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Mit dem Mauerfall endete auch die Trennung zwischen den Wissenschaftlern in Ost und West. Nach 20 Jahren ist es nun an der Zeit, um Bilanz zu ziehen: Wie verlief der Prozess der Wieder- vereinigung in Forschung und Lehre? Welche Unterschiede bestanden eigentlich zwischen den beiden deutschen Wissenschaftssystemen? Wie denken die politischen Akteure und betroffenen Wissenschaftler heute?

Das sind einige der Leitfragen des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung" (24./25.11.2009).

Neues in der Kategorie Kultur

25. November 2009

Operation am offenen Herzen: Die Herstellung eines gesamtdeutschen Wissenschaftssystems

Kategorie: Kultur·Politik

Die Wiedervereinigung ist auch für die Wissenschaft ein riesiges Geschenk! Darüber war man sich zum gestrigen Auftakt des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung" einig. Über die Frage jedoch, wie die Neugestaltung des gesamtdeutschen, intregrierten Wissenschaftssystems nach nunmehr 20 Jahren zu bewerten ist, ob man den Prozess als Erfolg oder Misserfolg einstufen muss, ob (und welche!) Sieger und Verlierer es gab, darüber gingen die Ansichten weit auseinander.
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Für Wolfgang Thierse - und hier fand er breite Zustimmung im Plenum - steht jedenfalls fest: Für die Wissenschaft bedeutet die Wende von 1989/1990 eine "unerhörte Veränderung." Man müsse sich nur einmal vergegenwärtigen, wie die heutige Wissenschaftslandschaft aussehen würde, wenn es die DDR noch gäbe, dann werde offensichtlich, wie elementar die Veränderung sei, so Wolfgang Thierse, der den akademisch-universitären Umbruchprozess als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR aus nächster Nähe miterlebt hatte.

Neben Thierse saß Dagmar Schipanski auf dem Podium. Und auch sie konnte ganz unmittelbare Erfahrungen beisteuern. Und in ihrem Eingangsstatement stellte sie unmißverständlich fest, wie unvergleichlich die Ausgangsbedingungen der beiden deutschen Wissenschaftssysteme vor 20 Jahren war. Auf der einen Seite das freiheitliche Diskurssystem, auf der anderen - so erlebte es Schipanski - eine selbst in den technischen Disziplinen ideologisch geprägte Wissenschaftslandschaft. Das begann mit der Selektion der Akademiker vor dem Studium:

"Wir hatten keinen freien Zugang zum Studium. Der Zugang war rigide beschränkt." (Schipanski)

Und für die weitere akademische Karriere stellt Dagmar Schipanski klar:

"Nicht die Leistung allein war ausschlaggebend, sondern soziale Herkunft. Und ebenso entscheidenend: poltisches Wohlverhalten dem Staat gegenüber." (Schipanski)

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Autor: Marc Scheloske· 25.11.09 · 08:45 Uhr· 0 Kommentare

18. November 2009

Wissenschaft und Wiedervereinigung: Wer bestimmte die Spielregeln?

Kategorie: Kultur·Politik

1989/1990 stand die Wissenschaftspolitik plötzlich vor der Aufgabe ein gesamtdeutsches, zukunftstaugliches Wissenschaftssystem zu gestalten. Wie sollten die Weichenstellungen aussehen? Welche Strukturen galt es zu bewahren, welche Reformen waren notwendig?

Der Linguist Prof. Dr. Manfred Bierwisch war von 1957 bis 1991 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, von 1992 bis 1998 war er Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe 'Strukturelle Grammatik' und Professor für Linguistik an der HU Berlin. In diesem Gastbeitrag blickt Manfred Bierwisch auf die Entwicklung vor 20 Jahren zurück.

Die Meinungen über Verlauf und Ergebnis der Vereinigung der beiden deutschen Staaten sind geteilt, auch im Bereich der Wissenschaft. Unterschiede im Urteil hängen naturgemäß mit der eigenen Erfahrung zusammen. Viele Probleme sind inzwischen aus dem Blickfeld geraten oder durch die eingetretenen Entwicklungen überholt oder überlagert. Werden die Erfahrungen und Bewertungen bewusst gemacht, lassen sich, stark vereinfacht, zwei Pole der Meinungsbildung erkennen:

  • Die Vereinigung ist vollzogen, und das ist gut so. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer das bestreitet oder damit nicht zurechtkommt, verklärt die Verhältnisse davor.
  • Die Vereinigung ist auf Kosten von Wissenschaftlern und Institutionen der DDR vollzogen worden. Wenn sich das schon nicht korrigieren lässt, muss man es wenigstens benennen.
Vermutlich sind beide Positionen richtig und begründet, aber nicht leicht vereinbar, so wenig wie die Erfahrungen und Interessen zwanglos vereinbar sind, aus denen sie entspringen. Ein paar thesenartige Bemerkungen können das verdeutlichen.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 18.11.09 · 13:00 Uhr· 0 Kommentare

12. November 2009

Dynamische Zeiten: Biowissenschaften im deutsch-deutschen Vergleich in den 1960er Jahren

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Medizin

Genau an der Schnittstelle von Medizin und Biologie sorgten Ende der 1950er neue Erkenntnisse für großes Aufsehen. Auch in den beiden deutschen Staaten nahm man zur Kenntnis, dass hier ein neues, vielversprechendes Forschungsfeld entsteht. Doch welche Schlußfolgerungen zog man beiderseits der Mauer daraus?

Der Historiker Dr. Andreas Malycha hat sich in den letzten Jahren mit der Forschungspolitik in der SBZ/DDR beschäftigt und bearbeitet seit 2008 am Institut für Geschichte der Medizin der Berliner Charité ein Forschungsprojekt, das die Biowissenschaften/Biomedizin im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik in der DDR und der Bundesrepublik in den sechziger und siebziger Jahren zum Thema hat. - Hier sein Gastbeitrag:

„Dynamische Zeiten" hat die historische Forschung die 1960er Jahre genannt. In der Tat ist dieser Zeitraum gerade auf dem Feld der Biowissenschaften von tiefgreifenden Wandlungen geprägt. Während sich die Molekularbiologie in der Folge der Entdeckung der DNA durch Francis Crick und James Watson während der 1950er Jahre noch darauf beschränkt hatte, die Prozesse der Vererbung und Ausprägung der Erbinformationen zu untersuchen, stand in den 1960er Jahren der gezielte Eingriff in das genetische Material im Zentrum des Forschungsinteresses.

Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin der Zukunft.

Die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin und nährten kühne Erwartungen an die Zukunft. Hier findet sich die Voraussage einer enormen Steigerung der Lebenserwartung, die Entwicklung von Ovulationshemmern mit zwanzigjähriger Wirkung, der allgemeinen Verwendung künstlicher Organe, das künstliche Wachstum von Gliedmaßen und Organen, der Einsatz elektronischer Prothesen, der Erstellung medizinischer Diagnosen durch Computer, der Winterschlaf für Menschen zu medizinischen Zwecken wie von Methoden zur Vererbungskontrolle, um nur einige Themen zu nennen.

Nicht nur Wissenschaftler, auch Politiker in Ost und West hofften darauf, mit innovativen Forschungsergebnissen der Biowissenschaften Instrumente schaffen zu können, um Krankheiten (Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Viruserkrankungen) zu diagnostizieren und zu therapieren.

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Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 12.11.09 · 15:45 Uhr· 0 Kommentare

10. November 2009

Forschung in der DDR: Jürgen Kocka im Interview

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

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Die Wissenschaft der DDR hatte in manchen Disziplinen durchaus Weltgeltung, von anderen Fächern - ideologisch an der kurzen Leine gehalten - gingen keine nennenswerten Impulse aus. Und für die friedliche Revolution von 1989/90 spielten die DDR-Wissenschaftler im Grunde keine Rolle, das sagt der Berliner Historiker Prof. Dr. Jürgen Kocka.

Im Interview erinnert Kocka an die Rahmenbedingungen unter denen die Forschung in der DDR ablief, an die politische Steuerung und die begrenzten Ressourcen, mit denen man auskommen musste. "Insgesamt waren das keine sehr guten Bedingungen, um Wissenschaft zu betreiben", so das Urteil des Vizepräsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


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Autor: Marc Scheloske· 10.11.09 · 12:45 Uhr· 1 Kommentar

09. November 2009

20 Jahre gesamtdeutsche Wissenschaft: Rückblick, Bilanz und Perspektiven

Kategorie: Kultur

Der 9. November 1989 markierte auch für die Wissenschaft eine Zäsur. Über Jahrzehnte hatten sich zwei verschiedene Wissenschaftssysteme etabliert, hatten sich Forschungstraditionen und akademische Strukturen gebildet und nun stand auch das alles zur Disposition.

Die ostdeutsche Wissenschaft war besser als Ruf.

Die ostdeutsche Wissenschaft war - nach Ansicht vieler Experten - weit besser, als ihr (in Westdeutschland geprägter) Ruf. In nicht wenigen Disziplinen konnten DDR-Wissenschaftler durchaus bemerkenswerte wissenschaftliche Leistungen vorweisen.

Gerade die Fächer, in denen ideologische Fragen keine (oder nur eine untergeordnete) Rolle spielten, waren keineswegs zweitklassig. Sicher, in Philosophie oder Ökonomie segelte man unter dem Banner des Marxismus-Leninismus, aber in anderen Disziplinen, der Biologie und Medizin etwa, hatte das kaum einen negativen Einfluß.

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Autor: Marc Scheloske· 09.11.09 · 12:30 Uhr· 0 Kommentare

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