förderprogramme für die biowissenschaftliche Grundlagenforschung und unkonventionelle Strukturentscheidungen im festgefügten Wissenschaftssystem mit seinem fünfjährigen Planungsmodus zu fordern. Als Referenzebene für die geplanten „Spitzenleistungen" biowissenschaftlicher Forschungen diente ihm keineswegs die Sowjetwissenschaft, wie dies beispielsweise noch in der Genetik der frühen 1950er üblich gewesen war, sondern die amerikanische Forschung mit ihrem innovativem Forschungsmodell.
Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 16.11.09 · 09:00 Uhr· 4 Kommentare
12. November 2009
Dynamische Zeiten: Biowissenschaften im deutsch-deutschen Vergleich in den 1960er Jahren
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Medizin
Genau an der Schnittstelle von Medizin und Biologie sorgten Ende der 1950er neue Erkenntnisse für großes Aufsehen. Auch in den beiden deutschen Staaten nahm man zur Kenntnis, dass hier ein neues, vielversprechendes Forschungsfeld entsteht. Doch welche Schlußfolgerungen zog man beiderseits der Mauer daraus?
Der Historiker Dr. Andreas Malycha hat sich in den letzten Jahren mit der Forschungspolitik in der SBZ/DDR beschäftigt und bearbeitet seit 2008 am Institut für Geschichte der Medizin der Berliner Charité ein Forschungsprojekt, das die Biowissenschaften/Biomedizin im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik in der DDR und der Bundesrepublik in den sechziger und siebziger Jahren zum Thema hat. - Hier sein Gastbeitrag:
„Dynamische Zeiten" hat die historische Forschung die 1960er Jahre genannt. In der Tat ist dieser Zeitraum gerade auf dem Feld der Biowissenschaften von tiefgreifenden Wandlungen geprägt. Während sich die Molekularbiologie in der Folge der Entdeckung der DNA durch Francis Crick und James Watson während der 1950er Jahre noch darauf beschränkt hatte, die Prozesse der Vererbung und Ausprägung der Erbinformationen zu untersuchen, stand in den 1960er Jahren der gezielte Eingriff in das genetische Material im Zentrum des Forschungsinteresses.
Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin der Zukunft.
Die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin und nährten kühne Erwartungen an die Zukunft. Hier findet sich die Voraussage einer enormen Steigerung der Lebenserwartung, die Entwicklung von Ovulationshemmern mit zwanzigjähriger Wirkung, der allgemeinen Verwendung künstlicher Organe, das künstliche Wachstum von Gliedmaßen und Organen, der Einsatz elektronischer Prothesen, der Erstellung medizinischer Diagnosen durch Computer, der Winterschlaf für Menschen zu medizinischen Zwecken wie von Methoden zur Vererbungskontrolle, um nur einige Themen zu nennen.
Nicht nur Wissenschaftler, auch Politiker in Ost und West hofften darauf, mit innovativen Forschungsergebnissen der Biowissenschaften Instrumente schaffen zu können, um Krankheiten (Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Viruserkrankungen) zu diagnostizieren und zu therapieren.
Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 12.11.09 · 15:45 Uhr· 0 Kommentare
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